Nerven im Mund- und Rachenraum: Ursachen und Behandlung von Schluckstörungen

Das Schlucken ist ein lebensnotwendiger Vorgang, der uns ermöglicht, Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen. Funktioniert dieser Mechanismus nicht reibungslos, kann dies zu erheblichen Problemen führen. Wenn das Schlucken beim Essen oder Trinken Probleme bereitet, sprechen Experten von einer Dysphagie. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und reichen von harmlosen Entzündungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen.

Der komplexe Schluckvorgang

Um zu verstehen, warum Schluckbeschwerden auftreten, ist es wichtig, den eigentlichen Schluckprozess zu betrachten. Dieser lässt sich in drei Phasen unterteilen:

  1. Orale Vorbereitungsphase: Durch Kauen und Einspeicheln entsteht ein geschmeidiger Brei. Hier bereitet man sich auf die Nahrungsaufnahme vor. Aspiration kann in dieser Phase auftreten.
  2. Pharyngeale Phase: Der Schluckreflex wird ausgelöst, und der Brei gelangt in die Speiseröhre.
  3. Ösophageale Phase: Die Speiseröhre transportiert die Nahrung in den Magen.

Insgesamt arbeiten während des Schluckens etwa 50 Muskelpaare zusammen, deren Steuerung sechs Hirnnerven übernehmen. Die beteiligten Muskeln befinden sich in Gesicht, Zunge und Rachen. Funktioniert eine dieser Phasen nicht einwandfrei, hat das in der Regel Auswirkungen auf die folgenden Schritte.

Was ist eine Dysphagie?

Der Begriff Dysphagie meint jegliche Art von Schluckstörung. Bereitet das Schlucken beim Essen oder Trinken Probleme, sprechen Experten von einer Dysphagie. Die kann von der Erkältung bis hin zum Tumor viele verschiedene Ursachen haben. Über das Schlucken machen wir uns normalerweise kaum Gedanken, schließlich läuft der Schluckakt ganz von allein und unbewusst ab. Aber wenn das Schlucken mal nicht mehr richtig funktioniert, wird es schnell sehr unangenehm. Funktioniert zum Beispiel das reflexartige Schließen des Eingangs zur Luftröhre nicht richtig, kann Nahrung in die Atemwege gelangen und Erstickungsanfälle oder Lungenentzündungen verursachen.

Oropharyngeale Dysphagie

Oropharyngeale Dysphagie bezeichnet eine Schluckstörung, bei der die Schwierigkeiten beim Beginn des Schluckaktes liegen, also in der oralen und pharyngealen Phase des Schluckens. Diese Störung betrifft die Art und Weise, wie Nahrung und Flüssigkeiten vom Mund in den Rachen transportiert werden, bevor sie in die Speiseröhre gelangen.

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Ursachen:

  • Neurologische Erkrankungen: Wie Schlaganfall, Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).
  • Strukturelle Probleme: Veränderungen in der Anatomie des Mundes und des Rachens, wie sie nach Operationen oder aufgrund von Tumoren auftreten können.
  • Muskelstörungen: Schwäche oder Koordinationsprobleme der Muskeln, die am Schluckvorgang beteiligt sind.
  • Alterungsprozess: Natürliche Veränderungen in Muskelfunktion und Sensibilität im Alter.

Symptome:

  • Schwierigkeiten beim Starten des Schluckens: Probleme beim Beginn des Schluckvorgangs.
  • Husten oder Würgen während des Essens: Hinweis auf Aspiration, d.h. Nahrung oder Flüssigkeit gelangt in die Luftröhre.
  • Nasale Regurgitation: Nahrung oder Flüssigkeit gelangt in die Nase.
  • Speichelfluss oder Auslaufen von Nahrung aus dem Mund.
  • Gefühl eines steckengebliebenen Bissens im Hals.
  • Häufige Lungenentzündungen: Aufgrund von Aspiration.

Ösophageale Dysphagie

Hier befindet sich der Grund für das gestörte Schlucken in der Speiseröhre (Ösophagus). Oft arbeiten die Muskeln dann nicht mehr richtig, was den Transport vom Nahrungsbrei in Richtung Magen verhindert. In anderen Fällen ist die Speiseröhre verengt oder verstopft, was den Weitertransport blockiert.

Ursachen von Schluckstörungen

Die Ursachen einer Dysphagie können vielfältig sein. Liegt die Ursache im Rachenraum (oropharyngeal), kann es sich um neurologische Störungen oder auch um ein lokales Hindernis wie einen Tumor oder eine Aussackung (Divertikel) der Speiseröhre handeln. Liegt die Ursache tiefer in der Speiseröhre (ösophageal), gibt es zwei mögliche Erklärungen: entweder ein mechanisches Hindernis wie eine Verengung, eine Entzündung, eine Narbenbildung, ein Divertikel oder einen Tumor. Oder es handelt sich um eine sogenannte Motilitätsstörung der Speiseröhre, also eine gestörte Beweglichkeit aufgrund von Koordinationsstörungen oder Lähmungen in Mund oder Rachen. Dazu gehört zum Beispiel auch die sogenannte Achalasie, bei der der Schließmuskel am Ende der Speiseröhre verkrampft und die Passage der Nahrung behindert. Schluckstörungen können auch eine Nebenwirkung von Medikamenten sein.

Häufige Ursachen im Überblick

  • Neurologische Erkrankungen: Schlaganfall, Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Erkrankungen der Speiseröhre: Entzündung (Ösophagitis), Aussackungen (Divertikel), Achalasie
  • Tumore: Im Halsbereich, beispielsweise Kehlkopfkrebs
  • Muskelerkrankungen: Muskeldystrophien, Myasthenia gravis
  • Infektionen: Virale oder bakterielle Entzündungen im Mund- und Rachenraum
  • Medikamente: Neuroleptika, Opiate, Antidepressiva, Antiepileptika, Anticholinergika, Muskelrelaxantien, Beruhigungsmittel
  • Hohes Alter (Presbyphagie): Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Schluckstörung zu entwickeln.
  • Psychische Einflüsse (psychogene Dysphagie): Angststörung, Depression oder starkem Stress

Seltenere Ursachen

  • Allergien: Eine allergische Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel kann dazu führen, dass durch Entzündungen und daraus resultierende Vernarbungen eine Engstelle in der Speiseröhre entsteht.
  • Refluxkrankheit: Ist diese Funktion gestört, fließt saure Flüssigkeit in die Speiseröhre.
  • Eosinophile Ösophagitis: Die chronisch-entzündliche Speiseröhrenentzündung

Symptome einer Schluckstörung

Je nach Ursache zeigt sich eine Schluckstörung auf verschiedene Art und Weise. Ein gestörtes Schlucken erkennt man zum Beispiel daran, dass:

  • das Schlucken deutlich verlangsamt ist
  • die Speisen lange Zeit im Mund bleiben
  • sich Nahrungsreste im Mund sammeln
  • beim Essen oder Trinken Husten, Räuspern oder Heiserkeit auftritt
  • es zu Aufstoßen, Verschlucken oder Würgen kommt
  • Speichel aus dem Mund oder Flüssigkeit aus der Nase läuft
  • sich die Stimme verändert und nach dem Schlucken etwa gurgelig klingt oder die gesprochenen Worte unverständlich sind
  • Schmerzen oder Brennen im Brustbereich auftreten
  • ein Druckgefühl im Hals oder Brustbereich besteht oder das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben
  • unerklärte Gewichtsabnahme

Diagnose von Schluckstörungen

Um die Ursache der Schluckprobleme zu finden, kommt es zunächst auf die Beschreibung der Beschwerden an. Bestehen die Beschwerden ständig oder gibt es besondere Auslöser? Verschluckt sich der oder die Betroffene schon am eigenen Speichel oder vor allem beim Essen oder Trinken? Kommt es zu Husten oder gar Erstickungsanfällen? Trat ein Gewichtsverlust auf? Gibt es Anzeichen für Mangelerscheinungen oder Austrocknung? Ist schon häufiger eine Lungenentzündung aufgetreten? Bereitet vor allem feste Nahrung Probleme beim Schlucken, spricht das für ein festes Hindernis in der Speiseröhre.

Ärztliche Ansprechpartner

Für die Diagnostik im Nasen-Rachen-Raum und im Kehlkopfbereich sind HNO-Ärzte die richtigen Ansprechpartner, für Nervenfunktionsstörungen sind es Neurologen, für die Diagnostik der Speiseröhre Gastroenterologen.

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Untersuchungsmethoden

  • Krankengeschichte: Ein ausführliches Gespräch zu den Beschwerden und der Krankengeschichte ist wichtig.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt schaut sich Mundhöhle, Zähne, Rachen, Kopf und Nacken genau an und sucht nach Auffälligkeiten oder Veränderungen, die auf eine Schluckstörung hinweisen.
  • Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie): Um den Rachen und Kehlkopf genauer zu untersuchen, nutzt der Arzt ein schlauchartiges, flexibles Gerät (Endoskop), das über die Nase eingeführt wird.
  • Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie): Besteht der Verdacht auf ein Problem in der Speiseröhre, ist eine Endoskopie der Speiseröhre sinnvoll.
  • Biopsie: Bei Bedarf können Ärzte bei der endoskopischen Untersuchung von Kehlkopf oder Speiseröhre zusätzlich eine Gewebeprobe entnehmen.
  • Fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES): Sie erlaubt es, den Schluckvorgang in Echtzeit zu beobachten und herauszufinden, wie die Beschaffenheit der Nahrung, die Schlucktechnik oder die Körperhaltung den Vorgang beeinflussen.
  • Videofluoroskopie (VFSS): Hier werden die Phasen des Schluckens mithilfe von Röntgenstrahlen und Kontrastmittel sichtbar gemacht.

Behandlung von Schluckstörungen

Die Therapie von Schluckbeschwerden ist ähnlich vielfältig wie deren Ursachen und Auslöser. Eine Dysphagie erfordert meist eine langfristige Betreuung durch ein Team, in dem Ärzte sowie Therapeuten verschiedener Fachgebiete zusammenarbeiten. Ziel der Behandlung ist, betroffenen Menschen das Essen und Trinken bestmöglich zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.

Therapieoptionen

  • Schlucktherapie: Die Schlucktherapie beinhaltet medizinische, logopädische, sprachtherapeutische und physiotherapeutische Maßnahmen. Im Idealfall kann sich der Patient oder die Patientin danach wieder vollständig auf normale Art und Weise ernähren. Mindestziel ist es, die Schluckfunktion zu verbessern und ein Verschlucken zu vermeiden.
  • Ernährungsmaßnahmen: Hier geht es darum, die Konsistenz der Nahrung an die individuellen Schluckfähigkeiten anzupassen. So lassen sich beispielsweise Flüssigkeiten andicken oder feste Speisen pürieren.
  • Künstliche Ernährung: Ist das Schlucken stark beeinträchtigt und besteht das Risiko, dass beim Essen oder Trinken etwas in die Luftröhre gelangt - also aspiriert wird - kommt eine künstliche Ernährung infrage. Dafür legen Ärzte häufig eine PEG-Sonde. Das ist ein elastischer Schlauch, der über die Bauchdecke in den Magen eingeführt wird.
  • Atemhilfen: Werden neben Nahrung und Flüssigkeit auch große Mengen Speichel aspiriert, genügt eine Sonde nicht mehr, um eine Lungenentzündung zu vermeiden. Dann ist ein Luftröhrenschnitt unterhalb des Kehlkopfs nötig, um den Schluckweg vollständig vom Atemweg zu trennen.
  • Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene ist wichtig, da sie das Risiko für Lungenentzündungen durch Aspiration von Bakterien deutlich reduzieren kann.
  • Medikamente: Bei bestimmten Formen der Dysphagie können Medikamente die Schluckfunktion verbessern, zum Beispiel indem sie den Speichelfluss verringern.
  • Operation: Ein chirurgischer Eingriff kommt beispielsweise infrage, wenn Tumoren oder Divertikel das Schlucken beeinträchtigen.
  • Neurostimulation.

Innovative Behandlungsansätze

  • POEM-Verfahren: Eine effektive Behandlung ist heute das sogenannte POEM-Verfahren. Der Eingriff wird unter Vollnarkose mit dem Endoskop durchgeführt: Über eine Öffnung in der Schleimhaut der Speiseröhre schaffen die Ärzte einen Tunnel unter der Schleimhaut entlang bis zur Engstelle weiter unten. Hier wird die innere Muskelschicht der Speiseröhre durchtrennt, um sie wieder durchgängig zu machen. Für die Untertunnelung der Schleimhaut nutzt die Operateurin oder der Operateur elektrischen Strom. Nach der Spaltung der Muskulatur wird die Öffnung in der Schleimhaut mit Clips verschlossen, die später einfach abfallen. Ein großer Vorteil dieser Tunneltechnik ist, dass es kaum zu Infektionen kommen kann.

Hausmittel und unterstützende Maßnahmen

  • Viel trinken: Bei Schluckbeschwerden sollte darauf geachtet werden viel Wasser zu trinken, um die Schleimhäute ausreichend zu befeuchten.
  • Warme Halswickel: Außerdem können auch warme Halswickel Abhilfe schaffen. Empfehlenswert sind zum Beispiel warme Wickel. Dazu braucht es lediglich ein Leinentuch, welches Sie in warmes Wasser tauchen, auswringen und sich anschließend um den Hals legen. Anstelle des warmen Wassers eignet sich beispielsweise auch Kamillentee. Bewährt haben sich außerdem Kartoffelwickel, die dasselbe Prinzip verfolgen.
  • Mundspülungen: Aus Hausmitteln lassen sich auch Mundspülungen ganz einfach selbst herstellen. Dafür eignen sich beispielsweise Salbei und Kamille. Gießen Sie einen Teelöffel Salbeiblätter oder Kamillenblüten mit etwa 500 Millilitern kochendem Wasser auf und lassen Sie diese für etwa 20 Minuten ziehen.
  • Gurgeln: Auch das Gurgeln mit einem Gel kann helfen.

Das Globusgefühl

Klagen Menschen über ein Globusgefühl in der Halsregion, einen Globus pharyngis, sind damit häufig Missempfindungen oder ein Fremdkörpergefühl gemeint. Betroffene beschreiben dieses Gefühl oft wie einen Kloß oder Frosch im Hals. Zum Teil kann es sich auch anfühlen, als würde ein Ball im Hals feststecken. Es kann vorübergehend auftreten, über einen längeren Zeitraum anhalten oder episodisch immer wiederkehren. Die größten Beschwerden treten beim Leerschlucken auf. Aber auch Trinken, die Nahrungsaufnahme oder sogar die Stimmbildung kann mitunter beeinträchtigt sein.

Ursachen des Globusgefühls

Die Besonderheit des Globusgefühls: Es gibt vielfältige Ursachen. Denn das Globusgefühl selbst ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, dem verschiedene Diagnosen zu Grunde liegen können.

  • Ein Reflux (aufsteigende Magensäure)
  • Entzündungen nach Infektionen im Nasen-Rachenraum und der oberen Atemwege
  • Sekretveränderungen
  • Gutartige Zysten aufgrund von Schleimhautveränderungen
  • Verschleppte Zahnentzündungen
  • Verspannung der Kiefer- und Halsmuskulatur
  • Schiefstellungen (z.B. der Wirbelsäule)
  • Psychogene Auslöser wie zum Beispiel Angst, Depressionen, Trauer oder Stress

Behandlung des Globusgefühls

Je nach Diagnose wird das Globusgefühl unterschiedlich behandelt.

  • Organische Veränderungen, zum Beispiel Zysten oder Tumoren, können minimalinvasiv operativ abgetragen werden.
  • Bei einem vergrößerten Zungen- oder Mandelgewebe kann die sogenannte Hochfrequenz-Diathermie eingesetzt werden, bei der Gewebe durch Erwärmung verkleinert wird.
  • Medikamente wie Magensäure-Hemmer bei Reflux oder kortisonhaltige Nasensprays bei Nasennebenhöhlenentzündungen
  • Logopädie: Stimmübungen bei Veränderungen am Kehlkopf, Atemübungen bei Reflux (Verbesserung des Speiseröhrenverschlusses)
  • Physio- und Osteopathie: manuelle Therapie oder osteopathische Handgriffe bei Verspannung der Muskulatur und Schiefstellung, z.B. des Kehlkopfes
  • Psychotherapie, z.B. Gesprächstherapie bei psychogenen Auslösern wie Stress oder Angst

Schmerzen im Mund- und Gesichtsbereich

Schmerzen im Mund- und Gesichtsbereich können als Dauerschmerz oder in Attacken auftreten. Da es viele mögliche Ursachen gibt, ist eine sorgfältige Diagnostik (ärztliche Befragung und Untersuchung) die Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie. Dabei können unterschiedliche ärztliche Fachgebiete beteiligt sein, wie Neurologie, Zahnheilkunde, Augenheilkunde und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

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Schmerz im Bereich der Mundhöhle

Häufig verursachen Schleimhautentzündungen akute Schmerzen. Hervorgerufen werden sie von oberflächlichen oder tiefen Zahnfleischentzündungen, Entzündungen beim Durchbruch von Weisheitszähnen sowie bakteriell oder durch Viren verursachten Erkrankungen des Zahnfleischs. Natürlich können auch Zähne schmerzen: Sie reagieren empfindlich auf Temperatur- oder chemische Reize (z.B. Säure), wenn durch einen kariösen Defekt das Dentin (Zahnbein) oder bei freiliegenden Zahnhälsen das Wurzelzement freiliegt.

Zahnmarkentzündung (Pulpitis)

Schmerzen werden häufig durch eine Entzündung im Bereich des Nerven- und Gefäßgeflechts verursacht, das als Zahnmark (Pulpa) bezeichnet wird. Die häufigste Ursache hierfür ist eine Reizung durch eine nah an das Zahnmark heranreichende Karies (bakterielle Pulpitis). Auch Zahnmark-nahes Beschleifen eines Zahns beim Legen einer Füllung oder bei der Vorbereitung des Zahns für eine Krone können zu einer solchen Reizung führen. In einigen Fällen beginnt der Entzündungsprozess nicht durch eine Schädigung der Zahnhartsubstanz, sondern wird durch eine Stauchung des Zahns ausgelöst - etwa bei zu hohen Füllungen oder durch Zähneknirschen - und Pressen (Entzündung des Zahnmarks ohne Bakterien oder andere Erreger = abakterielle Pulpitis).

Entzündung an der Wurzelspitze (apikale Parodontitis)

Hat der Zahnarzt die Ursache für die Pulpitis entfernt, bildet sich die Entzündung zurück (umkehrbare = reversible Zahnmarkentzündung) oder sie hält an und der Nerv stirbt ab (nicht umkehrbare = irreversible Zahnmarkentzündung). Verläuft die Entzündung langsam, kann der Nerv auch nahezu schmerzfrei und unbemerkt absterben. Es bildet sich dann jedoch später häufig ein Entzündungsherd im Knochen an der Wurzelspitze (= apikale Parodontitis).

Ungewöhnlicher Zahnschmerz (atypische Odontalgie, persistierender dentoalveolärer Schmerz)

Ähnliche Beschwerden wie die Zahnmarkenzündung oder die Entzündung an der Wurzelspitze verursacht die eher selten auftretende sogenannte atypische Odontalgie (Phantom-Zahnschmerz). Der Patient empfindet diesen lang anhaltenden Nervenschmerz häufig an einem Zahn oder in einem Gebiet, wo ein Zahn gezogen wurde (Extraktionsareal). Der Zahnarzt findet aber bei der Untersuchung und in Röntgenbildern keine mögliche Ursache. Häufig verstärkt sich der Schmerz bei kaltem Wetter.

Syndrom der brennenden Zunge/des brennenden Mundes (Burning-Mouth-Syndrom)

Unter den brennenden Schmerzen im Bereich des Mundes und der Zunge leiden überwiegend Frauen im höheren Lebensalter, der Leidensdruck ist sehr hoch. Die Ursache der Erkrankung ist letztlich nicht völlig geklärt und liegt möglicherweise in einer Schädigung dünner Nervenfasern, die die Zunge und den Mundbereich versorgen.

Schmerz im Bereich des Gesichtes

Typischer und atypischer Gesichtsschmerz

Der „typische Gesichtsschmerz“ schießt blitzartig elektrisierend wie ein Stromschlag im immer gleichen Bereich des Gesichtes ein, der „atypische Gesichtsschmerz“ wird dagegen dumpf in der Tiefe wahrgenommen und ist dauerhaft vorhanden.

Trigeminusneuralgie

Bei einer Trigeminusneuralgie kommt es zu plötzlich einschießenden, nur Sekunden andauernden, elektrisierenden Schmerzen in einem oder zwei benachbarten Ästen des Nervus trigeminus (Gesichtsnerv mit drei Endästen). Solche Attacken können spontan auftreten oder beim Kauen, Sprechen oder Zähneputzen ausgelöst werden - manchmal reicht auch bereits kalter Wind, der über die Wange streicht.

Atypischer Gesichtsschmerz

Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft wählte dafür die Bezeichnung „idiopathischer anhaltender Gesichtsschmerz“, die sich jedoch noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist. Der atypische Gesichtsschmerz betrifft Frauen häufiger als Männer und überwiegend das mittlere und höhere Lebensalter.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Bei der craniomandibulären Dysfunktion (auch als Myoarthropathie bezeichnet) sind das Kiefergelenk oder die Kaumuskulatur betroffen, insbesondere der Masseter-Muskel (gut tastbar beim Zubeißen und Entspannen am Kieferwinkel schräg unter dem Ohrläppchen) und der Schläfenmuskel.

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