Entspannung und Schmerzlinderung bei Nerven- und Muskelschmerzen durch Chemotherapie: Ein umfassender Leitfaden

Eine Krebserkrankung und die damit verbundenen Behandlungen, insbesondere die Chemotherapie, können eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, darunter Nerven- und Muskelschmerzen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze für diese Beschwerden, einschließlich medikamentöser und nicht-medikamentöser Optionen sowie ergänzender Therapien.

Ursachen von Nerven- und Muskelschmerzen bei Chemotherapie

Nerven- und Muskelschmerzen, die im Zusammenhang mit einer Chemotherapie auftreten, können verschiedene Ursachen haben:

  • Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN): Bestimmte Chemotherapeutika können Nervenschäden verursachen, insbesondere in den Händen und Füßen. Diese Schädigung führt zu Missempfindungen, Schmerzen und Funktionsstörungen. Die Chemotherapie zielt darauf ab, die Krebszellen an der Vermehrung zu hindern. Allerdings ist sie für den Betroffenen oftmals auch mit starken Nebenwirkungen verbunden. Weil die Chemo-Therapie in ihrer Wirkung nicht nur auf die Krebszellen beschränkt ist, sondern alle Zellen im Körper beeinträchtigt, die schnell wachsen oder sich mit hoher Geschwindigkeit regenerieren, nimmt sie auch Einfluss auf das Nervensystem. Besonders häufig leiden Betroffene nach der Chemo an einer Polyneuropathie der Nerven in Händen und Füßen.
  • Tumorschmerzen: Der Tumor selbst kann auf Nerven, Organe und Gewebe drücken oder diese infiltrieren, was zu Schmerzen führt. Auch Metastasen, insbesondere in den Knochen, können Schmerzen verursachen.
  • Entzündungen: Die Chemotherapie kann Entzündungen im Körper auslösen, die zu Muskel- und Gelenkschmerzen führen.
  • Muskelverspannungen: Stress, Angst und Bewegungsmangel während der Krebsbehandlung können Muskelverspannungen verstärken und Schmerzen verursachen.

Symptome von Nerven- und Muskelschmerzen

Die Symptome von Nerven- und Muskelschmerzen können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung ab. Häufige Symptome sind:

  • Nervenschmerzen:
    • Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen
    • Stechende, einschießende oder elektrisierende Schmerzen
    • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
    • Muskelschwäche oder -krämpfe
    • Gleichgewichtsstörungen
  • Muskelschmerzen:
    • Muskelkater-ähnliche Schmerzen
    • Steifheit und Bewegungseinschränkungen
    • Druckempfindlichkeit
    • Muskelkrämpfe
  • Allgemeine Schmerzsymptome:
    • Schmerzen im Rücken, Nacken, Schultern oder anderen Körperbereichen
    • Kopfschmerzen
    • Schlafstörungen
    • Müdigkeit und Erschöpfung
    • Eingeschränkte Lebensqualität

Medikamentöse Behandlung von Nerven- und Muskelschmerzen

Die medikamentöse Behandlung von Nerven- und Muskelschmerzen bei Chemotherapie richtet sich nach der Art und Intensität der Schmerzen.WHO-Stufenschema: Die Behandlung von Tumorschmerzen erfolgt nach dem WHO-Stufenschema, das den Einsatz von nicht-verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln sowie deren Kombination mit Opioiden zur Schmerztherapie vorsieht.

  • Nicht-Opioid-Analgetika (Stufe 1): Bei leichten Schmerzen werden häufig nicht-opioide Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure eingesetzt. Diese wirken schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.
  • Schwache Opioide (Stufe 2): Bei mittelstarken Schmerzen können schwache Opioide wie Tramadol oder Tilidin in Kombination mit nicht-opioiden Schmerzmitteln eingesetzt werden.
  • Starke Opioide (Stufe 3): Bei starken Schmerzen kommen starke Opioide wie Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Tapentadol, Fentanyl oder Buprenorphin zum Einsatz. Diese können ebenfalls mit nicht-opioiden Schmerzmitteln kombiniert werden.
  • Ko-Analgetika: Auf jeder Stufe des WHO-Schemas können Begleitmedikamente (sog. Ko-Analgetika) zusätzlich eingenommen werden. Diese können durch unterschiedliche andere Wirkmechanismen die Schmerzen beeinflussen, so dass ggf. die Dosierung der anderen Schmerzmittel verringert werden kann. Zu den Ko-Analgetika gehören z.B. Antidepressiva (beeinflussen Nervenschmerzen und das Schmerzerleben) oder Kortison (wirkt abschwellend, entzündungshemmend und auch gegen Übelkeit sowie Appetit anregend und Stimmung steigernd).

Antikonvulsiva: Diese Medikamente werden häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt. Sie wirken durch die Reduktion der übermäßigen Aktivität der Nerven, die Schmerzsignale an das Gehirn senden. Eine langfristige Einnahme kann allerdings zu einer Toleranzentwicklung & einem Gewöhnungseffekt führen, sodass mit der Zeit höhere Dosen benötigt werden. Nebenwirkungen können Schläfrigkeit und Schwindel umfassen.

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Antidepressiva: Ein Antidepressivum wird oft zur Linderung von Nervenschmerzen verschrieben. Es ändert die Art und Weise, wie das Gehirn Schmerzsignale verarbeitet. Zu den Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt und in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen.

Es ist wichtig, die Schmerzmedikation individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen und mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Regelmäßige Arztbesuche sind erforderlich, um die Wirksamkeit der Medikamente zu überwachen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Nicht-medikamentöse Behandlung von Nerven- und Muskelschmerzen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe von nicht-medikamentösen Maßnahmen, die zur Linderung von Nerven- und Muskelschmerzen beitragen können:

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen und Bewegungstherapie können helfen, die Muskulatur zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren. Funktionstraining, welches Balanceübungen, sensomotorisches Training, Koordinationstraining, Vibrationstraining und auch Feinmotorikertraining umfasst, hat sich Studien zwecks Symptomlinderung positiv hervorgetan.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können Patienten dabei unterstützen, alltägliche Aktivitäten trotz Schmerzen und Einschränkungen auszuführen.
  • Elektrotherapie: Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem sie die Nerven stimuliert und die Schmerzwahrnehmung beeinflusst.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Muskelverspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern kann.
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Yoga, Meditation und Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen, Muskelverspannungen zu lösen und die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei Nervenschmerzen und Übelkeit helfen, indem sie die Freisetzung von Endorphinen stimuliert und die Schmerzwahrnehmung beeinflusst.
  • Psychologische Unterstützung: Gespräche mit psychologisch geschulten Fachkräften können helfen, mit Stress, Angst und Depressionen umzugehen, die das Schmerzempfinden verstärken können.
  • Kältetherapie: Die Anwendung von Kälte bei Polyneuropathien hat herausragende Effekte auf das Nervensystem, welche zur direkten Linderung der Symptome beitragen können. Kälte verlangsamt die Übertragungsgeschwindigkeit von Nervenimpulsen. In den Extremitäten kann dies dazu führen, dass die unangenehmen Empfindungen, wie Kribbeln, Brennen oder Schmerzen, reduziert werden. Die Nerven sind weniger "reaktiv", was zu einer gewissen Beruhigung der Symptome führen kann. Kälte kann also die unangenehmen und schmerzenden Symptome bei Polyneuropathie effektiv lindern. Daher findet diese Art der Therapie auch immer häufiger in der Medizin Anwendung - z.B. in Form von Kryokammern oder kühlenden Salben.
  • Kalter Bruder® Relax: Das Gel Kalter Bruder® Relax ist speziell auf einen langanhaltenden Kühleffekt abgestimmt. Insbesondere das frische Gel der Aloe Vera Pflanze & Arnika sind bekannt für ihre entzündungshemmenden & lindernden Eigenschaften. Inhaltsstoffe wie Menthol und Kampfer wirken zusätzlich kühlend und können dazu beitragen, Schmerzen und Schwellungen zu lindern.

Ergänzende Therapien

Zusätzlich zu den konventionellen Behandlungsansätzen können auch ergänzende Therapien zur Linderung von Nerven- und Muskelschmerzen eingesetzt werden:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu stärken. Es gibt Hinweise darauf, dass die richtige Ernährung das Nervensystem positiv beeinflussen kann.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, angepasst an die individuellen Möglichkeiten, kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Durchblutung zu fördern und die Stimmung zu verbessern.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und B-Vitamine können eine unterstützende Wirkung bei Nerven- und Muskelschmerzen haben. Es ist jedoch wichtig, die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem behandelnden Arzt abzusprechen, da es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann.

Tipps für den Alltag

Neben den genannten Behandlungsansätzen können Patienten auch selbst aktiv werden, um ihre Beschwerden zu lindern:

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  • Schmerztagebuch führen: Notieren Sie in einem Tagebuch, wann und wo die Schmerzen auftreten, wie stark sie sind und welche Faktoren sie beeinflussen. Dies kann helfen, Muster zu erkennen und die Behandlung entsprechend anzupassen.
  • Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene und ausreichend Schlaf, da Schlafmangel Schmerzen verstärken kann.
  • Stress reduzieren: Vermeiden Sie Stress und suchen Sie nach Entspannungsmöglichkeiten, die Ihnen guttun.
  • Soziale Kontakte pflegen: Verbringen Sie Zeit mit Freunden und Familie und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus.
  • Sich Gutes tun: Konzentrieren Sie sich auf Dinge, die Ihnen Freude machen und Ihnen guttun.

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