Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), des Beckens und der Leiste können vielfältige Ursachen haben. Diese Regionen sind anatomisch eng miteinander verbunden, sodass Beschwerden oft ineinander übergehen oder miteinander zusammenhängen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen in diesem Bereich, die diagnostischen Möglichkeiten und die entsprechenden Behandlungsansätze.
Einführung in die Problematik
Rückenschmerzen, insbesondere im unteren Rücken, sind ein weit verbreitetes Leiden. Die Lendenwirbelsäule trägt einen Großteil des Körpergewichts und leitet Lasten über das Kreuzbein und die Iliosakralgelenke (ISG) ins Becken weiter. Muskeln und Faszien umgeben und verankern die Wirbelsäule, einschließlich der Lendenwirbelsäule. Der Hüftbeuger (Iliopsoas) spielt eine wichtige Rolle für die Beweglichkeit der Hüfte und die Stabilität beim Stehen und Gehen. Verspannungen oder Verkürzungen in diesem Muskel können sich auf den gesamten Rücken auswirken und zu Beckenverwringungen führen.
Ursachen von Nervenschmerzen im Lendenwirbelbereich, Becken und Leiste
1. Muskelverspannungen und Beckenverwringung
Der Hüftbeuger (Musculus iliopsoas) ist ein mächtiger Muskel, der bei Verspannung das Becken verdrehen kann. Diese Beckenverwringung ist oft un erkannt und kann Schmerzen in Beinen, Rücken und Schultern verursachen, bis hin zu Kopf- und Nackenschmerzen oder Schwindel. Die Verspannung des Iliopsoas links, kombiniert mit Rückenmuskeln und Adduktoren rechts, kann zu einer Verdrehung des Beckens und einer funktionellen Beinlängendifferenz führen.
2. Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall gilt oft als Hauptursache für Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Reißt der Faserring einer Bandscheibe, kann der Gallertkern austreten und Nerven im Wirbelkanal reizen. Dies kann zu Schmerzen im unteren Rücken mit Ausstrahlung in Hüfte, Po oder Beine führen. Allerdings verursacht nicht jeder Bandscheibenvorfall Schmerzen, und viele Vorfälle sind Zufallsbefunde.
3. Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom)
Das ISG verbindet Kreuzbein und Darmbein. Blockaden oder Fehlfunktionen in diesem Gelenk können zu Schmerzen führen, die vom unteren Rücken ins Gesäß, in die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen. Typischerweise treten diese Schmerzen einseitig auf.
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4. Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose)
Eine Verengung des Wirbelkanals kann zu einer Einengung der Nerven führen. Dies kann Missempfindungen wie Kribbeln, Kältegefühl oder Schwäche in den Beinen verursachen.
5. Ischiasnervreizung (Ischialgie)
Eine Reizung des Ischiasnervs, der an der Lendenwirbelsäule entspringt und über das Gesäß ins Bein zieht, kann pochende oder brennende Rückenschmerzen verursachen, die bis ins Bein ziehen.
6. Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)
Beim Wirbelgleiten verschieben sich einzelne Wirbelkörper gegeneinander, was zu Instabilität der Wirbelsäule und starken Rückenschmerzen führen kann. Dies betrifft meist die Lendenwirbelsäule.
7. Arthrose (Facettengelenksarthrose)
Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke führt zu einer Verdünnung des Knorpels und kann Schmerzen verursachen.
8. Weitere Ursachen
- Entzündliche Erkrankungen: Entzündliche Prozesse können ebenfalls Rückenschmerzen verursachen.
- Erkrankungen der Nieren und Gallenblase: Nierenbeckenentzündungen oder Gallenblasenerkrankungen können Schmerzen in den unteren Rücken ausstrahlen.
- Gynäkologische Ursachen: Bei Frauen können gynäkologische Probleme Rückenschmerzen verursachen.
- Psychische Faktoren: Stress, Überforderung, Schlafprobleme, Angststörungen und Depressionen können zu Muskelverspannungen und damit zu Rückenschmerzen führen.
Diagnostik von Nervenschmerzen im Lendenwirbelbereich, Becken und Leiste
Eine genaue Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Folgende diagnostische Maßnahmen können eingesetzt werden:
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1. Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht den Patienten körperlich. Dabei werden Beckenhöhe, Symmetrie und die Taillendreiecke begutachtet. Funktionstests prüfen, wie sich die Beckenpunkte beim Vorbeugen verhalten. Ein Beinlängenvergleich in Rückenlage und der Derbolowsky-Test können weitere Hinweise geben.
2. Bildgebende Verfahren
- Röntgen: Röntgenaufnahmen können Verschiebungen einzelner Wirbelkörper oder andere strukturelle Veränderungen zeigen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ein MRT ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Weichteilstrukturen, wie Bandscheiben, Nerven und Muskeln.
- CT (Computertomographie): Ein CT kann knöcherne Strukturen detailliert darstellen.
3. Funktionstests und Reflexprüfungen
Je nach Schmerzlokalisation können weitere Funktions- und Reflextests durchgeführt werden, um andere Fehlfunktionen, Wirbelblockaden oder Nervenläsionen auszuschließen.
Behandlung von Nervenschmerzen im Lendenwirbelbereich, Becken und Leiste
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Es gibt sowohl konservative als auch operative Therapieansätze.
1. Konservative Behandlung
- Schmerzlinderung: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können kurzfristig eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Aktivität zu ermöglichen.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Blockaden zu lösen, die Muskulatur zu lockern und zu dehnen. Manuelle Therapie kann ebenfalls eingesetzt werden, um Verspannungen und Fehlfunktionen zu beseitigen.
- Bewegung und Sport: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten. Geeignete Sportarten sind z.B. Schwimmen, Radfahren oder Walking.
- Dehn- und Entspannungsübungen: Tägliche Dehn- und Entspannungsübungen zu Hause können helfen, die Muskeln rund um das Becken zu lockern.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann bei Muskelverspannungen lindernd wirken, während Kälte bei akuten Entzündungen helfen kann.
- Ergonomische Anpassung: Ein ergonomischer Arbeitsplatz mit aufrechter Sitzhaltung, passendem Stuhl und korrekter Bildschirmhöhe kann helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden.
- Beckenorthesen: Beckenorthesen wie die SacroLoc können das Becken stabilisieren und die Bänder entlasten.
- Injektionstherapie: Injektionen können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
2. Operative Behandlung
Eine Operation ist in der Regel nur dann notwendig, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle auftreten. Mögliche operative Eingriffe sind:
- Bandscheibenoperation: Bei einem Bandscheibenvorfall kann der ausgetretene Gallertkern entfernt werden, um den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
- Dekompression des Spinalkanals: Bei einer Spinalkanalstenose kann der Wirbelkanal erweitert werden, um die Nerven zu entlasten.
- Spondylodese (Versteifungsoperation): Bei Wirbelgleiten kann eine Versteifungsoperation durchgeführt werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
Selbsthilfe und Prävention
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man selbst ergreifen kann, um Schmerzen im Lendenwirbelbereich, Becken und Leiste vorzubeugen oder zu lindern:
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- Regelmäßige Bewegung: Bewegungsmangel vermeiden und regelmäßig Sport treiben.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Auf eine gute Körperhaltung achten und den Arbeitsplatz ergonomisch gestalten.
- Dehnübungen: Regelmäßig Dehnübungen durchführen, insbesondere für den Hüftbeuger und die Rückenmuskulatur.
- Stressmanagement: Stress reduzieren und Entspannungstechniken erlernen.
- Gesunde Ernährung: Auf eine ausgewogene Ernährung achten und Übergewicht vermeiden.
- Geeignete Matratze: Eine mittelharte Matratze kann bei Rückenschmerzen vorteilhaft sein.
- Vermeidung von langem Sitzen: Regelmäßige Bewegungspausen einlegen und langes Sitzen vermeiden.
Die Methode nach Liebscher & Bracht
Die Methode nach Liebscher & Bracht setzt sich aus aktiven und passiven Komponenten zusammen. Sie beinhaltet spezielle Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen, die eigenständig durchgeführt werden können, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Im Akutfall können zertifizierte Liebscher & Bracht Therapeuten hinzugezogen werden.