Die Neuroradiologie in Heidelberg ist ein Zentrum für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Bendszus arbeiten über 100 Mitarbeiter daran, die Untersuchungsmethoden und Behandlungsmöglichkeiten stetig zu verbessern. Das Team besteht aus Fachärzten für Neuroradiologie, medizinisch-technischen Radiologieassistenten (MTRA), Medizintechnikern, Arzthelfern, Krankenpflegern, Physikern, wissenschaftlichen Mitarbeitern und EDV-Administratoren.
Modernste Technik für präzise Diagnostik
Die Neuroradiologie Heidelberg verfügt über eine umfangreiche technische Ausstattung, darunter sechs moderne MRT-Geräte, einen Computertomographen, ein Gerät zur digitalen Volumentomographie (DVT), ein Ultraschallgerät sowie zwei Interventionsräume mit Angiographie-Anlage. Diese Technik wird stetig weiterentwickelt, um individuelle Fragestellungen der Patienten konkret und präzise zu beantworten und die besten Therapiemöglichkeiten anbieten zu können.
Behandlungsspektrum
Neben diagnostischen Verfahren bietet die Neuroradiologie Heidelberg innovative, gering invasive Behandlungsverfahren bei Erkrankungen des Gefäßsystems (z. B. Aneurysma, arteriovenöse Malformationen) von Hirn und Rückenmark sowie in der Schmerztherapie an.
MRT Nerven/MR Neurographie: Präzise Diagnostik bei unklaren Schmerzen
Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Nerven, auch MR Neurographie genannt, ist eine spezielle Untersuchungsmethode, um Ursachen für Schmerzen präzise zu lokalisieren oder auszuschließen. Sie kann bei unklaren, andauernden (chronischen) Schmerzen, Schmerzen an mehreren Stellen gleichzeitig (Polyneuropathien), stechenden Schmerzen und Missempfindungen in Fingern und Händen oder Beinen und Füßen, starken Schmerzen, die nicht auf Medikamente ansprechen, sowie Lähmungen angebracht sein.
Wann ist eine MR Neurographie sinnvoll?
Eine MR Neurographie kann bei folgenden Beschwerden sinnvoll sein:
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- Unklare Schmerzen, wenn trotz verschiedener Untersuchungen keine Ursache gefunden werden konnte
- Andauernde (chronische) Schmerzen
- Schmerzen an mehreren Stellen gleichzeitig (Polyneuropathien)
- Stechende Schmerzen und Missempfindungen in Fingern und Händen
- Stechende Schmerzen und Missempfindungen in Beinen und Füßen
- Starke Schmerzen, die nicht auf Medikamente ansprechen
- Lähmungen
Ablauf der Untersuchung
Bei der Nerven-MRT werden betroffene Körperregionen gezielt untersucht. So können zum Beispiel die Nerven ausgehend von der oberen Wirbelsäule/Nacken über das Arm-Nerven-Geflecht und den Arm bis in die Finger dargestellt werden. Zudem werden die anatomischen Nachbarstrukturen wie Gelenke, Knochen und Muskeln mituntersucht.
Die MR-Untersuchung wird entsprechend der individuellen Schmerzanamnese von Spezialisten geplant und sorgfältig ausgewertet. Die Untersuchung wird in der Rückenlage durchgeführt und dauert in der Regel ca. 30 Minuten.
Vorteile der Nerven-MRT
Die Nerven-MRT ist oft die beste Untersuchungsmethode, wenn es darum geht, eine geeignete Therapie einzuleiten, um Schmerzen zu beheben oder zumindest zu lindern. Mit dem Nerven-MRT lassen sich gezielt längere Nervenabschnitte darstellen. Mit diesem Scan kann der Zustand eines Nervens bis auf Ebene der Nervenbündel beurteilt werden. Zudem werden alternative Ursachen für den jeweiligen Schmerz mit abgeklärt.
Experten für periphere Nerven in Heidelberg
In der Neuroradiologie Heidelberg arbeiten anerkannte Experten für die Bildgebung peripherer Nerven. Zu ihnen gehören:
- Prof. Dr. med. Philipp Bäumer: Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie, Experte für Neuroradiologie und Bildgebung peripherer Nerven. Er hat in der Neuroradiologie der Universität Heidelberg habilitiert und dort über viele Jahre große Expertise in der Bildgebung peripherer Nerven erworben.
- Dr. med. Michael Ho: Facharzt für Radiologie und Experte für die Bildgebung der peripheren Nerven. Er hat sich unter anderem am Universitätsklinikum Heidelberg und zuletzt am Universitätsspital Zürich klinisch und wissenschaftlich mit der Bildgebung der peripheren Nerven beschäftigt. Er ist Geschäftsführer und Mitgründer von ARISTRA.
- PD Dr. med. Johann-Martin Hempel: Experte für Neuroradiologie und Kopf-Hals-Radiologie. Er hat lange Jahre an der Universitätsklinik in Tübingen praktiziert.
- Prof. Dr. med. Wibke Müller-Forell: Emeritierte Professorin der Universität Mainz und leitete dort kommissarisch das Institut für Neuroradiologie. Ihre klinischen Schwerpunkte liegen auf Erkrankungen der Orbita, MR-Diagnostik des zentralen Nervensystems und der interventionellen Schlaganfalltherapie.
MR-Neurographie am Universitätsklinikum Heidelberg
Einer der Schwerpunkte in der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg ist die MR-Neurographie. Dies ist ein innovatives, neuroradiologisches Untersuchungsverfahren, mit dem das periphere Nervensystem hochaufgelöst dargestellt werden kann.
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Technik und Durchführung
Bei der MR-Neurographie arbeitet ein Team aus hochspezialisierten Neuroradiologen mit Medizinisch-Technischen Radiologieassistentinnen und -assistenten (MTRAs) sowie Physikern Hand in Hand. Die Untersuchungsverfahren der MR-Neurographie benutzen speziell für die Darstellung der peripheren Nerven entwickelte bzw. optimierte Aufnahmetechniken (sogenannte Pulssequenzen) und werden an leistungsstarken 3 Tesla MRT-Geräten in Kombination mit hochauflösenden Empfangsspulen durchgeführt.
Vor der MR-Neurographie führen die Ärzte ein Aufklärungsgespräch mit dem Patienten, um mögliche Kontraindikationen (z. B. Herzschrittmacher) festzustellen und Informationen über die Beschwerden (Beginn, auslösende Ereignisse, Entwicklung, Missempfindungen, Lähmungserscheinungen oder Schmerzen) zu erhalten.
Die MR-Neurographie dauert je nach Aufwand meist zwischen 45 und 60 Minuten, wobei viele Unterbrechungen durch das Umpositionieren der Empfangsspulen auftreten. In Einzelfällen wird ein venöser Zugang gelegt, um während der Untersuchung ein Kontrastmittel applizieren zu können.
Gründe für eine MR-Neurographie
Es gibt sehr viele verschiedene Gründe, warum eine MR-Neurographie durchgeführt wird und jeder Patientenfall ist individuell. Um einen reibungslosen Ablauf und eine auf den Patienten ausgerichtete Durchführung der MR-Neurographie zu ermöglichen, werden folgende Unterlagen vor der Untersuchung benötigt: eine Überweisung mit der konkreten Fragestellung der zuweisenden Ärztin oder des zuweisenden Arztes sowie eventuell vorliegende Untersuchungsbefunde.
Wissenschaftliche Studien
Mitarbeiter der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg haben in verschiedenen wissenschaftlichen Studien den deutlichen diagnostischen Nutzen der MR-Neurographie gezeigt bis hin zur Beschreibung von völlig neuen Krankheitsbildern.
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MR-Neurographie Nord: Spezialuntersuchungen auch in Hamburg
Um die Technik auch im Norden Deutschlands verfügbar zu machen, entstand das Konzept der MR-Neurographie Nord: Der Patient wird in der MRT-Praxis Neuer Wall im Zentrum Hamburgs an einem technologisch hochmodernen Hochfeld-MRT-Gerät untersucht und von einem Team aus erfahrenen Medizinisch-Technischen-Assistentinnen betreut. Medizinisch erfolgt die Betreuung durch spezialisierte Ärzte in Heidelberg, die via Internet in Echtzeit die MRT-Untersuchung des Patienten sehen und steuern können. Unmittelbar nach der Untersuchung erfolgt per Videokonferenz die Befundbesprechung zwischen dem Patienten und dem spezialisierten Radiologen in Heidelberg.
Anwendungsbereiche der MR-Neurographie
Die MR-Neurographie ist ein Untersuchungsverfahren zur Darstellung peripherer Nerven, mit dem Neuritiden und Polyneuropathien präzise diagnostiziert werden können. Sie kommt zum Einsatz, um Erkrankungen wie Neuritiden, Polyneuropathien oder Kompressionsneuropathien präzise zu diagnostizieren. Dabei werden mithilfe spezieller MRT-Techniken und hochauflösender Empfangsspulen selbst kleinste Nervenschäden sichtbar gemacht - auch in Körperregionen, die sonst schwer zugänglich sind.
Erkennung von Polyneuropathien
Die MR-Neurographie kann zur Erkennung von Polyneuropathien eingesetzt werden, z. B. bei unklaren Schmerz- oder Missempfindungen.
Darstellung von Nervenstrukturen
Die Nerven-MRT dient der Darstellung und Untersuchung bestimmter Nervenabschnitte, z.B. im Halsbereich, in den Armen oder auch in den Fingern. Durch die detaillierte Darstellung der Nerven und der angrenzenden anatomischen Strukturen wie Gelenke, Muskeln und Knochen hilft die Nerven-MRT, die zugrundeliegenden Schmerzursachen zu identifizieren.
Kompressionsneuropathien
Ein großer Teil der Krankheitsbilder ist auf sog. Kompressionsneuropathien zurückzuführen. Hier kommt es durch eine pathologische Engstelle im Körper zu einer Druckschädigung eines peripheren Nerves, was sich in Schmerzen und Missempfindungen widerspiegeln kann. Häufige Kompressionsneuropathien der oberen Extremität sind beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom und das Sulcus-ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom), hier kommt es zu einer Druckschädigung des Medianus- bzw. Ulnarisnerves. Bemerkbar macht sich das in Taubheit und Missempfindungen der ersten drei bzw. des vierten und fünften Fingers. Auch Pathologien des Hals-Nerven-Geflechts, des sog. Plexus brachialis, zum Beispiel eine Druckschädigung durch eine Halsrippe, lassen sich mittels Nerven-MRT darstellen.
Auch an der unteren Extremität kommen diese Kompressionsneuropathien vor. Bei der Meralgia paraesthetica entsteht beispielsweise eine Taubheit an der vorderen Oberschenkelaußenseite durch Druckschädigung eines Hautnerves. Auch das Piriformis-Syndrom ist hier zu nennen, hier kommt es durch eine Kompression des Ischiasnervs zu Schmerzen im Bereich der Gesäßregion, die in das Bein ausstrahlen können. Beim Tarsaltunnelsyndrom wird auf Höhe des Knöchels der Tibialisnerv geschädigt, was Schmerzen im Fußbereich hervorruft.
Tumore der peripheren Nerven
Seltenere, aber ebenfalls in Betracht zu ziehende Ursachen von Schmerzen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen sind Tumore der peripheren Nerven. Diese können einzeln oder kombiniert vorkommen, sind überwiegend gutartig und gehen meist von den nervenumhüllenden Markscheiden aus.
Nervenschädigungen nach Unfällen
Bei Unfällen kann es zu durch Zerrung oder (Teil-)Durchtrennung zu einer dauerhaften Schädigung der Nerven kommen. Die Folge sind gutartige Wucherungen des Nervengewebes.
Förderung der Forschung zur Fabry-Krankheit
Ein Forschungsprojekt unter Leitung des Neuroradiologen Dr. Dr. Tim Godel aus der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg wird mit 220.000 Euro gefördert. Das Projekt untersucht die Entstehung und Bekämpfung von Nervenschmerzen bei der Fabry-Krankheit. Im Fokus des Interesses stehen sensible Nervenknoten in der Nähe der Wirbelsäule, die besonders früh im Krankheitsverlauf geschädigt werden und vermutlich für schmerzhafte Erstsymptome des Morbus Fabry verantwortlich sind.
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