Alzheimer-Diagnose: Methoden und aktuelle Forschung

Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Methoden und Untersuchungen umfasst. Ziel ist es, die Erkrankung möglichst frühzeitig und sicher zu erkennen, um Betroffenen und ihren Familien eine adäquate Betreuung und Therapie zu ermöglichen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Diagnosemethoden, von neuropsychologischen Tests bis hin zu innovativen Forschungsansätzen, und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Alzheimer-Diagnostik.

Anzeichen und erste Schritte

Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist der Hausarzt meist die erste Anlaufstelle. Dieser führt zunächst ein Anamnese-Gespräch, in dem er nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren fragt. Im Anschluss folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.

Neuropsychologische Tests

Kognitive oder neuropsychologische Tests geben wichtige Hinweise auf eine mögliche Demenzerkrankung. Dabei werden Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und andere höhere Hirnfunktionen untersucht. Es gibt verschiedene Testverfahren, die je nach Fragestellung und Verdacht eingesetzt werden.

  • Kurztests: Einfache Untersuchungen, bei denen beispielsweise drei Wörter vorgegeben werden, gefolgt von einer Rechenaufgabe. Anschließend wird die Erinnerung an die Wörter abgefragt.
  • Ausführliche Gedächtnistests: Hier müssen Patienten beispielsweise 15 Wörter lernen und sich diese nach einer gewissen Zeit wieder merken.
  • Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein Kurztest, der Orientierung in Zeit und Raum, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Erinnerungsfähigkeit prüft.
  • Demenz-Detektion (DemTect): Ein Spezialtest zur Früherkennung, der Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis sowie Sprachflüssigkeit prüft.
  • Montreal Cognitive Assessment (MoCA): Ein Test zur Früherkennung von Defiziten des Gedächtnisses und Denkvermögens, der verschiedene Bereiche der Leistungsfähigkeit abfragt, darunter visuell-räumliche Verarbeitung, Konzentration, Exekutivfunktionen und Abstraktionsfähigkeit.
  • Uhren-Test: Bereits das Zeichnen einer Uhr kann Hinweise auf den geistigen Zustand des Patienten geben, da Alzheimer-Patienten oft Probleme mit der visuell-räumlichen Orientierung haben.
  • ADL-Skalen: Diese Skalen messen die Auswirkungen der Demenz auf die Alltagsfähigkeiten und bewerten, zu welchen Tätigkeiten des täglichen Lebens der Patient noch fähig ist.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und ermöglichen einen Einblick in dessen Struktur. Sie können helfen, zwischen verschiedenen Demenzformen zu unterscheiden und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. Hirntumore oder krankhafte Erweiterungen der Hirnhohlräume.

  • MRT zur Früherkennung: Es gibt Hinweise darauf, dass die MRT-Untersuchung zur Früherkennung einer Demenz mit "tendenziell negativ" bewertet wird. Dies gilt für degenerative Demenzen bei Menschen ohne Anzeichen einer Demenz oder ohne Einschränkungen der Hirnleistung. Es wurden keine Studien gefunden, die untersucht haben, ob eine Früherkennung am Ende den Patienten nützt oder schadet. Ein Nutzen ist auch nicht zu erwarten, da bislang nicht gezeigt werden konnte, dass eine frühe Therapie im Vergleich zur späten Therapie das Fortschreiten einer Demenz aufhalten kann. Dafür ist ein Schaden möglich, da sich nur jede zweite frühe, leichte Demenz zu einer späte, schwere Demenz entwickelt.
  • Neuere Verfahren: In unklaren Fällen können auch Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) und Positronen-Emissionstomographie (PET) zur Sicherung der Diagnose beitragen. Eine PET-Untersuchung kann beispielsweise einen verminderten Zuckerstoffwechsel im Gehirn nachweisen, noch bevor im MRT eine Hirnschrumpfung sichtbar ist. Auch die für die Alzheimer-Erkrankung typischen Amyloid-Ablagerungen können dargestellt werden.

Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik)

Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) ist eine sehr empfindliche Methode zur Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung. Dabei wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, bei der eine dünne Nadel zwischen den Lendenwirbelkörpern eingeführt wird, um Liquor zu entnehmen.

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  • Ablauf: Nach der Entnahme wird die Liquorprobe zügig an ein Labor versendet, wo Experten die Zellzahl, Eiweiß- und Zuckerkonzentrationen messen. Außerdem wird geprüft, ob Krankheitserreger nachweisbar sind und ob die Blut-Liquor-Schranke gestört ist.
  • Neurodegenerationsmarker: Der wichtigste Test widmet sich der Bestimmung von Neurodegenerationsmarkern, wie Abbauprodukten von Nervenzellen (Tau-Proteine) und Amyloid-beta. Die Konzentration dieser Marker und ihr Verhältnis zueinander können Aufschluss über neurodegenerative Veränderungen im Gehirn geben.
  • Abgrenzung von anderen Krankheiten: Die Liquordiagnostik ist besonders sinnvoll bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und kann helfen, andere Erkrankungen wie die Creuzfeldt-Jakob-Krankheit oder Depressionen abzugrenzen.
  • Alzheimer-Pathologie: Eine Alzheimer-Pathologie ist durch ein niedriges Amyloid β42 oder Amyloid β42/40-Ratio bzw. durch einen hohen gesamt-Tau oder pTau charakterisiert.

Blutuntersuchungen

Neben der Liquordiagnostik gewinnen auch Bluttests zunehmend an Bedeutung. Sie sind weniger invasiv und können daher leichter durchgeführt werden.

  • Allgemeine Blutuntersuchungen: Der Arzt wird bei Verdacht auf Demenz auch Blut abnehmen, um behandelbare Ursachen wie Vitamin B12-Mangel oder Schilddrüsenunterfunktion auszuschließen.
  • Blutbasierte Biomarker: Die Datenlage für blutbasierte Biomarker zur Alzheimerdiagnostik ist sehr valide. Sie können in Zukunft eine nicht-invasive und breitflächig einsetzbare Diagnostik ermöglichen.
  • MicroRNAs: Ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam hat gezeigt, dass sich eine Alzheimer-Demenz und ihre Vorstufe durch die Messung sogenannter MicroRNAs im Blut erkennen lassen. Diese Moleküle beeinflussen die Herstellung von Proteinen und damit zentrale Stoffwechselprozesse. Anhand des Musters ihrer Konzentrationen kann mit Hilfe künstlicher Intelligenz eine Art molekularer Fingerabdruck erstellt werden, der Menschen mit Alzheimer-Demenz und hohem Demenzrisiko identifizieren kann.

Aktuelle Forschung und Innovationen

Die Alzheimer-Forschung arbeitet kontinuierlich an der Entwicklung neuer und verbesserter Diagnosemethoden.

  • RT-QuIC-Methode: Dr. Dr. Cramm und ihr Team arbeiten an der Anwendung der "Real-Time Quaking induced Conversion" (RT-QuIC)-Methode für die Alzheimer-Diagnose. Diese Methode wird bereits zur Diagnose von Prionkrankheiten eingesetzt und soll nun für die Alzheimer-Krankheit modifiziert werden, indem das Aggregationsverhalten der Proteine Beta-Amyloid und Tau dargestellt wird.
  • Früherkennung: Ein wichtiges Ziel der Forschung ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen, um frühzeitig therapeutische Maßnahmen ergreifen zu können.
  • Abgrenzung von Demenzformen: Ein weiteres Forschungsfeld ist die korrekte Abgrenzung verschiedener Demenzformen, wie z.B. der Frontotemporalen Demenz oder der Chronisch Traumatischen Enzephalopathie (CTE).

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome wie eine Demenz aufweisen können. Dazu gehören:

  • Vaskuläre Demenz (Verkalkung der Hirngefäße)
  • Demenz mit Lewy-Körperchen
  • Hirntumore
  • AIDS
  • Parkinson-Syndrom
  • Chorea Huntington
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Vitaminmangel
  • Erkrankungen der Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse
  • Depression (Pseudodemenz)

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