Das Kribbeln in Armen und Beinen, oft als "Ameisenlaufen" beschrieben, ist eine Missempfindung, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Es kann harmlos sein, beispielsweise verursacht durch langes Sitzen in einer ungünstigen Position, bei der Nerven kurzzeitig eingeklemmt werden. Hält das Kribbeln jedoch an, tritt ohne erkennbaren Grund auf oder wird von anderen Symptomen begleitet, sollte man die Ursachen abklären lassen.
Was ist Kribbeln und wie fühlt es sich an?
Das Kribbeln in Händen, Füßen oder Beinen wird oft als "Ameisenlaufen" bezeichnet. Es fühlt sich an, als ob kleine Insekten über die Haut laufen würden. Dieses Gefühl kann jedoch auch stärker werden und sich wie kleine Nadelstiche anfühlen, brennen oder sogar schmerzen. In manchen Fällen tritt auch das Gegenteil auf: Taubheitsgefühle in Händen oder Füßen.
Mögliche Ursachen für Kribbeln in Armen und Beinen
Es gibt zahlreiche Ursachen für Kribbeln in Armen und Beinen. Einige der häufigsten sind:
- Polyneuropathie: Die Polyneuropathie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, bei der es zu einer Schädigung der peripheren Nerven kommt. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ursachen können Diabetes, Alkoholmissbrauch, Medikamente oder andere Erkrankungen sein.
- Karpaltunnelsyndrom: Wenn die Hände kribbeln oder sich Taubheitsgefühle einstellen, könnte das Karpaltunnelsyndrom dahinterstecken. Dabei kommt es zu einer Einengung des Nervus medianus im Handgelenk.
- RSI-Syndrom (Mausarm): Das RSI-Syndrom ist heutzutage eine der häufigsten Ursachen für Kribbeln, Stechen, Steifheit, Kraftverlust/Schwäche, Taubheit und Schmerzen in den Händen. Meist ist es die stundenlange, pausenlose Computerarbeit, die zum RSI-Syndrom führt.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Das Restless-Legs-Syndrom ist das Syndrom der rastlosen Beine, das sich insbesondere in der Nacht zeigt. Die Beine kribbeln, pochen, stechen, schmerzen, sind unruhig und können einfach nicht zur Ruhe kommen.
- Vitaminmangel: Nerven benötigen für ihre Funktion eine Vielzahl an Vitalstoffen, insbesondere die Vitamine des B-Komplexes, Vitamin D und Magnesium. Ein Mangel dieser Vitalstoffe kann zu Kribbeln in den Extremitäten führen.
- Diabetes: Diabetes wird häufig als mögliche Ursache für das Kribbeln in den Extremitäten aufgeführt, ist aber im Grunde nur wiederum die Ursache einer diabetischen Polyneuropathie, also einer Nervenschädigung durch den Diabetes.
- Schwangerschaft: In der Schwangerschaft übt das wachsende Baby Druck auf die verschiedensten Nerven im Körper aus, so dass es zu Taubheitsgefühlen, Stechen oder Kribbeln in den Händen, Füßen oder Beinen kommen kann.
- Rückenbeschwerden: Rückenbeschwerden können ebenfalls ein Kribbeln in den Armen oder Beinen verursachen. Ein Bandscheibenvorfall kann bei manchen Menschen schmerzfrei verlaufen, aber auch andere Symptome verursachen.
- Infektionskrankheiten: Manche Infektionskrankheiten (ob durch Viren oder Bakterien) können auch zu Nervenschäden und so zu einem Kribbeln oder tauben Gefühl in den Händen und Füßen führen, z. B. Borreliose, Gürtelrose, HIV, Epstein Barr (Pfeiffersches Drüsenfieber), Hepatitis B und C u.
- Niereninsuffizienz: Eine Niereninsuffizienz oder Nierenschwäche bezeichnet die Unfähigkeit der Nieren, Giftstoffe und auch Zuckerabbauprodukte vollständig zu entgiften und auszuleiten. Sie verbleiben im Körper und schädigen die Nerven. Jetzt können Hände und Füße kribbeln.
- Hyperventilation: In akuten Stresssituationen, bei Angstzuständen oder Panikattacken beginnen manche Menschen zu hyperventilieren, was bedeutet, dass sie zu schnell und gleichzeitig zu tief atmen. Dadurch sinkt der Kohlendioxidanteil im Blut, was zu Kribbeln führen kann.
- Tumore: In seltenen Fällen kann ein Hirntumor oder Rückenmarkstumor die Ursache für Kribbeln sein.
- Medikamente: Eine Neuropathie der peripheren Nerven (Erkrankung der Nerven der Extremitäten) mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Händen und Füßen oder Armen und Beinen ist eine häufige Nebenwirkung von Medikamenten, die bei Krebserkrankungen eingesetzt werden, z. B. bei einer Chemotherapie. Auch andere Medikamente können als Nebenwirkung zu einem Kribbeln oder anderen Missempfindungen in den Händen und Füßen führen.
- Schilddrüsenerkrankungen: Die Schilddrüsenhormone beeinflussen auch das neuromuskuläre System. Eine stark ausgeprägte und unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann zu Kribbeln führen.
- Giftstoffe: Giftstoffe können zu Nervenschäden führen und so auch zu Empfindungsstörungen in den Extremitäten.
- Alkoholmissbrauch: Alkohol ist ein starkes Nervengift. Gleichzeitig sinkt bei Alkoholmissbrauch der Spiegel etlicher nervenschützender Vitalstoffe, wie Vitamin B12 und Folat, so dass die Nerven immer anfälliger werden und immer leichter geschädigt werden können.
- Multiple Sklerose (MS): Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft, also die Nerven im Gehirn und Rückenmark.
- Durchblutungsstörungen: Bei Durchblutungsstörungen kann das Blut nicht mehr zügig durch die Blutgefässe fliessen und so auch die jeweiligen Körperteile und Organe nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgen. Wenn die Arme und Beine von den Durchblutungsstörungen betroffen sind, können die Gliedmassen zu kribbeln beginnen.
- Schaufensterkrankheit (pAVK): Die Schaufensterkrankheit ist eine Gefässkrankheit, bei der die Arterien der Beine (seltener der Arme) von Arteriosklerose betroffen sind und es durch die Kalkablagerungen zu Durchblutungsstörungen kommt.
- Schlaganfall: Auch bei einem Schlaganfall kann es (begleitend oder aber bereits als Vorbote) zu einem Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen und/oder Füßen kommen.
Diagnose von Kribbeln in Armen und Beinen
Um die Ursache für Kribbeln in Armen und Beinen zu finden, ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird Fragen zu den genauen Beschwerden stellen, wie sie sich anfühlen, wann sie auftreten und ob Begleitsymptome vorhanden sind.
Folgende Untersuchungen können zur Diagnose eingesetzt werden:
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- Neurologische Untersuchung: Hierbei werden Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft überprüft. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Bei dieser Untersuchung wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt, um die Nervenfunktion zu überprüfen.
- Quantitative Sensorische Testung (QST): Durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut werden 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist. Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz.
- Nerven-Muskel-Biopsie: Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist.
- Hautbiopsie: Bei Verdacht auf eine Small-Fiber-Neuropathie kann eine Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop untersucht werden.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Vitaminmängel festzustellen.
- Schlaflaboruntersuchung (Polysomnographie): Bei Verdacht auf Restless-Legs-Syndrom kann eine Schlaflaboruntersuchung durchgeführt werden, um periodische Beinbewegungen während des Schlafes nachzuweisen.
Behandlung von Kribbeln in Armen und Beinen
Die Behandlung von Kribbeln in Armen und Beinen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn das Kribbeln durch eine Grunderkrankung wie Diabetes, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenerkrankung verursacht wird, muss diese behandelt werden. Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden.
- Medikamentöse Therapie:
- Schmerzmittel: Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt. Bei starken Schmerzen können auch Opioide eingesetzt werden, jedoch nur unter strenger ärztlicher Kontrolle.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
- Dopaminagonisten: Bei Restless-Legs-Syndrom können Dopaminagonisten eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.
- Vitaminpräparate: Bei Vitaminmangel können entsprechende Präparate eingenommen werden, um den Mangel auszugleichen.
- Physiotherapie: Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie.
- Elektrotherapie (TENS): Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen.
- Akupunktur: Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.
- Operation: Bei Karpaltunnelsyndrom oder anderen Nervenkompressionssyndromen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten.
- Lebensstiländerungen:
- Alkoholverzicht: Wenn Alkohol die Ursache ist, hilft Abstinenz.
- Gewichtsreduktion und Bewegung: Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung.
- Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Beim RSI-Syndrom sollte der Arbeitsplatz optimiert und die Arbeitsabläufe angepasst werden.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmässige Bewegung ist wichtig, da diese für eine gute Durchblutung sorgt, die wiederum das RLS bessert.
- Stressmanagement: Achten Sie bei einem stressigen Lebensstil ganz besonders auf eine gute Nährstoffversorgung und Entspannungstechniken!
- Schlafhygiene: Bei Restless-Legs-Syndrom ist die Einhaltung einer guten Schlafhygiene mit regelmäßigen Bettzeiten und das Vermeiden von Schlafentzug wichtig.
Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen
Neben der ärztlichen Behandlung gibt es einige Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen, die bei Kribbeln in Armen und Beinen helfen können:
- Bewegung: Oftmals führt Druck auf Nerven oder Blutbahnen zum Kribbeln in Beinen, Füßen & Co. Verändern Sie deshalb Ihre Position oder stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte. So regen Sie auch den Kreislauf an und fördern die Durchblutung.
- Wechselduschen: Auch ein Wechsel aus warmem und kaltem Wasser, das man beispielsweise über eingeschlafene Arme oder Hände laufen lässt, kann dazu beitragen, die Durchblutung anzuregen und Gefühlsstörungen zu beheben.
- Massagen: Massieren Sie sanft die betroffenen Körperstellen, gegebenenfalls mit ein paar Tropfen von ätherischem Rosmarin- oder Ingweröl.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Nerven zu beruhigen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung bildet die Grundlage für den reibungslosen Ablauf aller körperlichen Prozesse. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, insbesondere B-Vitamine, Vitamin D, Magnesium und Kalium.
- Vermeiden Sie Genussmittel: Genussmittel wie Kaffee, Energy-Drinks, Zigaretten und Alkohol bedeuten für den Körper großen Stress und können Kribbeln verstärken.
Innerliches Zittern als Begleiterscheinung
Innerliches Zittern bezeichnet ein Phänomen, bei dem im Körperinneren ein Zittern wahrgenommen wird, ohne dass ein äußerliches Muskelzittern zu sehen ist. Es handelt sich um eine Form der inneren Unruhe, die sowohl körperliche als auch seelische Ursachen haben kann. Oftmals ist das innerliche Zittern eine körperliche Reaktion auf Angst und Stress und kann von Kribbeln begleitet sein.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Sie nur ab und zu ein Kribbeln in den Beinen, Füßen, Händen oder Armen bemerken, können Ihnen viele der oben genannten Tipps helfen, damit sich das Problem nicht weiter verstärkt.
Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn:
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- das Kribbeln chronisch ist oder immer wieder auftritt
- Begleitsymptome wie Lähmungserscheinungen, Schmerzen oder Sehstörungen auftreten
- das Kribbeln plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftritt
- Verdacht auf einen Schlaganfall besteht (plötzliches Kribbeln, begleitet von Verwirrung, Sprachstörungen, Sehstörungen, Gangstörungen, Schwindel, Gleichgewichtsverlust u. a.)
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