Kribbeln in den Nerven: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Kennen Sie das komische Gefühl im Körper, wenn es plötzlich in Ihren Beinen kribbelt, als würden tausende kleine Ameisen über Ihre Haut laufen? Oder wenn sich ein seltsames, elektrisches Gefühl durch Ihren Körper zieht, das Sie nicht richtig einordnen können? Viele Menschen erleben solche Empfindungen und sind oft verunsichert, was dahinterstecken könnte. Im medizinischen Kontext bezeichnet man eine Empfindung als subjektive Wahrnehmung, die durch Nervensignale im Körper entsteht und sowohl bei normalen als auch bei krankhaften Zuständen auftreten kann.

Was ist Kribbeln?

Kribbeln, medizinisch als Parästhesie bezeichnet, ist ein weitverbreitetes Phänomen, das verschiedenste Ursachen haben kann - von vollkommen harmlosen, vorübergehenden Nervenreizungen bis zu Zuständen, die eine genauere Betrachtung verdienen. Typischerweise zeigt sich das Beschwerdebild durch Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder Überempfindlichkeiten, die auf Störungen im Nervensystem hinweisen können.

Kribbeln entsteht, wenn die sensiblen Nerven in Ihrem Körper überaktiv werden, ohne dass ein entsprechender äußerer Reiz vorliegt. Stellen Sie sich vor, Ihre Nerven sind wie ein komplexes Kommunikationsnetzwerk, das ständig Signale zwischen Ihrem Körper und Ihrem Gehirn austauscht. Normalerweise reagieren diese Nerven auf echte Berührungen, Temperaturen oder Druckveränderungen. Beim Kribbeln jedoch senden sie "falsche" Signale - Ihr Gehirn interpretiert diese als Ameisenlaufen, Prickeln oder elektrische Empfindungen. Die Nervenenden sind dabei entscheidend, da sie für die Wahrnehmung von Kribbeln und anderen Empfindungen verantwortlich sind.

Diese Missempfindungen können überall in Ihrem Körper auftreten: in den Beinen, Armen, Händen, im Gesicht oder sogar am ganzen Körper. Die Intensität kann von einem leichten Prickeln bis zu störenden, brennenden Gefühlen reichen.

Ursachen von Kribbeln

Harmlose Ursachen

Viele Formen des Kribbelns sind völlig harmlos und verschwinden von selbst wieder. Die häufigsten harmlosen Ursachen sind:

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  • Durchblutung und Haltung: Wenn Sie längere Zeit in einer ungünstigen Position verharren - sei es beim Sitzen am Schreibtisch, beim Schlafen oder beim Übereinanderschlagen der Beine, kann die Durchblutung in bestimmten Körperregionen beeinträchtigt werden. Die Nerven erhalten weniger Sauerstoff und reagieren mit Kribbeln. Sobald Sie Ihre Position ändern und die Durchblutung wieder normal fließt, verschwindet das Gefühl meist innerhalb weniger Minuten.
  • Muskelverspannungen: Verspannte Muskeln können auf Nerven drücken und diese reizen. Besonders häufig geschieht dies im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich. Die angespannten Muskelfasern können Nervenbahnen einengen und so das charakteristische Kribbeln auslösen.
  • Stress und psychische Anspannung: Ihr Nervensystem reagiert sehr sensibel auf emotionalen Stress. Bei Anspannung, Angst oder Überforderung kann es zu einer Überaktivierung des Nervensystems kommen, die sich in Form von Kribbeln, besonders in den Händen und Armen, äußert. Auch das Hyperventilationssyndrom - schnelles, flaches Atmen bei Stress - kann Kribbeln verursachen.

Nährstoffmangel als Auslöser

Ihr Nervensystem benötigt bestimmte Nährstoffe, um optimal zu funktionieren. Ein Mangel kann zu Störungen in der Nervenleitung führen:

  • Vitamin B12-Mangel: Dieses Vitamin ist essenziell für die Gesundheit Ihrer Nerven. Ein Mangel kann zu Kribbeln, besonders in Händen und Füßen, führen. Vegetarier und Veganer sind häufiger betroffen, da B12 hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt.
  • Magnesiummangel: Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Nerven- und Muskelfunktion. Ein Mangel kann zu Kribbeln, Muskelkrämpfen und Zuckungen führen.
  • Eisenmangel: Kann ebenfalls zu Missempfindungen führen, oft in Verbindung mit dem Restless-Legs-Syndrom.

Behandlungsbedürftige Ursachen

Während viele Formen des Kribbelns harmlos sind, gibt es auch Situationen, die eine genauere medizinische Abklärung erfordern:

  • Bandscheibenprobleme: Ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenprotrusion kann auf Nervenwurzeln drücken und Kribbeln in den entsprechenden Versorgungsgebieten auslösen. Dabei kann es zu Nervenschädigungen kommen, wobei eine Schädigung der Nerven durch den anhaltenden Druck entstehen kann. Dies betrifft häufig die Beine bei Problemen in der Lendenwirbelsäule oder die Arme bei Problemen in der Halswirbelsäule. Unter diesem Begriff versteht man das Verrutschen der Bandscheibe von ihrer ursprünglichen Lage in der Wirbelsäule. Dies geht in der Regel mit Rückenschmerzen einher, die je nach Stadium des Vorfalls sehr stark sein können. Weniger bekannt ist, dass der Bandscheibenvorfall bis in die Beine hin ausstrahlt und dort zu Kribbeln führt.
  • Polyneuropathie: Diese Erkrankung der peripheren Nerven kann verschiedene Ursachen haben, am häufigsten Diabetes mellitus oder chronischer Alkoholkonsum. Sie beginnt meist mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Füßen und kann sich nach oben ausbreiten. Polyneuropathie zählt zu den Nervenerkrankungen, die durch unterschiedliche Beschwerdebilder wie Kribbeln, Taubheit und Gefühlsstörungen gekennzeichnet sind. Schlafstörungen können als Begleitsymptom auftreten. Ärztliche Betreuung ist für die frühzeitige Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung besonders wichtig. Typische Symptome einer Polyneuropathie sind sensible Reizerscheinungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Stechen, Elektrisieren und sensible Ausfallerscheinungen wie Pelzigkeitsgefühl, Taubheitsgefühl, Gefühl des Eingeschnürtseins, Schwellungsgefühle sowie das Gefühl, wie auf Watte zu gehen. Oft bestehen eine Gangunsicherheit, insbesondere im Dunkeln, und ein fehlendes Temperaturempfinden mit schmerzlosen Wunden.
  • Karpaltunnelsyndrom: Eine Einengung des Nervs im Handgelenk führt zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Fingern und Händen, besonders nachts. Das Ulnartunnelsyndrom am Ellenbogen ist eine spezielle Ursache für Kribbeln in der Hand. Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Form des Nerven-Engpass-Syndroms und betrifft den Handwurzelkanal. Es tritt vor allem bei älteren Personen auf und zeichnet sich nicht nur durch ein Kribbeln aus, sondern führt auch zu Schmerzen und Kraftverlust. Das schmerzhafte Kribbeln, das sowohl die Finger als auch die Handinnenflächen betrifft, tritt verstärkt während des Schlafes auf und lässt die Betroffenen häufig aufwachen.
  • Neurologische Erkrankungen: In seltenen Fällen können Krankheiten wie Multiple Sklerose oder andere seltene Krankheit mit Kribbeln beginnen und als Ursache für Missempfindungen auftreten. MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören das Gehirn und Rückenmark. Die Erkrankung beginnt meist im jungen Erwachsenenalter.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Dabei handelt es sich um eine neurologische Krankheit, die sich vor allem auf die Empfindungen in den Beinen auswirkt, in seltenen Fällen aber auch die Arme betreffen kann. Ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom bereiten die auftretenden Symptome vor allem in der Nacht oder während anderen Ruhephasen - etwa sehr langem Sitzen - große Beschwerden. Betroffene spüren Kribbeln und einen dadurch ausgelösten, sehr starken Bewegungsdrang. Die Missempfindung verläuft dabei von unangenehm bis stark schmerzhaft.
  • Weitere Erkrankungen: Neben den bereits erwähnten Ursachen, kann Kribbeln und Taubheitsgefühle noch auf viele weitere Krankheiten hinweisen, die direkt oder indirekt das Nervensystem angreifen. Zu diesen Krankheiten zählen unter anderem Gürtelrose und andere Viruserkrankungen, Lyme-Krankheit und andere Infektionen, Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Parkinson, Gehirntumor, Schlaganfall.

Wichtig: Diese Aufzählung dient nur der Information. Eine genaue Diagnose kann nur durch einen Arzt oder erfahrenen Therapeuten gestellt werden.

Missempfindungen und ihre Auswirkungen

Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das bekannte Ameisenlaufen sind für viele Menschen mehr als nur ein unangenehmes Gefühl - sie können den Alltag spürbar beeinträchtigen. Diese Symptome treten häufig beim Sitzen, Gehen oder sogar im Ruhezustand auf und können dazu führen, dass Betroffene sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlen. Besonders störend ist es, wenn das Kribbeln oder Taubheitsgefühl plötzlich auftritt und die Konzentration auf alltägliche Aufgaben erschwert.

Viele Menschen berichten, dass sie durch Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Beinen oder Händen unsicher werden, etwa beim Treppensteigen oder längeren Stehen. Das Gefühl, nicht mehr die volle Kontrolle über die eigenen Bewegungen zu haben, kann zu einer vorsichtigeren Gangart oder sogar zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten führen. Auch das Sitzen über längere Zeit wird für manche zur Herausforderung, wenn das Kribbeln immer wiederkehrt oder sich Taubheitsgefühle ausbreiten.

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Wie Kribbeln und Taubheit den Alltag beeinflussen

Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Beinen, Händen oder anderen Körperregionen können die Lebensqualität deutlich mindern. Viele Menschen müssen ihre täglichen Abläufe anpassen, weil sie beispielsweise beim Gehen oder Laufen plötzlich das Gefühl haben, die Beine oder Füße nicht mehr richtig zu spüren. Das kann die Balance und Koordination beeinträchtigen und das Risiko für Stürze erhöhen. Auch in den Händen können Taubheitsgefühle dazu führen, dass feine Arbeiten - wie das Knöpfen von Hemden oder das Greifen kleiner Gegenstände - schwieriger werden.

Im Alltag bedeutet das oft, dass Betroffene auf Hilfsmittel wie Geländer oder Gehhilfen zurückgreifen oder sich Unterstützung im Haushalt suchen. Manche Menschen vermeiden es, längere Strecken zu gehen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, weil sie Angst haben, unterwegs von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen überrascht zu werden. Diese Anpassungen sind zwar hilfreich, können aber auch das Gefühl der Selbstständigkeit einschränken.

Psychische und soziale Folgen von Missempfindungen

Neben den körperlichen Beschwerden können Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle auch die Psyche belasten. Viele Menschen fühlen sich durch die Symptome verunsichert und ziehen sich aus Angst vor peinlichen Situationen oder Stürzen aus dem sozialen Leben zurück. Das kann zu Isolation führen und das seelische Wohlbefinden beeinträchtigen.

Nicht selten entstehen Sorgen um die eigene Gesundheit, vor allem wenn die Ursache der Symptome unklar ist. Die ständige Beschäftigung mit den Missempfindungen kann zu Angst oder sogar depressiven Verstimmungen führen. Deshalb ist es wichtig, sich mit den Beschwerden nicht allein zu fühlen, sondern frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder Therapeuten kann helfen, die Symptome besser zu verstehen und gemeinsam Wege zu finden, die Lebensqualität wieder zu verbessern.

Diagnose und Untersuchung

Um die Ursache von Kribbeln, Missempfindungen und Taubheitsgefühlen gezielt behandeln zu können, ist eine sorgfältige Diagnose unerlässlich. Nur so lässt sich herausfinden, ob hinter den Symptomen eine harmlose Reizung, eine Durchblutungsstörung oder eine ernstere Erkrankung wie das Restless Legs Syndrom oder eine Polyneuropathie steckt.

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Ein erfahrener Arzt oder eine Ärztin wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und gezielt nach dem Auftreten, der Dauer und den Begleitsymptomen der Missempfindungen fragen. Anschließend können je nach Verdacht verschiedene Untersuchungen folgen - von neurologischen Tests über Blutuntersuchungen bis zu bildgebenden Verfahren. Ziel ist es, die genaue Ursache für das Kribbeln oder die Taubheitsgefühle zu finden und eine passende Behandlung einzuleiten.

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Eine ärztliche Abklärung ist immer dann ratsam, wenn Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Ameisenlaufen in den Beinen, Händen oder anderen Körperteilen auftreten und nicht von selbst wieder verschwinden. Besonders aufmerksam sollten Sie werden, wenn das Taubheitsgefühl plötzlich auftritt, sich verschlimmert oder mit weiteren Symptomen wie Muskelschwäche, Schmerzen oder Koordinationsproblemen einhergeht.

Auch bei bekannten Erkrankungen wie dem Restless Legs Syndrom (RLS) oder einer Polyneuropathie ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig, um die Symptome im Blick zu behalten und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen. Je früher die Ursache der Beschwerden erkannt wird, desto besser lassen sich die Symptome lindern und die Lebensqualität erhalten.

Zögern Sie nicht, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, wenn Sie unsicher sind oder sich Ihre Beschwerden verändern. Eine gezielte Diagnose ist der erste Schritt zu einer wirksamen Behandlung und kann helfen, ernstere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Untersuchungsmethoden

  • Persönliches Gespräch (Anamnese): Um die genauen Ursachen herauszufinden, ist zunächst ein ausführliches persönliches Gespräch wichtig. Nimmt man Reize auf der Haut nicht mehr richtig wahr, etwa einen Piks mit der Nadel, sind meist die kleinen Nervenenden geschädigt. In der Krankengeschichte wird nach typischen Symptomen, dem Erkrankungsverlauf, nach Vorerkrankungen und Begleiterkrankungen sowie nach der Familienanamnese gefragt. In einer neurologischen Untersuchung werden Muskelkraft, Sensibilität und Muskeleigenreflexe geprüft. Am häufigsten beginnen die Symptome und Ausfälle an den unteren Extremitäten, meist an den Füßen oder Fußspitzen. In einer klinischen Untersuchung stellt man häufig abgeschwächte oder ausgefallene Muskelreflexe (insbesondere Achillessehnenreflex) und schlaffe Lähmungen fest. An den Extremitäten können sich Sensibilitätsstörungen socken-, strumpf- oder handschuhförmig ausbreiten. Zu den weiteren Symptomen gehört einerseits eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, z. B. auf Berührung, Wärme oder Kälte. Je nach Schädigung der Nerven kann aber auch das Berührungs- und Schmerzempfinden abgeschwächt sein.
  • Blut-Tests: Mit Blut-Tests lassen sich weitere Hinweise auf die möglichen Ursachen finden. Gemessen werden zum Beispiel der Blutzuckerspiegel, die Menge bestimmter Vitamine und Mineralstoffe sowie Entzündungswerte. Ein Bluttest kann Klarheit über mögliche Mängel schaffen. Wichtig ist jedoch, dass nicht jedes Kribbeln durch einen Nährstoffmangel verursacht wird.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG)): Bei der neurophysiologischen Untersuchung mit Elektroneurographie (ENG) werden mit Stromimpulsen periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen. Die Elektromyographie (EMG) untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.
  • Weiteruntersuchung: Je nach Verdachtsdiagnose kommen weitere Untersuchungen infrage.

Behandlungsmöglichkeiten

So vielfältig die Ursachen, so vielfältig auch die Therapien gegen Kribbeln in Armen und Beinen. Erkrankungen wie das Karpaltunnelsyndrom oder ein Bandscheibenvorfall werden operativ behandelt. Liegt das Kribbeln an einer Nervenschädigung, verursacht durch Alkohol oder Diabetes, richtet sich die Therapie vor allem an die Behandlung der Haupterkrankung. Spezielle Krankengymnastik kann zusätzlich Linderung schaffen. Wird das Ameisenlaufen durch eine bakterielle Infektion ausgelöst, verschreibt der Arzt Antibiotika. Diese sind vollständig einzunehmen. Nach der Therapie verschwinden das Kribbeln und sämtliche weiteren Symptome der Erkrankung. Eine Virusinfektion wie die Gürtelrose - bei der das kribbelnde Missempfindung das erste Symptom ist, bevor der Hautausschlag sichtbar wird - wird mit Medikamenten, den sogenannten Virustatika, behandelt. Für das Restless-Legs-Syndrom gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Wird die Krankheit nicht durch einen Ernährungsmangel oder eine spezielle Lebenssituation ausgelöst - RLS kann beispielsweise vorübergehend in der Schwangerschaft auftreten - dann helfen die Wirkstoffe Levodopa und Benserazid, die Missempfindung in den Griff zu bekommen. Alle weiteren erwähnten Erkrankungen, bei denen Kribbeln ein erstes Anzeichen sein kann, werden umfangreich durch den entsprechenden Facharzt behandelt.

Entscheidend ist stets die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. bei Diabetes mellitus eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung, das strikte Vermeiden von Alkohol oder die Behandlung einer Tumorerkrankung. Bei autoimmunvermittelten, entzündlichen Polyneuropathien gibt es verschiedene gegen die Entzündung wirkende Medikamente (Immunglobuline, Kortikoide, Immunsuppressiva). Bei schweren Verläufen kann auch eine Blutwäsche durchgeführt werden. Bei erblichen Neuropathien gibt es bisher keine Therapie. Bei ca. einem Viertel der Polyneuropathien kann die Ursache nicht geklärt werden, meist haben diese Formen jedoch eine gute Prognose. Reizerscheinungen und Muskelkrämpfe lassen sich mit verschiedenen Medikamenten dämpfen.

Allgemeine Maßnahmen bei Polyneuropathie

Für alle Polyneuropathien gilt:

  • regelmäßige Kontrolle der Füße auf Druckstellen
  • Tragen von bequemem Schuhwerk
  • Meidung von Druck
  • Nutzung professioneller Fußpflege
  • Verbesserung des Lebensstils mit regelmäßiger körperlicher Betätigung (150 min Ausdauersport/Woche z. B.

Häufige Fragen rund ums Körperkribbeln

Was bedeutet es, wenn es im ganzen Körper kribbelt?

Wenn das Kribbeln nicht nur lokal begrenzt auftritt, sondern sich über größere Körperregionen oder sogar den ganzen Körper erstreckt, kann dies verschiedene Ursachen haben. Häufig stehen systemische Faktoren dahinter: Stress und Angst können das gesamte Nervensystem aktivieren und zu ausgedehntem Kribbeln führen. Auch Durchblutungsstörungen, Stoffwechselprobleme oder Nährstoffmängel können sich am ganzen Körper bemerkbar machen.

Bei anhaltendem, ganzkörperlichem Kribbeln sollten Sie jedoch eine medizinische Abklärung in Erwägung ziehen, da auch ernstere Ursachen wie neurologische Erkrankungen oder Autoimmunprozesse dahinterstecken können.

Kann die Psyche Kribbeln auslösen?

Ja, definitiv. Ihr Nervensystem ist eng mit Ihrem emotionalen Zustand verknüpft. Stress, Angst, Panikattacken oder chronische Anspannung können zu einer Überaktivierung des sympathischen Nervensystems führen. Dies äußert sich oft in Form von Kribbeln, besonders in den Händen, Armen oder im Gesicht.

Auch das Hyperventilationssyndrom, das bei Angst oder Panik auftreten kann, führt zu Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt des Blutes und kann intensives Kribbeln verursachen. Die gute Nachricht: Psychisch bedingtes Kribbeln ist in der Regel harmlos und verschwindet, wenn sich der emotionale Zustand stabilisiert.

Welcher Mangel führt zu Kribbeln im Körper?

Mehrere Nährstoffmängel können Kribbeln verursachen. Am häufigsten sind:

  • Vitamin-B12-Mangel: Besonders bei Vegetariern und Veganern, aber auch bei Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen. Das Kribbeln beginnt meist in Händen und Füßen.
  • Magnesiummangel: Kann zu Kribbeln, Muskelkrämpfen und Zuckungen führen. Besonders bei Stress, intensivem Sport oder einseitiger Ernährung.
  • Vitamin B1 (Thiamin)-Mangel: Seltener, aber kann bei Alkoholismus oder sehr einseitiger Ernährung auftreten.
  • Eisenmangel: Oft in Verbindung mit unruhigen Beinen (Restless-Legs-Syndrom).

Was sind die ersten Anzeichen einer Nervenschädigung?

Frühe Anzeichen einer Nervenschädigung können sein:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle, die meist in den Füßen oder Händen beginnen
  • Brennende oder stechende Schmerzen
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • Muskelschwäche oder Koordinationsprobleme
  • Verändertes Temperaturempfinden

Diese Symptome entwickeln sich oft schleichend und können zunächst nur gelegentlich auftreten. Bei Verdacht auf eine Nervenschädigung ist eine neurologische Untersuchung wichtig, da eine frühe Behandlung den Verlauf positiv beeinflussen kann.

Wo kribbelt es bei Multipler Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) kann verschiedene Bereiche des Nervensystems betreffen, daher ist auch das Kribbeln nicht auf bestimmte Körperregionen beschränkt. Häufig betroffen sind:

  • Eine Körperhälfte (Arm und Bein derselben Seite)
  • Einzelne Gliedmaßen
  • Das Gesicht
  • Der Rumpf (oft gürtelförmig)

Charakteristisch für MS ist, dass die Symptome oft schubweise auftreten und sich wieder zurückbilden können. Wichtig: Kribbeln allein ist kein Beweis für MS - die Diagnose erfordert umfangreiche neurologische Untersuchungen.

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