Unvermittelt auftretende, stechende Rückenschmerzen können ein erster Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall sein. Ein solcher Vorfall kann das Leben eines Menschen von einem Moment auf den nächsten erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte des Nervenausfalls im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall, einschließlich Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsoptionen, wobei auch neurologische Perspektiven berücksichtigt werden.
Einführung
Ein Bandscheibenvorfall tritt per Definition dann auf, wenn der Faserring der Bandscheibe reißt und der gallertartige Kern in den Wirbelkanal austritt. Drückt dieser Gallertkern auf eine Nervenwurzel, entstehen oft starke Bandscheibenschmerzen - besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule. Da jedoch nicht jeder Bandscheibenvorfall schmerzhaft verläuft, bleibt er manchmal unbemerkt. Warnsignale wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, Störungen beim Wasserlassen oder eine unkontrollierte Darmentleerung erfordern jedoch sofortigen ärztlichen Rat. Die meisten Personen, die Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls zeigen, sind zwischen 40 und 55 Jahre alt.
Anatomie und Funktion der Bandscheiben
Jede Bandscheibe besteht aus einem inneren Gallertkern, der wie ein Gelkissen wirkt, und einem festen Faserring, der die Bandscheibe stabil in der Wirbelsäule hält. Mit zunehmendem Alter verliert die Bandscheibe an Wassergehalt und damit an Elastizität. Wenn der Faserring Risse bekommt, kann sich der Gallertkern nach außen vorwölben. Ein Bandscheibenvorfall wird definiert als Durchbruch des Gallertkerns einer Bandscheibe durch ihren schützenden Faserring. Dabei kann das austretende Material auf Nerven im Wirbelkanal drücken und Schmerzen verursachen.
Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Bei einem Bandscheibenvorfall können unterschiedliche Symptome auftreten, je nachdem, wo genau der Vorfall in der Wirbelsäule lokalisiert ist und wie stark der Druck auf umliegende Nerven ausfällt. Typische Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls sind Rückenschmerzen, die in ein Bein oder einen Arm ausstrahlen können. Wird eine Nervenwurzel gereizt oder gedrückt, kommen neben Schmerzen in der Bandscheibe häufig weitere Beschwerden hinzu. Deshalb ist es nicht immer leicht, die Symptome eines Bandscheibenvorfalls eindeutig zu erkennen. Folgende Anzeichen können auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten:
- Halswirbelsäule: Druck in diesem Bereich kann Schmerzen verursachen, die in die Schultern oder Arme ausstrahlen. Auch Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen in den Händen sind möglich. Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule zwischen den Halswirbelkörpern (HWK) C6 und C7 oder zwischen C5 und C6 auf.
- Lendenwirbelsäule: Im Bereich der Lendenwirbelsäule treten häufig starke Rückenschmerzen auf, die bis in ein oder beide Beine ziehen. Auch Bewegungseinschränkungen sind möglich.
- Rückenmark: Wenn das Rückenmark betroffen ist, können intensive Schmerzen, Gefühlsstörungen, Taubheitsgefühle sowie eine Schwäche oder Lähmung von Armen und/oder Beinen entstehen.
- Pferdeschweif (Cauda equina): Liegt der Druck auf den Nerven am unteren Ende des Rückenmarks, kann es zu Störungen beim Wasserlassen oder der Darmentleerung kommen. Auch Taubheitsgefühle im Bereich des Afters, der Oberschenkelinnenseiten oder der Genitalien sind typische Warnzeichen.
Risikofaktoren und Ursachen
Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall bei Menschen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren auf. Erste Veränderungen an den Bandscheiben können jedoch bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnen. Männer sind in der Regel insgesamt häufiger betroffen als Frauen. Ursachen und Risikofaktoren für einen Bandscheibenvorfall können sein:
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- Altersbedingter Verschleiß der Bandscheiben
- Falsche Sitzhaltung
- Untrainierte Rückenmuskulatur
- Übergewicht und unausgewogene Ernährung
- Falsches Heben und Tragen
- Rauchen
- Veränderungen an der Wirbelsäule
- Genetische Veranlagung
Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität. Der Faserring wird spröder und kann durch Belastung leichter reißen. Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder ständiges Sitzen erhöhen den Druck auf die Bandscheiben zusätzlich. Dies betrifft besonders Personen in sitzenden Berufen, etwa Büroangestellte oder LKW-Fahrerinnen und -Fahrer. Auch das Heben schwerer Gegenstände bei krummer Körperhaltung kann zu einer falschen Belastung der Lendenwirbelsäule führen, mit Schmerzen an der Bandscheibe oder sogar einem Vorfall als Folge. Darüber hinaus können genetische Einflüsse das Risiko steigern. Wenn nahe Angehörige bereits Bandscheibenvorfälle erlitten haben, ist auch bei jüngeren Menschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit gegeben.
Diagnose eines Bandscheibenvorfalls
Zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls stellt die Ärztin oder der Arzt zunächst ausführliche Fragen zu den bestehenden Symptomen und Beschwerden. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, um mögliche Taubheitsgefühle, Bewegungseinschränkungen oder Reflexausfälle zu erkennen. Ein Bandscheibenvorfall kann sicher durch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) nachgewiesen werden. Diese Verfahren zeigen, ob ein Teil des Gallertkerns in den Wirbelkanal vorgedrungen ist und eventuell auf Nerven drückt. In bestimmten Fällen kann zusätzlich eine Myelografie eingesetzt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel in den Rückenmarkskanal gespritzt und anschließend eine Röntgenaufnahme oder ein CT durchgeführt.
Um eine Nervenschädigung und deren Ursache zu erkennen und daraus eine gezielte Behandlung abzuleiten, ist in der Regel eine Kombination der genannten Methoden nötig.
Neurologische Untersuchungsmethoden
Experte für die Feststellung von Nervenschädigungen ist der Neurologe. Er ist auf Störungen und Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert. Zum einen versucht der Facharzt herauszufinden, ob, wo und in welchem Ausmaß eine Nervenschädigung vorliegt. Während des Gesprächs werden zudem die Art und die Intensität der Schmerzen klassifiziert, zum Beispiel brennend und eher schwach ausgeprägt oder stechend und sehr stark. Hierbei muss der Patient seinen Schmerz auf einer visuellen Skala (meist in Form eines Balkens) einschätzen.
Weitere Tests beziehen sich auf die Berührungsempfindlichkeit von Armen oder Beinen. Als Hilfsmittel dient dabei zum Beispiel eine Stimmgabel. Diese wird angeschlagen und anschließend an die untersuchte Hautstelle gehalten, sodass die Schwingungen nachempfunden werden können - oder eben nicht, wenn eine Nervenschädigung vorliegt.
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- Elektroneurografie (ENG): Bei einer Elektroneurografie misst der Mediziner die Nervenleitgeschwindigkeit - also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dafür klebt der Arzt mehrere kleine Elektroden auf die Haut. Der Nerv wird dann über die Elektroden durch einen sanften elektrischen Impuls stimuliert. Gleichzeitig erfassen die Elektroden, wie lange es dauert, bis der Nerv den Impuls an einen Muskel weitergegeben hat. Die daraus gezogenen Messwerte geben Aufschluss über Art und Ausmaß von Nervenschädigungen. Bei der Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit wird der zu untersuchende Nerv an mindestens zwei Stellen in seinem Verlauf elektrisch gereizt. Gemessen wird die Zeit, die von der Nervenreizung bis zur Reaktion (Kontraktion) des dazugehörigen Muskels vergeht. Die Muskelkontraktion wird mit Hilfe der Oberflächenelektroden von einem Computer registriert. Aus der Differenz der Leitungszeiten und der Strecke zwischen den beiden Reizungsorten wird die Geschwindigkeit der Nervenleitung (NLG) errechnet. Die Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit ist für die Diagnotik von Nervenkompressions-Syndromen.
- Elektromyographie (EMG): Bei einer Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität (also das Zusammenspiel von versorgenden Nerven und Muskelpartie) bestimmt. Der Neurologe führt bei dieser Untersuchung dünne Nadelelektroden durch die Haut in den jeweiligen Muskel ein. Die Elektroden leiten auf den Muskel übertragene Aktivität ab und stellen diese auf einem Bildschirm in Form von Spannungskurven dar. Ist die Muskulatur oder ein dazugehöriger Nerv geschädigt, ist die gemessene elektrische Aktivität verändert (zeigt sich zum Beispiel durch verkürzte oder verlängerte Spannungskurven). Patienten müssen keine Angst vor einem EMG haben, die Einstiche der Nadelelektroden sind mit denen bei einer Akupunktur vergleichbar. Prinzip des EMG ist es, die geringen elektrischen Ströme aufzuzeichnen, die bei allen Muskelanspannungen erzeugt werden. Diese zeigen normalerweise ein charakteristisches Muster. Bei verschiedenen Muskel- und Nervenerkrankungen ergeben sich bestimmte Veränderungen dieser Erregungen. Zur Untersuchung wird eine dünne Nadelelektrode nach Desinfizierung der Haut in einen Muskel eingeschoben. Die Dicke der Elektrode beträgt lediglich 0,3 bis 0,6 Millimeter. Welcher Muskel für die EMG ausgewählt wird, richtet sich nach der Symptomatik und der vermuteten Erkrankung. Erst wird die Aktivität am Muskel in Ruheposition bestimmt, daraufhin bei Anspannung des Muskels durch den Patienten. Manchmal müssen mehrere Muskeln oder unterschiedliche Bereiche desselben Muskels untersucht werden.
- Blutuntersuchungen: Spezielle Messwerte und Parameter des Bluts können Hinweise auf die Ursache einer Nervenschädigung geben.
- Liquoruntersuchung: Mithilfe der Liquoruntersuchung kann entschieden werden, ob Gehirn und Rückenmark von den Nervenschädigungen betroffen sind. Die aus dem Rückenmark entnommene Flüssigkeit ist normalerweise klar. Liegt eine Nervenschädigung vor, ist die Zusammensetzung des Liquors verändert. Für die Gewinnung des Liquors sticht der Facharzt mit einer dünnen Nadel in der Regel zwischen den 3. und 4.
- Nervenbiopsie: Bei einer Nervenbiopsie wird während eines kurzen chirurgischen Eingriffs unter örtlicher Betäubung durch einen kleinen Schnitt in der Haut eine Gewebeprobe direkt aus einem Nerv entnommen. Der Laborarzt bewertet dann, basierend auf einer mikroskopischen Betrachtung, den Zustand der Nervenzellen. Zeigen die Nervenzellen keine Auffälligkeiten, liegt keine Nervenschädigung vor. Sind hingegen degenerierte oder unterversorgte Nervenzellen zu sehen, leidet der Patient vermutlich an einer Nervenschädigung.
Weitere neurologische Untersuchungsmethoden:
- Ultraschalldiagnostik von Nerven: Die Nervensonographie kann Nervenverletzungen, Nerventumoren oder Einklemmungen von Nerven sichtbar machen. Die Darstellung vieler Nerven gelingt mit dem Ultraschall besser als mit der Kernspintomographie.
- Evozierte Potentiale: Als evoziertes (=hervorgerufenes) Potential wird eine Hirnstromaktivität bezeichnet, die durch einen Sinnesreiz ausgelöst wird. Diese elektrische Aktivität (Potential) ist dabei zeitlich an den Sinnesreiz gekoppelt. Die Messung evozierter Potentiale erlaubt eine objektivierbare und quantifizierbare Darstellung von Störungen und eignet sich auch für Verlaufsuntersuchungen.
- Sensibel evozierte Potentiale: Die Messung der sensibel evozierten Potentiale untersucht die Leitung im sensiblen System. Dieses umfasst die für die Sensibilität (Gefühl, z.B. Berührungsempfinden, Druckempfinden u.ä.) zuständigen Nerven in den Beinen, Armen oder im Gesicht, die sensible Nervenwurzel im Wirbelsäulenbereich, die Nervenfasern im Rückenmark, die Weiterleitung im Gehirn bis zur Hirnrinde, die speziell die Sensibilität verarbeitet.
- Visuell evozierte Potentiale: Beim Anblick eines Bildes werden zunächst die Sehzellen auf der Netzhaut aktiviert. Die Zeitdauer vom Auftreten des Sehreizes bis zum Auftreten der Hirnstromaktivität über der Sehrinde lässt sich bis auf die Tausendstel Sekunde genau vermessen.
- Magnetisch evozierte Potentiale: Bei der Magnetstimulation wird über den Kopf des Patienten eine Magnetspule gehalten. Diese Spule gibt einen magnetischen Impuls ab, der die darunter liegenden motorischen Nervenzellen kurzzeitig stimuliert.
- Akustisch evozierte Potentiale: Bei der Messung der akustisch evozierten Potentialen wird die Nervenbahn vom Innenohr über den Hörnerven bis zu den für das Hören zuständigen Gehirnzentren untersucht. Zusammen mit Hörnerven (N. cochlearis) verläuft auch der Gleichgewichtsnerv.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Ein EEG wird zur Untersuchung von Funktionsstörungen des Gehirns eingesetzt. Bei Verdacht auf Epilepsie kann ein Schlaf-EEG nach Schlafentzug sinnvoll sein.
- Doppler-Sonographie und Duplex-Sonographie: Schlaganfälle werden häufig durch Verengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgen. Diese Verengungen lassen sich mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen besonders gut und risikolos darstellen.
- Lumbalpunktion: Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Dabei wird mit einer dünnen Nadel zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelsäulenkanal gestochen, der auf Höhe der Lendenwirbelsäule kein Rückenmark, sondern nur noch Nervenwurzeln enthält. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls beginnt meist mit konservativen Therapien, zu denen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente gegen Rückenschmerzen und Nervenreizungen gehören. Auch Wärmeanwendungen, Physiotherapie und gezielte Injektionen können helfen, die Symptome eines Bandscheibenvorfalls zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Führen diese Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg oder treten neurologische Ausfälle wie Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle auf, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen des Bandscheibenvorfalls zu reduzieren und die normale Funktion der betroffenen Bandscheibe wiederherzustellen.
Konservative Behandlung
In bis zu 90 Prozent der Fälle ist bei einem Bandscheibenvorfall eine Behandlung ohne Operation möglich. Konservative Therapien können die Symptome deutlich lindern oder vollständig verschwinden lassen. Zu den bewährten Maßnahmen zählen:
- Schmerzlindernde Medikamente: Sie helfen, Bandscheibenschmerzen zu reduzieren und Entzündungen im Bereich der betroffenen Nerven zu verringern.
- Wärme: Wärmeanwendungen entspannen die Muskulatur und tragen zur Linderung der Schmerzen bei.
- Lagerungsmaßnahmen: Durch das Hochlagern der Beine - etwa in einem Stufenbett - kann der Druck auf die Wirbelsäule reduziert werden.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Rückenmuskulatur, verbessern die Flexibilität und fördern die aktive Bewegung. Gezielte Bewegung unterstützt nach einem Bandscheibenvorfall die Heilung. Durch physiotherapeutische Übungen lässt sich die Rückenmuskulatur stärken und die Beweglichkeit der Wirbelsäule fördern. Wichtig ist, die Übungen anfangs unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten durchzuführen, um Überlastungen zu vermeiden.
- Neurodynamische Behandlungstechniken: Das Ziel neurodynamischer Therapieansätze ist es, die Gleitfähigkeit der Nerven wiederherzustellen.
Operative Behandlung
Nur in seltenen Fällen ist eine Bandscheibenvorfall-OP nach Bandscheibenschäden notwendig. Sie wird in Erwägung gezogen, wenn:
- Eine konservative Therapie nicht erfolgreich war.
- Der Bandscheibenvorfall starke, schmerzmittelresistente Schmerzen verursacht.
- Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen im Körper auftreten.
Ist ein Eingriff notwendig, um das ausgetretene Bandscheibengewebe zu entfernen und den Druck auf die betroffene Nervenwurzel zu verringern, stehen in der Wirbelsäulenchirurgie verschiedene Verfahren zur Verfügung:
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- Mikrochirurgische Diskektomie: Ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem mithilfe eines Operationsmikroskops und spezieller Instrumente die betroffene Bandscheibe sowie ausgetretenes Gewebe entfernt werden. Ziel ist die Entlastung der betroffenen Rückenmarksnerven.
- Offene Diskektomie: Diese Technik wird meist bei komplexen Fällen oder Fehlbildungen der Wirbelsäule eingesetzt. Sie kommt heute seltener zum Einsatz, da viele Operationen mikrochirurgisch durchgeführt werden.
- Endoskopische Diskektomie: Bei diesem schonenden Verfahren werden Endoskope und feine Mikroinstrumente über kleine Hautschnitte eingeführt. Meist genügt eine örtliche Betäubung. Patientinnen und Patienten profitieren dabei von geringerer Gewebeschädigung und schnellerer Mobilisation.
Bei einem Bandscheibenvorfall in der Höhe C6/C7 wird entweder von vorne (von „ventral“; meistens der Fall) oder von hinten (von „dorsal“) operiert und somit entfernt. Daher gibt es zwei Verfahren, um den Bandscheibenvorfall zu entfernen:
- Ventrale Fusion: Stabilisierung der Höhe C6/C7 mit einem Implantat anstelle der Bandscheibe, keine Schrauben, keine Platten. Bei der ventralen Fusion ist der große Vorteil, daß der Operateur von ventral (=von vorne) an die Halswirbelsäuke gelangt. Das heisst das sehr empfindliche Rückenmark liegt weiter entfernt nach hinten und der Operateur gelangt zuerst an die Bandscheibe.
- Dorsale Foraminotomie nach Frykholm: Diese Operationstechnik wurde fast komplett verdrängt von der oben beschriebenen ventralen Fusion. Die dorsale Foraminotomie wird aber weiterhin angeboten und durchgeführt in großen Zahlen, da sie sehr große Vorteile bieten kann gegenüber der ventralen Fusion bei richtiger Indikationsstellung.
Rehabilitation
Um die volle Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule wiederherzustellen, ist nach einem chirurgischen Eingriff häufig eine strukturierte Rehabilitation erforderlich. Eine gezielte Reha nach dem Bandscheibenvorfall kann nicht nur die Genesung unterstützen, sondern auch zukünftigen Beschwerden vorbeugen. Eine Reha kann folgende Bestandteile umfassen:
- Physiotherapie: Sie hilft dabei, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die Rückenmuskulatur gezielt zu stärken.
- Ergotherapie: In der Ergotherapie lernen Patientinnen und Patienten, alltägliche Bewegungen rückenfreundlich zu gestalten, z. B., um die Brustwirbelsäule zu entlasten und Rückfälle zu vermeiden.
- Schmerzmanagement: Wenn Bandscheibenschmerzen nach dem Eingriff nicht vollständig abklingen, unterstützt dieser Ansatz den bewussten Umgang mit den Beschwerden und kann helfen, Schmerzen langfristig zu reduzieren.
Medikamentöse Unterstützung der Nervenregeneration
Wird die Ursache der Nervenschädigung etwa bei chronischen Rückenschmerzen, Polyneuropathie oder Karpaltunnel Syndromen behoben, können sich Nerven regenerieren. Dabei ist die Gabe einer Nährstoffkombination aus Uridinmonophosphat (UMP), Vitamin B12 und Folsäure eine geeignete unterstützende Behandlungsoption.
Bei einer peripheren Nervenschädigung sind meist die Myelin produzierenden Schwann-Zellen der peripheren Nerven betroffen, sodass ein wesentlicher Aspekt der Behandlung in der Regeneration und dem Schutz der Myelinscheide besteht. In klinischen Modellen zu Myelinscheiden- Schädigungen hat sich die Gabe von Nukleotiden wie Uridinmonophosphat (UMP) als sinnvoller Ansatz erwiesen.
Vorbeugung
Ja, einem Bandscheibenvorfall lässt sich in vielen Fällen gezielt vorbeugen. Einen gesunden Lebensstil, der die Wirbelsäule entlastet und die Rückenmuskulatur stärkt, ist besonders wichtig. Vorbeugende Maßnahmen können helfen, die Belastung der Bandscheiben im Alltag zu reduzieren und Beschwerden langfristig zu vermeiden. Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung:
- Regelmäßige Bewegung und rückenfreundlicher Sport
Radikulopathie als Folge eines Bandscheibenvorfalls
Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen. Radikuläre Schmerzen entstehen durch Reizung, Druck oder Schädigung von Nervenwurzeln. Sie strahlen typischerweise entlang des Versorgungsgebietes (Dermatom) des Spinalnervs aus und werden oft als elektrisierend, brennend oder scharf beschrieben.
Ursachen einer Radikulopathie
Ursachen für die Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln gibt es viele:
- Bandscheibenvorfall: Bandscheibenvorfälle sind die häufigsten Ursachen für eine Radikulopathie. Der hervor gebrochene Gallerkern drückt dann auf die Nervenwurzel oder den Spinalnerven.
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylarthrose oder Spondylose): Durch Verschleiß entstehen z. B. Nervenwurzeln.
- Traumatische Ereignisse: Auch starke, von außen einwirkende Gewalt wie z. B.
- Tumore: Beispiele sind Chondrosarkome und Osteosarkome.
- Hämatome: Blutergüsse im Wirbelkanal können so groß werden, dass sie auf Nervenwurzeln drücken.
- Infektionskrankheiten: Nervenwurzeln werden auch direkt durch Infektionskrankheiten bedroht.
Diagnose einer Radikulopathie
Die Diagnose einer Radikulopathie umfasst verschiedene Schritte:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden und prüft u.a. die Reflexe, Sensibilität und Beweglichkeit, um die Höhe der Nervenwurzelreizung festzustellen.
- Bildgebung: Mithilfe der Bildgebung wird versucht, die Ursache und die genaue Lokalisation für die Nervenreizung zu finden.
- Liquorpunktion: Manchmal bleibt trotz bildgebender Diagnostik die Ursache einer Radikulopathie im Dunkeln. Dann kann eine Liquorpunktion durchgeführt und die entnommene Hirnflüssigkeit untersucht werden.
Behandlung einer Radikulopathie
Die Behandlung der Radikulopathie richtet sich nach ihrer Ursache und nach ihrer Lokalisation. Zu den konservativen Verfahren gehört die Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, z. B. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Je nach Schmerzintensität verordnen die Ärzte vorübergehend auch Opioide. Bei chronischen Verläufen raten die Leitlinien zu psychotherapeutischer Unterstützung (z. B. Verhaltenstherapien) oder zur Verordnung von Antidepressiva. Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass eine konservative Therapie nichts ausrichten kann. Dann empfehlen die Rückenspezialisten die interventionelle Schmerztherapie. Dabei wird z. B. ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmittel an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt.
In etwa 20 % der Radikulopathien muss die - meist mechanische - Ursache operativ beseitigt werden. In den meisten Fälle liegt ein Bandscheibenvorfall zugrunde, manchmal auch eine Spinalkanalstenose. Ziel der Operation ist die Dekompression der beengten Nervenwurzel.
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