Nervenschmerzen im Unterschenkel: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Nervenschmerzen im Unterschenkel können eine erhebliche Belastung darstellen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Ursachen dieser Schmerzen zu verstehen, um eine gezielte Behandlung zu ermöglichen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Nervenschmerzen im Unterschenkel, von den möglichen Ursachen über die Diagnose bis hin zu den verschiedenen Therapieoptionen.

Einführung

Nervenschmerzen, auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet, entstehen durch Schädigungen oder Irritationen der Nerven selbst. Sie unterscheiden sich von anderen Schmerzarten, die durch Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden. Nervenschmerzen im Unterschenkel können sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern und verschiedene Ursachen haben.

Ursachen von Nervenschmerzen im Unterschenkel

Die Ursachen für Nervenschmerzen im Unterschenkel sind vielfältig und können sowohl periphere als auch zentrale Faktoren umfassen. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

Ischiasnerv-Probleme

Der Ischiasnerv ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins und verläuft über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln.

  • Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall in den unteren Segmenten der Lendenwirbelsäule (L4/5) oder im Bereich der Sakralwirbel 1 - 3 kann die Nervenwurzeln des Ischiasnervs einengen. Dabei tritt der Bandscheibenkern aus dem Faserknorpelring aus und drückt auf die aus dem Wirbelkanal austretenden Nervenwurzeln des Ischiasnervs. Auch eine Bandscheibenprotrusion (Bandscheibenvorwölbung) kann auf die Nervenwurzeln des Ischiasnervs drücken.
  • Wirbelkörpererkrankungen: Frakturen oder Blockaden der Wirbelkörper, Fehlstellungen der Wirbelsäule sowie die Spondylolisthesis, bei der sich einzelne Wirbelkörper meist verschleißbedingt gegeneinander verschieben, können ebenfalls zu einer Reizung oder Einklemmung des Ischiasnervs führen.
  • Entzündungen: Die Bandscheiben und Wirbelkörper können zudem von einer Entzündung betroffen sein, der sogenannten Spondylodiszitis. Auch die Nervenwurzel des Ischiasnervs selbst kann entzündet sein. Neben mechanischen Reizungen, z. B. durch einen Knochentumor, können auch Bakterien oder Viren derartige Entzündungen auslösen.
  • Piriformis-Syndrom: Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus, die bis in die Beine ausstrahlen können. Durch die anatomische Nähe kann eine Verspannung oder Verkürzung des Piriformismuskels Beschwerden im Ischiasnerv verursachen.
  • Iliosakralgelenk-Blockade: Plötzliche oder ruckartige Bewegungen sowie schweres Heben können eine ISG-Blockade verursachen. Bei einer Blockade oder Entzündung des ISG kann es zu Schmerzen im unteren Rücken kommen, die bis ins Knie ausstrahlen können.

Polyneuropathie

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, einschließlich Nervenschmerzen im Unterschenkel.

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  • Diabetes mellitus: Diabetes ist eine häufige Ursache für Polyneuropathie. Langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel können die Nerven schädigen, was zu diabetischer Neuropathie führt.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholmissbrauch kann ebenfalls zu Polyneuropathie führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, können Polyneuropathie verursachen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, wie z. B. Vitamin B12, kann ebenfalls zu Polyneuropathie führen.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom können ebenfalls Polyneuropathie verursachen.

Andere Ursachen

Neben den oben genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die Nervenschmerzen im Unterschenkel verursachen können:

  • Spinalkanalstenose: Eine Verengung des Wirbelkanals im unteren Rückenbereich kann Druck auf die Nerven ausüben und Nervenschmerzen verursachen.
  • Neuroforamenstenose: Eine Verengung der Nervenwurzelausgänge kann ebenfalls Druck auf die Nerven ausüben und Nervenschmerzen verursachen.
  • Verletzungen: Direkte Verletzungen der Nerven im Unterschenkel können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
  • Operationen: Nervenquetschungen oder Nervendurchtrennungen im Rahmen von Operationen können Nervenschmerzen nach sich ziehen.
  • Engpass-Syndrome: Wenn Nerven zusammengedrückt werden, kann dies zu Nervenschmerzen führen. Ein häufiges Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk.

Symptome von Nervenschmerzen im Unterschenkel

Nervenschmerzen im Unterschenkel können sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, die von Person zu Person unterschiedlich sein können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Brennende Schmerzen: Viele Betroffene beschreiben den Schmerz als stechend oder brennend, der oft in episodischen Schüben auftritt und bis in die Zehen ausstrahlen kann.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Ein häufiges Symptom sind auch Empfindungen wie Kribbeln oder Taubheit im Bein. Diese können sporadisch auftreten oder konstant vorhanden sein, was das Gehen und die Durchführung alltäglicher Aktivitäten erschwert.
  • Muskelverspannungen: Zusätzlich können Muskelverspannungen und -krämpfe auftreten, die die Beweglichkeit einschränken und unangenehm sein können.
  • Schwäche in den Beinen: Eine Schwäche in den Oberschenkeln oder Waden kann ebenfalls auftreten, was das Risiko von Stürzen oder Verletzungen erhöht.
  • Schmerzempfindlichkeit: Betroffene berichten häufig von einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Berührung oder Druck im betroffenen Bereich. Ein leichtes Berühren des Beins kann extreme Schmerzen auslösen.
  • Verstärkter Schmerz bei Bewegungen: Oftmals werden die Schmerzen durch Bewegung oder bestimmte Körperhaltungen verstärkt.
  • "Stromschläge": Plötzliche, scharfe, elektrische Schmerzen, die sich blitzartig entlang des Nervs ausbreiten.

Diagnose von Nervenschmerzen im Unterschenkel

Die Diagnose von Nervenschmerzen im Unterschenkel erfordert eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird nach den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird neurologische Tests durchführen, um die Reflexe, die Empfindlichkeit und die Muskelkraft zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können eingesetzt werden, um strukturelle Probleme wie Bandscheibenvorfälle oder Nervenkompressionen aufzudecken.
  • Nervenleitgeschwindigkeitstests: Diese Tests können Nervenschäden quantifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können auf zugrunde liegende Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel hinweisen.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Prüfung der Hautempfindlichkeit
  • Neurographie: Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • SEP: Somatosensibel evozierte Potenziale zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
  • Hautbiopsie: Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop, um Small-Fiber-Neuropathien zu diagnostizieren.

Behandlung von Nervenschmerzen im Unterschenkel

Die Behandlung von Nervenschmerzen im Unterschenkel zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung kann eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen umfassen:

Medikamentöse Therapie

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, obwohl sie bei neuropathischen Schmerzen nicht immer die erste Wahl sind.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z. B. Amitriptylin und Duloxetin, können bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein.
  • Antiepileptika: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin können ebenfalls zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt werden.
  • Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken, die Flexibilität zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren.
  • Bewegungstherapie: Angepasste Übungen können Muskelverspannungen lösen und die Schmerzen reduzieren.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Belastung der Nerven zu reduzieren und die Mobilität zu verbessern.
  • Alternative Therapien: Akupunktur, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Nervenblockaden können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
  • Wärmeanwendungen: Warme Kompressen oder ein warmes Bad können die Muskeln entspannen und Schmerzen reduzieren.
  • Entspannungstechniken: Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen, der Nervenschmerzen verstärken kann.

Interventionelle Verfahren

  • Injektionen: In einigen Fällen kann eine Intervention wie Injektionen erforderlich sein, um Druck von den Nerven zu nehmen.
  • Chirurgische Eingriffe: Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn ein Bandscheibenvorfall die Ischialgie auslöst. Dabei wird das vorgefallene Bandscheibengewebe entfernt, das den Nerv reizt. Sofort nötig wird eine Operation, wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass Lähmungserscheinungen beispielsweise an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren (Kauda-Syndrom).

Hausmittel

Einige Hausmittel können zur Linderung von Nervenschmerzen beitragen, wie z. B.:

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  • Johanniskraut Öl: Kann lokale Schmerzlinderung bieten.
  • Gelsemium: Ein pflanzliches Mittel aus der Gelsemiumpflanze, wird manchmal bei Nervenschmerzen verwendet.
  • Aconit: Auch als Eisenhut bekannt, wird traditionell in der Naturheilkunde zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Prävention von Nervenschmerzen im Unterschenkel

Einige Maßnahmen können helfen, Nervenschmerzen im Unterschenkel vorzubeugen:

  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Vermeiden von Alkohol und Rauchen kann das Risiko von Nervenschäden reduzieren.
  • Gute Blutzuckerkontrolle: Bei Menschen mit Diabetes ist eine gute Blutzuckerkontrolle wichtig, um Nervenschäden vorzubeugen.
  • Vermeidung von Verletzungen: Maßnahmen zur Vermeidung von Verletzungen können ebenfalls helfen, Nervenschmerzen vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress kann Nervenschmerzen verstärken, daher ist es wichtig, Stress abzubauen.

Zusammenfassung

Nervenschmerzen im Unterschenkel sind ein komplexes Problem, das verschiedene Ursachen haben kann. Eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung sind wichtig, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung kann eine Kombination aus Medikamenten, Physiotherapie, alternativen Therapien und interventionellen Verfahren umfassen. Ein gesunder Lebensstil und die Vermeidung von Risikofaktoren können helfen, Nervenschmerzen vorzubeugen.

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