Die Nerven spielen eine entscheidende Rolle in unserem Körper. Sie verarbeiten Reize aus der Umwelt und leiten diese als elektrische Impulse weiter, um entsprechende Reaktionen auszulösen. Zudem steuert das Nervensystem die Funktion unserer Organe. Störungen oder Schädigungen der Nerven können vielfältige Symptome auslösen, darunter Kribbeln, Zucken oder Taubheit. Dieser Artikel befasst sich mit Nervenfaserrissen im Ohr, ihren Ursachen, Symptomen und den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
Die Rolle der Nerven im Körper
Die Nerven durchziehen den gesamten Körper und nehmen wichtige Aufgaben wahr. So verarbeiten sie Reize aus der Umwelt, wie Gerüche oder Geräusche, und leiten sie über elektrische Impulse weiter, um entsprechende Reaktionen auszulösen. Darüber hinaus steuert das Nervensystem die Funktion von Organen.
Symptome bei Nervenstörungen
Die Symptome bei einer Nervenstörung können unterschiedlich ausfallen. Typisch sind insbesondere ein kribbelndes oder prickelndes Gefühl (teilweise wahrgenommen als eine Art "Ameisenlaufen") oder Taubheit. Aber auch Juckreiz oder ein Wärme- oder Kältegefühl (beispielsweise kalte Finger oder Fingerspitzen) können vorkommen. Brennende oder stechende Schmerzen sind eher kennzeichnend für eine Nervenschädigung.
Kribbeln, Taubheit und andere Gefühlsstörungen
Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Jucken oder Brennen können vielfältige Auslöser haben. Möglich sind bei einem Jucken oder Kribbeln am Rücken oder im Mund zum Beispiel allergische Reaktionen. Auch Insektenstiche, Hautschädigungen durch Sonnenlicht oder durch Kälte sind mögliche Ursachen für die genannten Beschwerden. Kommt es jedoch ohne einen Reiz von außen zu Empfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder einem Prickeln, kann eine Sensibilitätsstörung (Parästhesie) dahinterstecken. Eine Parästhesie kann vorübergehend oder dauerhaft, also chronisch, sein. Je nachdem, welche Form der Sensibilitätsstörung vorliegt, sind die möglichen Gründe unterschiedlich.
Vorübergehende Parästhesie
Gefühle wie Kribbeln oder Taubheit können durch eine kurzzeitige Störung der Nerven ausgelöst werden. Dies kann zum einen passieren, wenn die Nervenbahnen durch Druck oder eine starke Überdehnung in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Zum anderen kann auch eine Störung des Blutflusses dazu führen, dass die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, was wiederum eine Parästhesie zur Folge haben kann. Viele Menschen kennen diese vorübergehenden Sensibilitätsstörungen - die Rede ist dann von "eingeschlafenen" Körperteilen, meist Händen, Füßen oder Beinen, da bei diesen die Nerven und Blutbahnen besonders leicht gequetscht werden können. Eine weitere Ursache für die Nervenstörung kann eine starke Unterversorgung mit Calcium (Hypokalzämie) sein, wie sie zum Beispiel beim Hyperventilieren auftritt. Typisch sind dann ein Kribbeln an der Lippe und im Mund und/oder an Händen und Füßen. Vorübergehende Parästhesien können außerdem bei Migräne entstehen. Die Gefühlsstörungen treten dann meist halbseitig auf und können sich auf bestimmte Körperstellen (wie Gesicht oder Hände) konzentrieren. Das unangenehme Kribbeln kann sich aber auch auf den ganzen Körper ausbreiten.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Chronische Parästhesie
Kribbeln, Prickeln oder Taubheitsgefühle können auch dauerhaft vorhanden sein.
Schmerzende Nerven durch Nervenschädigung
Kommt es zu einer Schädigung des Nervs durch äußere Einwirkungen, können nicht nur Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit auftreten. Auch brennende Schmerzen der Nerven sind möglich. Man spricht dann von einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom Typ II (auch Kausalgie). Da die Entstehung mit Auslösern wie Quetschungen oder Knochenbrüchen einhergeht, sind von den Schmerzen der Nerven besonders oft die Arme und Beine betroffen. Neben den genannten Anzeichen können weitere Symptome hinzukommen.
Zucken der Muskeln
Ein gelegentliches Muskelzucken ist in der Regel kein Grund zur Sorge und hat meistens nichts mit den Nerven zu tun. Denn solche sogenannten Faszikulationen sind unwillkürliche Bewegungen kleiner Muskelgruppen, die optisch erkennbar sind, wenn sie direkt unter der Haut stattfinden. Mögliche Auslöser sind beispielsweise psychische Belastungen wie Stress, ein Mangel an Magnesium oder eine körperliche Überlastung. Zuckungen der Muskeln beim Einschlafen kennen vermutlich die meisten. Warum es dazu kommt, ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Gegebenenfalls erzeugt die plötzlich eintretende Entspannung der Muskeln während des Einschlafens im Gehirn das Gefühl eines Fallens oder Stolperns. Als Reaktion auf diese "Gefahr" zuckt die Muskulatur. Eine andere Theorie geht davon aus, dass unterschiedliche Gehirnbereiche während des Einschlafprozesses unterschiedlich lange aktiv sind. Ist der Bereich, der die Muskelbewegung steuert, noch aktiv, kann er unnötigerweise Signale an die schon entspannte Muskulatur senden - diese zuckt daraufhin. Bei chronischen oder immer wieder auftretenden Muskelzuckungen sollten aber auch Krankheiten als Auslöser in Erwägung gezogen werden.
Kribbeln und Zucken in Kombination
Eine Krankheit, die sowohl zu Gefühlsstörungen als auch zu einem unwillkürlichen Zucken der Muskeln führen kann, ist die diabetische Polyneuropathie.
Ursachen für einen Nervenfaserriss im Ohr
Ein Nervenfaserriss im Ohr kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
- Unfälle und Verletzungen: Traumata im Bereich des Kopfes können zu einer Schädigung der Nerven führen.
- Operationen: Eingriffe im Bereich des Ohres oder des Gesichtsschädels können unbeabsichtigt Nerven verletzen. So kann es bei einer Akustikusneurinom-Operation (Vestibularis-Schwannom-Operation) zu einer Verletzung des Gesichtsnervs kommen, weil der Gesichtsnerv sich in unmittelbarer Nähe des Hörgleichgewichtsnervs befindet und dem Akustikusneurinoms anliegen kann.
- Entzündungen: Eine Nervenentzündung oder eine Ohrentzündung kann die Nerven schädigen.
- Tumoren: Bösartige Tumoren des Ohres oder der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) können auf die Nerven drücken und diese schädigen.
- Druck: Druck auf die Nervenbahnen durch eine starke Überdehnung kann die Funktion der Nerven beeinträchtigen.
- Durchblutungsstörungen: Eine Störung des Blutflusses kann dazu führen, dass die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden.
Die Gesichtsnervenlähmung als Folge einer Nervenschädigung
Die Folge einer Verletzung des Gesichtsnervs ist eine Störung der natürlichen Funktionen des Nervs: Nachdem der Gesichtsnerv den Kopf verlassen hat, verzweigt er sich in viele Äste und versorgt alle mimischen Muskeln des Gesichts. Die wichtigste Aufgabe ist die Bewegung der Gesichtsmuskeln. Eine Lähmung des Gesichtsnervs führt also zu einer Lähmung der Gesichtsmuskeln. Daher wird im Schrifttum eine Gesichtsnervenlähmung oft mit einer Gesichtslähmung gleichgesetzt. Der Gesichtsnerv führt auch Nervenfasern für den Geschmack der zugehörigen Zungenseite, Fasern zur Tränendrüse und Fasern zu einem Mittelohrmuskel. Daher kann eine Gesichtsnervenlähmung auch zu Geschmackstörungen, Störung der Tränenbildung und zu Hörstörungen führen. Die schwerwiegendste Folge ist die Gesichtsmuskellähmung. Hierdurch ist nicht nur die Mimik gestört; durch den fehlenden Augenschluss kommt es zum Austrocknen und zu Entzündungen des Auges; durch die Lähmung der Mundmuskulatur wird das Essen und Sprechen erschwert. Die Lähmung tritt jedoch nicht nur beim Versuch in Erscheinung, die betroffene Gesichtshälfte zu bewegen, sondern ist auch in Ruhe sichtbar. Liegt nur eine geringgradige Schädigung des Nervs vor, so verliert das Gesicht oftmals nicht so ausgeprägt seine Ruhespannung, und die Beweglichkeit des Gesichts erholt sich im oben beschriebenen Zeitraum. Bei einer schwerwiegenden und dauerhaften Schädigung des Gesichtsnervs sind theoretisch zwei Verlaufsformen möglich, wobei es praktisch oft zu einer Mischung beider Verlaufsformen kommt. Selbst in einem komplett durchtrennten Nerv ist ein Wiederaussprossen von Nervenfasern zu beobachten. Im schlimmsten Fall ist der durch die Schädigung entstandene Defekt jedoch so groß, das der Nerv nicht wieder bis zur Gesichtsmuskulatur auswachsen kann. In diesem Fall kommt es zu keiner Erholung der Ruhespannung der Muskulatur, das Gesicht bleibt schlaff, und es kommt natürlich auch zu keiner Erholung der Beweglichkeit der betroffenen Gesichtshälfte. Häufiger ist zu beobachten, dass wieder Nervenfasern auswachsen und auch Kontakt zu mimischen Muskeln des Gesichts aufnehmen. Daher beobachtet man auch bei schweren Verletzungen des Gesichtsnervs 4 - 12 Monaten nach Auftreten der Lähmung Erholungszeichen wie einer verbesserte Spannung der Gesichtsmuskulatur oder sogar Bewegung im Gesicht. Es wird jedoch nie wieder - auch nicht annähernd - die ursprüngliche normale Funktion erreicht. Zum einen wachsen nie wieder so viele Nervenfasern aus wie ursprünglich vorhanden waren. Daher erreicht die Beweglichkeit des einzelnen Muskels nicht wieder die alte Stärke. Zum anderen, und das ist weitaus entscheidender, teilen sich die auswachsenden Nervenfasern mehrfach und sprossen rein zufällig, ohne dass man es medizinisch beeinflussen könnte, zu irgendeinem Gesichtsmuskel. Es unterliegt dem reinen Zufall, ob eine Nervenfaser wieder den Gesichtsmuskel erreicht, den sie zuvor im Normalzustand versorgt hat. Dieses Verhaltensmuster wiederholt sich natürlich vielfach für viele verschiedene Nervenfasern. Möchte der Patient nun zum Beispiel das Auge schließen, so wird er alle Nervenfasern über sein Gehirn aktivieren, die ursprünglich für den Augenschluss zuständig waren. Einiger dieser Fasern sind aber rein zufällig in Mundmuskeln ausgewachsen. Dies führt dazu, dass der Patient geschwächt das Auge schließt und gleichzeitig ungewollt den Mund bewegt. Eine solche ungewollte Mitbewegung nennt man Synkinesien. Besonders unangenehm ist der ungewollte Augenschluss bei Mundbewegungen, zum Beispiel beim Essen. Diese Synkinesien können noch eine weitere Folge haben: Werden gleichzeitig zwei Muskel aktiviert, die eine gegenläufige Wirkung entfalten wie zum Beispiel der Augenschließmuskel und der Stirnmuskel (ähnlich Beugern und Streckern am Bein), so heben sich die Bewegungen auf, und es ist keine oder nur sehr schwache Bewegung zu sehen. Sprossen Nervenfasern des Auges, die ursprünglich den Lidschlussreflex auslösten, zum Beispiel zum Mund aus, so kann dies zu einer rhythmischen Zuckung am Mund führen. Fehlaussprossungen in die Tränendrüse führen zum Augentränen (sogenannte Krokodilstränen). Allgemein spricht man bei allen möglichen Folgen einer Fehlaussprossung von einer Defektheilung.
Diagnose der Nervenschädigung
Für das Ausmaß der Gesichtsnervenlähmung ist jedoch nicht die Ursache entscheidend, sondern die Schwere der Schädigung: Ein Nerv ist - vereinfacht dargestellt - aufgebaut wie ein Kabel; der Nerv besteht aus den leitenden Fasern (Axone) und einer Isolierung (Myelinscheide). Wird ausschließlich die Isolierung geschädigt, so erholt sich der Nerv in der Regel binnen 2 bis 4 Monaten von der Lähmung. Werden jedoch die leitenden Fasern geschädigt, oder im schlimmsten Fall sogar die Fasern und die Isolierung, wie dies bei einer kompletten Durchtrennung des Nervs der Falls ist, so kommt es immer zu einer bleibenden Schädigung des Gesichtsnervs. Die Ursache der Lähmung, die Untersuchung des Patienten und insbesondere eine elektrische Untersuchung des Nervs, eine Elektromyographie, helfen bei der Beurteilung der Schwere der Schädigung.
Behandlungsmöglichkeiten bei einem Nervenfaserriss im Ohr
Die Behandlung eines Nervenfaserrisses im Ohr hängt von der Schwere der Schädigung und den Begleitumständen ab.
Konservative Behandlung
- Beobachtung: Bei leichten Schädigungen, bei denen die Nervenfasern nicht vollständig durchtrennt sind, kann eine abwartende Haltung eingenommen werden, da sich die Nerven möglicherweise von selbst regenerieren.
- Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden. Bei Entzündungen können Kortikosteroide helfen, die Schwellung zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
- Physiotherapie: Krankengymnastik und andere physikalische Übungsbehandlungen haben eine große Bedeutung, sobald die ersten Bewegungen nach einer Nervenrekonstruktion eintreten. Eine intensive Übungsbehandlung verbessert das endgültige Ergebnis dauerhaft.
- Hausmittel bei Kribbeln: Kommt es vorübergehend zu Gefühlen wie Kribbeln und Taubheit, können ein paar einfache Tipps häufig helfen, die Symptome zu lindern:
- Bewegung: Oftmals führt Druck auf Nerven oder Blutbahnen zum Kribbeln in Beinen, Füßen & Co. Verändern Sie deshalb Ihre Position oder stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte. So regen Sie auch den Kreislauf an und fördern die Durchblutung.
- Wechselduschen: Auch ein Wechsel aus warmem und kaltem Wasser, das man beispielsweise über eingeschlafene Arme oder Hände laufen lässt, kann dazu beitragen, die Durchblutung anzuregen und Gefühlsstörungen zu beheben.
- Massagen: Massieren Sie sanft die betroffenen Körperstellen, gegebenenfalls mit ein paar Tropfen von ätherischem Rosmarin- oder Ingweröl.
Operative Behandlung
Wird der Gesichtsnerv bei einer Operation oder bei einem Unfall offensichtlich komplett durchtrennt, so ist natürlich eine sofortige Behandlung anzustreben. Dieser sehr eindeutige Fall ist jedoch nicht der häufigste Fall. Oft ist es zunächst nicht sicher zu beurteilen wie schwer der Gesichtsnerv verletzt wurde. Erst im weiteren Verlauf, wenn keine Besserung der Lähmung auftritt, kommt der Verdacht auf, dass eine schwerwiegendere Lähmung, möglicherweise dauerhaft vorliegen könnte. Erst nachdem die oben genannten Untersuchungen zur Klärung vorgenommen wurden bzw. der weitere Spontanverlauf abgewartet wurde und festgestellt wurde, dass es sich um eine dauerhafte Lähmung handelt, wird nun die Frage aufgeworfen, welche chirurgischen Maßnahmen sinnvoll sind, um dem Patienten mit bleibender Lähmung zu helfen.
- Direkte Nervennaht: Ist sofort oder binnen weniger Tage eine Wiederherstellung des Gesichtsnervs möglich, so ist eine direkte Naht des Nervs die Behandlung der Wahl. Generell erfolgen alle Nervenrekonstruktion unter dem Operationsmikroskop, da der Nerv nur einen Durchmesser von 0,5 - 1 mm hat.
- Nerventransplantation: Besteht durch die Schädigung eine Lücke im Verlauf des Nervs, so verwendet man ein Nerventransplantat, das man in die Lücke einnäht. Als Spendernerv verwendet man entweder einen Gefühlsnerv vom Hals oder vom Bein. Die Entnahme dieser Spendernerven ist mit keinem wichtigen Funktionsverlust für den Patienten verbunden. Der Patient erleidet einen geringen Gefühlsverlust in der Entnahmeregion. Mit einer frühen Rekonstruktion durch eine direkte Naht oder ein Nerventransplantat erreicht man die besten Ergebnisse. Die Regeneration verläuft langsam. Die Nervenregeneration dauert 6 bis 12 Monate, selten auch bis 18 Monate. Das bedeutet, dass der Patient solange mit Änderungen der Gesichtsfunktion rechnen darf. Mit einer direkten Nervenrekonstruktion oder einer Nerventransplantation erreicht man in der Regel wieder eine gute Ruhespannung der Gesichtsmuskulatur. Somit ist nach Abschluss der Regeneration in Ruhe bei den Patienten kein wesentlicher Unterschied mehr zur gesunden Gegenseite zu erkennen. In Bewegung wird ein ausreichender Augenschluss und Mundschluss erreicht.
- Nervenanschluss: Nach einigen Monaten bis 18 Monate (in Einzelfällen bis 24 Monate oder länger nach Auftreten der Lähmung) wird nur selten eine Wiederherstellung durch eine direkte Naht oder eine Nerventransplantation möglich sein. Je länger die mimische Muskulatur nicht durch einen Nerv versorgt wird, um so mehr schrumpft die Muskulatur (Muskelatrophie). Entscheidend ist nun, ob die mimische Muskulatur auf der betroffenen Seite noch soweit vorhanden ist, dass ein Ansprechen des Muskels durch einen Nerv noch möglich ist. Bei jedem Patienten schauen wir uns deshalb genau den Zustand der Muskulatur an. Dazu untersuchen wir die Gesichtsmuskulatur mir einer Elektromyographie (EMG) und zusätzlich durch eine Ultraschall-Untersuchung. Mit einem hochauflösenden Ultraschall sind wir in der Lage, selbst die kleinen Gesichtsmuskeln darzustellen. Zeigen Elektromyographie und Ultraschall ausreichend Muskulatur, dann können wir noch eine Operation mit Nervenanschluss vornehmen. Das Verfahren der Wahl ist in der HNO-Klinik des Universitätsklinikums in Jena eine Rekonstruktion durch den gleichseitigen Zungennerv (Nervus hypoglossus). Bei dieser so genannten Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose wird der gleichseitige Zungennerv durchtrennt und der Nerv an den Gesichtsnerv jenseits der Schädigungsstelle angenäht. Dieses Verfahren wird auch zu einer sofortigen Rekonstruktion angewandt, wenn der Gesichtsnerv über eine so lange Strecke zerstört ist, dass eine Nerventransplantation nicht mehr möglich ist. Die Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose ist ein sehr sicheres Verfahren. Binnen 12 Monaten kommt es zu einer Erholung der Ruhespannung des Gesichtes und zu einer deutlichen Besserung der Beweglichkeit. Die kräftige Wiederherstellung der Gesichtsbeweglichkeit hat aber auch Nachteile. Die Patienten klagen möglicherweise über starke Synkinesien. Zwangsläufig tritt zudem eine leichte bis im schlimmsten Fall deutliche Lähmung der gleichseitigen Zungenhälfte auf. Daher wir heutzutage die klassische Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose dahingehend verändert, dass der Zungennerv nicht ganz durchtrennt wird, sondern nur gespalten wird, und so nur ein Teil des Nervs für die Wiederherstellung der Gesichtsbeweglichkeit genutzt wird (sogenannte Hypoglossus-Fazialis-Jump-Nervenanastomose). In diesem Fall ist nur selten eine wesentliche Zungenlähmung zu beobachten. Da weniger Nervenfasern zur Rekonstruktion zur Verfügung stehen, läuft die Erholung der Gesichtsbewegung langsamer ab - Veränderungen stellen sich bis 18 bis 24 Monate nach Operation ein. Insgesamt ist die Gesichtsbeweglichkeit geringer als nach einer klassischen Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose mit dem Vorteil, dass aber möglicherweise die Synkinesien geringer ausgeprägt sind. Nach einer Hypoglossus-Fazialis-Nervenanastomose muss der Patient durch eine intensive Übungsbehandlung lernen, durch (gedachte) Bewegungen der Zunge das Gesicht zu bewegen. Zunächst müssen sehr bewusst Zungenbewegungen vollführt werden, um eine Gesichtsbewegung zu erzeugen. Mit zunehmender Übung werden im besten Fall die Gesichtsbewegungen ohne bewussten Einsatz der Zunge vollbracht.
- Muskelplastik: Alle oben dargestellten Wiederherstellungsmaßnahmen am Nerv haben den Nachteil, dass der Patient in etwa weitere 12 bis 18 Monate warten muss, bis sich wieder eine Bewegung im Gesicht einstellt. Eine sofortige Wiederherstellung ist durch eine Muskelplastik möglich. Diese Operationsverfahren sind zudem anzuwenden, wenn die Lähmung über 2 bis 3 Jahre her ist, so dass eine Nerven-Wiederherstellung nicht mehr sinnvoll ist. Nach einem so langen Zeitraum ist der Gesichtnerv narbig umgewandelt und auch die Gesichtsmuskulatur unwiederbringlich verkümmert, dass eine Nervenrekonstruktion nicht mehr sinnvoll ist. Hierbei wird einer der gleichseitigen Kaumuskeln von seiner normalen Position verlagert und im Mundwinkel aufgehängt. Dies sorgt sofort wieder für eine gute Spannung im Mundbereich. Am Auge sind die Ergebnisse nicht so gut, sodass zumeist auf eine Aufhängung am Auge verzichtet wird. Hier bietet sich zusätzlich ein anderes, besseres Verfahren an. Nach einer solchen Muskelplastik muss der Patient lernen durch Kaubewegungen das Gesicht zu bewegen. Da bei dieser Operation nur Muskeln versetzt werden, kann unmittelbar nach Abschluss der Wundheilung mit der Übungsbehandlung begonnen werden. Die Ergebnisse sind nicht so gut wie nach einer Nervenrekonstruktion. Die Bewegung des Mundes bleibt im Vergleich zur normalen Funktion wesentlich gröber.
Behandlung der Augenprobleme
- Statisches Maßnahmen am Auge: Die einfachste Möglichkeit das Auge zu schützen, besteht im Tragen eines Uhrglasverbands. Dies wird von vielen Patienten auf Dauer als sehr störend empfunden. Zudem kann hiermit eine Augenentzündung nicht sicher verhindert werden. Das operative Verfahren der Wahl zur Wiederherstellung des Augenschlusses ist in Deutschland das Einsetzen eines Goldgewichts (neuerdings auch mit Platingewichten möglich). Dieses Goldgewicht wird in einer lokalen Betäubung in das Oberlid eingenäht. Durch das Gewicht wird das Auge passiv geschlossen. Das Öffnen des Auges bleibt weiter möglich, da es einen Augenöffnungs-Muskel gibt, der nicht vom Gesichtsnerv gesteuert wird und der regelrecht funktioniert. Die Operation ist kurz und risikoarm.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine vorübergehende Gefühlsstörung ist in der Regel kein Grund zur Besorgnis und geht meist nach kurzer Zeit von selbst wieder weg. Sind die Beschwerden jedoch chronisch und/oder treten Begleitsymptome wie Lähmungserscheinungen, Schmerzen oder Sehstörungen auf, sollte eine ArztÄrztin aufgesucht werden. Dasselbe gilt für Muskelzucken: Tritt dies gelegentlich auf und ist von keinen weiteren Beschwerden begleitet, haben die Zuckungen normalerweise keinen Krankheitswert. Wenn es jedoch längere Zeit anhält oder immer wieder auftritt, dann sollte im Rahmen einer Untersuchung ärztlich überprüft werden, ob gegebenenfalls eine Erkrankung wie die Nervenkrankheit ALS oder eine Nierenerkrankung dahintersteckt.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven