Ziehende oder stechende Schmerzen im Bereich des Herzens können bedrohlich wirken, sind aber selten auf organische Ursachen zurückzuführen. Oftmals sind psychische Belastungen, Stress oder funktionelle Störungen des Herzens die Auslöser. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervenproblemen und Herzstechen, insbesondere im Zusammenhang mit funktionellen Herzbeschwerden, und stellt verschiedene Therapieansätze vor.
Was sind funktionelle Herzbeschwerden?
Funktionelle Herzbeschwerden, auch als nicht-kardiale Brustschmerzen oder kardiale Neurose bezeichnet, sind Herzbeschwerden, die nicht auf strukturelle, organische Probleme des Herzens zurückzuführen sind. Sie äußern sich vorwiegend körperlich, dennoch spielen psychische Faktoren eine wichtige Rolle. Erhöhte Arbeitsbelastung oder familiäre Ereignisse (äußere Stressfaktoren) sowie Ängste, Sorgen und Konflikte (innere Stressfaktoren) nehmen großen Einfluss auf die eigene Gesundheit.
Symptome funktioneller Herzbeschwerden
Die Symptome können variieren, aber typischerweise umfassen sie:
- Brustschmerzen oder Unbehagen: Dies kann sich als Druck, Brennen oder Engegefühl in der Brust äußern. Die Schmerzen können auch in den Hals, die Schultern, den Rücken oder die Arme ausstrahlen.
- Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag: Betroffene können das Gefühl haben, dass ihr Herz zu schnell schlägt oder unregelmäßig schlägt, auch wenn keine organische Ursache dafür vorliegt.
- Palpitationen: Das Wahrnehmen des eigenen Herzschlags kann verstärkt auftreten und als unangenehm empfunden werden.
- Atemnot: Das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen oder schwer zu atmen, kann auftreten, obwohl die Lungenfunktion normal ist.
- Schwindel oder Benommenheit: Betroffene können sich schwindlig fühlen, insbesondere in Verbindung mit den anderen Symptomen.
- Müdigkeit oder Schwäche: Funktionelle Herzbeschwerden können auch mit allgemeiner Müdigkeit oder Schwäche einhergehen.
- Angst oder Panikattacken: Die Symptome können Angst oder Panik verursachen, was den Teufelskreis aus psychischem Stress und körperlichen Beschwerden verstärken kann.
Ursachen funktioneller Herzbeschwerden
Die genauen Ursachen für funktionelle Herzbeschwerden sind nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus psychologischen, physiologischen und sozialen Faktoren eine Rolle spielt. Einige potenzielle Ursachen sind:
- Psychologische Faktoren: Stress, Angst, Depressionen und andere psychische Belastungen können funktionelle Herzbeschwerden auslösen oder verschlimmern. Diese Emotionen können das autonome Nervensystem beeinflussen und zu Symptomen wie erhöhtem Herzschlag, Brustschmerzen und Unwohlsein führen.
- Somatisierung: Manchmal können Menschen körperliche Symptome manifestieren, die auf psychische Probleme zurückzuführen sind. Dies wird als Somatisierung bezeichnet und kann dazu führen, dass Personen tatsächliche körperliche Beschwerden empfinden, obwohl keine organische Ursache vorliegt.
- Hypervigilanz: Personen mit funktionellen Herzbeschwerden können übermäßig auf körperliche Empfindungen achten und diese als bedrohlich interpretieren. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, bei dem die Aufmerksamkeit auf die Symptome gerichtet ist, was wiederum die Symptome verstärkt.
- Lebensstilfaktoren: Ungesunde Lebensgewohnheiten wie unzureichende körperliche Bewegung, schlechte Ernährung, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können das Risiko für funktionelle Herzbeschwerden erhöhen oder vorhandene Symptome verschlimmern.
- Soziale und Umweltfaktoren: Belastende Lebensereignisse, Beziehungsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten und andere soziale Stressoren können dazu beitragen, dass funktionelle Herzbeschwerden auftreten oder sich verschlimmern.
- Kardiale Mikrovaskuläre Dysfunktion (CMD): Probleme eines gestörten Blutfluss finden vor allem dort ihren Ausgang. So reagiert unser Körper auf erhöhten Sauerstoffbedarf - etwa Sport - damit, dass sich die kleinen und kleinsten Herzgefäße passgenau erweitern, damit mehr Blut hindurch fließen kann. Bei einer kardialen mikrovaskulären Dysfunktion (CMD) sind jedoch die dazu nötigen regulatorischen Vorgänge gestört aufgrund struktureller oder/und funktioneller Abnormalitäten. Strukturelle Faktoren sind zum Beispiel eine verringerte Kapillardichte oder ein verengter Durchmesser von Arteriolen und Kapillaren. Funktionelle Faktoren umfassen Störungen der Dilatation (Gefäßerweiterung) oder eine erhöhte Neigung mit einer Verengung zur reagieren.
Therapie funktioneller Herzbeschwerden
Die Behandlung von funktionellen Herzbeschwerden konzentriert sich oft auf die Bewältigung der zugrunde liegenden psychologischen Faktoren und das Management der Symptome. Hier sind einige gängige Ansätze zur Therapie:
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- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine häufig verwendete Form der Psychotherapie für Menschen mit funktionellen Herzbeschwerden. Diese Therapie hilft dabei, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu identifizieren und zu ändern, die zu Angst und Stress beitragen können.
- Entspannungstechniken: Techniken wie progressive Muskelentspannung, tiefes Atmen, Meditation und Achtsamkeitsübungen können helfen, Stress abzubauen und die körperliche Entspannung zu fördern.
- Stressmanagement: Strategien zur Bewältigung von Stress, wie Zeitmanagement, die Priorisierung von Aufgaben, regelmäßige Pausen und das Erstellen eines unterstützenden sozialen Netzwerks, können helfen, die Symptome zu reduzieren.
- Pharmakotherapie: In einigen Fällen können Medikamente zur kurzfristigen Linderung von Symptomen wie Angstzuständen oder Schlaflosigkeit verschrieben werden. Antidepressiva oder Angstlöser können ebenfalls in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn psychische Probleme vorhanden sind. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass Antidepressiva sich möglicherweise ungünstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Insbesondere die Kombination mit manchen Herzmedikamenten kann zu Herzrhythmusstörungen oder einer verstärkten Blutgerinnung führen. Entsprechende Medikamente sollten Ihnen nur Fachärzte und Fachärztinnen verordnen, die wiederum sorgfältig den Nutzen gegenüber dem Risiko abwägen und Sie ausreichend darüber aufklären.
- Bewegung und körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung kann dazu beitragen, Stress abzubauen, die Stimmung zu verbessern und die allgemeine Gesundheit zu fördern. Es ist wichtig, jedoch ein angemessenes Maß an körperlicher Aktivität zu wählen und extreme Anstrengungen zu vermeiden, die die Symptome verschlimmern könnten. Treiben Sie regelmäßig Sport. Trainieren Sie unter Kontrolle der Herzfrequenz in einem Belastungspulsbereich der Ihnen von Ihrem Arzt je nach Diagnose und Alter empfohlen wird.
- Patientenaufklärung und Selbstmanagement: Die Aufklärung des Patienten über funktionelle Herzbeschwerden, einschließlich der Beruhigung darüber, dass die Symptome zwar beängstigend sein können, aber in der Regel nicht lebensbedrohlich sind, kann helfen, die Angst zu reduzieren. Das Erlernen von Selbstmanagementtechniken, um mit Symptomen umzugehen, kann ebenfalls hilfreich sein.
- Unterstützung durch Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen: Der Austausch mit anderen Personen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann emotional unterstützend sein und dazu beitragen, dass Betroffene sich weniger isoliert fühlen.
- Kardiologische Rehabilitation: Während der kardiologischen Rehabilitation erhalten Menschen mit Herzkrankheiten eine individuell auf sie abgestimmte Behandlung, um wieder ihre bestmögliche physische und psychische Gesundheit zu erlangen. Darum ist sie ein wichtiger Schritt, um Herz und Psyche wieder zu vereinen. Eine entsprechende Therapie besteht unter anderem aus regelmäßigem körperlichen Training, Gesprächen mit anderen Betroffenen, Informationsveranstaltungen und Kursen zur Stressbewältigung.
- Psychokardiologische Rehabilitation: Die speziell von kardiologischen Rehakliniken entwickelten Konzepte ermöglichen seit einigen Jahren eine intensive Behandlung durch Psychokardiologen und Psychokardiologinnen. Sie leiden an ausgeprägten psychischen Symptomen? Ihnen fällt es schwer, sich mit Ihrer neuen Lebenssituationen zu arrangieren? Dann ist möglicherweise die Überweisung an eine entsprechende Stelle die geeignete Maßnahme für Sie.
- Psychosomatische oder psychokardiologische Ambulanzen: Sie haben Interesse an einer Gruppentherapie für psychisch belastete Personen? An einigen Schwerpunkt- sowie Universitätskliniken gibt es psychosomatische und psychokardiologische Ambulanzen. Experten und Expertinnen kümmern sich zudem um die Auswahl geeigneter Antidepressiva oder weiterführender psychotherapeutischer Maßnahmen.
- Ambulante Psychotherapie: Eine psychotherapeutische Behandlung ist womöglich bei Herzpatienten und Herzpatientinnen notwendig, wenn sie unter einer psychischen Störung leiden. Oftmals ist die Anzahl der Plätze in ambulanten Einrichtungen begrenzt und es existieren lange Wartelisten.
- Stationäre Behandlung: Manchmal brauchen schwer erkrankte Herzpatienten und Herzpatientinnen für ihre Genesung anstatt einer ambulanten Behandlung eine stationäre. Dafür stehen vereinzelt psychokardiologische Krankenhausstationen zur Verfügung. Betroffene erhalten in solchen Fällen eine ideale und individuell auf sie abgestimmte Versorgung. Während des mehrwöchigen Aufenthalts steht zum einen die Herzkrankheit selbst im Vordergrund, zum anderen dreht sich die Therapie aber auch um die psychischen und sozialen Probleme der Betroffenen. Helfen können hierbei: internistisch-kardiologische Behandlung, Einzel- und Gruppenpsychotherapie, Informationsveranstaltungen und Entspannungsübungen.
Die Behandlung sollte individuell auf die Bedürfnisse und Umstände des Patienten zugeschnitten sein. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Patienten und einem multidisziplinären Behandlungsteam, bestehend aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und anderen Fachleuten, kann am effektivsten sein, um die Symptome zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern.
Stress als Risikofaktor für das Herz
Ein hektischer Arbeitsalltag, das Jonglieren von täglichen Aufgaben oder Unstimmigkeiten in der Beziehung sind nur wenige Beispiele, die als Auslöser von Anspannung und Überforderung gelten. Oftmals wird Stress im Alltag als harmlose Begleiterscheinung akzeptiert. Emotionale Stresssituationen versetzen den Körper in Alarmbereitschaft: Das aktiviert Stresshormone und das vegetative Nervensystem, die Herzleistung steigt und der Herzmuskel benötigt mehr Sauerstoff. Als weitere Reaktion verengen sich die Gefäße und der Blutdruck erhöht sich. Sowohl die menschliche Psyche als auch der Körper selbst sind darauf angewiesen, dass nach Phasen der Anspannung immer Zeiten der Entspannung folgen. Geschieht dies nicht, entsteht Dauerstress. Dadurch ergeben sich möglicherweise:
- dauerhaft erhöhter Blutdruck
- anhaltende veränderte Blutgerinnung (begünstigt Verengungen und Verstopfungen der Blutgefäße)
- ständig ausgeschüttetes Insulin (verursacht möglicherweise Diabetes)
Psychischer Stress kann außerdem zu akuten Herzbeschwerden bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz führen.
Psychische Ursachen für Herzprobleme und funktionelle Herzbeschwerden
Viele Erfahrungen und Momente bringen das innere Gleichgewicht aus der Balance und einige Menschen nehmen sich das sehr zu Herzen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Circa 40 Prozent der Personen mit Herzbeschwerden leiden unter einem Konflikt, der ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Die Intensität, mit der Stress den Körper beeinträchtigt, hängt von folgenden psychischen Faktoren ab:
- Angst
- Depression
- Stress und Trauma
- Persönlichkeit
Der Körper von Betroffenen reagiert in solchen Situationen viel stärker auf Belastungen als der von ausgeglichenen Personen. Hinzu kommt, dass der angespannte Zustand länger bestehen bleibt, jede weitere Aufregung die körperliche Reaktion noch verstärkt und eine Rückkehr in den Normalzustand nur schwer möglich ist.
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Die bereits genannten psychischen Belastungen können die Herzgesundheit auf negative Weise beeinflussen und funktionelle Herzbeschwerden auslösen. Sie äußern sich durch Symptome wie Schmerzen in der Brust, Blutdruckschwankungen, Herzstolpern, Herzrasen oder Herzschmerzen. Den funktionellen Herzbeschwerden liegt keine erkennbare organische (körperliche) Ursache zugrunde. Häufig löst Stress Störungen des Nervensystems aus und kann Funktionen des gesunden Herzens (daher auch der Begriff „funktionell“) beeinträchtigen. Solche Funktionsstörungen sind teilweise für Verspannungen der Muskeln oder Verkrampfungen der Herzgefäße verantwortlich.
Broken-Heart-Syndrom
Eine Sonderform von psychisch bedingten Herzschmerzen ist das Broken-Heart-Syndrom. Es betrifft vorwiegend Frauen. Starker emotionaler Stress löst bei ihnen ähnliche Beschwerden wie ein Herzinfarkt aus. Die Gefäße, die zum Herzmuskel führen, sind aber nicht verstopft, sondern verkrampfen - vermutlich durch den stetigen Einfluss von Stresshormonen. Das hat zur Folge, dass der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, ähnlich wie bei einem Herzinfarkt.
Das Broken Heart Syndrom, medizinisch als stressbedingte Kardiomyopathie bezeichnet, ist eine vorübergehende Herzerkrankung, die durch starken emotionalen oder physischen Stress ausgelöst wird. Typische Auslöser sind belastende Ereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen, eine Trennung, schwere Krankheiten oder andere traumatische Erlebnisse. Intensiver emotionaler Stress kann das Herz stark belasten.
Das Broken Heart Syndrom manifestiert sich oft plötzlich und kann sehr dramatische Symptome hervorrufen.
Was tun bei Herzschmerzen?
Bei Herzschmerzen ist es wichtig zu unterscheiden, ob sie in Ruhe oder unter körperlicher Belastung auftreten. Abhängig davon kommen unterschiedliche körperliche Ursachen dafür infrage.
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Treten die Herzschmerzen bei körperlicher Belastung auf, besteht jedoch der Verdacht auf eine Herzerkrankung. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Schmerzen anfallsartig auftreten, sehr stark sind und in den Arm oder die Schulter ausstrahlen. Die Beschwerden sind ein Hinweis auf eine Angina pectoris, die unbehandelt in einem Herzinfarkt münden kann.
Symptome, die auf Herzprobleme hindeuten können:
- Schmerzen im Brustkorb
- Atemnot
- Leistungsverlust
- Rhythmusstörungen
- Ödeme
Prävention
Menschen, die einen ungesunden Lebensstil pflegen, haben grundsätzlich ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Übergewicht
- Ungesunde Ernährung (z.B. viel Fleisch, Fett und Zucker; wenig Gemüse, Obst und Ballaststoffe wie Vollkornprodukte)
- Übermäßiger Nikotin- und/oder Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel
- Dauerhafter Stress
Ernähren Sie sich gesund, ausgewogen, vitamin- und ballaststoffreich. Übergewicht (Adipositas) und ein zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) sind die hauptsächlich begünstigenden Faktoren für die Entstehung von Plaqueablagerungen in den Gefäßwänden, die wiederum einen Herzinfarkt oder Schlafanfall auslösen können. Vermeiden Sie dazu möglichst cholesterinreiche Lebensmittel, sowie gehärtete Fette (Butter, Margarine). Die in kaltgepressten Ölen, Fisch, Nüssen und Avocado enthaltenen ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren bewirken eine Senkung des Cholesterinspiegels und beugen somit der Bildung einer Arteriosklerose entgegen. Bei bereits bestehendem Übergewicht sollten Sie über eine gezielte Ernährungsumstellung sowie angeleitetes, vorsichtiges körperliches Training versuchen, Ihr Gewicht zu reduzieren.
Reduzieren Sie Ihr Stresslevel. Gönnen Sie sich Pausen während der Arbeit. Atmen Sie hin und wieder mal tief durch. Insbesondere die Anforderungen des Alltags sowie die Gewohnheit, viele Dinge parallel erledigen zu wollen, können sich körperlich in einer chronisch beschleunigten Herzfrequenz sowie einem Bluthochdruck manifestieren.
Geben Sie das Rauchen auf.
Sollten Sie an einer diagnostizierten Angina pectoris leiden, vermeiden Sie stark erregende Situationen und Extremsportarten, die einen hohen Adrenalinausstoß bewirken.