Nerven der Speiseröhre: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein essentieller Bestandteil des Verdauungstrakts und spielt eine zentrale Rolle bei der Nahrungsaufnahme und -weiterleitung. Sie hat die Aufgabe, Nahrung und Flüssigkeiten aktiv in den Magen zu befördern. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der Speiseröhre, ihre Funktion, die beteiligten Nerven und mögliche Gesundheitsprobleme in diesem Bereich.

Anatomie der Speiseröhre

Der Ösophagus ist ein dehnbarer Muskelschlauch, der den Rachenraum mit dem Magen verbindet. Er erstreckt sich ungefähr vom 6. Halswirbel bis zum 11. Brustwirbel und lässt sich grob in drei Teile unterteilen:

  • Pars cervicalis (Halsteil): Dieser Abschnitt liegt im Halsbereich, zwischen der Luftröhre und der Wirbelsäule.
  • Pars thoracica (Brustteil): Dieser Abschnitt verläuft durch den Brustraum und hat direkten Kontakt zur Hauptschlagader sowie zum linken Hauptbronchus. Für eine kurze Strecke schmiegt sich die Speiseröhre von hinten dem linken Vorhof des Herzens an.
  • Pars abdominalis (Bauchteil): Dieser Abschnitt ist kurz und befindet sich im Bauchraum, wo die Speiseröhre in den Magen mündet.

Die Speiseröhre ist etwa 23 bis 25 Zentimeter lang und ein bis zwei Zentimeter weit. Dieser anatomische Aufbau der Speiseröhre erlaubt eine Dehnung des inneren Querschnitts auf drei bis vier Zentimeter. So kann sich der Ösophagus der Form und Beschaffenheit verschluckter Nahrung gut anpassen.

Wandaufbau

Die Wand des Ösophagus ist aus vier Schichten aufgebaut:

  1. Tunica mucosa (Schleimhaut): Sie liegt ganz innen und sorgt durch die Produktion einer entsprechenden Schleimschicht dafür, dass die Gleitfähigkeit der Nahrung erhalten bleibt. Die Schleimhaut ist mit Plattenepithel ausgekleidet. Funktion dieser Schleimhaut ist der mechanische Schutz vor Verletzungen.
  2. Tela submucosa (Submukosa): Die bindegewebige Submukosa befindet sich zwischen der Schleimhaut und der Muskelschicht. Das lockere Bindegewebe unter der Schleimhaut ist von einem ausgedehnten Venengeflecht durchzogen.
  3. Tunica muscularis (Muskelschicht): Die Muskelschicht besteht aus Ring- und Längsmuskulatur und ist für die wellenförmigen Kontraktionen verantwortlich, die die Nahrung durch den Ösophagus befördern. Im oberen Drittel besteht sie aus quergestreifter Muskulatur, im mittleren Drittel aus gemischter quergestreifter und glatter Muskulatur und im unteren Drittel aus glatter Muskulatur.
  4. Tunica adventitia/serosa (Äußere Schicht): Eine äußere, bindegewebige Verschiebeschicht gewährleistet die Beweglichkeit der Speiseröhre im Brustraum beim Schlucken. Blutgefäße, Lymphgefäße sowie Nervenbahnen finden sich in dieser Verschiebeschicht.

Engstellen der Speiseröhre

Im Verlauf des Ösophagus gibt es aufgrund der Nachbarschaft zu anderen anatomischen Strukturen einige physiologische Engstellen. An diesen Orten bleiben zum Beispiel verschluckte Fremdkörper bevorzugt stecken:

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  • Ringknorpelenge am Kehlkopf
  • Aortenenge: bedingt durch die Nähe des Ösophagus zum Aortenbogen und zum linken Hauptbronchus
  • Zwerchfellenge

Blutversorgung

Hinsichtlich der arteriellen Versorgung spielen die verschiedenen Abschnitte des Ösophagus eine wichtige Rolle.

  • Pars cervicalis: Rr. oesophageales aus der A. thyroidea inferior
  • Pars thoracica: Rr. oesophageales aus der Aorta thoracica, Rr. bronchiales aus der A. intercostalis posterior
  • Pars abdominalis: Rr. oesophageales aus der A. gastrica sinistra, A. phrenica inferior

Der venöse Abfluss hingegen erfolgt überwiegend durch Venae oesophageales, welche das sauerstoffarme Blut in die Venen des Azygossystems (Vena azygos/hemiazygos) an der Rückseite des Thorax ableiten.

  • Pars cervicalis: V. thyroidea inferior
  • Pars thoracica: Einmündung in die V. azygos und V. hemiazygos
  • Pars abdominalis: Vv. oesophageales münden über die V. gastrica sinistra in die V. portae

Die Vv. oesophageales bilden eine wichtige portokavale Anastomose zwischen dem Portalsystem und den Vv. cavae.

Lymphabfluss

  • Pars cervicalis: Abfluss zum Truncus jugularis über die Nll. cervicales profundi
  • Pars thoracica: Abfluss zu den Nll. mediastinales posteriores
  • Pars abdominalis: Abfluss zu den. Nll. gastrici sinistri und den Nll. coeliaci

Funktion der Speiseröhre

Die Hauptfunktion des Ösophagus ist der Transport von Nahrung und Flüssigkeiten vom Rachenraum in den Magen. Der von der Speiseröhre produzierte Schleim macht dabei die Nahrung noch gleitfähiger, sodass sie reibungslos in den Magen rutschen kann.

Die Innenwände der Speiseröhre liegen im Ruhezustand nahezu vollständig aneinander. Dafür sorgt ein Geflecht von Venen, das unter der Schleimhaut liegt. Am oberen und unteren Ende der Speiseröhre finden sich Schließmuskeln (Ösophagussphinkter). Während des Schluckaktes erschlafft der obere Schließmuskel und die Nahrung kann in die Speiseröhre gelangen. Durch unwillkürliche, wellenförmige Muskelkontraktionen von oben nach unten wird der Speisebrei durch die Speiseröhre transportiert. Erreicht diese sogenannte peristaltische Welle den unteren Schließmuskel, öffnet sich dieser reflektorisch und die Nahrung gelangt in den Magen.

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Der obere Schließmuskel sorgt im Zusammenspiel mit den Verschlussmechanismen des Kehlkopfs dafür, dass beim Schlucken keine Nahrungsbestandteile oder Fremdkörper eingeatmet werden (Aspiration). Dank des unteren Schließmuskels fließt kein saurer Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Dies würde sonst die Schleimhaut des Ösophagus schädigen. Durch dieses Zusammenspiel der Muskulatur funktioniert der Schluckvorgang in gewissem Maß auch gegen die Schwerkraft.

Innervation der Speiseröhre

Wie die anderen Teile des Magen-Darm-Trakts (zum Beispiel Dünndarm, Grimmdarm, Rektum) verfügt auch die Speiseröhre über ein autonom arbeitendes Nervensystem, das Enterische Nervensystem. Während der sympathische Anteil die muskuläre Peristaltik sowie die Sekretion der Ösophagusdrüsen hemmt, fördert der Parasympathikus (in diesem Bereich über den Nervus vagus) diese Funktionen.

Die Innervation des Ösophagus erfolgt durch:

  • N. laryngeus recurrens (Ast des N. vagus): Innerviert den oberen Teil der Speiseröhre.
  • Äste des N. vagus: Innervieren den restlichen Teil der Speiseröhre.

Der Nervus vagus spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Ösophagusmotilität (gastrointestinale Motilität) und zeigt sich bei der Geburt mit Regurgitation des gesamten verschluckten Inhalts.

Klinische Bedeutung: Erkrankungen der Speiseröhre

In klinischer Hinsicht ist die Speiseröhre bei einer Vielzahl von gut- und bösartigen Erkrankungen beteiligt.

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Entzündliche Erkrankungen

  • Ösophagitis: Eine Ösophagus-Entzündung (Ösophagitis) ist eine Entzündung der Schleimhaut der Speiseröhre, die durch verschiedene Ursachen wie sauren Reflux, Infektionen, Medikamente, Strahlentherapie oder Autoimmunerkrankungen verursacht werden kann. Der häufigste Auslöser ist die Refluxkrankheit (siehe später), was die Schleimhaut reizt und schädigen kann.
  • Refluxösophagitis (gastroösophageale Refluxkrankheit GERD): Eine Erkrankung, die durch das Zurückfließen von Magensäure in die Speiseröhre verursacht wird.

Funktionelle Störungen

  • Achalasie: Eine Motilitätsstörung des Ösophagus, die auf degenerative Veränderungen des Plexus myentericus zurückzuführen ist und zu einer Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters und einer unzureichenden Peristaltik des Oesophagus führt.
  • Nussknackerösophagus: Hyperkontraktile Motilitätsstörung der Muskulatur des unteren Ösophagus, die zu Schluckbeschwerden und retrosternalen Schmerzen führt. Die Ätiologie der Erkrankung ist unbekannt, häufig tritt der Nussknackerösophagus aber in Folge einer Refluxerkrankung oder Ösophagitis auf.

Strukturelle Anomalien

  • Ösophagusdivertikel: Bildet sich eine Ausstülpung in einer geschwächten Speiseröhrenwand, spricht man von einem Ösophagusdivertikel. In diesen Ausbuchtungen können sich Nahrungsbestandteile und Flüssigkeiten ansammeln. Die Ausstülpungen können nach ihrer Lokalisation eingeteilt werden: pharyngoösophageal (Zenker-Divertikel), midösophageal oder epiphrenisch.
  • Hiatushernie: Bei einer Hiatushernie wird ein Teil des unteren Ösophagus sowie des Magens durch eine Öffnung im Zwerchfell in die Brusthöhle verlagert. Risikofaktoren hierfür sind etwa ein gesteigerter Druck im Bauchraum (zum Beispiel durch Schwangerschaft, Adipositas, chronische Verstopfungen) oder eine Lockerung innerhalb der Zwerchfellöffnung für die Speiseröhre.

Gefäßerkrankungen

  • Ösophagusvarizen: Erweiterte und geschlängelte Venen, die sich in der Schleimhaut der Speiseröhre bilden. Diese Varizen können aufgrund von Lebererkrankungen auftreten, die den normalen Blutfluss durch die Leber beeinträchtigen und zu einem erhöhten Druck in den Venen des Magen-Darm-Trakts führen können. Das Risiko einer Varizenruptur ist hoch (etwa ⅓ der Betroffenen), die zu erheblichen, lebensbedrohlichen Blutungen führen kann.
  • Mallory-Weiss-Syndrom: Longitudinaler Einriss in der Schleimhaut des Ösophagus am gastroösophagealen Übergang. Erbrechen im Kindesalter verursacht und stehen häufig mit Alkoholismus in Verbindung. Es können Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt auftreten.

Neoplasien

  • Barrett-Ösophagus: Eine Präkanzerose, bei der das normale Plattenepithel des Ösophagus infolge einer langfristigen Refluxösophagitis durch Zylinderepithel ersetzt wird. Die Erkrankung ist mit einem erhöhten Risiko für Adenokarzinome der Speiseröhre verbunden.
  • Ösophaguskarzinom: Die beiden Haupttypen von Neoplasien des Ösophagus sind Plattenepithelkarzinome (typischerweise im oberen Ösophagus) und Adenokarzinome (typischerweise im unteren Ösophagus). Risikofaktoren sind Rauchen, Fettleibigkeit, Barrett-Ösophagus, Alkoholkonsum und bestimmte Ernährungsfaktoren.

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