"Du hast aber starke Nerven" - diesen Satz hören wir oft, wenn jemand in einer stressigen Situation ruhig und besonnen bleibt. Umgekehrt heißt es "Meine Nerven liegen blank", wenn uns eine Situation zu sehr unter Druck setzt. Doch was bedeutet es eigentlich, die Nerven zu behalten, und wie können wir in herausfordernden Zeiten gelassener bleiben?
Was bedeutet "Nerven behalten"?
"Starke Nerven" oder "schwache Nerven" sind keine medizinischen Diagnosen. Vielmehr beschreiben sie, wie gut jemand mit anstrengenden, fordernden Ereignissen oder Lebensphasen umgehen kann. Dies kann ein vorübergehender Zustand sein, aber wenn die Anspannung anhält, kann es zu einem dauerhaften Problem werden.
Ursachen für schwache Nerven
Fühlst du dich manchmal überfordert? Wenn unsere Sinne überlastet sind, weil sie ständig neuen, anstrengenden Eindrücken ausgesetzt sind und das Gehirn ständig andere Situationen bewältigen muss, entsteht Dauerstress für Körper und Psyche. Wenn dieser Stress als negativ empfunden wird und uns die Herausforderungen über den Kopf wachsen, verlieren wir die Nerven. Je nach Persönlichkeit neigen Betroffene dazu, schnell zu weinen oder aggressiv zu werden. Sie geraten leicht aus der Fassung und werden von einem andauernden Gefühl der Überforderung begleitet.
Da sie kaum einen klaren Kopf haben, um strukturierte Bewältigungsstrategien anzuwenden, türmen sich die Probleme des Alltags auf und werden als unlösbar empfunden. Mitmenschen beschreiben sie oft als nervös, gereizt und angespannt. Auch Kraftlosigkeit und innere Unruhe sind Zeichen von schwachen Nerven.
Manche Personen sind nur vorübergehend dünnhäutiger, etwa in Zeiten besonderer Belastung, wie vor Prüfungen, nach Trennungen oder dem Verlust einer geliebten Person sowie infolge persönlicher Sorgen (familiäre Probleme, Geldnöte), fordernder Aufgaben und schulischer oder beruflicher Herausforderungen. Sie haben oft hohe Erwartungen an sich selbst oder spüren starken Druck von außen, was die Problematik noch verschärft.
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Sind Nervosität und Gereiztheit auch in objektiv guten Zeiten ein ständiger Begleiter, liegen die Ursachen meist tiefer. Wer keine soziale Unterstützung durch Freunde oder Familie erfährt und kein Vertrauen in sich und andere hat, ist häufiger betroffen. Auch die eigene Persönlichkeit spielt eine Rolle: Menschen mit einer positiven Grundeinstellung sind eher nervenstark. Wer ständig mit etwas Negativem rechnet, neigt meist dazu, schneller die Fassung zu verlieren.
Symptome von schwachen Nerven
Die Symptome von schwachen Nerven können vielfältig sein und sich sowohl psychisch als auch körperlich äußern:
- Psychische Symptome: Nervosität, Gereiztheit, innere Unruhe, Angstzustände, Gefühl der Überforderung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen.
- Körperliche Symptome: Erhöhter Blutdruck, Nacken-, Kopf- und Kieferschmerzen, Muskelverspannungen, Magen-Darm-Beschwerden, geschwächtes Immunsystem (häufigere Erkältungen). Die ständige Anspannung begünstigt erhöhten Blutdruck sowie Nacken-, Kopf- und Kieferschmerzen.
Sollten die Auswirkungen deines schwachen Nervenkostüms Ausmaße annehmen, in welchen du gesundheitliche Probleme verspürst oder die deinen Alltag belasten, wende dich vertrauensvoll an deinen Hausarzt. Da viele dieser Beschwerden auch andere Ursachen haben können, muss er eine Erkrankung ausschließen.
Ernährung für starke Nerven
Wenn du zurzeit stark gefordert bist, benötigst du dringend die richtige "Nervennahrung". Besonders eignen sich Lebensmittel mit Omega3-Fettsäuren - dazu gehören beispielsweise Fisch, Rapsöl und Nüsse. Nicht umsonst hat das Studentenfutter seinen Namen! Versorge deinen Körper statt mit Süßigkeiten lieber mit Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders die B-Vitamine werden auch als "Nervenvitamine" bezeichnet, denn Sie hemmen Stresshormone und liefern Energie. Binde deshalb unbedingt Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte in deinen Speiseplan ein. Vitamin C wird für ein gesundes Immunsystem benötigt. Du findest es in allen Obst- und Gemüsesorten. Proteine unterstützen den erhöhten Energiebedarf des Körpers. Neben Fleisch ist dieses auch in Fisch, Eiern oder Milchprodukten enthalten.
Um das Abfallen des Blutzuckerspiegels zu verhindern und kontinuierlich aus den aufgefüllten Reserven schöpfen zu können, sind mehrere kleine Mahlzeiten am Tag wenigen großen vorzuziehen.
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Hausmittel zur Nervenberuhigung
Als Hausmittel zur Nervenberuhigung eignen sich verschiedene Kräuter. Baldrian, Melisse, Hopfen oder Lavendel wirken wohltuend - als Tee oder Zusatz in der Badewanne. Greife auch in Stresssituationen nicht zu Nikotin und Alkohol! Der vermeintlich entspannende Effekt trügt: Zum einen besteht die Gefahr, diese auch zukünftig als Problemlöser zu sehen und Abhängigkeiten zu entwickeln. Zum anderen bewirken Zigaretten und alkoholhaltige Getränke auf Dauer eher das Gegenteil - fehlt der Stoff, an den sich der Körper gewöhnt hat, führt dies zu Nervosität und Unruhezuständen.
Soziale Unterstützung
Wer ein sicheres soziales Netz hat, das ihn auch in schwierigen Lebensphasen auffängt, der kann mit diesen besser umgehen. Dazu gehören die Familie aber natürlich auch Freunde und Bekannte. Unabhängig davon, ob du über deine Probleme sprichst, von engen Vertrauenspersonen Hilfe erhältst oder einfach auf die Sicherheit eines Gemeinschaftsgefühls bauen kannst - Hauptsache, du bist nicht allein. Umgib dich mit Menschen, die dir gut tun und Kraft geben. Doch nicht nur in schlechten Zeiten solltest du den Kontakt suchen: Auch wenn es dir gut geht, haben Familie und Freunde deine Aufmerksamkeit verdient und sind schließlich im Ernstfall gern für dich da.
Im Zuge der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Kontaktsperre sowie des gebotenen Sicherheitsabstandes, scheint es schwer, Freundschaften und Familienbande aufrecht zu erhalten. Wer ohnehin schon unter der beklemmenden Situation leidet, für den verschlimmert sich dadurch die gegenwärtige persönliche Lage enorm. Versucht euch deshalb trotz der Umstände so nah wie möglich zu sein. Videotelefonie, Textnachrichten oder - etwas aus der Mode gekommen aber sehr persönlich - handschriftliche Grüße sind nicht dasselbe wie ein persönlicher Kontakt. Aber sie können helfen, die Zeit bis dahin zu überbrücken.
Tipps für starke Nerven: Selbstfürsorge und Gelassenheit
Der Schlüssel zur Nervenberuhigung lautet wohl „Kümmere dich gut um dich selbst“. Gelassenheit und Ruhe können nur aus deinem Inneren kommen. Doch dafür musst du zulassen, die negativen Gedanken zu durchbrechen und dich zu stärken. Gönne dir daher genug Zeit zum Auftanken - denn nur, wenn Anspannung und Entspannung in einem gesunden Gleichgewicht sind, fühlen wir uns wohl. Dabei können schon kleine Maßnahmen großes bewirken! Eine Ruhezeit am Abend, bei der du beispielsweise ab 20 Uhr Handy und Laptop ausschaltest und auch alle weiteren Pflichten und Aufgaben beendest, sorgt für ein gemächliches Ausklingen des Tages.
Die gewonnene Zeit kannst du für autogenes Training oder ein Hobby, das dir einen Ausgleich bietet, ohne dich zu sehr zu fordern, nutzen. Hier bieten sich z. B. ruhige Übungen wie Yoga oder kreative Handarbeiten an. Läute rechtzeitig die Nachtruhe ein, denn nur mit ausreichend Schlaf bist du den Anforderungen des Tages gewachsen. Sorge außerdem für viel frische Luft und somit Tageslicht, um abends besser zur Ruhe zu finden.
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Nicht zuletzt solltest du klar deine Grenzen ziehen, um dich vor einer Überforderung zu schützen. Bürde dir selbst nicht zu viel auf und sag es auch anderen, wenn du das Gefühl hast, dass dir eine Aufgabe über den Kopf wächst. Das heißt natürlich nicht, dass du allen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen solltest. Im Gegenteil: Lösungen für die eigenen Probleme zu finden, stärkt das Selbstvertrauen. In Zukunft wirst du in ähnlichen Situationen sicher besser die Nerven behalten. Es ist jedoch eine positive Grundeinstellung notwendig, um nicht nur das Problem, sondern auch mögliche Auswege daraus zu sehen. Diese kannst du dir aneignen - es bedarf nur etwas Übung.
Der "Choking"-Effekt und wie man ihn vermeidet
Gerade, wenn viel auf dem Spiel steht, versagen manchmal die Nerven. Und das, obwohl man gut vorbereitet ist auf die Prüfung, den Wettkampf oder den Vortrag. Fachleute bezeichnen dieses Phänomen als „Choking“.
Nun haben Wissenschaftler einen Trick gefunden, der helfen soll, in einer wichtigen Situation die Nerven zu bewahren. In einem Experiment baten die Forscher Versuchspersonen Aufgaben zu erledigen, die im Hinblick auf Motorik und Koordination anspruchsvoll waren. Haben die Teilnehmer die Herausforderung gemeistert, winkte ihnen Schritt für Schritt mehr Geld als Belohnung. Das aber erhöhte den Druck auf die Probanden - gab es doch immer mehr zu gewinnen und zu verlieren! Erwartungsgemäß kam es mit steigender Bürde häufiger zu „Choking“, dem Versagen unter Druck.
Nun kommt der Trick ins Spiel. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Selbstsuggestion. Statt ständig daran zu denken, dass sie die Aufgabe meistern müssen, um die hohe Belohnung zu erhalten, sollten die Probanden sich vorstellen, sie wären bereits im Besitz des Geldes, und würden nun noch dafür arbeiten, es behalten zu dürfen. Der kleine Kniff sorgte dafür, dass die Versuchsteilnehmer häufiger erfolgreich waren.
Wer also eine Prüfung hat, kann sich vorstellen, sie bereits bestanden zu haben. Ein Fußballer sollte beim Elfmeterschießen den Ball schon im Netzt sehen, statt daran zu denken, dass er unbedingt rein muss. Und eine Person, die einen Vortrag hält, kann sich vorstellen, dass alle schon mit Freude zugehört haben.
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