Nervenschmerzen im Bein sind ein weit verbreitetes, aber oft missverstandenes Problem, das auf eine Schädigung oder Irritation der Nerven hinweist. Diese Schmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und erfordern oft eine fundierte medizinische Beurteilung und eine gezielte Behandlung, die sowohl die Schmerzen lindert als auch die zugrunde liegende Ursache anspricht. Unsere Frankfurter Spezialisten von Lumedis haben sich auf die Behandlung von Nervenschmerzen im Bein spezialisiert und können Ihnen neben einer ausführlichen Diagnostik, eine individuell an Sie angepasste multimodale konservative Therapie anbieten.
Was sind Nervenschmerzen im Bein?
Nervenschmerzen im Bein sind eine spezielle Art von Schmerz, die ihren Ursprung im Nervensystem hat. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, die möglicherweise durch Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden, resultieren Nervenschmerzen aus Schädigungen oder Irritationen der Nerven selbst. Nervenschmerzen, auch als neuropathische Schmerzen bekannt, sind ein komplexes Phänomen, das sowohl durch periphere als auch durch zentrale Ursachen ausgelöst werden kann. Sie können sich als brennendes, stechendes oder einschießendes Gefühl äußern und häufig mit einer Überempfindlichkeit auf Berührungen einhergehen.
Diese Schmerzen, die in Form von Brennen, Kribbeln oder stechenden Empfindungen auftreten können, sind in der Regel das Resultat von Erkrankungen wie Diabetes, Verletzungen oder Druck auf die Nerven, etwa durch Übergewicht oder Schwangerschaft.
Typische Symptome von Nervenschmerzen im Bein
Die typischen Symptome von Nervenschmerzen im Bein sind äußerst unangenehm und können Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Hier sind einige der häufigsten Beschwerden:
- Brennende Schmerzen: Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als stechend oder brennend, der oft in episodischen Schüben auftritt und bis in die Zehen ausstrahlen kann.
- Kribbeln und Taubheitsgefühl: Ein häufiges Symptom sind auch Empfindungen wie Kribbeln oder Taubheit im Bein. Diese können sporadisch auftreten oder konstant vorhanden sein, was das Gehen und die Durchführung alltäglicher Aktivitäten erschwert.
- Muskelverspannungen: Zusätzlich können Muskelverspannungen und -krämpfe auftreten, die die Beweglichkeit einschränken und unangenehm sein können.
- Schwäche in den Beinen: Eine Schwäche in den Oberschenkeln oder Waden kann ebenfalls auftreten, was das Risiko von Stürzen oder Verletzungen erhöht.
- Schmerzempfindlichkeit: Betroffene berichten häufig von einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Berührung oder Druck im betroffenen Bereich. Ein leichtes Berühren des Beins kann extreme Schmerzen auslösen.
- Verstärkter Schmerz bei Bewegungen: Oftmals werden die Schmerzen durch Bewegung oder bestimmte Körperhaltungen verstärkt. Aktivitäten wie Sitzen.
- Viele Patienten berichten, dass die Schmerzen häufig nachts intensiver werden, was den Schlaf erheblich stören kann. Die Schmerzen treten oft plötzlich auf und werden als brennend, schneidend oder sogar bohrend beschrieben. Es ist wichtig zu beachten, dass Nervenschmerzen sowohl akut als auch chronisch auftreten können, wobei die chronischen Schmerzen oft das tägliche Leben stark einschränken und zu einer ständigen Belastung werden. Begleitend können Empfindungsstörungen wie Missempfindungen, Taubheitsgefühle oder das unangenehme Gefühl von „Ameisenlaufen“ auftreten, die sich insbesondere bei Belastung verstärken und in den betroffenen Beinen lokalisiert sind. Teilweise können sich diese Symptome bis in die Füße oder Zehen ausbreiten und die Beweglichkeit beeinträchtigen. Manche beschreiben es auch als ein ziehendes oder einschießendes Unbehagen, das sich entlang des Nervs ausbreiten kann. "Stromschläge" bei Nervenschmerzen im Bein werden oft als plötzliche, scharfe, elektrische Schmerzen beschrieben, die sich blitzartig entlang des Nervs ausbreiten. Diese Schmerzen können sehr intensiv sein und kommen manchmal in kurzen, aber heftigen Schüben.
Ursachen von Nervenschmerzen im Bein
Wenn Sie unter Nervenschmerzen im Bein leiden, ist es wichtig zu verstehen, dass diese Schmerzen oft auf eine Schädigung oder Beeinträchtigung der Nerven zurückzuführen sind. Hier sind einige der häufigsten Ursachen für Nervenschmerzen im Bein, die Sie kennen sollten:
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- Diabetes mellitus: Diese Stoffwechselerkrankung kann zu diabetischer Neuropathie führen, einer Form der Nervenschädigung, die typischerweise in den Beinen auftritt und mit Schmerzen, Taubheit und Schwäche einhergeht. Dieser Zustand resultiert aus langfristig erhöhtem Blutzuckerspiegel, der die Nerven schädigt. Die Schädigung betrifft oft die Nerven in den Beinen und Füßen. Eine gute Blutzuckerkontrolle und Lebensstiländerungen können helfen, das Fortschreiten der Neuropathie zu verlangsamen.
- Multiple Sklerose: Eine autoimmune Erkrankung, bei der das Immunsystem das zentrale Nervensystem angreift, was zu Nervenschäden und damit verbundenen Schmerzen führen kann.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Lupus oder rheumatoide Arthritis können ebenfalls die Nerven schädigen und zu Nervenschmerzen führen.
- Verletzungen: Mechanische Verletzungen wie Quetschungen oder Knochenbrüche können Nerven verletzen, was zu akuten oder chronischen Schmerzen führt. Verletzungsbedingte Ursachen sind ein weiterer wichtiger Aspekt, den Sie beachten sollten. Mechanische Verletzungen, die durch Unfälle, Sport oder Stürze verursacht werden, können Nerven schädigen oder komprimieren. Diese Verletzungen führen oftmals zu Entzündungen oder Narbengewebe, das die Nervenfunktion beeinträchtigen kann und zu Nervenschmerzen führt.
- Alkoholmissbrauch: Ein langfristig übermäßiger Alkoholkonsum kann periphere Neuropathie verursachen, was zu Nervenschmerzen in den Beinen führt. Langfristiger Alkoholmissbrauch kann zu einer Verschlechterung der Nervenschäden führen, die oft reversibel ist, wenn der Alkoholkonsum reduziert oder gestoppt wird.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B, insbesondere B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin), kann periphere Neuropathie verursachen, die Nervenschäden und Schmerzen in den Beinen auslöst.
- Weitere Ursachen: Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule (LWS) ist eine Verengung des Wirbelkanals im unteren Rückenbereich, oft durch altersbedingte Veränderungen wie Bandscheibenvorfälle oder Wirbelkörperveränderungen. Neuroforamenstenose ist eine ähnliche Verengung, die die Nervenwurzelausgänge betrifft und ähnliche Symptome hervorruft.
Diagnose von Nervenschmerzen im Bein
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Bein erfordert eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung, um Symptome zu erfassen. Neurologische Tests wie Reflexprüfungen und Empfindungsprüfungen können helfen, den betroffenen Nerven zu lokalisieren. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können strukturelle Probleme wie Bandscheibenvorfälle aufzeigen. Nervenleitgeschwindigkeitstests können Nervenschäden quantifizieren. Blutuntersuchungen können auf zugrunde liegende Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel hinweisen.
Was hilft bei Nervenschmerzen im Bein? Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten
Wenn Sie unter Nervenschmerzen im Bein leiden, wissen Sie, wie belastend und einschränkend diese Empfindungen sein können. Nervenschmerzen treten auf, wenn Nervenfasern gereizt oder geschädigt sind, was oft zu stechenden, brennenden Schmerzen sowie Taubheitsgefühlen führen kann. Eine gezielte Behandlung ist daher unerlässlich, um die Lebensqualität wiederherzustellen und die Beschwerden zu lindern.
Da Nervenschmerzen im Bein eine erhebliche Belastung für Ihr tägliches Leben darstellen können, ist es von entscheidender Bedeutung, eine gezielte und individuelle Behandlung zu wählen, um Ihre Symptome zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Schmerzen, und die Ursachen können vielfältig sein, sei es durch einen Bandscheibenvorfall, Nervenschädigungen oder andere Erkrankungen. Eine maßgeschneiderte Therapie, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt ist, ist unerlässlich, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
In der Regel wird die Behandlung individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und kann verschiedene medikamentöse Ansätze umfassen. Häufig kommen dabei Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antiepileptika zum Einsatz, um die Schmerzintensität zu verringern. Oft werden diese Medikamente in Kombination mit weiteren Therapien eingesetzt, um eine umfassende Linderung zu erreichen.
Medikamentöse Behandlung
- Gabapentin: Gabapentin ist ein Medikament, das zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, einschließlich Nervenschmerzen im Bein, eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Übererregbarkeit der Nerven verringert, was zur Schmerzlinderung beiträgt. Die Dosierung wird individuell angepasst und schrittweise erhöht, um optimale Effekte mit minimalen Nebenwirkungen zu erzielen. Neben Schmerzlinderung kann Gabapentin auch bei Schlafstörungen oder Angstzuständen, die mit Nervenschmerzen einhergehen, helfen.
- Pregabalin: Pregabalin ist ein Medikament, das zur Behandlung von Nervenschmerzen im Bein eingesetzt wird. Es gehört zur gleichen Medikamentenklasse wie Gabapentin und wirkt ähnlich, indem es die Übererregbarkeit der Nerven verringert und somit Schmerzen reduziert. Die Dosierung wird je nach individuellem Bedarf angepasst, und eine schrittweise Erhöhung erfolgt oft, um die bestmögliche Schmerzlinderung zu erreichen.
- Carbamazepin: Carbamazepin ist ein Antikonvulsivum, das auch zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen, einschließlich Nervenschmerzen im Bein, eingesetzt werden kann. Es wirkt, indem es die Erregbarkeit der Nerven verringert, was zur Schmerzlinderung beiträgt. Die Dosierung wird individuell angepasst und schrittweise erhöht, um maximale Effekte mit minimalen Nebenwirkungen zu erzielen. Neben der Schmerztherapie wird Carbamazepin auch zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt.
- Schmerzmittel: Bei der Behandlung von Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) spielen nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Opioide eine Rolle, obwohl sie in dieser Indikation nicht immer die erste Wahl sind. NSAR sind bei neuropathischen Schmerzen in der Regel weniger wirksam als bei entzündungsbedingten oder anderen Schmerzarten. Opioide werden bei schweren neuropathischen Schmerzen eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind.
Weitere Therapieansätze
- Physiotherapie, Bewegungstherapie und Ergotherapie: Sie spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie helfen, die Belastung der Nerven zu reduzieren, Verspannungen zu lösen und Ihre Mobilität zu verbessern. Durch gezielte Übungen können Sie nicht nur Ihre Muskeln stärken, sondern auch die Durchblutung fördern, was zu einer Linderung der Schmerzen führen kann. Trainingstherapie und Bewegung können die Muskeln stärken und die Schmerzen reduzieren. Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, wie Planks oder Bauchmuskelübungen, verbessern die Körperhaltung und verringern den Druck auf die Wirbelsäule.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Zusätzlich können Wärmeanwendungen, wie warme Kompressen oder heiße Bäder, eine erhebliche Erleichterung bringen, indem sie Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern.
- Alternative Methoden: Zusätzlich zu diesen therapeutischen Ansätzen gibt es alternative Methoden wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Akupunktur und Nervenblockaden, die wertvolle Unterstützung bieten können, insbesondere wenn herkömmliche Medikamente nicht ausreichen. TENS kann durch elektrische Impulse die Schmerzübertragung zum Gehirn blockieren, während Akupunktur die körpereigenen Heilungsprozesse anregen kann. Nervenblockaden hingegen zielen darauf ab, Schmerzsignale direkt an der Quelle zu unterbrechen. Diese Methoden können Ihnen helfen, Ihre Schmerzen besser zu kontrollieren und Ihre Lebensqualität erheblich zu steigern. Akupunktur kann auch Erleichterung bringen.
- Bewegung und Entspannung: Yoga oder Tai Chi können Flexibilität und Entspannung fördern, was zur Schmerzlinderung beitragen kann. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können auch helfen, Stress abzubauen, der Nervenschmerzen verstärken kann.
- Hausmittel: Einige Hausmittel können zur Linderung von Nervenschmerzen beitragen, wie z. B. Wärmeanwendungen durch warme Kompressen oder ein warmes Bad, die die Muskeln entspannen und Schmerzen reduzieren können. Außerdem können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Alpha-Liponsäure oder Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmende Eigenschaften haben und bei der Linderung von Nervenschmerzen unterstützen. Johanniskraut Öl wird manchmal als natürliche Option zur Linderung von Nervenschmerzen verwendet. Es enthält Hypericin und Hyperforin, Verbindungen, die entzündungshemmende und möglicherweise schmerzlindernde Eigenschaften haben. Durch seine Anwendung auf der Haut kann es lokale Schmerzlinderung bieten. Einige Studien deuten darauf hin, dass Johanniskrautöl bei neuropathischen Schmerzen helfen könnte, aber die Forschung ist begrenzt, und es können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Gelsemium, ein pflanzliches Mittel aus der Gelsemiumpflanze, wird manchmal bei Nervenschmerzen verwendet. Es wird angenommen, dass es beruhigende und entspannende Eigenschaften hat, die bei nervösen Spannungen und Schmerzen helfen können. In einigen traditionellen Heilsystemen wird es bei neuralgischen Schmerzen angewendet, aber die wissenschaftlichen Beweise für seine Wirksamkeit sind begrenzt. Aconit, auch als Eisenhut bekannt, wird traditionell in der Naturheilkunde zur Schmerzlinderung eingesetzt, aber seine Verwendung bei Nervenschmerzen ist umstritten. Es wird angenommen, dass Aconit entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften hat, aber es kann toxisch sein und schwere Nebenwirkungen verursachen, wenn es nicht korrekt verwendet wird.
- Injektionen oder chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen kann eine Intervention wie Injektionen oder chirurgische Eingriffe erforderlich sein, um Druck von den Nerven zu nehmen.
Um Nervenschäden langfristig vorzubeugen, sind präventive Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung von zentraler Bedeutung. Diese fördern nicht nur Ihre allgemeine Gesundheit, sondern helfen auch, das Risiko für weitere Nervenschäden zu reduzieren.
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Kann Stress Nervenschmerzen im Bein verursachen?
Stress allein ohne das Vorliegen der entsprechenden Vorerkrankungen kann nicht zu Nervenschmerzen im Bein führen. Aber Stress kann indirekt zu Nervenschmerzen im Bein beitragen, indem er vorhandene Bedingungen wie z. B. Neuropathie oder Verspannungen verstärkt. Es erhöht die Muskelspannung, kann die Schmerzwahrnehmung verstärken und den Körper anfälliger für Schmerzen machen. Obwohl Stress nicht direkt Nervenschmerzen verursacht, kann er zu einer Verschlechterung vorhandener Beschwerden führen.
Warum treten Nervenschmerzen in den Beinen häufig nachts auf?
Nervenschmerzen in den Beinen können nachts verstärkt auftreten, da während des Tages Ablenkungen und Bewegung oft die Schmerzwahrnehmung reduzieren. Nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt, wird die Schmerzempfindlichkeit erhöht und vorhandene Beschwerden können intensiver wahrgenommen werden. Zudem kann die Körperposition im Schlaf den Druck auf die Nerven erhöhen, was zu verstärkten Schmerzen führt.
Was haben Beinschmerzen mit dem Herzen zu tun?
Im ersten Moment denkt man: Gar nichts. Ganz so ist es allerdings nicht. Beinschmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen in den Arterien können nämlich auch auf eine Herzerkrankung und ein erhöhtes Infarktrisiko hindeuten. Sie sollten die hier aufgeführten Beschwerden daher ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Typisch für Beinschmerzen, die durch Durchblutungsstörungen hervorgerufen werden, ist, dass sie beim Gehen in den Waden auftreten und beim Stehenbleiben wieder nachlassen. Die schmerzfreie Gehstrecke verringert sich im Verlauf deutlich, in höheren Erkrankungsstadien unter 200 Meter. Außerdem kann es im Liegen zu Schmerzen in der Zehengegend kommen, die sich beim Aufstehen wieder abschwächen. Dennoch sollte man sich nicht vollkommen auf diese Schmerzbeschreibung verlassen. Die Symptome können auch in anderen Beinabschnitten auftreten; zum Beispiel in den Oberschenkeln oder im Gesäß. Ursache dafür ist meist eine Arteriosklerose, die umgangssprachlich auch Gefäßverkalkung genannt wird. Bei dieser Erkrankung bilden sich Ablagerungen in den Blutgefäßen, die dann zu den chronischen Durchblutungsstörungen führen können. Die Erkrankung kann überall im Körper auftreten. Wenn sie die Beine betrifft, nennt man das die „periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (pAVK). Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des höheren Lebensalters. Etwa 3 % der Bevölkerung sind in Deutschland von Durchblutungsstörungen in den Beinen betroffen, im höheren Alter ab 70 Jahren schätzungsweise sogar 15-20 Prozent.
Polyneuropathie als Ursache für Nervenschmerzen
Bei einer Polyneuropathie erkranken periphere Nerven - das sind die Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Oft kommt es zu Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schmerzen, meist in Füßen und Beinen. Mindestens fünf Prozent aller älteren Menschen haben eine Polyneuropathie. Es gibt zahlreiche Ursachen. Häufige Gründe sind Diabetes, Alkoholkonsum oder Medikamente. Falls möglich, wird der Auslöser behandelt.
Der Begriff „Neuropathie“ bedeutet sinngemäß Nervenleiden, also Erkrankung der Nerven. Der Wortbestandteil „poly“ steht für „viele“. Bei einer Polyneuropathie erkranken also viele Nerven.
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Symptome einer Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, je nachdem, welche Nervenabschnitte erkrankt sind. Vereinfacht gesagt, sind die Enden langer Nerven besonders anfällig für Schäden, zum Beispiel durch Nährstoffmangel. Deshalb beginnt eine Polyneuropathie oft weit entfernt vom Rumpf in den Füßen. Häufig zeigen sich die Symptome gleichmäßig auf beiden Seiten, sozusagen sockenförmig in beiden Füßen. Im Verlauf können sich die Beschwerden strumpfförmig auf beide Unterschenkel ausbreiten. Seltener oder erst im weiteren Verlauf sind Hände und Arme betroffen. Manchmal zeigt sich eine Polyneuropathie nur an einem Bein oder einem Arm oder aber am Körperstamm.
Häufige Symptome einer Polyneuropathie sind beispielsweise:
- Kribbeln
- Gefühl von Ameisen unter der Haut, „Ameisenlaufen“
- Taubheitsgefühle, Pelzigkeitsgefühl
- Vermindertes Temperaturempfinden
- Verminderte Sensibilität
- Schmerzen, oft als Brennen oder Stechen empfunden
- Überempfindlichkeit
- Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzucken
- Gangschwierigkeiten, etwa Unsicherheiten beim Gehen, Gefühl, als würde man auf Watte gehen
Auch autonome Nerven können erkranken. Autonome oder vegetative Nerven steuern verschiedene Körperfunktionen, die wir nicht oder nur teilweise willentlich beeinflussen können - zum Beispiel die Herzfrequenz, die Atmung, die Verdauung, die Blasenfunktion, die Schweißbildung. Auch diese Nerven können bei einer Polyneuropathie betroffen sein. Das kann Symptome verursachen wie:
- Verdauungsstörungen
- Blasenentleerungsstörungen
- Störungen der Herzfunktion
Ursachen der Polyneuropathie
Die Liste möglicher Auslöser einer Polyneuropathie ist sehr lang. Bei etwa einem Viertel aller Betroffenen bleibt die Ursache trotz intensiver Suche unklar. Bei Polyneuropathien gibt es selten auch erbliche Formen. Zu den häufigen Ursachen einer Polyneuropathie zählen beispielsweise:
- Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie)
- Alkoholmissbrauch (alkoholische Polyneuropathie)
- Medikamente, etwa eine Chemotherapie bei Krebs (Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie)
- Grunderkrankungen, wie eine Nieren- oder eine Tumorerkrankung
Beispiele für weitere Auslöser der Nervenkrankheit sind:
- Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel ein Guillain-Barré-Syndrom
- Infektionen, wie eine Borreliose oder eine HIV-Infektion
- Vergiftungen, etwa durch Schwermetalle wie Thallium oder Arsen
- Stoffwechselstörungen, etwa Schilddrüsenstörungen
- Vitaminmangel, zum Beispiel ein Vitamin-B12-Mangel, manchmal durch einen Missbrauch von Lachgas verursacht
- Eine Überdosierung von Vitamin B6
- Eine schwere Krankheit mit Therapie auf Intensivstation, zum Beispiel bei einer Blutvergiftung
Diagnose der Polyneuropathie
Erste Anlaufstelle ist oft die hausärztliche Praxis. Die Ärztin oder der Arzt kann - falls nötig - an eine passende Spezialistin oder einen Spezialisten überweisen. Für die Diagnose erfragt der Arzt oder die Ärztin die Krankengeschichte. Es erfolgt eine neurologische Untersuchung, bei der unter anderem Sensibilität und Muskelreflexe geprüft werden. Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie kommen weitere Untersuchungen in Betracht, zum Beispiel:
- Untersuchung der elektrischen Aktivität der Nerven (Elektroneurographie)
- Untersuchung der elektrischen Aktivität der Muskeln (Elektromyographie)
- Untersuchung von Blut- und Urinwerten: Eine Polyneuropathie ist üblicherweise nicht direkt im Blut nachweisbar. Laborwerte können aber beispielsweise Hinweise auf auslösende Krankheiten geben.
- Entnahme und Untersuchung von Nervenwasser (Lumbalpunktion)
- Genetische Untersuchungen
Manchmal wird ein winziges Stück Nerv entnommen (Biopsie), um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Das lässt möglicherweise Rückschlüsse auf die Ursache zu. Auch die Entnahme und Analyse einer Hautprobe kann aufschlussreich sein. Röntgen-, Ultraschall-, MRT- und weitere Untersuchungen können zum Einsatz kommen.
Therapie der Polyneuropathie
Es gibt nicht „das eine Mittel“, das bei einer Polyneuropathie am besten hilft. Denn eine Polyneuropathie kann verschiedene Ursachen haben und sich ganz unterschiedlich zeigen. Deshalb besprechen Betroffene idealerweise mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, welche Behandlung in der individuellen Situation geeignet erscheint. Nach Möglichkeit wird der Auslöser der Polyneuropathie behandelt. Einige Beispiele:
- Bei Diabetes ist unter anderem eine möglichst gute Blutzuckereinstellung wichtig. Außerdem sollten Betroffene ihre Füße regelmäßig untersuchen und schützen.
- Bei einer durch Alkohol ausgelösten Polyneuropathie sollte Alkohol gemieden und besonders auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.
- Bei entzündlichen Formen der Polyneuropathie setzt man beispielsweise Glukokortikoide oder Immunglobuline ein.
Schmerzen durch eine Polyneuropathie lassen sich möglicherweise mit verschiedenen Medikamenten abschwächen, aber meistens nicht ganz beheben. Häufig tritt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein. Es kann nötig sein, verschiedene Wirkstoffe und Dosierungen zu testen. Im ärztlichen Gespräch sollte geklärt werden, welche Therapien gegen Schmerzen infrage kommen, welche Vor- und Nachteile sie haben können und welche Erfolgsaussichten bestehen. Vorab sollte außerdem besprochen werden, ob die gesetzliche Krankenkasse für die ausgewählte Behandlung zahlt. Nicht bei allen Therapieverfahren existieren sichere wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit. Als Schmerzmittel infrage kommen zum Beispiel:
- Bestimmte Epilepsie-Medikamente
- Bestimmte Antidepressiva
- Opioide, vor allem bei stärkeren Schmerzen
Manche Patientinnen oder Patienten sprechen auf Pflaster mit dem Betäubungsmittel Lidocain oder Capsaicin an, dem Wirkstoff der Chilischote. Je nach Fall kann es sinnvoll sein, eine Ärztin oder einen Arzt mit Spezialgebiet Schmerztherapie hinzuzuziehen. Eine Physiotherapie kann - etwa bei einer Muskelschwäche oder Gleichgewichtsstörungen - hilfreich sein. Eine Psychotherapie kann helfen, besser mit Schmerzen oder möglichen Folgen einer Polyneuropathie wie Schlafstörungen oder Depressionen umzugehen. Austausch und gegenseitige Unterstützung finden Betroffene in Selbsthilfegruppen.
Ist eine Polyneuropathie heilbar?
Kann die Ursache frühzeitig beseitigt werden, ist eine Polyneuropathie eventuell heilbar. Die Symptome können sich zurückbilden. Das gelingt allerdings nicht in jedem Fall. Ist die Krankheit schon fortgeschritten oder die Ursache nicht behebbar, kann man zumindest versuchen, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.
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