Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz; es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die oft von einer Aura und verschiedenen Begleitsymptomen begleitet wird. Die Behandlung von Migräne, insbesondere bei Patienten, die gleichzeitig Psychopharmaka einnehmen, erfordert ein sorgfältiges Abwägen potenzieller Wechselwirkungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migränebehandlung, insbesondere im Hinblick auf die Wechselwirkungen mit Psychopharmaka, und bietet einen umfassenden Überblick über verfügbare Therapieoptionen und Vorsichtsmaßnahmen.
Was ist Migräne mit Aura?
Migräne ist eine spezifische Form von Kopfschmerz, die sich von gewöhnlichen Kopfschmerzen durch charakteristische Merkmale unterscheidet. Der Schmerz bei Migräne ist oft pulsierend oder pochend und kann auf einer Seite des Kopfes lokalisiert sein. Eine Aura ist ein neurologisches Phänomen, das bei manchen Migränepatienten vor oder während des Kopfschmerzes auftritt. Sie kann sich in Form von visuellen Störungen (z. B. Flimmern, Blitze), sensorischen Veränderungen (z. B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Migränepatienten alle diese Merkmale aufweisen müssen und die Schwere sowie Häufigkeit von Migräneanfällen von Person zu Person variieren können.
Naratriptan: Ein Triptan zur Akutbehandlung der Migräne
Naratriptan gehört zur Gruppe der Triptane, Arzneistoffe, mit denen vorwiegend akute Migräne-Kopfschmerzen behandelt werden. Naratriptan aktiviert bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren) des Botenstoffes Serotonin. Auf diese Weise werden die Blutgefäße verengt, die bei akuten Migräneanfällen offenbar erweitert sind. Der Wirkstoff kann zudem Entzündungen und Schmerzen direkt hemmen.
Anwendung und Dosierung von Naratriptan
Naratriptan ist in Form von Filmtabletten erhältlich. Diese werden als Ganzes, am besten mit einem Glas Wasser geschluckt. Die empfohlene Dosis beträgt eine Filmtablette (entsprechend 2,5 Milligramm Naratriptan) so früh wie möglich nach Beginn des Migräne-Anfalls. Je früher man es einnimmt, desto besser wirkt es meist. Sollten die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden erneut auftreten oder nicht gänzlich abklingen, kann man eine zweite Filmtablette einnehmen. Der Abstand zur ersten sollte allerdings mindestens vier Stunden betragen. Die Tageshöchstdosis beträgt 5 Milligramm Naratriptan. Triptane können Medikamenten-verursachte Kopfschmerzen auslösen. Nehmen Sie Naratriptan daher nicht an mehr als zehn Tagen im Monat oder drei aufeinanderfolgenden Tagen ein.
Mögliche Nebenwirkungen von Naratriptan
Nebenwirkungen von Naratriptan betreffen häufig das Nervensystem. Hierzu gehören ein Gefühl von Kribbeln, Schwindel, Schläfrigkeit sowie Müdigkeit. Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls häufige Nebenwirkungen. Gelegentlich ist das Herz-Kreislauf-System betroffen. Patientinnen und Patienten berichten dann von Herzklopfen, einem verlangsamten oder einem schnellen Puls. Auch der Blutdruck kann in den ersten zwölf Stunden nach der Einnahme von Naratriptan ansteigen. Sehr selten verengen sich die Herzkranzgefäße bedrohlich. Betroffene verspüren ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, Atemnot, ausstrahlende Beschwerden in etwa Schulter, Hals und Oberbauch oder haben kalten Schweiß. Rufen Sie bei den eben genannten Beschwerden umgehend den Rettungsdienst! Weitere Nebenwirkungen von Naratriptan sind zum Beispiel Hautausschlag und Juckreiz. Manche Personen klagen über Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen). Schwere allergische Reaktionen sind selten, aber möglich.
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Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen bei der Einnahme von Naratriptan
Naratriptan darf nicht eingenommen werden bei bekannter Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile des jeweiligen Medikaments, bei starkem Bluthochdruck oder, wenn der Bluthochdruck nicht unter Kontrolle ist, von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Herzinfarkt in der Vergangenheit, koronarer Herzkrankheit oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit), von Patienten mit Schlaganfall oder transitorisch ischämischer Attacke in der Vergangenheit, bei schwer geschädigter Leber- oder Nierenfunktion, von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, wenn man bereits Ergotamine (ältere Migräne-Mittel) oder andere Triptane einnimmt. Starke Raucher oder Personen, die gerade einen Nikotinersatz anwenden, sollten sich vor der ersten Einnahme ärztlich untersuchen lassen. Das gilt besonders für Betroffene über 40 Jahre oder in den Wechseljahren. Der Arzt oder die Ärztin können dann relevante Herz-Kreislauf-Krankheiten ausschließen.
Naratriptan in Schwangerschaft und Stillzeit
Laut Hersteller ist Naratriptan für Schwangere nur dann geeignet, wenn sein Nutzen etwaige Risiken deutlich überwiegt. Bislang ausgewertete Schwangerschaftsverläufe zeigen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten. Erfahrungen zur Anwendung in der Stillzeit liegen nicht vor. Eine einzelne Dosis scheint laut dem Institut für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin aber möglich. Der Hersteller empfiehlt eine Stillpause über 24 Stunden nach der Einnahme von Naratriptan. Experten zufolge ist in der Schwangerschaft und Stillzeit das besser untersuchte Sumatriptan Mittel der Wahl. Besprechen Sie die Anwendung immer zuerst mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin.
Wechselwirkungen zwischen Naratriptan und Psychopharmaka
Vorsicht geboten ist bei Medikamenten gegen Depression: Die gleichzeitige Einnahme von Naratriptan und Antidepressiva könnte ein Serotonin-Syndrom auslösen. Zu diesen Medikamenten zählen: Das pflanzliche Depressions-Mittel Johanniskraut kann die Nebenwirkungen von Naratriptan verstärken. Wenden Sie Naratriptan nicht zusammen mit anderen Triptanen oder Ergotaminen an. Haben Sie ein Medikament aus diesen Gruppen eingenommen, warten Sie mindestens 24 Stunden, bis Sie Naratriptan einnehmen. Informieren Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder Ihre Apotheke über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Das Serotonin-Syndrom
Das Serotonin-Syndrom ist eine potenziell lebensbedrohliche Arzneimittelwirkung, die durch eine Überstimulation von Serotonin-Rezeptoren im Gehirn verursacht wird. Symptome können Verwirrung, Halluzinationen, Muskelzuckungen, Zittern, erhöhte Herzfrequenz, Blutdruckveränderungen, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall umfassen. In schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen, Koma und Tod führen.
Obwohl die US-amerikanische Nahrungs- und Arzneimitteladministration (FDA) im Jahr 2006 eine Warnung bezüglich eines möglichen Risikos für das Serotonin-Syndrom bei der Kombination von Triptanen mit selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) oder selektiven Serotonin/Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) herausgab, basierte diese Warnung auf einer sehr kleinen Fallserie, bei denen die diagnostischen Kriterien eines Serotoninsyndroms nicht immer erfüllt waren. Die gegenwärtige Datenlage begründet nicht eine Limitierung des Einsatzes eines Triptans zusammen mit einem SSRI oder einem SNRI oder gar einer Triptanmonotherapie.
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Sumatriptan als Alternative?
Sumatriptan hat gefäßverengende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften. Sumatriptan erreicht über dein Blut das Gehirn. Dort vermag es zielgerichtet die Andockstellen für den Nervenbotenstoff Serotonin anzuregen. Der positive Effekt: Die von der Migräne-Attacke geweiteten Blutgefäße verengen sich wieder und die Nervenzellen fahren das Auslösen von Entzündungsbotenstoffen zurück. Damit bieten sich auch all denen, die bei Migräne an Übelkeit und Erbrechen leiden, geeignete Darreichungsformen. Je nachdem, in welcher Form das Arzneimittel verabreicht wird, lässt sich eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit erzielen. Damit ist gemeint, in welcher Zeit, in welchem Ausmaß und an welchem Ort ein Medikament wirkt. So erreicht eine Sumatriptan-Injektion eine 96-prozentige Bioverfügbarkeit und der maximale Wert im Plasma wird nach 25 Minuten erreicht. Nimmst du eine Tablette mit dem Wirkstoff, kannst du nur mit einer Bioverfügbarkeit von zehn bis 20 Prozent rechnen und es braucht durchschnittlich zwei Stunden, damit das Medikament gegen Migräne seine höchste Konzentration im Plasma erreicht. Die Bioverfügbarkeitswerte von Nasensprays lassen sich nicht generell ermitteln. Das Medikament gegen Migräne darf ausschließlich eingenommen werden, wenn eine sichere Diagnose für dieses Krankheitsbildes vorliegt und eine akute Migräne-Attacke besteht. Keinesfalls solltest du andere Beschwerden, wie zum Beispiel Spannungskopfschmerzen damit behandeln. Zeichnet sich ein akuter Migräne-Anfall ab, solltest du Sumatriptan so rasch wie möglich anwenden. Erwachsene: empfohlen sind 50 bzw. Kinder und Jugendliche ab zwölf: Ausschließlich Nasensprays werden zur Anwendung unter Begleitung durch ärztliche Migräne-Spezialist:innen empfohlen. Wer kein Abklingen der Migränebeschwerden nach der ersten Dosis verspürt, sollte nicht zu einer zweiten Dosis greifen. Falls sich nach der Verbesserung wieder Migräne-Attacken einstellen, müssen mindestens zwei Stunden zwischen der ersten und zweiten Tabletteneinnahme, der ersten Injektion oder dem Sprühstoß per Nasenspray liegen. Rezeptfrei ist Sumatriptan nur als Tabletten zu 50 Milligramm erhältlich. Experten raten wegen der nicht ausreichenden Studienlage dazu, während der Schwangerschaft auf das Medikament bei Migräne eher zu verzichten oder nur mit ärztlicher Überwachung und sorgfältiger Abwägung der Risiken und Nutzen einzunehmen. Wenn du dein Kind stillst, solltest du wissen, dass Sumatriptan in die Muttermilch gelangt.
Medikamentöse Migräneprophylaxe
Eine medikamentöse Migräne-Prophylaxe kann nur dann zielführend sein, wenn sie sowohl wirksam als auch verträglich ist. In erster Linie soll eine Behandlung die Zahl der Migränetage um 50 Prozent reduzieren. Ein weiteres Ziel ist es, das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs von Schmerzmitteln und Triptanen in der Akuttherapie der Migräne zu vermeiden. Wichtig ist, dass du nicht zu schnell zu viel von dir, deinem Körper und der Wirksamkeit der Medikamente erwartest. Ob eine medikamentöse Vorbeugung bei Migräne wirksam ist oder nicht, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen. Um nachvollziehen zu können, ob die vorbeugende Therapie anschlägt, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräne-Prophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen.
Übersicht über Prophylaktika
Es gibt mehrere Wirkstoffgruppen, die bei der Migräne-Prophylaxe zum Einsatz kommen. Diese sind jedoch nicht immer migränespezifisch, das heißt, sie wurden nicht speziell gegen die Erkrankung entwickelt. Bei der Therapie mit CGRP-Antikörpern handelt es sich um eine migränespezifische Prophylaxe. Sie kommt bei Migräne-Patienten zum Einsatz, die aufgrund von Vorerkrankungen andere Medikamente nicht einnehmen dürfen. Migräne-Patienten bekommen in der Regel zunächst eine niedrige Dosierung von Prophylaktika und müssen sie oft für mehrere Monate einnehmen, um eine Wirksamkeit nachweisen zu können. Interessant: Auch pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Substanzen kommen in der Migräne-Prophylaxe zum Einsatz.
Antidepressiva
Antidepressiva kommen in erster Linie bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz. Generell gelten Antidepressiva als gut verträglich, trotzdem können sie zu Nebenwirkungen wie Verstopfung oder Kreislaufschwäche führen.
Betablocker
Betablocker sind Arzneistoffe, die Ärzte bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, aber auch zur Migräne-Prophylaxe verschreiben. Sie können Bindungsstellen von verschiedenen Botenstoffen blockieren und dadurch zum Beispiel die Wirkung des Stresshormons Adrenalin hemmen. Vorbeugend gegen Migräne haben sich Betablocker in verschiedenen Studien als wirkungsvoll erwiesen. Der Wirkmechanismus setzt bei den Migräne-Ursachen an.
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Antikonvulsiva
Eine weitere Wirkstoffgruppe, die Ärzte zur Migräne-Prophylaxe verschreiben, sind Antikonvulsiva (auch Antiepileptika genannt). Kalziumantagonisten, auch Kalziumkanalblocker genannt, nutzen Ärzte für gewöhnlich in der Therapie von Herz- und Gefäßkrankheiten wie einer Herzenge (Angina pectoris). Die Medikamente können den Kalziumstrom hemmen, den Blutdruck senken und die Gefäße erweitern.
Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe
Neben der medikamentösen Migräne-Prophylaxe ist die nicht-medikamentöse Vorbeugung ein wichtiger Baustein. Als entscheidend gilt dabei, sie in ein stimmiges Grundkonzept einzubinden.
Akupunktur
Viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, ob Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne dienen kann. Nachgewiesen ist bisher, dass die Häufigkeit von Migräne-Attacken nach einer Akupunktur oftmals abnimmt. Ob das Prinzip der Akupunktur bei Migräne eine Wirkung erzielt, hängt auch davon ab, um welche Migräneform es sich handelt. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann. Handelt es sich um chronische Migräne, konnten Forscher bisher keine aussagekräftigen Erkenntnisse gewinnen.
Biofeedback-Therapie
Burnout, Rückenschmerzen, Verstopfung und sogar Inkontinenz - das Einsatzgebiet der sogenannten Biofeedback-Therapie ist vielfältig. Das Prinzip kommt auch zur Vorbeugung von Migräne zum Einsatz. Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen. Im Fokus steht dabei, die Abläufe im Körper wahrzunehmen und besser kennenzulernen sowie einschätzen zu können.
Migräne-Piercing
Ein Ohr-Piercing gegen Migräne? Klingt abstrus, ist aber tatsächlich Bestandteil einiger Forschungen. Es besteht die Annahme, ein sogenanntes Migräne-Piercing am Ohrknorpel könne nach dem Prinzip der Akupunktur Migräne-Attacken vorbeugen. Bisher gibt es hierzu jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege - viele Experten raten sogar explizit davon ab. Da der Knorpelbereich weniger stark durchblutet ist, kann es vor allem hier zu einer langsameren Wundheilung und folglich zu Infektionen kommen.
Progressive Muskelentspannung und autogenes Training
Bei der progressiven Muskelentspannung handelt es sich um eine Entspannungsmethode. Menschen erlernen dabei, die wichtigsten Muskeln ihres Körpers kontrolliert anzuspannen und daraufhin wieder zu entspannen. Die progressive Muskelentspannung bei Migräne stammt von dem Arzt und Physiologen Edmund Jacobsen und soll bei regelmäßiger Anwendung unter anderem Migräne-Attacken vorbeugen. Patienten ist es möglich, diese Übungen selbst zu Hause durchzuführen. Das autogene Training ist ein bewährtes Entspannungsverfahren, welches Betroffene auch vorbeugend für Migräne-Attacken einsetzen können. Ursprünglich kommt die Methode aus der Psychotherapie. Sie hilft dabei, den Körper durch die Kraft der Gedanken zu beeinflussen und einen Entspannungszustand herzustellen. Grundsätzlich kann jeder das Verfahren erlernen. Bei den Übungen gibt es die Wahl zwischen verschiedenen Schwierigkeitsstufen, sodass jeder für sich die passende finden kann.
Kognitive Verhaltenstherapie
Neben dem Einsatz von Medikamenten empfehlen Mediziner die Kombination mit einer Psychotherapie bei Migräne. Bewährt hat sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie zur Vorbeugung von Migräne. Psychologische Faktoren wie Stress spielen bei herkömmlichen Kopfschmerzen eine wesentliche Rolle. Dies gilt auch für Migräne: Stress zählt zu den häufigsten Auslösern einer Attacke und kann deren Häufigkeit steigern. Auch wenn sich Alltagstrubel nicht immer vermeiden lässt, haben Patienten die Möglichkeit, hier zielgerichtet entgegenzuwirken.
Weitere Tipps zur Migräneprophylaxe
Welche Maßnahmen vorbeugend gegen Migräne-Attacken hilfreich sind, hängt oftmals auch vom Betroffenen ab. Was für den einen Menschen Entspannung bedeutet, nimmt ein anderer als Stress wahr. Es gilt, in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt selbst herauszufinden, welche Methoden Wirkung zeigen. Zu den sogenannten Basismaßnahmen zählen unter anderem: Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren (mindestens dreimal wöchentlich), Stress reduzieren, regelmäßige Pausen im hektischen Alltag, genügend Schlaf, gegebenenfalls zusätzlich vorhandene psychische Erkrankungen nicht ignorieren, sondern eine Behandlung in Anspruch nehmen, Schulungen und Aufklärung über Migräne. Zu guter Letzt gehört auch das Vermeiden individuell unterschiedlicher Migräne-Auslöser (sogenannte Trigger) zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen, um der Migräne vorzubeugen. Mit Antikörpern Migräne vorbeugen? Familie, Beruf und Alltag zu organisieren, ist keine leichte Aufgabe.
Rizatriptan: Ein weiteres Triptan im Überblick
Rizatriptan wird angewendet zur akuten Behandlung von Migräneanfällen mit oder ohne Aura bei Erwachsenen. Zur Prophylaxe ist Rizatriptan nicht geeignet. Rizatriptan ist ein selektiver 5-HT1B/1D-Rezeptoragonist, der an serotonerge Rezeptoren auf den extrazerebralen intrakraniellen Blutgefäßen sowie auf sensorischen Trigeminusnervenendigungen wirkt. Die Agonisierung der Rezeptoren führt zur Vasokonstriktion der dilatierten intrakraniellen Arterien, wodurch die Migräne-induzierte Gefäßerweiterung und der perivaskuläre Entzündungsprozess reduziert werden.
Dosierung und Anwendung von Rizatriptan
Rizatriptan wird als Tablette oder Schmelztablette unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Die Einnahme wird auf nüchternen Magen empfohlen, um den Wirkungseintritt nicht zu verzögern. Empfohlene Einzeldosis: 10 mg, Maximale Tagesdosis: 20 mg, Mindestabstand zwischen den Dosen: 2 Stunden. Falls Kopfschmerzen nach erstem Ansprechen wiederkehren: Eine zweite Dosis kann eingenommen werden (unter Beachtung der Tageshöchstmenge). Falls erste Dosis nicht wirkt: Keine zweite Dosis für dieselbe Attacke empfohlen.
Wechselwirkungen von Rizatriptan
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Rizatriptan zu beachten: MAO-Hemmer: Verzögern den Abbau von Rizatriptan und erhöhen dessen Plasmaspiegel, Kombination ist kontraindiziert. Ergotamin, Ergotaminderivate und andere Triptane: Erhöhtes Risiko für Vasokonstriktion und Hypertonie, nicht gleichzeitig anwenden, Mindestabstand 24 Stunden. Propranolol: Erhöht die Plasmakonzentration von Rizatriptan um 70-80%, daher Dosisreduktion auf 5 mg erforderlich. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Erhöhtes Risiko für Serotoninsyndrom (Verwirrtheit, autonome Dysregulation, neuromuskuläre Symptome). Johanniskraut (Hypericum perforatum): Kann das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Betablocker (außer Propranolol): Keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Nadolol oder Metoprolol nachgewiesen. Substrate von CYP2D6: Rizatriptan hemmt CYP2D6 in vitro.
Kontraindikationen von Rizatriptan
Rizatriptan darf nicht angewendet werden bei: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern oder innerhalb von 2 Wochen nach deren Absetzen, Schwere Leberfunktionsstörung oder schwere Niereninsuffizienz, Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA) in der Anamnese, Mäßige oder schwere Hypertonie sowie unbehandelte leichte Hypertonie, Bestehende koronare Herzerkrankung (z. B. Angina pectoris, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, stumme Ischämie), Anzeichen oder Symptome einer ischämischen Herzerkrankung oder Prinzmetal-Angina, Periphere Gefäßerkrankung, Gleichzeitige Anwendung mit Ergotamin, Ergotaminderivaten (einschließlich Methysergid) oder anderen Triptanen, Relative Kontraindikation: Stillzeit, Schwangerschaft.
Aspekte der Migräneprophylaxe
Wann ist eine Migräneprophylaxe notwendig?
Eine Migräneprophylaxe ist dann sinnvoll, wenn du mehr als dreimal im Monat unter Migräne leidest, Schmerz- oder Migränemittel bei auftretenden Migräne-Attacken nur unzureichend helfen, Schmerztabletten oder andere Arzneimittel gegen Migräne deine ständigen Begleiter sind, die 10-20-Regel (an 20 Tagen pro Monat sollte keine Migräne-Akutmedikation erfolgen) berücksichtigst du nicht, die Migräne-Attacken sich bei dir häufen.
Wie lange und wann ist eine Prophylaxe erfolgreich?
Es ist wichtig, sich behutsam an die richtige Dosis der Medikamente heranzutasten. Ein auf dem Gebiet der Migräne erfahrener Hausarzt oder Neurologe steigert sie langsam bis zur ersten Zieldosis, von der er üblicherweise eine Wirkung erwartet. Wichtig ist, dass du nicht zu schnell zu viel von dir, deinem Körper und der Wirksamkeit der Medikamente erwartest. Ob eine medikamentöse Vorbeugung bei Migräne wirksam ist oder nicht, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen. Um nachvollziehen zu können, ob die vorbeugende Therapie anschlägt, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräne-Prophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen. Das langfristige Ziel einer wirksamen Vorbeugung ist es, die Häufigkeit der Anfälle sowie die Schwere und die Länge der Attacken zu reduzieren. Ist die Attackenfrequenz (Häufigkeit der Anfälle) um mindestens 50% verringert, wird die medikamentöse Vorbeugung normalerweise als erfolgreich angesehen und fortgeführt. Führt die Prophylaxe dazu, dass die Intensität der Anfälle nachlässt und einzelne Attacken besser mit der normalen Akutmedikation behandelt werden können, ist ebenfalls ein Erfolg erzielt. So wirkt eine erfolgreiche Prophylaxe natürlich auch der Gefahr des Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerzes entgegen. Denn lässt die Attackenfrequenz oder/und die Intensität der Anfälle nach, müssen die Migräne-Betroffenen nicht mehr so häufig Akutmedikation wie Schmerzmittel zu sich nehmen und können die 10/20-Regel somit leichter befolgen. Eine gute medikamentöse Prophylaxe ist nur erfolgreich, wenn die Nebenwirkungen erträglich sind. Selbst wenn ein Medikament effektiv deine Attackenfrequenz verringert, können Nebenwirkungen, die du nicht tolerieren willst oder kannst, wie z.B. eine extreme Gewichtsab- oder -zunahme das Absetzen oder den Wechsel des Präparates rechtfertigen. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit und der Beobachtung möglicher Nebenwirkungen hilft natürlich auch das Führen eines Kopfschmerztagebuchs.
Migräne und psychische Erkrankungen
Studien haben gezeigt, dass Menschen, die unter Migräne leiden, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben auch an verschiedenen psychischen Störungen zu erkranken. Dazu gehören Depressionen, Angststörungen und bipolare Störungen. Einige Forschungen deuten darauf hin, dass Migräne und psychische Störungen einen gemeinsamen biologischen Ursprung haben könnten. Neurotransmitter, wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, die für die Regulation der Stimmung und das Schmerzempfinden verantwortlich sind, spielen in diesem Zusammenhang wohlmöglich eine Schlüsselrolle. Stress gilt als einer der wichtigsten Auslöser für Migräneanfälle. Gleichzeitig ist bekannt, dass chronischer Stress ein Risikofaktor für die Entwicklung von psychischen Störungen ist. Sowohl Migräne als auch viele psychische Erkrankungen teilen ähnliche Symptome wie Reizbarkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Ein möglicher Zusammenhang beider Krankheitsbilder besteht darin, dass wiederholte und intensive Migräneanfälle eine erhebliche Belastung für Betroffene darstellen. Die chronische Schmerzbelastung, die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die ständige Unsicherheit bezüglich des nächsten Anfalls können zu erheblichem Stress führen. Umgekehrt können auch psychische Erkrankungen das Risiko für Migräne erhöhen. Psychische Belastungen führen unter Umständen zu einer Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße, was Migräneanfälle begünstigt, da diese oft durch Veränderungen im Blutgefäßsystem ausgelöst werden. Die Erkenntnis, dass Migräne und psychische Erkrankungen gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen, hat wichtige Implikationen für die Behandlung und Betreuung von Menschen, die unter beiden Zuständen leiden. Die Integration von verschiedenen Behandlungsansätzen kann sehr wirksam sein. Eine Kombination aus medikamentöser Therapie (z. B. Da Stress ein gemeinsamer Auslöser für Migräne und psychische Erkrankungen ist, sollten Stressmanagementtechniken einen zentralen Platz in der Behandlung einnehmen. Die Früherkennung von Migräne und psychischen Störungen sowie präventive Ansätze können dazu beitragen die Schwere der Erkrankungen zu reduzieren. Die Aufklärung der Patienten über die Zusammenhänge zwischen Migräne und psychischen Erkrankungen ist entscheidend.
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