Nervenbeschleunigte Impulserweiterung: Eine Definition und ihre Auswirkungen

Stress ist ein allgegenwärtiges Phänomen. Jeder kennt das Gefühl, wenn man nervös auf die Verteilung einer Klassenarbeit wartet, die Hände feucht werden und der Atem schneller geht. Der Körper befindet sich in Alarmbereitschaft. Aber wie entsteht Stress und was genau passiert dabei im Körper? Um das zu verstehen, ist es wichtig, das Fight-or-Flight-Syndrom und die Rolle des Nervensystems zu betrachten.

Das Fight-or-Flight-Syndrom: Eine Überlebensreaktion

Das Fight-or-Flight-Syndrom, auch Kampf-oder-Flucht-Reaktion genannt, ist eine angeborene Reaktion des Körpers auf akute Stresssituationen. Es ist ein lebenswichtiger Vorgang, der es ermöglicht, in Gefahrensituationen schnell zu reagieren. Stellen Sie sich vor, ein Mensch steht plötzlich einem gefährlichen Tier gegenüber. In diesem Moment zählt jede Sekunde, um zu entscheiden, ob man fliehen oder kämpfen soll. Beide Optionen erfordern Energie, die der Körper bereitstellen muss.

Der Unterschied zwischen dem Fight-or-Flight-Syndrom und Stress liegt darin, dass Stress eine körperliche und psychische Belastung und die daraus resultierenden Reaktionen beschreibt. Der Auslöser für Stress, der stressauslösende Reiz, wird als Stressor bezeichnet.

Die Auslösung der Fight-or-Flight-Reaktion

Die Fight-or-Flight-Reaktion wird durch das vegetative Nervensystem und das Hormonsystem ausgelöst, die sich gegenseitig beeinflussen. Ein äußerer Reiz, wie etwas, das wir sehen oder hören, wird über die Sinne wahrgenommen. Die Information gelangt über Nervenbahnen zum Gehirn, das die Informationen analysiert. Wenn es sich um einen Stressor handelt, wird der Sympathikus aktiviert.

Der Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems und für die körperliche Leistungssteigerung verantwortlich. Daraufhin produzieren die Nebennierenrinde und das Nebennierenmark die Fight-or-Flight-Hormone Cortisol, Noradrenalin und Adrenalin. Gleichzeitig wird in der Hypophyse, auch Hirnanhangdrüse genannt, das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) produziert. ACTH wird in die Blutbahn abgegeben und zu den Nebennieren transportiert, wo es ebenfalls die Produktion von Adrenalin anregt.

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Körperliche Reaktionen auf Stresshormone

Die durch die Hormone ausgelösten Reaktionen sind überlebensnotwendig:

  • Die Atmung beschleunigt sich.
  • Die Arterien weiten sich.
  • Der Blutdruck steigt.
  • Das Herz schlägt schneller.

Dadurch kann in kurzer Zeit viel Sauerstoff mit dem Blut transportiert werden, um mehr Energie für die Muskeln und das Gehirn zu liefern. Gleichzeitig wird in der Leber gespeichertes Glycogen in Glucose umgewandelt, auch Traubenzucker genannt, der in den Zellen zu Energie umgewandelt wird. Cortisol hemmt die Verdauung, um den Körper optimal auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorzubereiten.

Sobald die Stresssituation vorüber ist, wird der Parasympathikus aktiviert, der ebenfalls zum vegetativen Nervensystem gehört und als Gegenspieler des Sympathikus fungiert. Selbst wenn der stressauslösende Reiz nicht mehr vorhanden ist, hält die Anspannung noch eine Weile an, da die Hormonkonzentration im Blut noch relativ hoch ist.

Die Rolle des Nervensystems im Detail

Um das Zusammenspiel von Stress und Körperreaktionen vollständig zu verstehen, ist ein detaillierterer Blick auf das Nervensystem unerlässlich. Das Nervensystem ist die komplexeste Steuerungs- und Kommunikationsstruktur des Körpers, die Reize aus der Umwelt und dem Körperinneren wahrnimmt, verarbeitet und darauf reagiert.

Aufbau und Funktion des Nervensystems

Das Nervensystem gliedert sich in das zentrale Nervensystem (ZNS) mit Gehirn und Rückenmark und das periphere Nervensystem (PNS). Funktionell wird zwischen dem willkürlichen (somatischen) und dem unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystem unterschieden. Das vegetative Nervensystem steuert autonom, unbewusst und selbstständig alle lebenswichtigen inneren Körperfunktionen. Es passt die Organfunktionen an wechselnde Anforderungen an und erhält das innere Gleichgewicht (Homöostase).

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Die Nervenzelle (Neuron)

Die Nervenzelle (Neuron) ist die zentrale Baueinheit des Nervensystems. Sie empfängt Signale, verarbeitet diese und leitet sie weiter. Das gesamte Nervensystem besteht aus etwa 87 Milliarden Neuronen im ZNS und 110 Millionen Neuronen im PNS. Ein Neuron besteht aus:

  • Dendriten: Zellfortsätze, die Reize aufnehmen und zum Zellkörper weiterleiten.
  • Zellkörper (Soma): Enthält den Zellkern mit DNA und allen wichtigen Organellen.
  • Axon (Neurit): Leitet die Erregung vom Soma zur nächsten Nervenzelle.
  • Neuroglia (Gliazellen): Bilden Markscheiden, isolieren und ernähren die Nervenzellen und beschleunigen die Reizweiterleitung.

Durch das Zusammenspiel vieler Neuronen entstehen komplexe Netzwerke, die alle geistigen und körperlichen Wahrnehmungen sowie Funktionen ermöglichen. Synapsen sind hochspezialisierte Kontaktstellen, an denen Nervenzellen Informationen untereinander sowie an weitere Körperzellen weitergeben. Sie ermöglichen die Übertragung elektrischer oder chemischer Signale und sind entscheidend für die Funktion des gesamten Nervensystems.

Die Erregungsleitung im Neuron

Neuronen sind erregbare Zellen, die Informationen in Form elektrischer Signale aufnehmen und weiterleiten. Befindet sich ein Neuron im Ruhezustand, ist das Zellinnere negativ und die Zellmembran positiv geladen (Ruhepotenzial). Empfängt das Neuron einen Reiz, kehren sich die Ladungsverhältnisse um (Depolarisation). Positiv geladene Ionen strömen ins Zellinnere und laden es kurzfristig positiv. Diese Ladung breitet sich auf dem Neuron aus und verursacht eine Störung des elektrischen Gleichgewichts, das Aktionspotenzial. So pflanzt sich die Erregung entlang des Axons mit hoher Geschwindigkeit fort.

Die Axone mancher Neuronen sind von einer isolierenden Myelinhülle (Markscheide) umgeben, die die Übermittlungsgeschwindigkeit innerhalb des Axons um ein Vielfaches erhöht. An den Ranvierschen Schnürringen springt das Aktionspotential von Schnürring zu Schnürring (saltatorische Erregungsleitung), was Energie spart und die Leitungsgeschwindigkeit erhöht.

Die Übertragung an der Synapse

Auf ihrem Weg von Neuron zu Neuron müssen die Nervenimpulse den winzigen Spalt zwischen zwei benachbarten Nervenzellen (Synapse) überspringen. Am Ende des Axons befindet sich der präsynaptische Endknopf, der dem Dendriten eines Empfängerneurons gegenüberliegt, ihn aber nicht berührt. Bei Ankunft eines Nervenimpulses werden Neurotransmitter freigesetzt, die den Synapsenspalt überqueren und an Rezeptoren auf der Membran des Dendriten binden. Dort lösen sie eine Depolarisation aus und erzeugen so einen neuen Nervenimpuls. Nach Beendigung der Übertragung werden die Neurotransmitter durch Enzyme inaktiviert.

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Neurotransmitter können eine Empfängerzelle nicht nur erregen, sondern auch hemmen. Diese beiden Funktionen sind wichtig für die Kontroll- und Steuerungsfunktion des Nervensystems. Es gibt über 60 verschiedene Überträgerstoffe.

Das vegetative Nervensystem: Sympathikus und Parasympathikus

Das vegetative Nervensystem passt die Prozesse im Körperinneren bei Belastung des Organismus an und steuert Funktionen wie Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Körpertemperatur und Fortpflanzung. Es unterliegt nicht der direkten willkürlichen Kontrolle und wird auch als autonomes Nervensystem bezeichnet.

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Sympathikus: Bereitet den Körper auf Aktivität und Stress vor (Fight-or-Flight). Erhöht Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz, erweitert die Bronchien und hemmt die Verdauung.
  • Parasympathikus: Fördert Ruhe, Entspannung und Regeneration (Rest-and-Digest). Senkt Herzfrequenz und Blutdruck, aktiviert die Verdauung und fördert die Speichelsekretion.

Sympathikus und Parasympathikus wirken im Körper grundsätzlich als Gegenspieler, ergänzen sich aber bei manchen Funktionen.

Das enterische Nervensystem

Das enterische Nervensystem ist ein Nervengeflecht in der Darmwand, das die Verdauung steuert. Es arbeitet weitgehend unabhängig von anderen Nerven, wird aber von Sympathikus und Parasympathikus beeinflusst. Es erhöht die Bewegung der Darmmuskulatur, sorgt für die Ausscheidung von Flüssigkeit in das Darmrohr und erhöht die Durchblutung der Darmwand.

Die Bedeutung des vegetativen Nervensystems in der Osteopathie

Osteopathische Läsionen können sich auf das vegetative Nervensystem auswirken und zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen. Der Ursprung des Sympathikus liegt im Rückenmark im thorakolumbalen Wirbelsäulenbereich. Seine Nervenfasern verlassen das Rückenmark segmental und werden im Grenzstrang (Truncus sympathicus) umgeschaltet, der beiderseits unmittelbar neben der Wirbelsäule verläuft. Eine osteopathische Läsion im Verlauf des Sympathikus kann eine psychische und physische Stressreaktion bewirken.

Das parasympathische System hat seinen Ursprung im Hirnstamm und im sakralen Rückenmark. Aufgrund der anatomischen Lage der Wurzelzellen wird der Parasympathikus auch als "kraniosakrales System" bezeichnet. Osteopathische Läsionen im Bereich des Atlantooccipitalgelenks oder des Sakrums können Funktionsbeeinträchtigungen bei einer Vielzahl von inneren Organen auslösen.

Head-Zonen

Über das vegetative Nervensystem gelangen auch Signale von den Organen ins zentrale Nervensystem. Wissenschaftler vermuten, dass diese Fasern an derselben Stelle im Rückenmark enden wie Nervenfasern, die Schmerzreize von der Haut weiterleiten. Dies kann dazu führen, dass Schmerzen durch Gallensteine beispielsweise auf der Schulterhaut wahrgenommen werden. Diese Hautzonen werden als Head-Zonen bezeichnet.

Dauerstress und seine Folgen

Stress ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers, um die Leistungsfähigkeit in kurzer Zeit zu steigern und schnell auf Gefahrensituationen zu reagieren. Wenn Stress jedoch zum Dauerzustand wird, dem sogenannten Dauerstress, kann dies negative Folgen haben. Durch Dauerstress erhöht sich der Blutdruck und schädigt die Gefäße, wodurch die Gefahr eines Herzinfarkts steigt.

Auswirkungen von chronischem Stress auf den Körper

Chronischer Stress kann zu einer Daueraktivierung des Sympathikus und der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) führen. Durch die Aktivität des Sympathikus werden im Nebennierenmark vermehrt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet, was zu einer Erhöhung des Pulsschlags, einem erhöhten Blutdruck und einer vermehrten Muskelspannung des ganzen Körpers führt.

Chronischer Stress fördert zudem die Noradrenalinsynthese im Gehirn, wodurch die psychische Befindlichkeit nachhaltig gestört wird. Das Individuum fühlt sich angespannt, ängstlich und vermehrt schreckhaft oder aber auch aggressiv gereizt. Die Aktivierung der HPA-Achse führt zudem zu einer vermehrten Ausschüttung des Stoffwechselhormons Cortisol.

Die Rolle von Cortisol bei chronischem Stress

Chronisch erhöhte Cortisolspiegel können zu einer Schädigung bestimmter Hirnstrukturen führen, insbesondere des Hippocampus, einer Hirnregion, die für die Gedächtnisbildung und das Lernvermögen sehr bedeutsam ist. Zudem begünstigen erhöhte Cortisolspiegel eine Zunahme des Fettgewebes im Bauchraum (viszerale Adipositas). Da dieses Bauchfett extrem stoffwechselaktiv ist, begünstigt dies in Folge eine ganze Reihe von Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen, Verminderung der Konzentration des Wachstumshormons etc.

Cortisol kann auch appetitsteigernd wirken, was zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme anregt und damit die Entstehung von Übergewicht und Adipositas fördern kann. Hohe Cortisolkonzentrationen im Blut vermindern zudem die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren in den Zellen und begünstigen dadurch die Entstehung eines Diabetes mellitus und des Equinen Metabolischen Syndroms beim Pferd. Bedeutsam ist außerdem ein immunschwächender Effekt: die Infektanfälligkeit nimmt zu.

Spannung und Entspannung als Lebenspole

Spannung und Entspannung sind gleichermaßen natürlich sich ergänzende Lebenspole in unserem Leben. Durch Belastung trainiert der Mensch sein Anpassungsvermögen an die vorgegebenen Lebensumstände. Der Grad der Anspannung hängt davon ab, wie groß der jeweilige Spannungsbereich ist. Anzeichen von Überforderung sind Schmerz, Erschöpfung und Erschlaffung. Unterforderung geht über in Erschlaffung und antriebsarme Erschöpfung.

Hand in Hand mit der äußeren Dauerspannung verläuft auch der innere Spannungsprozess. Betroffene versuchen sich zusammenzureißen, um neue Aufgaben zu erledigen, und kämpfen dagegen an, "Durchhänger" zuzulassen, die falsch gedeutet würden. Oft stimmt die nach außen gespielte Fröhlichkeit mit den inneren Gefühlen nicht mehr überein.

Entspannung als Gegenpol

In der Entspannung wird die Aktivität des Sympathikus gebremst und der Parasympathikus aktiviert. Die Atemfrequenz verringert sich genauso wie die Herzfrequenz und der Blutdruck, und die Verdauungsaktivitäten erhalten mehr Energie. Denkblockaden verschwinden wieder und die Fähigkeit zu klarem, logischem Denken nimmt unverkennbar zu. Äußerlich fühlbar wird die Entspannungsreaktion im verminderten Tonus der Skelettmuskulatur. Die Muskeln fühlen sich weich und elastisch an, und der Entspannte empfindet ein angenehmes Schweregefühl.

Im Gehirn lassen sich während des Entspannungszustands charakteristische Hirnströme messen, die eine Frequenz von 7-13 Hertz aufweisen. Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, die sich mehr durch ihren methodischen Ansatz als durch ihren Zweck unterscheiden. Sie ermöglichen es, sich von Automatismen zu befreien, die in unseren Reaktionen auf die Umwelt immer wieder ablaufen und uns gefangenhalten.

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