Nerven Beinbewegung Schlaf Ursachen: Das Restless-Legs-Syndrom verstehen

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch bekannt als Syndrom der unruhigen Beine, ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen. Diese Empfindungen werden unterschiedlich beschrieben, darunter Kribbeln, Ziehen, Brennen, Jucken, Pochen, Schmerzen, Hitzegefühl, Druck oder Spannungsgefühl tief in den Waden. Die Symptome treten typischerweise in Ruhephasen auf, insbesondere am Abend und in der Nacht, was zu Schlafstörungen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann.

Symptome des Restless-Legs-Syndroms

Typisch für das Restless-Legs-Syndrom sind ein häufiger Bewegungsdrang und ein unangenehmes Gefühl in den Beinen. Die Beschwerden werden oft als Unruhe, Druck oder Spannung tief in den Waden beschrieben, können aber von Mensch zu Mensch variieren und schwer zu beschreiben sein. Selten sind auch die Oberschenkel, die Arme oder die Brust betroffen.

Die Symptome beginnen typischerweise, wenn man sich ausruht, und verbessern sich kurzfristig durch Gehen oder andere Beinbewegungen. Sie kehren jedoch beim Hinsetzen oder Hinlegen wieder zurück. Abends und nachts sind die Beschwerden am stärksten und können das Einschlafen erschweren.

Viele Menschen mit RLS bewegen im Schlaf unwillkürlich ihre Beine, seltener auch die Arme. Dies wird als "Periodic Limb Movements of Sleep" (PLMS) bezeichnet. PLMS können den Schlaf zusätzlich stören und zu Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten führen.

Die International RLS Study Group hat fünf Kriterien festgelegt, die das Restless-Legs-Syndrom kennzeichnen:

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  1. Ein unangenehmer Bewegungsdrang, oft begleitet von Missempfindungen oder einem Druckgefühl.
  2. Die Beschwerden verstärken sich in Ruhe, also beim Sitzen oder im Liegen.
  3. Die Beschwerden nehmen durch Bewegung ab, zumindest solange man in Bewegung ist.
  4. Die Symptome treten vor allem abends oder nachts auf oder sind zu dieser Zeit schlimmer als tagsüber.
  5. Die Symptome lassen sich nicht ausschließlich auf eine andere bestehende Krankheit zurückführen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter:

  • Genetische Veranlagung: Viele Menschen mit RLS haben Familienmitglieder, die ebenfalls betroffen sind. Genomweite Assoziationsstudien haben genetische Risikovarianten in Genen wie MEIS1, BTBD9, LBXCOR1, SCOR1/MAP2K5, PTPRD und TOX3 identifiziert.
  • Störungen im Nervensystem: Veränderungen im Nervensystem, insbesondere im Dopamin- und Eisenstoffwechsel, scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.
  • Dopamin-Mangel: Ein Ungleichgewicht des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn, der für die Übertragung von Nervenreizen zuständig ist, kann zu RLS führen.
  • Eisenmangel: Ein gestörter Eisenstoffwechsel im zentralen Nervensystem, der zu einem Mangel an verfügbarem Eisen im Gehirn führt, wird häufig bei Menschen mit RLS beobachtet, auch wenn im Blut kein Eisenmangel festgestellt werden kann. Ausreichend Eisen ist eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung des körpereigenen Dopamins. Wenn wichtige Eisenwerte im Blut zu niedrig sind, wird bei RLS mit einer Eisentherapie begonnen (Ferritin unter 75 Mikrogramm pro Liter, Transferrinsättigung unter 20 Prozent). Reichen Tabletten nicht aus, kommen Eiseninfusionen infrage.
  • Sekundäres RLS: In einigen Fällen tritt RLS im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder Zuständen auf, darunter:
    • Eisenmangelanämie
    • Nierenerkrankungen (insbesondere dialysepflichtige Niereninsuffizienz)
    • Schwangerschaft (etwa 50% der Schlafstörungen in der Schwangerschaft sollen auf ein RLS zurückzuführen sein)
    • Polyneuropathie
    • Schilddrüsenerkrankungen
    • Vitamin-B12-Mangel
    • Folsäuremangel
    • Zöliakie
    • Friedreich-Ataxie
    • Rheumatoide Arthritis
    • Medikamente (z. B. Dopaminantagonisten wie Neuroleptika und Antidepressiva wie Mirtazapin, evtl. Citalopram, Paroxetin, Venlafaxin)

Diagnose

Die Diagnose des Restless-Legs-Syndroms basiert in erster Linie auf den berichteten Symptomen und einer gründlichen Anamnese. Es gibt keine spezifischen Laborwerte oder Röntgenbefunde, die die Diagnose eindeutig bestätigen können.

Die Diagnosekriterien umfassen:

  • Bewegungsdrang der Beine, oft verbunden mit unangenehmen Parästhesien oder Schmerzen
  • Auftreten oder Verstärkung des Bewegungsdrangs in Ruhe und Entspannung
  • Besserung oder Aufhören der Symptomatik bei Bewegung
  • Überwiegen der Beschwerden am Abend und in der Nacht
  • Die Symptome lassen sich nicht auf eine andere Erkrankung zurückführen.

Zusätzlich zur Anamnese können folgende Untersuchungen durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen oder die Diagnose zu unterstützen:

  • Klinisch-neurologische Untersuchung: Um andere neurologische Erkrankungen wie Polyneuropathien oder Radikulopathien auszuschließen.
  • Blutuntersuchungen: Zur Bestimmung von Eisen-, Nieren- und Schilddrüsenwerten, Vitamin B12 und Folsäure, um mögliche Ursachen für ein sekundäres RLS auszuschließen.
  • L-Dopa-Test: Die Einnahme von L-Dopa, einer Dopamin-Vorstufe, kann bei RLS-Patienten zu einer Besserung der Beschwerden führen und die Diagnose unterstützen.
  • Polysomnographie (Schlaflaboruntersuchung): Bei Schlafstörungen unklarer Ursache kann eine nächtliche Überwachung im Schlaflabor hilfreich sein, um periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) festzustellen oder andere Schlafstörungen wie Schlafapnoe auszuschließen.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung des Restless-Legs-Syndroms ist es, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung kann sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen umfassen.

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Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Viele Betroffene können ihre Symptome durch einfache Verhaltensänderungen und Hausmittel lindern:

  • Gute Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, eine entspannende Schlafumgebung und ausreichend Schlaf sind wichtig.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere moderate körperliche Aktivität wie Spaziergänge, Radfahren oder Yoga, kann die Symptome reduzieren.
  • Massagen: Massagen der Beine können die Durchblutung fördern und die Beschwerden lindern.
  • Wechselduschen: Wechselwarme Duschen oder Fußbäder können die Durchblutung anregen und die Muskeln entspannen.
  • Vermeidung von Koffein und Alkohol: Koffein und Alkohol können die Symptome verstärken und sollten insbesondere vor dem Schlafengehen vermieden werden.
  • Eisenreiche Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eisen kann helfen, einem Eisenmangel vorzubeugen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Wickel oder Umschläge: Warme oder kalte Wickel oder Umschläge können je nach Bedarf Linderung verschaffen.
  • Regelmäßige eisenreiche Mahlzeiten
  • Spinale Gleichstromstimulation (tsDCS) und Infrarotlicht-Therapie: Es gibt aussichtsreiche Forschung zu nicht-medikamentösen Verfahren wie der Spinalen Gleichstromstimulation und der Infrarotlicht-Therapie, die möglicherweise das Behandlungsspektrum ergänzen können.

Medikamentöse Behandlung

Wenn die nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern. Die medikamentöse Behandlung sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

  • Eisentabletten oder Eiseninfusionen: Bei nachgewiesenem Eisenmangel werden Eisentabletten oder in schwereren Fällen Eiseninfusionen verabreicht, um den Eisenspeicher aufzufüllen.
  • Dopaminagonisten: Dopaminagonisten wie Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach und können die Symptome des RLS wirksam lindern. Sie werden bei RLS deutlich niedriger dosiert als zur Parkinsontherapie. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit und Augmentation (Verschlimmerung der Symptome im Laufe der Zeit).
  • Gabapentinoide: Gabapentin und Pregabalin sind Antikonvulsiva, die auch bei RLS eingesetzt werden können. Sie wirken, indem sie die Nervenaktivität reduzieren und die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
  • Opioide: Opioide sind starke Schmerzmittel, die nur in schweren Fällen von RLS eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind. Aufgrund des Suchtpotenzials und der möglichen Nebenwirkungen werden sie nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verschrieben.
  • Levodopa: Levodopa kommt in der Kombination Benserazid bei der Behandlung des intermittierenden oder leichten RLS zum Einsatz.

Augmentation

Eine wichtige Nebenwirkung bei der RLS-Therapie mit Levodopa und Dopaminagonisten ist die Augmentation. Augmentation bedeutet eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes im Verlauf der Therapie, z. B. ein früheres Auftreten der Symptome im Tagesverlauf oder eine Zunahme ihrer Intensität oder ihre Ausweitung auf andere Körperteile (Arme). Sie soll infolge der Überstimulation der Rezeptoren durch zu hohe Dosierungen auftreten. Das größte Risiko für eine Augmentation besteht für Levodopa in Dosierungen > 200 mg/d (30-60% der Patienten). In Langzeitstudien führten Pramipexol und Ropinirol in etwa 8% und das Rotigotin-Pflaster in etwa 5% der Fälle zur Augmentation. Bei einer Abschwächung der Wirksamkeit des Medikaments können Patienten dazu neigen selbstständig die Dosis zu erhöhen und verschlimmern dadurch die Augmentation. Daher müssen die Patienten sorgfältig über die Nebenwirkung-Augmentation aufgeklärt werden.

Beim Auftreten einer Augmentation muss die Dosis des eingesetzten Präparats reduziert werden. Levodopa sollte durch ein länger wirksames Präparat ersetzt werden. Auch bei den anderen Wirkstoffen kann ein Absetzen des ursprünglichen Präparats nötig werden.

Auswirkungen auf den Alltag

Das Restless-Legs-Syndrom kann verschiedene Auswirkungen auf den Alltag haben. Wer schlecht schläft, ist möglicherweise tagsüber erschöpft, gereizt und hat Probleme, sich zu konzentrieren. Das kann das private und berufliche Leben beeinflussen. Manche Menschen meiden außerdem Freizeitaktivitäten wie einen Kinobesuch, da langes Sitzen für sie kaum auszuhalten ist.

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Für das Wohlbefinden im Alltag ist es wichtig, Wege zu finden, mit den Beschwerden umzugehen und sie so gering wie möglich zu halten.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Unterstützung für Menschen mit RLS und ihre Angehörigen. Hier können Betroffene sich austauschen, Erfahrungen teilen und gegenseitig Mut machen. Die RLS e.V. Deutsche Restless Legs Vereinigung ist ein Ansprechpartner für alle Betroffenen sowie Interessierte, Ärzte, Ärztinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

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