Wolfskrallen beim Hund: Entfernen, Pflegen und Risiken

Die Wolfskralle, auch Afterkralle genannt, ist ein Thema, das bei Hundehaltern oft Fragen aufwirft. Sollte man sie entfernen lassen? Ist das überhaupt erlaubt? Und welche Risiken birgt diese zusätzliche Kralle? Dieser Artikel soll umfassend über die Wolfskralle beim Hund informieren und Entscheidungshilfen für Hundehalter bieten.

Was ist eine Wolfskralle?

Die Wolfskralle ist eine zusätzliche Zehe an der Innenseite der Hinterläufe von Hunden, die beim Laufen keinen Bodenkontakt hat. Vergleichend anatomisch entspricht sie der großen Zehe des Menschen. Anders als bei den Vorderläufen, die grundsätzlich fünf Zehen haben, besitzen die Hinterläufe im Normalfall nur vier Zehen. Die Wolfskralle ist also ein fünfter Zeh am Hinterlauf. Sie sitzt weiter oben am Mittelfuß und hat keine tragende Funktion.

Vorkommen und Funktion

Nicht jeder Hund hat eine Wolfskralle. Sie kommt vor allem bei bestimmten Rassen vor, insbesondere bei großen und ursprünglichen Hunderassen wie:

  • Deutscher Schäferhund
  • Deutsche Dogge
  • Berner Sennenhund
  • Briard
  • Beauceron
  • Afghanischer Windhund
  • Kangal
  • Bracco Italiano
  • Gos d’Atura Català
  • Belgischer Schäferhund

Bei einigen Rassen, wie dem Beauceron und dem Briard, ist das Vorhandensein einer doppelten Wolfskralle sogar im Rassestandard vorgeschrieben.

Die Wolfskralle hat für den Hund keine praktische Funktion. Da sie keinen Bodenkontakt hat, nutzt sie sich nicht auf natürliche Weise ab.

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Risiken der Wolfskralle

Da die Wolfskralle keinen Bodenkontakt hat, kann sie sich nicht auf natürliche Weise abnutzen. Dies birgt folgende Risiken:

  • Verletzungen: Die Wolfskralle kann beim Spielen, Herumtollen oder im Unterholz leicht hängenbleiben und einreißen oder sogar ausreißen. Dies ist schmerzhaft und kann zu Blutungen und Entzündungen führen.
  • Einwachsen: Wenn die Wolfskralle nicht regelmäßig gekürzt wird, kann sie sichelförmig wachsen und in die Haut einwachsen, was ebenfalls zu schmerzhaften Entzündungen führen kann.

Entfernung der Wolfskralle: Gesetzliche Lage und medizinische Notwendigkeit

In Deutschland ist das Entfernen der Wolfskralle aus rein ästhetischen Gründen grundsätzlich verboten. Dies ist im Tierschutzgesetz (§ 6) festgelegt, welches Amputationen von Körperteilen ohne medizinische Indikation untersagt.

Eine Entfernung ist nur dann erlaubt, wenn ein triftiger medizinischer Grund vorliegt, beispielsweise:

  • Verletzungen: Wenn sich der Hund häufig an der Wolfskralle verletzt und diese immer wieder einreißt oder ausreißt.
  • Entzündungen: Wenn die Wolfskralle chronisch entzündet ist und die Entzündung nicht anderweitig behandelt werden kann.
  • Tumore: Wenn sich ein Tumor an der Wolfskralle bildet.

Auch wenn der Hund ohnehin eine Narkose für einen anderen Eingriff benötigt (z.B. Kastration), kann die Entfernung der Wolfskralle in Erwägung gezogen werden, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Die Entscheidung über die Entfernung der Wolfskralle sollte immer in Absprache mit einem Tierarzt getroffen werden.

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Die Operation

Die Entfernung der Wolfskralle erfolgt unter Narkose durch einen Tierarzt. Der Aufwand des Eingriffs hängt davon ab, ob die Wolfskralle gelenkig mit dem Lauf verbunden ist oder nur durch Bindegewebe. Bei einer gelenkigen Verbindung ist die Operation aufwändiger.

Alternative zur Entfernung: Regelmäßige Pflege

Wenn keine medizinische Notwendigkeit zur Entfernung der Wolfskralle besteht, ist die regelmäßige Pflege der Kralle besonders wichtig, um Verletzungen und Einwachsen vorzubeugen.

Krallen schneiden

Die Wolfskralle sollte regelmäßig gekürzt werden, da sie sich nicht auf natürliche Weise abnutzt. Wie oft dies notwendig ist, hängt vom Wachstum der Kralle ab, in der Regel alle sechs bis acht Wochen.

Anleitung zum Krallenschneiden:

  1. Vorbereitung: Benötigt werden eine spezielle Krallenzange oder -schere für Hunde, eventuell eine Krallenfeile und ein blutstillendes Mittel für den Fall, dass man zu viel abschneidet.
  2. Schnitt: Nehmen Sie die Pfote des Hundes in die Hand und spreizen Sie die zu schneidende Kralle leicht ab. Schneiden Sie die Krallenspitze in kleinen Schritten ab. Achten Sie darauf, nicht zu viel abzuschneiden, um die Blutgefäße und Nerven (das "Leben") in der Kralle nicht zu verletzen. Bei hellen Krallen ist das Leben gut zu erkennen, bei dunklen Krallen ist Vorsicht geboten. Im Zweifelsfall lieber weniger abschneiden und die Kralle anschließend mit einer Feile abrunden.
  3. Nachsorge: Kontrollieren Sie die Kralle nach dem Schneiden auf scharfe Kanten und feilen Sie diese gegebenenfalls ab.

Tipps:

  • Gewöhnen Sie den Hund schon im Welpenalter an die Krallenpflege.
  • Schneiden Sie die Krallen am besten in einer ruhigen Umgebung und in entspannter Atmosphäre.
  • Wenn der Hund unruhig wird, machen Sie eine Pause und setzen Sie die Krallenpflege später fort.
  • Loben Sie den Hund nach dem Schneiden der Krallen.

Pfotenpflege

Zusätzlich zum Krallenschneiden ist die regelmäßige Pflege der Pfoten wichtig. Dazu gehört das Reinigen der Pfoten nach Spaziergängen, insbesondere im Winter, um Streusalz zu entfernen. Auch die Verwendung einer Pfotenschutzsalbe kann helfen, die Pfoten geschmeidig zu halten und vor Rissen und Verletzungen zu schützen.

Verletzungen der Wolfskralle: Was tun?

Trotz aller Vorsicht kann es vorkommen, dass sich der Hund an der Wolfskralle verletzt. In diesem Fall sollte man wie folgt vorgehen:

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  1. Ruhe bewahren: Reagieren Sie nicht panisch, um den Hund nicht zu verunsichern.
  2. Blutung stillen: Versuchen Sie, die Blutung mit einem sauberen Tuch oder Mullbinde zu stillen.
  3. Wunde desinfizieren: Desinfizieren Sie die Wunde mit einem geeigneten Desinfektionsmittel für Tiere.
  4. Tierarzt aufsuchen: Suchen Sie einen Tierarzt auf, um die Wunde fachgerecht versorgen zu lassen. In manchen Fällen ist eine Naht oder ein Verband notwendig.

Kosten der Krallenpflege und Entfernung

Die Kosten für das Schneiden der Krallen beim Tierarzt oder im Hundesalon liegen in der Regel zwischen 10 und 20 Euro. Die Kosten für die Entfernung der Wolfskralle hängen vom Aufwand des Eingriffs und der Gebührenordnung des Tierarztes ab. Es ist ratsam, vor dem Eingriff einen Kostenvoranschlag einzuholen.

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