Michael Reinert: Ein Überblick über seine Arbeit in der Neurochirurgie

Dieser Artikel beleuchtet die Arbeit von Michael Reinert im Bereich der Neurochirurgie, insbesondere seine Expertise in der Behandlung von kraniofazialen Fehlbildungen und seine Forschungsbeiträge zur Verbesserung der neurochirurgischen Verfahren.

Michael Reinert als TOP-Mediziner im FOCUS ausgezeichnet

Es ist erwähnenswert, dass im Jahr 2022 insgesamt 32 Ärztinnen und Ärzte der BG Kliniken als TOP-Mediziner des Nachrichtenmagazins FOCUS ausgezeichnet wurden. Bei der Auswertung überzeugten besonders ihre Leistungen in der Hand- und Unfallchirurgie, aber auch in der Plastischen und Wiederherstellungschirurgie. Die FOCUS-Auszeichnung wird jährlich neu vergeben und vom Burda-Tochterunternehmen FactField durchgeführt. In die Bewertung flossen Kriterien wie Behandlungsspektrum und Empfehlungen, aber auch veröffentlichte Publikationen und durchgeführte klinische Studien ein.

Zentrum für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und kraniofaziale Fehlbildungen (ZLKGKF)

Michael Reinert ist Teil des Zentrums für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und kraniofaziale Fehlbildungen (ZLKGKF), einem der größeren Fachzentren des Zentrums für seltene Erkrankungen (ZSE). Hier haben sich die Fächer Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie, pädiatrische Neurochirurgie und Neonatologie zusammengeschlossen, um eine optimale Betreuung von Patientinnen und Patienten mit den entsprechenden Krankheitsbildern sicherzustellen. Das Zentrum bietet umfassende Betreuung für Familien mit Kindern, die von diesen Fehlbildungen betroffen sind. Betroffene Familien können sich jederzeit an das Zentrum wenden, unabhängig vom Alter des Kindes. Die Behandlung kindlicher Fehlbildungen im Gesichtsbereich ist besonders erfolgversprechend, wenn sie bereits in den ersten Tagen nach der Geburt beginnt.

Behandlungsablauf im ZLKGKF

Nach der Geburt werden die Kinder zunächst in der Abteilung für Neonatologie der Kinderklinik betreut. Hier beginnt bereits die wachstumsbegleitende Therapie durch die Kieferorthopädie. Dies beinhaltet bei den meisten Fehlbildungen eine Versorgung mit Gaumenplatte. Je nach Fehlbildung werden bereits in der Neonatologie weitere Spezialdisziplinen wie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und pädiatrische Neurochirurgie hinzugezogen. Bei Bedarf werden die Kinder zudem von Fachärztinnen und Fachärzten aus den Bereichen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Augenheilkunde und Humangenetik des Universitätsklinikums Tübingen unterstützt. Die Eltern werden vollständig in die Behandlung integriert, damit sie zu Hause die Therapie mit ihrem Kind weiterführen können. Dazu gehören der eigenständige Wechsel von Gaumenplatten, die Anleitung zur Fütterung der Kinder sowie bereits frühe funktionelle Therapieverfahren. Die Weiterbetreuung der Betroffenen ist durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Zentrum bis ins Erwachsenenalter sichergestellt.

Krankheitsbilder und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Michael Reinert und sein Team behandeln eine Vielzahl von kraniofazialen Fehlbildungen, wobei ein besonderer Fokus auf Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG) liegt. LKG gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Jährlich sind etwa 80 Kinder in Deutschland betroffen. Über die Hälfte der Kinder weisen im Schlaf Verlegungen der Atemwege auf. Weil bei kindlichen Gesichtsfehlbildungen auch wichtige Funktionen wie Atmung, Ernährung, Sprache und Gehör beeinträchtigt sind, arbeiten in unserem Zentrum alle notwendigen Spezialisten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen: Am Anfang sind es vor allem die Kinderärzte der Neonatologie und die Kieferorthopäden, dann die Kieferchirurgen, bei Bedarf unterstützt durch Radiologen (Kernspintomographie und Computertomographie), HNO-Ärzte, Augenärzte, Neurochirurgen und Humangenetiker.

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Forschungsschwerpunkte und Publikationen

Michael Reinert ist aktiv in der Forschung tätig, um die Behandlung von kraniofazialen Fehlbildungen zu verbessern. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem:

  • Tübinger Gaumenplatte-Therapie bei Pierre-Robin-Sequenz: Mehrere Studien haben die Wirksamkeit der Tübinger Gaumenplatte-Therapie bei Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz untersucht. Die Pierre-Robin-Sequenz ist eine angeborene Fehlbildung, die durch eine kleine Kiefer, eine zurückfallende Zunge und eine Gaumenspalte gekennzeichnet ist. Die Tübinger Gaumenplatte hilft, die Atemwege freizuhalten und die Ernährung zu verbessern.
  • Zahntransplantation bei kraniofazialen Fehlbildungen: Reinert und sein Team haben die Möglichkeit der autologen Zahntransplantation bei Patienten mit kraniofazialen Fehlbildungen untersucht. Dabei werden Zähne von einer Stelle im Mund an eine andere verpflanzt, um fehlende Zähne zu ersetzen oder die Kieferstruktur zu verbessern.
  • Antibiotische Prophylaxe bei Knochentransplantationen: Es wurden Studien zur Frage durchgeführt, ob eine einmalige oder eine verlängerte antibiotische Prophylaxe bei alveolären Knochentransplantationen bei Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sinnvoller ist.
  • Schlaf und neurokognitive Entwicklung bei Pierre-Robin-Sequenz: Der Zusammenhang zwischen Schlafqualität und neurokognitiver Entwicklung bei Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz wurde analysiert.
  • Kieferorthopädische Behandlungsbedürfnisse bei Pierre-Robin-Sequenz: Eine retrospektive Bewertung der kieferorthopädischen Behandlungsbedürfnisse von Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz nach Tübinger Gaumenplatten-Therapie im Säuglingsalter wurde durchgeführt.

Ausgewählte Publikationen von Michael Reinert (in Zusammenarbeit)

Die hier aufgeführten Publikationen geben Einblick in die Forschungsarbeit von Michael Reinert und seinen Kollegen:

  • Effert J., Uhlig S., Wiechers C, Quante M., Poets C.F., Schulz M.C., Reinert S., Krimmel M., Koos B., Weise C. (2023) Prospective evaluation of children with Robin sequence following Tübingen palatal plate therapy. Journal of Clinical Medicine 12, 448.
  • Naros A, Schulz M, Finke H, Reinert S, Krimmel M. (2023) Autologous Tooth Transplantation in Craniofacial Malformations. Cleft Palate Craniofac J. 2023 Apr 24:10556656231170997.
  • Wiechers C, Uhlig S, Poets A, Weise C, Naros A, Krimmel M, Koos B, Poets CF, Quante M. (2023) Sleep and neurocognitive outcome in primary school children with Robin Sequence. Sleep. 2023 May 10;46(5):zsac317.
  • Kluba S, Reinert S, Krimmel M. (2023) Single-dose versus prolonged antibiotic prophylaxis for alveolar bone grafting in cleft patients. Int J Oral Maxillofac Surg. May;52(5):564-568.
  • Naros A, Naros CH, Awad D, Krimmel M, Kluba S (2023) Antibiotic prophylaxis and surgical site infections in orthognathic surgery - a retrospective analysis. BMC Oral Health 25;23(1):688.
  • Effert J, Wiechers C, Kreutzer K, Poets CF, Schulz MC, Krimmel M, Aretxabaleta M, Finke H, Koos B, Weise C. (2023) Retrospective evaluation of the orthodontic treatment needs in primary school children with Robin sequence following Tübingen palatal plate therapy in infancy. J Craniomaxillofac Surg. 2023 Sep;51(9):528-535.
  • Sullivan NAT, Smit JA, Lachkar N, Logjes RJH, Kruisinga FH, Reinert S, Persson M, Davies G, Breugem CC (2023) Differences in analysis and treatment of upper airway obstruction in Robin sequence across different countries in Europe.

Diese Publikationen zeigen Reinerts Engagement für die Verbesserung der Behandlung von Patienten mit kraniofazialen Fehlbildungen.

Weitere Forschungsprojekte

Neben der Behandlung von kraniofazialen Fehlbildungen engagiert sich Michael Reinert auch in anderen Forschungsprojekten. Dazu gehören:

  • Verbesserung der Sichtbarkeit von Hirntumoren: Reinert und sein Team forschen an einem neuen Mikroskop, welches den von Auge nicht mehr sichtbaren Hirntumor, mithilfe einer quantitativen Messung, in den sichtbaren Bereich hebt.
  • Entwicklung eines neuen Navigationssystems: Zusammen mit der Firma Philips wird ein neues Navigationssystem entwickelt, welches eine niedrigere Strahlenbelastung für den Patienten bei höchstmöglicher Präzision und verbesserter Bildqualität ermöglicht.

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