Die komplexe Anatomie des menschlichen Körpers wird durch ein Netzwerk von Nerven gesteuert, das jede Funktion, von der Verdauung bis zur Fortpflanzung, koordiniert. Dieser Artikel beleuchtet die Nervenversorgung vom Mund bis zur Prostata und betrachtet sowohl das Verdauungssystem als auch die spezifischen neurologischen Aspekte der Prostatafunktion.
Das Verdauungssystem: Eine neurologische Reise
Die Aufgabe des Verdauungssystems ist die Nahrungsaufnahme und die Ausscheidung von unverdaulichen oder nicht verwertbaren Nahrungsbestandteilen. Die Darmpassage, von der Nahrungsaufnahme im Mund bis zur Ausscheidung am Anus, dauert in der Regel etwa ein bis drei Tage.
Vom Mund zum Magen
Die Verdauung beginnt im Mund, wo die Nahrung gekaut und mit Speichel vermischt wird. Anschließend gelangt sie in den Magen, wo die eigentliche Verdauung mit Hilfe von Magensäure und Verdauungsenzymen beginnt.
Dünn- und Dickdarm: Die zentrale Rolle
Der Dünndarm, der sich zwischen Magen und Dickdarm befindet, ist in mehrere Teile untergliedert. Seine Hauptaufgabe ist die kontinuierliche Aufspaltung und Resorption von Nährstoffen. Der Dickdarm, der letzte Teil des Verdauungstrakts, ist ebenfalls in mehrere Abschnitte unterteilt, wobei das Colon sigmoideum, das Rektum und der Anus den Schluss bilden. Die Hauptaufgabe des Dickdarms ist die Aufnahme von Wasser.
Das enterische Nervensystem: Das "Bauchhirn"
Das enterische Nervensystem (ENS), oft auch als "Bauchhirn" bezeichnet, ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen im Verdauungstrakt. Es ist in der Lage, die Verdauung weitgehend autonom zu steuern, unabhängig vom zentralen Nervensystem (ZNS). Das ENS reguliert die Darmbewegung (Peristaltik), die Sekretion von Verdauungssäften und die Durchblutung des Darms.
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Die Rolle des autonomen Nervensystems
Das autonome Nervensystem (VNS) spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Verdauung. Es besteht aus zwei Hauptkomponenten:
- Sympathisches Nervensystem: Dieses System wird bei Stress oder Gefahr aktiviert ("Kampf-oder-Flucht"-Reaktion). Es kann die Verdauung verlangsamen oder stoppen.
- Parasympathisches Nervensystem: Dieses System ist in Ruhe- und Regenerationsphasen aktiv ("Ruhe und Verdauung"). Es fördert die Verdauung, indem es die Darmbewegung und die Sekretion von Verdauungssäften anregt. Der Nervus Vagus (HN X) spielt hierbei eine zentrale Rolle.
Beckenbodenmuskulatur: Stütze und Kontrolle
Die Beckenbodenmuskulatur, eine trichterförmige Struktur aus verschiedenen Muskeln und Bindegewebe unterhalb der Beckenhöhle, spielt eine entscheidende Rolle bei der Stützung der inneren Organe und der Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion. Die Muskeln können willentlich angespannt werden, um einem erhöhten Druck in Bauch und Becken besser standzuhalten, beispielsweise bei der Kontinenz. Bei normaler Funktion entspannt sich die Beckenbodenmuskulatur, um den Stuhlgang zu ermöglichen.
Nerven und ihre Bedeutung für Blase und Darm
Für die Funktionskontrolle von Blase und Darm sind drei Nerven besonders wichtig:
- Nervus pudendus: Steuert die willkürliche Kontrolle des äußeren Schließmuskels von After und Harnröhre.
- Nervi splanchnici pelvici: Übertragen parasympathische Impulse zum Darm und zur Blase.
- Nervus hypogastricus: Überträgt sympathische Impulse zum Darm und zur Blase.
Die Prostata: Anatomie und Nervenversorgung
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine akzessorische Geschlechtsdrüse des Mannes. Sie befindet sich im kleinen Becken unterhalb des Blasenbodens um die Harnröhre. Die Prostata ist normalerweise kastaniengroß und befindet sich am Blasenausgang. Ihre Funktion besteht darin, der Samenflüssigkeit ein Sekret beizumischen, das die Beweglichkeit der Spermien verbessert.
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Im Alter kann es zu einer gutartigen Vergrößerung der Prostata kommen, einer Vermehrung ansonsten unauffälliger gutartiger Zellen. Dies wird als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet. Sie tritt mit zunehmendem Lebensalter auf, wobei ca. 60% der über 50-jährigen Männer davon betroffen sind. Durch den Verlauf der Harnröhre in der Mitte der Prostata kann es dabei zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Symptome sind Reizbeschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem nächtlichem oder plötzlich auftretendem Harndrang, Blasenentleerungsstörungen oder erschwertes Wasserlassen. Im extremen Fall ist das Wasserlassen gar nicht mehr möglich und es kommt zum Harnverhalt.
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Die Ursachen für die gutartige Prostatavergrößerung sind noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass es im Alter zu einer Verschiebung des Hormonhaushaltes und damit zu einem Ungleichgewicht kommt. Unter der Einwirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron vergrößert sich vor allem jener Bereich der Prostata, welcher die Harnröhre umschließt, und verengt diese dadurch zunehmend.
Diagnostik der BPH
- Digital-rektale Untersuchung: Durch den After kann die Größe, Form und Konsistenz der Prostata ertastet werden.
- Ultraschalluntersuchung über den Enddarm (TRUS): Ergänzt die Diagnostik sinnvoll.
- Bestimmung des PSA-Wertes: Der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) kann bei Erhöhung ein erstes Anzeichen von Prostatakrebs sein und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Krebsvorsorgeuntersuchung.
- Messung des Harnstrahles (Uroflow):
- Ultraschall: Bestimmung der Menge des Restharns in der Blase.
Die ersten Anzeichen der BPH sind eine Abschwächung des Harnstrahls, ein verzögerter Beginn der Miktion und eine verlängerte Harnblasenentleerung. Die Harnblase kann sich nicht mehr vollständig entleeren und es kommt zur sogenannten Restharnbildung. Das nächtliche Wasserlassen häuft sich ebenso wie die Miktionsfrequenz am Tage. Auch das „Nachtröpfeln“ nach Beendigung des Wasserlassens und ungewollte Urinabgänge können auftreten.
Therapie der BPH
Bei starken Beschwerden und in Fällen, in denen die Einnahme von Medikamenten nicht die erwünschte Besserung bringt, ist eine Operation notwendig.
Eine Alternative zu den bekannten Therapieoptionen wie die medikamentöse Therapie bzw. die Resektion (TUR-Prostata) oder die Chirurgie stellt die Prostata-Embolisation (PAE) dar. Ziel der Prostataembolisation ist es, durch den Verschluss der prostataversorgenden Gefäße mit kleinen Partikeln die Gefäßversorgung der Prostata zu vermindern. In den Wochen bzw. Monaten nach der Embolisation schrumpft die Prostata langsam als Folge der verminderten Blutungsversorgung.
Prostatakrebs
Neben der gutartigen Vergrößerung gibt es auch bösartige Veränderungen der Prostata. Prostatakrebs ist mit knapp 23 Prozent die häufigste Krebserkrankung von Männern in Deutschland. Jährlich werden mehr als 60.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Das Karzinom entsteht meist weiter entfernt von der Harnröhre im äußeren Teil der Vorsteherdrüse, wo er oft lange Zeit unbemerkt bleibt.
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Der Prostatakrebs (medizinisch: Prostatakarzinom; PCa) ist eine bösartige Tumorerkrankung und geht vom Drüsengewebe der Vorsteherdrüse (Prostata) aus. Der Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes mit ca. 25,4% aller Krebsneuerkrankungen noch vor Darm- und Lungenkrebs. Hauptgrund hierfür ist der wachsende Anteil älterer Männer. Die Erkrankung ist im Frühstadium meist symptomlos, das heißt ohne merkbare Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium können Beschwerden wie Knochenschmerzen, teilweise auch Blasenentleerungsstörungen und später auch Gewichtsverlust und Blutarmut auftreten. Eine Behandlung mit Aussicht auf vollständige Heilung ist nur möglich, wenn das entartete Gewebe die Organgrenzen noch nicht überschritten hat und keine Metastasen vorliegen.
Diagnostik des Prostatakrebses
- Tastuntersuchung: Durch diese Untersuchung kann man bereits einen ersten Eindruck erhalten, ob die Prostata des Mannes verändert ist.
- PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen): Wird aus dem Blut des Mannes bestimmt und kommt ausschließlich in der Prostata vor. Eine Erhöhung des Wertes kann jedoch auch durch eine gutartige Prostatavergrößerung, Entzündungen, sportliche Aktivität oder Sex hervorgerufen werden.
- Multiparametrische Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata: Diese spezielle Bildgebung der Prostata ermöglicht es, auffällige Herde innerhalb der Prostata sichtbar zu machen.
- Prostatabiopsie: Entnahme von Gewebeproben zur Bestätigung der Diagnose und Bestimmung des Aggressivitätsgrades des Tumors.
Therapie des Prostatakrebses
Die Therapie des Prostatakarzinoms ist vom jeweiligen Stadium der Erkrankung abhängig und setzt sich aus dem PSA-Wert, der genauen Bewertung der Histologie aus einer Prostatabiopsie und der Tastuntersuchung der Prostata zusammen.
- Aktive Überwachung: Bei sehr langsam wachsenden Tumoren, die keine Beschwerden verursachen.
- Operation (radikale Prostatektomie): Entfernung der gesamten Prostata.
- Strahlentherapie: Zerstörung der Krebszellen durch radioaktive Bestrahlung.
- Brachytherapie (Seed-Implantation): Einsetzen von radioaktiven Metallteilchen in die Prostata.
- Fokale Therapie: Zerstörung der Krebszellen nur in den betroffenen Bereichen der Prostata (z.B. HIFU, IRE, Tookad).
Innovative Therapien: HIFU und da Vinci-Roboter
Neue Therapien und innovative Techniken haben die Heilungschancen bei vielen Krebsarten nachhaltig verbessert. Dazu zählt auch der da Vinci-Roboter, der computergestützte Operationen möglich macht. Der Chirurg führt den Eingriff zur Entfernung des Tumors oder der gesamten Prostata mit dem da Vinci-Operationsroboter durch, welcher die Handbewegungen des Chirurgen mit außerordentlicher Präzision auf die chirurgischen Instrumente überträgt.
Bei der fokalen HIFU-Therapie (hochintensiver fokussierter Ultraschall) werden Ultraschallwellen gebündelt, um die Tumorzellen gezielt zu zerstören, während die Prostata selbst erhalten bleibt.