Nerven, Meniskus, Knie: Eine detaillierte anatomische Betrachtung

Das Kniegelenk ist ein komplexes und wichtiges Gelenk, das eine entscheidende Rolle für unsere Mobilität und Lebensqualität spielt. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Gelenks sind die Menisken, zwei halbmondförmige Knorpelstrukturen, die als Stoßdämpfer und Stabilisatoren fungieren. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie des Knies, insbesondere die Rolle der Menisken, ihre Verletzungen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung in die Knieanatomie

Das Kniegelenk (Articulatio genus) ist das größte Gelenk im menschlichen Körper und stellt eine multifunktionale Einheit dar. Es verbindet den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Unterschenkelknochen (Tibia, Schienbeinknochen) und ermöglicht Beugung, Streckung und eine leichte Rotation. Die Kniescheibe (Patella) ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Kniegelenks.

Knochen und ihre Funktionen

Am Kniegelenk sind hauptsächlich drei Knochen beteiligt:

  • Oberschenkelknochen (Femur): Der untere Teil des Oberschenkelknochens bildet den Gelenkkopf mit zwei kräftigen, mit Gelenkknorpel überzogenen Knochenvorsprüngen, den Condylen.
  • Schienbein (Tibia): Der obere Teil des Schienbeins bildet die Gelenkfläche, auf der die Condylen des Oberschenkelknochens gleiten.
  • Kniescheibe (Patella): Die Kniescheibe ist das größte Sesambein des Menschen und in die Sehne des Oberschenkelmuskels (Musculus quadriceps femoris) eingebettet. Sie dient als Abstandshalter und verbessert die Hebelwirkung bei der Streckung des Knies.

Bänder und ihre stabilisierende Wirkung

Ein komplexer Bandapparat sichert das Kniegelenk und verhindert eine übermäßige Verschiebung der Knochenstrukturen gegeneinander:

  • Seitenbänder (Ligamenta collateralia): Das Innenband (Lig. collaterale mediale) und das Außenband (Lig. collaterale laterale) stabilisieren das Knie hauptsächlich gegen seitliche (Biege-) Belastungen in der Frontalebene.
  • Kreuzbänder (Ligamenta cruciata): Das vordere Kreuzband (Lig. cruciatum anterius) und das hintere Kreuzband (Lig. cruciatum posterius) stabilisieren das Knie gegen Verschiebungen des Schienbeins nach vorne bzw. hinten in der Sagittalebene.

Schleimbeutel als Schutzpolster

Schleimbeutel (Bursae) sind mit Flüssigkeit gefüllte Polster, die das Gelenk vor Reibung und Druck schützen. Sie befinden sich über der Kniescheibe, vor und hinter der Patellasehne.

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Die Rolle der Menisken im Kniegelenk

Die Menisken (Meniscus medialis und Meniscus lateralis) sind zwei halbmondförmige, knorpelige Strukturen aus Faserknorpel, die zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein liegen. Sie bestehen aus Faserknorpel und bilden das Verbindungsstück zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein. Sie sorgen außerdem für eine bessere Kraftverteilung im Knie. Sie sind keine starren Puffer, sondern bewegen sich mit. Wenn du dein Knie beugst, gleiten deine Menisken auf der Gelenkfläche nach hinten, und wenn du es streckst, bewegen sie sich wieder nach vorne.

Anatomische Details der Menisken

  • Form und Lage: Der Innenmeniskus (Meniscus medialis) ist C-förmig, während der Außenmeniskus (Meniscus lateralis) eher ringförmig ist. Sie liegen auf dem Tibiaplateau und bedecken dieses zu etwa 70 Prozent.
  • Befestigung: Die Menisken sind vorne und hinten am Unterschenkel befestigt. Vorne sind sie durch ein kräftiges Halteband (Ligamentum transversum genus) verbunden. Der Innenmeniskus ist zusätzlich mit dem Innenband verwachsen.
  • Zonen: Zuletzt teilt man den Meniskus in ein Vorderhorn, pars intermedia und ganz hinten Hinterhorn ein.
  • Durchblutung: Die Menisken werden von der Kapsel her durchblutet. Man teilt sie von peripher nach zentral in eine gut durchblutete rote Zone, eine "mittelgut" durchblutete Rot-Weiß-Zone und eine nicht durchblutete weiße Zone ein. Diese Durchblutungssituation ist relevant für die Heilung von Meniskusrissen und die Möglichkeit einer Meniskusnaht.

Funktionen der Menisken

Die Menisken erfüllen mehrere wichtige Funktionen im Kniegelenk:

  • Stoßdämpfung: Sie absorbieren etwa ein Drittel der Last, die auf das Kniegelenk wirkt, und federn Erschütterungen beim Gehen, Laufen und Springen ab.
  • Druckverteilung: Sie gleichen Formunterschiede zwischen den Gelenkflächen von Oberschenkelknochen und Schienbein aus und vergrößern die Kontaktfläche, wodurch Gewicht und Druck besser verteilt werden.
  • Stabilisierung: Sie tragen zur Stabilität des Kniegelenks bei, insbesondere bei Drehbewegungen.
  • Reibungsminderung: Durch ihre glatte Oberfläche verringern sie die Reibung zwischen den Gelenkflächen und ermöglichen ein reibungsloses Gleiten.
  • Propriozeption: Die Menisken sind mit Nervenendigungen versehen und tragen zur Wahrnehmung der Gelenkstellung und -bewegung bei.

Meniskusverletzungen: Ursachen, Symptome und Diagnose

Meniskusverletzungen gehören zu den häufigsten Knieproblemen. Sie können durch akute traumatische Ereignisse oder durch chronische degenerative Prozesse entstehen.

Ursachen von Meniskusverletzungen

  • Traumatische Risse: Diese entstehen typischerweise durch ein indirektes Trauma mit Rotation des gebeugten und belasteten Kniegelenks, oft im Rahmen von Sportunfällen. Vor allem bei jüngeren Patienten im Rahmen von Sportunfällen sowie häufig in Kombination mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes kommt es zu frischen Verletzungen des Innen- als auch des Außenmeniskus. Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen oder hoher Kniebelastung (z.B. Fußball, Basketball, Skifahren) bergen ein erhöhtes Risiko.
  • Degenerative Risse: Diese treten häufiger bei älteren Menschen auf, aufgrund von Abnutzungserscheinungen und wiederholter Mikrotraumatisierung. Entweder reine Abnutzung, alte Unfälle oder ähnliche Konstellationen führen zu diesen Rissen. Regelmäßiges Arbeiten in der Hocke oder eine Fehlstellung der Beinachse (X- oder O-Beine) können degenerative Veränderungen beschleunigen.
  • Meniskopathie: Degenerative Risse im Meniskus treten vor allem bei älteren Patienten auf und werden auch als Meniskopathie bezeichnet.

Typen von Meniskusrissen

Je nach Lokalisation und Verlauf des Risses unterscheidet man verschiedene Typen:

  • Längsriss: Der Riss verläuft parallel zur Faserrichtung des Meniskus.
  • Querriss (Radiärriss): Der Riss verläuft quer zur Faserrichtung des Meniskus.
  • Lappenriss: Ein Teil des Meniskus ist abgerissen und bildet einen Lappen.
  • Korbhenkelriss: Ein längerer Längsriss, bei dem ein Meniskusteil wie ein Korbhenkel verschoben ist. Im Besonderen Korbhenkelrisse sollten genäht werden, weil diese in der Regel ein großes Volumen an Meniskusgewebe beinhalten.
  • Horizontalriss: Der Riss verläuft horizontal im Meniskusgewebe.
  • Komplexe Risse: Kombinationen verschiedener Rissformen.

Symptome eines Meniskusrisses

Die Symptome eines Meniskusrisses können je nach Art und Schweregrad der Verletzung variieren. Typische Anzeichen sind:

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  • Schmerzen: Vor allem bei Belastung, bestimmten Bewegungen (z.B. Hocke, Drehung) oder Druck auf den Gelenkspalt. Es zeigt sich oft eine chronische Schmerzsymptomatik vor allem bei bestimmten Bewegungen und Belastungen.
  • Schwellung: Eine Gelenkschwellung kann auftreten, muss aber nicht.
  • Blockade: Das Knie kann blockieren, insbesondere bei Korbhenkelrissen oder abgerissenen Knorpelstücken. Einklemmungen und Klick-Phänomene sind zudem typisch.
  • Instabilität: Ein Gefühl der Instabilität oder des Wegknickens im Knie kann auftreten.
  • Einschränkung der Beweglichkeit: Das Knie kann nicht mehr vollständig gestreckt oder gebeugt werden.
  • Knackende Geräusche: Bei bestimmten Bewegungen können knackende oder knirschende Geräusche auftreten.

Diagnose von Meniskusverletzungen

Die Diagnose eines Meniskusrisses basiert auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Die genaue Diagnose eines Meniskusschadens sollte immer durch einen Arzt erfolgen, der verschiedene klinische Tests durchführen und bei Bedarf bildgebende Verfahren wie MRT einsetzen kann.

  • Anamnese: Der Arzt erfragt den Unfallhergang, die Art der Beschwerden und Vorerkrankungen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt führt verschiedene Tests durch, um die Stabilität des Knies zu prüfen und Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen zu lokalisieren. Dazu gehören:
    • Palpation: Abtasten des Gelenkspalts auf Druckschmerzhaftigkeit.
    • McMurray-Test: Provokation von Schmerzen oder Knackgeräuschen durch Drehung und Beugung des Knies.
    • Apley-Grinding-Test: Provokation von Schmerzen durch Druck und Drehung des Unterschenkels in Bauchlage.
    • Thessaly-Test: Provokation von Schmerzen durch Drehung des Körpers auf einem Bein bei leicht gebeugtem Knie.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen: Zum Ausschluss anderer Ursachen wie Knochenbrüche oder Arthrose.
    • MRT (Magnetresonanztomographie): Die MRT ist dasStandardverfahren zur Darstellung von Meniskusrissen und anderen Weichteilverletzungen im Kniegelenk. Seit 2025 nutzen wir zusätzlich unsere praxiseigene Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT). Mit modernster Technik erhalten wir eine sofort verfügbare und exakte Bildgebung der betroffenen und schmerzursächlichen Stellen.

Behandlung von Meniskusverletzungen

Die Behandlung eines Meniskusrisses hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art und Schwere der Verletzung, das Alter und Aktivitätsniveau des Patienten sowie Begleitverletzungen.

Konservative Therapie

Nicht-operative Behandlungen sind oft die erste Wahl bei kleineren Rissen oder degenerativen Veränderungen. Sie können umfassen:

  • Schmerzlinderung: Medikamente wie Ibuprofen und Paracetamol oder Injektionen mit Kortison können im Notfall Abhilfe schaffen und Schmerzen lindern.
  • Kühlung: Kühlung und Hochlagerung des Beins nach der PECH-Regel Linderung verschaffen.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik, muskelkräftigende Übungen, analgetisch­-antiphlogistische medikamentöse Therapie und Infiltrationsbehandlungen.
  • Bewegungsübungen: Das postoperative Training ist von wesentlicher Bedeutung für eine schnelle Restitution. vor allem Training des Musculus quadriceps zur Stabilisierung des Kniegelenks.
  • Gewichtsabnahme: Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Patient*innen reduziert Schmerzen und Arthroserisiko.

Operative Therapie

Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist oder bei bestimmten Arten von Rissen, wie z.B. Korbhenkelrissen oder instabilen Lappenrissen. Heutzutage wird die sog. Die Meniskusoperation ist eine minimal-invasive OP, die ambulant durchgeführt werden kann.

  • Arthroskopie: Die meisten Meniskusoperationen werden arthroskopisch durchgeführt. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren werden kleine Schnitte gemacht, durch die eine Kamera und chirurgische Instrumente in das Kniegelenk eingeführt werden.
  • Meniskusnaht: Wenn der Riss in der gut durchbluteten roten Zone liegt, kann der Meniskus genäht werden, um ihn zu erhalten. Dabei werden die abgerissenen oder beschädigten Teile des Meniskus an das feste Gewebe angenäht. Eignet sich der Riss während der diagnostischen Arthroskopie für eine Naht wird dieser sofort in gleichem Eingriff durchgeführt. Co-Pathologien wie Kreuzbandrisse etc. werden in gleichem Eingriff therapiert. Zusätzlich kann der Knochen im Gelenk angebohrt werden. Dadurch treten Stammzellen aus dem Knochen aus und lagern sich im Gelenk/am Rissrand ab. Mithilfe dieser Technik kann die Einheilung sehr gut gefördert werden bzw. die Gefahr eines erneuten Risses reduziert werden. Die Ärzte des Meliva Gelenkzentrum greifen neben der einfach Naht in diesem Sinne auf die aktuellsten zusätzlichen operativen Techniken zurück, um die Meniskusnaht so erfolgreich wie möglich zu gestalten bzw. Wenn der Meniskus gut einwächst und die Rehabilitation regelhaft durchgeführt wird, kann man mit einer Zufriedenheitsrate von 90 - 100 % rechnen. Jedoch muss man anmerken, dass genähte Menisci in bis zu 20 % wieder reißen.
  • Meniskusteilentfernung (Teilresektion): Wenn der Riss nicht genäht werden kann, wird der beschädigte Teil des Meniskus entfernt. Dabei wird mittels minimal-invasiver Technik arthroskopisch das kaputte Meniskusgewebe entfernt (Bild 11). Die Nachbehandlung kann in der Regel funktionell erfolgen (freie Beweglichkeit und Schmerz-adaptierte Vollbelastung wenn möglich). Jedoch ist anzumerken, dass durch eine Teilentfernung von Meniskusgewebe dem Kniegelenk weniger Puffer zur Verfügung steht und damit automatisch die Gefahr der Entwicklung einer Arthrose steigt.
  • Meniskusersatz: In Ausnahmefällen muss bei nicht erhaltungsfähigen Rissen der Meniskus subtotal oder ganz entfernt werden. Handelt es sich um einen partiellen Meniskusverlust mit intakten Wurzeln und einer intakten sogenannten Randleiste (rote Zone) kann ein künstlicher Meniskusersatz eingesetzt werden. Die Indikation hierzu muss sehr streng gestellt werden. Operativ wird der noch vorhandene Meniskus vorbereitet/angefrischt. Fehlt der Meniskus komplett kann ein Leichenspendermeniskus eingesetzt werden (Bild 17: arthroskopisches Bild nach Einsatz eines Leichenmeniskus). Die Nachbehandlung nach Meniskusersatz ist sehr zurückhaltend. Es wird eine 6-wöchige Teilbelastung benötigt. Hiernach Aufbelastung bis zur Vollbelastung innerhalb von 3 Wochen. Radfahren und Schwimmen nicht vor 3-4 Monaten. Rückkehr in leichte sportliche Aktivität erst ab dem 6.-9. Wenn der Meniskus gut einwächst und die Rehabilitation regelhaft durchgeführt wird, kann man mit einer Zufriedenheitsrate von 75 - 80 % rechnen.

Nachbehandlung nach einer Meniskusoperation

Die Nachbehandlung ist entscheidend für den Erfolg der Operation. Sie umfasst:

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  • Teilbelastung: Nach einer Meniskusnaht ist ca. vier bis sechs Wochen nur eine Teilbelastung des Knies mit Hilfe von Unterarmgehstützen möglich. Ab der 7. Woche können die Gehstöcke in der Regel weggelassen werden. Es ist mit einer Arbeitsunfähigkeit von ca. sechs Wochen zu rechnen. Die sportliche Rehabilitation nach einer Meniskus OP dauert ca. drei Monate. Beginnen sollte der Patient mit sanften, gelenkschonenden Sportarten wie Walken, Schwimmen oder Radfahren. Eine intensivere sportliche Belastung ist frühestens nach vier Monaten sinnvoll.
  • Vollbelastung: Nach einer Teilresektion darf der Patient das operierte Knie bereits am OP-Tag eingeschränkt - mit Hilfe von Gehstützen - belasten. Zwei bis drei Wochen nach der Meniskus OP kann der Patient bereits mit gelenkschonenden Sportarten (Walken, Schwimmen, Radfahren) beginnen. Die Vollbelastung des Beines ist ab der fünften Woche möglich. Nach ca. sechs Wochen können auch Sportarten wie Joggen, Schwimmen oder Fußball langsam wieder ausgeübt werden. Die Arbeitsfähigkeit ist meistens schon drei Wochen nach der Arthroskopie wiedergegeben.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.

Prävention von Meniskusverletzungen

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko von Meniskusverletzungen zu verringern:

  • Aufwärmen: Vor sportlichen Aktivitäten die Muskulatur ausreichend aufwärmen.
  • Dehnen: Regelmäßiges Dehnen der Beinmuskulatur, um die Flexibilität zu erhalten.
  • Krafttraining: Kräftigung der Muskeln rund um das Kniegelenk, um es zu stabilisieren.
  • Richtige Technik: Bei sportlichen Aktivitäten auf eine korrekte Technik achten.
  • Gewichtskontrolle: Übergewicht vermeiden, um die Belastung auf die Kniegelenke zu reduzieren.
  • Vermeidung von Überlastung: Überlastung der Kniegelenke vermeiden, insbesondere bei Arbeiten in der Hocke oder bei kniebelastenden Sportarten.

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