Nervenberuhigung für Pferde: Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Viele Pferdebesitzer kennen das Problem: Stresssituationen wie Schmiedbesuche, Hängerfahrten, Boxenruhe, Stallwechsel oder das Anreiten können bei ihren Tieren zu Nervosität und Unruhe führen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Nerven des Pferdes auf natürliche Weise zu stärken und zu beruhigen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Inhaltsstoffe, die in Nervenberuhigungsmitteln für Pferde eingesetzt werden, und erklärt ihre Wirkungsweise.

Ursachen von Nervosität bei Pferden

Bevor wir uns den Inhaltsstoffen widmen, ist es wichtig, die Ursachen von Nervosität bei Pferden zu verstehen. Stress kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:

  • Veränderungen in der Umgebung: Stallwechsel, Transport oder neue Herdenmitglieder.
  • Unangenehme Erfahrungen: Tierarztbesuche, Hufschmiedtermine oder laute Geräusche.
  • Überforderung: Intensives Training, insbesondere bei jungen Pferden.
  • Mangelnde artgerechte Haltung: Zu wenig Bewegung, soziale Kontakte oder Beschäftigung.
  • Fütterungsfehler: Mangel an wichtigen Nährstoffen wie Magnesium und B-Vitaminen.

Ein nervöses Pferd zeigt sich oft durch Unkonzentriertheit, Schreckhaftigkeit, schlechtes Essverhalten, Verspannung oder vermehrtes Schwitzen. Es ist wichtig zu beachten, dass ein einmaliges Auftreten solcher Verhaltensweisen in Stresssituationen normal ist. Normalisiert sich das Verhalten jedoch über einen längeren Zeitraum nicht, sollte man die Ursachen erforschen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Natürliche Inhaltsstoffe zur Nervenberuhigung

Viele Pferdebesitzer bevorzugen natürliche Inhaltsstoffe, um ihre Pferde zu beruhigen. Hier sind einige der gängigsten und wirksamsten:

Magnesium

Magnesium ist ein essenzielles Mengenelement, das eine Schlüsselrolle bei der Funktion von Nerven- und Muskelgewebe spielt. Es ist an der Energiebereitstellung und der Muskelspannung/-entspannung beteiligt und verhindert eine "Überreizung" der Nervenzellen. Ein Magnesiummangel kann sich in muskulären Problemen, vermehrter Schreckhaftigkeit und Nervosität äußern.

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Magnesium verbessert die richtige Auswertung der von außen auf das Pferd einwirkenden Nervenimpulse und trägt somit zur Entspannung bei. In Stresssituationen, wie etwa bei einem Transport oder Stallwechsel, bauen die Hormone Adrenalin und Noradrenalin Fett ab. Diese Lipolyse führt dazu, dass freie Fettsäuren entstehen, die an Magnesium gebunden sind. Dadurch steht dem Pferdekörper weniger Magnesium zur Verfügung.

Es gibt verschiedene Magnesiumverbindungen, die in Ergänzungsfuttermitteln für Pferde verwendet werden. Organische Magnesiumverbindungen wie Magnesiumfumarat werden vom Körper besonders gut aufgenommen.

B-Vitamine

B-Vitamine sind essenziell für die Funktion des Nervensystems. Sie unterstützen die Regeneration des Nervengewebes und spielen eine wichtige Rolle im Energie- und Eiweißstoffwechsel der Nervenzellen. Vitamin B1 und B6 stabilisieren die Nerven, wobei B6 zusätzlich bei der Umwandlung der Aminosäure Tryptophan in Serotonin hilft, das sogenannte Glückshormon. Vitamin B12 unterstützt die Bildung der Myelinschicht, die die Nervenzellen umgibt, und steigert so die Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke.

Eine intakte Darmflora ist wichtig für die Bildung von B-Vitaminen im Pferdekörper. Schlechtes Grundfutter und künstliche Zusatzstoffe im Futter können die Darmflora jedoch beeinträchtigen.

Tryptophan

Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Im Stoffwechsel des Zentralnervensystems wird Tryptophan für die Bildung von Serotonin benötigt, das regulierend bei der Reizübertragung im zentralen Nervensystem wirkt. Da Serotonin relativ schnell verbraucht wird, ist ein ständiger Nachschub an Tryptophan zur Neubildung essentiell. Die Aminosäure nimmt Pferden Angst und Nervosität. Außerdem macht sie die Bahn für das Glückshormon Serotonin frei.

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Baldrian und Passionsblume

Baldrian (Valeriana officinalis) und Passionsblume (Passiflora incarnata) sind traditionelle Heilpflanzen, die beruhigende Eigenschaften haben. Sie wirken überwiegend auf das zentrale Nervensystem. Dem in beiden Pflanzen vorkommenden β-Caryophyllen wird eine Verringerung von Stress- und Angstzuständen zugesprochen. Baldrian hilft gegen nervöse Unruhe und wirkt allgemein entspannend. Passionsblume hemmt vermutlich den Serotoninabbau und hat einen angstlösenden Effekt.

Ashwagandha

Ashwagandha, auch Schlafbeere genannt, ist ein fester Bestandteil der ayurvedischen Medizin. Es gilt als natürliches Beruhigungsmittel und kann Pferden Ängste und Stress nehmen.

Hanföl

Hanföl ist reich an Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren, die für den gesamten Organismus des Pferdes von Vorteil sind. Es schmeckt den Pferden gut und hat keine berauschende Wirkung.

Hopfenzapfen

Hopfenzapfen gelten als Verdauungshelfer. Sie können die natürliche Darmfunktion unterstützen und sind sogar bei Krampfkoliken erprobt.

Malzkeime

Malzkeime sind ein wertvolles Nebenprodukt der Mälzerei und enthalten etwa ein Viertel Eiweiß.

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Weitere Inhaltsstoffe und Mittel zur Beruhigung

Neben den genannten natürlichen Inhaltsstoffen gibt es weitere Mittel, die zur Beruhigung von Pferden eingesetzt werden können:

  • Pheromon-Gels: Diese Gels enthalten synthetisch hergestellte Pheromone, die das Verhalten und den Organismus des Pferdes über den Geruch beeinflussen. Sie können die Herzfrequenz beim Verladen senken und das Pferd in unbekannten Situationen beruhigen.
  • Ätherisches Lavendelöl: Der Duft von Lavendelöl hat eine beruhigende Wirkung. Studien haben gezeigt, dass Pferde mit Lavendel in der Nase relaxter sind und sich nach Schreckmomenten schneller beruhigen.
  • CBD-Öl: CBD (Cannabidiol) ist ein natürlicher Wirkstoff aus Hanfpflanzen, der bei Stress und Angstzuständen helfen soll, ohne die berauschende Wirkung von THC.
  • Bachblüten: Bachblüten sind spezielle Essenzen, die nach dem seelischen Zustand des Pferdes ausgewählt werden. Sie sollen rasch und zuverlässig wirken und bei verschiedenen emotionalen Problemen helfen.
  • Schüssler-Salze: Schüssler-Salze sind homöopathische Arzneimittel, die bei Nervosität, Konzentrationsmangel, Angst und Reizbarkeit eingesetzt werden.
  • Sedativa: Starke Beruhigungsmittel (Sedativa) dämpfen die Funktionen des zentralen Nervensystems und werden in der Regel vom Tierarzt verabreicht. Sie sind nur auf Rezept erhältlich und sollten nur in Notfällen eingesetzt werden.

Anwendung und Dosierung

Die Anwendung und Dosierung von Nervenberuhigungsmitteln für Pferde hängt von den Inhaltsstoffen, dem Produkt und dem individuellen Bedarf des Pferdes ab. Es ist wichtig, die Anweisungen des Herstellers genau zu befolgen und im Zweifelsfall einen Tierarzt oder Fütterungsberater zu konsultieren.

Einige Produkte, wie z.B. Pavo NervControl, werden täglich dem Futter beigemischt. Die Dosierung richtet sich nach der Größe des Pferdes:

  • Ponys: 1 Messlöffel (15 g) täglich
  • Kleinere Pferde (300-500 kg): 1 ½ Messlöffel (22,5 g) täglich
  • Mittelgroße Pferde (500-700 kg): 2 Messlöffel (30 g) täglich
  • Große Pferde (ab 700 kg): 2 ½ Messlöffel (37,5 g) täglich

Andere Produkte, wie z.B. Ludgers N COOL DOWN | PULVER, sollten rechtzeitig vor einer planbaren Stresssituation gefüttert werden, da die maximale Wirkung erst nach ca. einer Woche eintritt.

Wichtige Hinweise

  • Beginnen Sie mit der Fütterung von Nervenberuhigungsmitteln ca. 1 Woche vor einer belastenden Situation und füttern Sie es noch 2 bis 3 Tage anschließend.
  • Achten Sie auf die Karenzzeiten, insbesondere wenn Sie an Turnieren teilnehmen. Einige Inhaltsstoffe, wie z.B. Baldrian, stehen auf der ADMR-Liste für verbotene Substanzen.
  • Beachten Sie, dass Kräuter, auch wenn sie natürlich sind, dem Pferd schaden können, wenn sie falsch dosiert oder gemischt werden. Lassen Sie sich am besten von Experten beraten.
  • Geben Sie Kräuter grundsätzlich nur kurweise, nicht dauerhaft.

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