Nerven und Anatomie des oberen Gaumens: Eine umfassende Übersicht

Der Gaumen, als Dach der Mundhöhle, spielt eine entscheidende Rolle bei verschiedenen Funktionen wie Nahrungsaufnahme, Atmung und Sprachproduktion. Er ist eine komplexe Struktur, die aus dem harten und dem weichen Gaumen besteht, welche sich in ihrer Anatomie, Funktion und Innervation unterscheiden. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Anatomie des oberen Gaumens, wobei besonderes Augenmerk auf die Nervenversorgung, die Blutversorgung und die klinische Relevanz gelegt wird.

Einführung in den Gaumen

Die Mundhöhle (Cavum oris) ist der erste Abschnitt des Verdauungssystems und wird durch den Gaumen, den Mundboden, die Wangen und die Lippen begrenzt. Der Gaumen selbst unterteilt sich in zwei Hauptbereiche: den harten Gaumen (Palatum durum) und den weichen Gaumen (Palatum molle). Der harte Gaumen bildet den vorderen, knöchernen Teil und trennt die Mund- von der Nasenhöhle. Der weiche Gaumen, der sich an den harten Gaumen anschließt, ist beweglich und besteht aus Muskelgewebe und Schleimhaut.

Der harte Gaumen (Palatum durum)

Der harte Gaumen wird von den Knochen des Oberkiefers (Maxilla) und des Gaumenbeins (Os palatinum) gebildet. Er dient als feste Grundlage für die Nahrungsbearbeitung und spielt eine wichtige Rolle bei der Artikulation von Lauten. Die Schleimhaut, die den harten Gaumen bedeckt, ist fest mit dem darunterliegenden Knochen verbunden und weist querverlaufende Falten (Rugae palatinae) auf.

Nervenversorgung des harten Gaumens

Der harte Gaumen wird sensibel durch Äste des Nervus maxillaris (V2) innerviert, einem der drei Hauptäste des Nervus trigeminus (V).

  • Nervus nasopalatinus: Dieser Nerv verläuft durch den Canalis incisivus und versorgt den vorderen Bereich des harten Gaumens sensibel.
  • Nervi palatini majores: Diese Nerven ziehen durch das Foramen palatinum majus und innervieren den größten Teil des harten Gaumens.

Blutversorgung des harten Gaumens

Die arterielle Versorgung des harten Gaumens erfolgt hauptsächlich durch Äste der Arteria maxillaris, einem der Endäste der Arteria carotis externa.

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  • Arteria palatina major: Sie ist ein Ast der Arteria maxillaris und versorgt den harten Gaumen arteriell.
  • Arteria sphenopalatina: Ein Ast der A. maxillaris, der ebenfalls zur Versorgung des Gaumens beiträgt.
  • Arteria palatina ascendens: Sie entspringt nicht einem Endast der A. maxillaris, sondern der A. facialis und ist an der arteriellen Versorgung des Gaumens beteiligt.

Der weiche Gaumen (Palatum molle)

Der weiche Gaumen ist ein beweglicher, muskulöser Teil des Gaumens, der sich an den harten Gaumen anschließt. Er besteht aus Muskeln, Bindegewebe und Schleimhaut. Der weiche Gaumen spielt eine wichtige Rolle beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Beim Schlucken hebt er sich, um den Nasenrachenraum (Nasopharynx) zu verschließen und zu verhindern, dass Nahrung in die Nase gelangt. Am hinteren Ende des weichen Gaumens befindet sich das Zäpfchen (Uvula).

Muskeln des weichen Gaumens

Der weiche Gaumen besteht aus fünf Muskeln, die für seine Beweglichkeit und Funktion verantwortlich sind:

  1. Musculus tensor veli palatini: Dieser Muskel wird vom Nervus mandibularis (V3), einem Ast des Nervus trigeminus (V), innerviert und spannt den weichen Gaumen.
  2. Musculus levator veli palatini: Dieser Muskel wird vom Nervus vagus (X) über den Plexus pharyngeus innerviert und hebt den weichen Gaumen an.
  3. Musculus uvulae: Dieser Muskel, ebenfalls vom Nervus vagus (X) innerviert, verkürzt und hebt das Zäpfchen.
  4. Musculus palatoglossus: Dieser Muskel wird vom Nervus vagus (X) innerviert und zieht den weichen Gaumen nach unten und die Zunge nach oben.
  5. Musculus palatopharyngeus: Dieser Muskel, innerviert vom Nervus vagus (X), zieht den weichen Gaumen nach unten, verengt den Rachen und hebt den Kehlkopf an.

Nervenversorgung des weichen Gaumens

Die sensible Innervation des weichen Gaumens erfolgt ebenfalls durch Äste des Nervus maxillaris (V2). Die motorische Innervation der Gaumenmuskulatur wird hauptsächlich vom Nervus vagus (X) über den Plexus pharyngeus gewährleistet, mit Ausnahme des Musculus tensor veli palatini, der vom Nervus mandibularis (V3) innerviert wird.

  • Nervi palatini minores: Diese Nerven versorgen den weichen Gaumen sensibel.
  • Plexus pharyngeus: Dieser Nervenplexus enthält Fasern des Nervus vagus (X) und des Nervus glossopharyngeus (IX) und innerviert die meisten Muskeln des weichen Gaumens.

Blutversorgung des weichen Gaumens

Die arterielle Versorgung des weichen Gaumens erfolgt durch Äste der Arteria maxillaris und der Arteria facialis.

  • Arteria palatina minor: Sie ist ein Ast der Arteria palatina descendens und versorgt den weichen Gaumen arteriell.
  • Arteria palatina ascendens: Sie entspringt der Arteria facialis und trägt zur Versorgung des weichen Gaumens bei.

Glandulae palatinae

Im Bereich des Gaumens befinden sich zahlreiche kleine Speicheldrüsen (Glandulae palatinae), die zur Befeuchtung der Mundhöhle beitragen. Die Innervation dieser Drüsen erfolgt parasympathisch und sympathisch. Die Umschaltung der parasympathischen Fasern für die Drüsen des Gaumens erfolgt im Ganglion pterygopalatinum. Die postganglionären parasympathischen Fasern lagern sich den sensiblen Fasern des Nervus maxillaris (V2) an, um die Gaumendrüsen zu erreichen. Sympathische Fasern ziehen als Nervus petrosus profundus zu den Glandulae palatinae.

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Klinische Relevanz

Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalte (LKGS)

Eine der bedeutendsten klinischen Manifestationen im Zusammenhang mit dem Gaumen ist die Lippen-Kiefer-Gaumen-Segel-Spalte (LKGS). Diese Fehlbildung entsteht durch eine unvollständige Fusion der Gaumensegel während der Embryonalentwicklung, typischerweise zwischen der 7. und 10. Schwangerschaftswoche. Die LKGS kann den harten und/oder weichen Gaumen betreffen und zu erheblichen Problemen bei der Nahrungsaufnahme, der Sprachentwicklung und der Atmung führen. Die Behandlung erfordert oft eine multidisziplinäre Herangehensweise mit chirurgischen Eingriffen, Sprachtherapie und kieferorthopädischer Behandlung.

Gaumenpetechien

Gaumenpetechien, punktförmige rote Flecken am weichen Gaumen, können ein Zeichen für verschiedene Erkrankungen sein, darunter Streptokokken-Pharyngitis (Streptokokken-Infektion des Rachens). Sie können auch bei anderen viralen Infektionen und bei bestimmten Bluterkrankungen auftreten.

Mandelentzündung (Tonsillitis)

Die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae), die sich beidseits des Gaumens hinter dem Gaumenbogen befinden, sind Teil des lymphatischen Rachenrings (Waldeyerscher Rachenring) und spielen eine Rolle bei der Immunabwehr. Entzündungen der Gaumenmandeln (Tonsillitis) sind häufig, insbesondere im Kindesalter, und können mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber einhergehen. Bei wiederholten Mandelentzündungen kann eine operative Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) in Erwägung gezogen werden.

Funktion des Mundes in der Neurobiologie

Der Mund ist reich an sensorischen Nervenenden, die es uns ermöglichen, eine Vielzahl von Empfindungen wie Geschmack, Schmerz und Temperatur zu erleben. Der Nervus trigeminus (V) und der Nervus facialis (VII) spielen eine zentrale Rolle bei der sensorischen und motorischen Funktion des Mundes. Die Geschmacksknospen auf der Zunge ermöglichen die Wahrnehmung von süßen, sauren, salzigen, bitteren und Umami-Geschmacksrichtungen. Diese Informationen werden über Nervenfasern zum Gehirn geleitet, wo sie interpretiert werden.

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