Glück und Gehirn: Eine Forschungsreise ins Innere des Glücks

Einführung

Glück ist ein vielschichtiges Gefühl, das unser Leben bereichert und unsere Entscheidungen beeinflusst. Doch was genau passiert in unserem Gehirn, wenn wir Glück empfinden? Die moderne Forschung hat begonnen, diese Frage zu ergründen und faszinierende Einblicke in die neurobiologischen Grundlagen des Glücks zu gewinnen. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Botenstoffen wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin, die Bedeutung von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen sowie die Möglichkeiten, unser eigenes Glücksempfinden positiv zu beeinflussen.

Die Rolle von Serotonin für gute Laune

Serotonin ist ein Botenstoff, der oft als "Glückshormon" bezeichnet wird. Es sorgt dafür, dass wir gute Laune haben, vor allem im Gehirn. Professorin Masseck, Leiterin der Arbeitsgruppe Synthetische Biologie an der Universität Bremen, erforscht Serotonin seit vielen Jahren. Sie betont, dass ein ausgeglichener Serotoninspiegel entscheidend ist. Zu wenig Serotonin kann zu schlechter Stimmung führen, während ein Überschuss, insbesondere im Darm, unerwünschte Folgen haben kann. Menschen, die depressiv sind, haben in der Regel einen viel zu niedrigen Serotoninspiegel im zentralen Nervensystem, was oft eine medikamentöse Behandlung erfordert.

Wie wir den Serotoninspiegel beeinflussen können

Da unser Körper Serotonin nicht selbst herstellen kann, müssen wir es ihm zuführen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Aminosäure L-Tryptophan, die die Blut-Hirn-Schranke passieren und ins Gehirn gelangen kann. Dort wird sie von Nervenzellen in Serotonin umgewandelt. Lebensmittel, die reich an L-Tryptophan sind, wie Nüsse, Eier, Geflügel und Fisch, können daher einen positiven Einfluss auf unseren Serotoninspiegel haben. Auch Sport treiben kann helfen, da unsere Muskeln beim Sport essenzielle Aminosäuren verbrauchen und so mehr L-Tryptophan ins Gehirn gelangt. Regelmäßige Schlafzeiten tragen ebenfalls dazu bei, die Botenstoffe des Schlaf-Wach-Rhythmus im Gleichgewicht zu halten, da Serotonin eine Vorstufe des Schlafhormons Melatonin ist.

Dopamin: Das Glückshormon der Belohnung

Dopamin ist ein weiterer wichtiger Neurotransmitter, der mit Glücksempfinden in Verbindung steht. Es wird vor allem bei kurzfristigen, akuten Hochgefühlen ausgeschüttet und ist in Bereichen des Gehirns angesiedelt, die mit Belohnung zu tun haben. Dopamin tritt in Aktion, wenn etwas Positives passiert, etwas Schönes, mit dem man nicht gerechnet hat. Es ist auch verantwortlich für unsere Motivation, gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit und Leistung. Dopamin kann einen regelrechten Glücksrausch auslösen.

Weitere Glückshormone und ihre Wirkungen

Neben Serotonin und Dopamin gibt es noch weitere Hormone, die unser Glücksempfinden beeinflussen:

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  • Noradrenalin: Wird vor allem bei Stress ausgeschüttet und steuert, ob wir wach und aufmerksam sind. Es hat auch Einfluss darauf, wie motiviert wir sind.
  • Endorphine: Werden bei schweren Verletzungen oder beim Sport ausgeschüttet und dämpfen Schmerzen. Sie sind auch für die Produktion unserer Sexualhormone zuständig.
  • Oxytocin: Fördert die Wehen bei einer Geburt, regelt die Milchproduktion und hat großen Einfluss auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Es verringert Angst und Stress und steigert soziale Fähigkeiten wie Empathie.

Die genetische Veranlagung zum Glücklichsein

Die Forschung hat gezeigt, dass unsere Gene eine wichtige Rolle für unser Glücksempfinden spielen. Jeder von uns hat eine genetische Disposition zum glücklich sein oder zum unglücklich sein. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass wir zu 30 bis 50 Prozent von unseren Erbanlagen und frühkindlichen Erfahrungen geprägt sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir unserem Schicksal hilflos ausgeliefert sind.

Glück ist messbar: Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)

Um dem Glück auf wissenschaftlicher Ebene näher zu kommen, wird häufig die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) eingesetzt. Dabei wird die Aktivität des Gehirns gemessen, während der Proband verschiedene Aufgaben ausführt oder positive Erfahrungen macht. Die Wissenschaftler können so erkennen, welche Regionen im Gehirn aktiv sind, wenn Glückshormone ausgeschüttet werden. Es hat sich herausgestellt, dass Glück ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Regionen und Netzwerke im Gehirn ist und nicht auf eine einzige Region zurückgeführt werden kann.

Glück trainieren: Neuroplastizität und positive Erfahrungen

Die Trierer Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry ist davon überzeugt, dass man Glück und Wohlbefinden trainieren kann. Wenn man viele positive Erfahrungen und Gedanken in sein Leben lässt, verändern sich die neuronalen Strukturen und synaptischen Verbindungen im Gehirn. Das Gehirn lernt einfach das, was wir eingeben, und kann durch langfristig positive Impulse mehr Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin weiterleiten. Diese Rezeptoren können wir stimulieren, indem wir spezifische Sachen machen, wie mehr Verbundenheit mit anderen Menschen suchen, Sport treiben oder ein Musikinstrument spielen.

Serotonin als Wachstumsfaktor für den Neokortex

Eine interessante Entdeckung von Forschern des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ist die Rolle von Serotonin als Wachstumsfaktor für basale Vorläuferzellen im sich entwickelnden Neokortex des Menschen. Serotonin, das oft als Glücksgefühl-Neurotransmitter bezeichnet wird, wirkt Zell-extern und trägt zur Expansion des Neokortex bei. Dies könnte erklären, wie Fehlfunktionen von Serotonin und seines Rezeptors während der fötalen Hirnentwicklung zu angeborenen Störungen führen können.

Zufriedenheit vs. Glück: Eine wichtige Unterscheidung

Um zu verstehen, was im Gehirn passiert, wenn wir glücklich sind, ist es wichtig, zwischen "Glück" und "Zufriedenheit" zu differenzieren. Zufriedenheit ist ein positiv motivierter Zustand, das Gefühl innerer Ausgeglichenheit. Sie ist teils genetisch bestimmt, teils durch die Umwelt geprägt. Das eigentliche Glücksgefühl entsteht durch einen Cocktail gehirneigener Opioide wie Endorphine. Es handelt sich dabei um eine kurzfristige positive Abweichung vom individuellen Zufriedenheitslevel.

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Die Flüchtigkeit des Glücks und die Bedeutung der Quelle

Das Beispiel der "Sensation Seeker", die nach starken Gefühlen und extremen Erlebnissen suchen, um eine innere Leere zu füllen, demonstriert die Flüchtigkeit des Glücks. Entscheidend für die Neurobiologie und die Qualität des Glücks ist auch die Quelle der Freude. Materielle Belohnung aktiviert vor allem den Nucleus accumbens im Zentrum des Belohnungssystems und ist nur von kurzer Dauer. Länger wirken soziale Belohnungen wie Anerkennung und Freundschaft. Die beständigsten Glücksgefühle entstehen durch Tätigkeiten, in denen wir völlig aufgehen (Flow-Erlebnis).

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