Masern-Antikörper-Titer im Liquor: Interpretation und Bedeutung

Die Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die durch das Morbilli-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae verursacht wird. Obwohl die Masernimpfung die Inzidenz der Erkrankung in vielen Ländern drastisch reduziert hat, treten immer wieder lokale Epidemien auf. Die Diagnose von Masern kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere in Anbetracht der sinkenden Prävalenz und der damit einhergehenden mangelnden Erfahrung vieler Ärzte mit dem Krankheitsbild. Die Labordiagnostik, einschließlich der Bestimmung von Masern-Antikörpern im Liquor, spielt daher eine entscheidende Rolle.

Virologische Grundlagen der Masern

Das Morbilli-Virus ist ein RNA-Virus mit einem einzigen Serotyp, der eine hohe Antigenstabilität besitzt. Die Viruspartikel haben eine Größe von 110-250 nm und sind von einer Lipidhülle umgeben, die Spikes aus Hämagglutinin und Fusionsprotein trägt. Im Gegensatz zu anderen Paramyxoviren enthält das Masern-Virus keine Neuraminidase.

Übertragung und Krankheitsverlauf

Das einzige natürliche Reservoir des Masern-Virus ist der Mensch. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder durch Kontakt mit Nasopharyngealsekret. Nach einer Inkubationszeit von etwa 10 Tagen beginnt die akute Maserninfektion mit einem katarrhalischen Prodromalstadium, das durch Fieber, Rhinitis, Pharyngitis, Husten und Konjunktivitis gekennzeichnet ist. Pathognomonisch sind die Koplik-Flecken der Wangenschleimhaut. Am 14.-15. Inkubationstag tritt unter erneutem Fieberanstieg das charakteristische makulopapulöse Masernexanthem auf, das sich vom Kopf zum Rumpf und zu den Gliedmaßen ausbreitet und nach 5-7 Tagen wieder abklingt.

Bedeutung der Labordiagnostik

Die klinische Diagnose von Masern kann durch das Auftreten von Koplik-Flecken und die Ausbreitung des Exanthems gestützt werden. Die unspezifische Natur der Prodromalsymptome und das Auftreten leichter Fälle führen jedoch dazu, dass die klinischen Symptome als alleiniges Kriterium für die Diagnose unzuverlässig sind. Die Labordiagnostik gewinnt daher an Bedeutung, insbesondere in Anbetracht der Seltenheit des Krankheitsbilds.

Methoden der Labordiagnostik

  • Direktnachweis und Kultur: Das Virus wird in der Regel nicht direkt nachgewiesen. Zur Differenzialdiagnose werden Nasen-, Rachen-, Bronchialsekret und Konjunktivalflüssigkeit untersucht. Direktnachweise sind innerhalb von 24 Stunden durchzuführen, Kulturen innerhalb von 6 Stunden anzulegen.
  • Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg.

Interpretation serologischer Befunde

Sicherster Marker akuter Masern sind virusspezifische IgM-Antikörper. Sie können bei 50 % der Patienten bereits 3 Tage nach Exanthembeginn nachgewiesen werden, bei mehr als 90 % innerhalb von 10 Tagen. Ein positiver IgM-Nachweis sollte mit einem virusspezifischen IgG-Test bestätigt werden. Eine Serokonversion oder ein signifikanter Titeranstieg des spezifischen IgG gelten als beweisend für eine frische Infektion. In Zweifelsfällen untersucht man die Avidität des spezifischen IgG; ist sie hoch, ist eine akute Maserninfektion unwahrscheinlich.

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Masern-IgM-Konzentrationen zwischen 0,9 und 1,1 Indexwert gelten als grenzwertig und sollten durch eine erneute Prüfung bestätigt werden. Wenn die zweite Probe positiv ist, wird sie als positiv betrachtet; wenn sie negativ ist, wird sie als negativ betrachtet.

Ein positiver Masern-IgM-Befund deutet auf eine akute Infektion hin. In diesem Fall empfiehlt sich eine PCR-Untersuchung (Rachenabstrich, Liquor, Urin) und ggf. Eine erneute IgG-Titerkontrolle im Abstand von 10-14 Tagen ist ratsam, wenn der IgM-Befund negativ ist, da ein negativer IgM-Befund eine akute Masernerkrankung nicht sicher ausschließt, insbesondere bei immunen oder geimpften Personen nach erneutem Kontakt mit dem Masernvirus.

Masern-Antikörper im Liquor

Bei Verdacht auf eine Masern-Enzephalitis werden spezifische, intrathekal synthetisierte IgG-Antikörper im Liquor bestimmt. SSPE-Patienten zeigen extrem hohe IgG-Titer in Serum und Liquor. Die Möglichkeit von Kreuzreaktionen mit anderen Paramyxoviren ist zu berücksichtigen.

Impfstatus und Immunität

Nach 1970 Geborene mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit sollten eine einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff erhalten. Bei bevorstehender Aufnahme bzw. bei Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung wird ebenfalls eine Impfung empfohlen. Sofern die Erstimpfung im Alter von 9-10 Monaten erfolgt, soll die 2. MMR/V-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden. Im Rahmen eines Ausbruchs können ausnahmsweise Säuglinge im Alter von 6 - 8 Monaten nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-label-use) geimpft werden.

Differenzialdiagnosen

Als Differenzialdiagnosen sind u. a. andere Viruserkrankungen mit Exanthem zu berücksichtigen.

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