Neuropathische Schmerzen, verursacht durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems, stellen eine erhebliche Herausforderung in der Medizin dar. Die Forschung auf diesem Gebiet ist komplex und vielschichtig, von den initialen Prozessen der Nozizeption bis hin zu den Komplexitäten chronischer Schmerzen. Umfassende Forschung ist notwendig, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen und bessere Behandlungen zu entwickeln.
Das Wissenschaftliche Zentrum für Neuropathischen Schmerz Aachen (SCN-AACHEN)
Das Wissenschaftliche Zentrum für Neuropathischen Schmerz Aachen (SCN-AACHEN) an der Uniklinik RWTH Aachen ist ein Beispiel für eine solche umfassende Forschung. Es ist eine Kooperation verschiedener Institutionen der Uniklinik RWTH Aachen, die jeweils unterschiedliche Forschungsschwerpunkte im Bereich neuropathischer Schmerzen einbringen. Unter der gemeinsamen Leitung von Prof. Dr. Angelika Lampert und Prof. Dr. Ralf Hausmann wurde das Zentrum gegründet, um durch interdisziplinäre Zusammenarbeit Synergie und Innovation zu fördern. Ziel ist es, Forscher und Kliniker zusammenzubringen, um Schmerzmechanismen aufzudecken und bessere Behandlungen zu entwickeln. Die Einrichtungen des Zentrums befinden sich in der Roermonder Straße 110 in Aachen. Neben Räumen für Besprechungen und Lehrveranstaltungen beherbergt das Gebäude auch die Arbeitsplätze mehrerer Forschungsgruppen.
Forschungsschwerpunkte und Projekte
Das SCN-AACHEN deckt ein breites Spektrum an Forschungsbereichen ab, von In-silico-Modellierungen über experimentelle Studien bis hin zu klinischen Untersuchungen. Einige der aktuellen Forschungsprojekte und Schwerpunkte sind:
- Klinische Forschungsgruppe 5001 ResolvePain: Im Rahmen dieser Forschungsgruppe werden regelmäßig aktuelle Publikationen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorgestellt, welche den komplexen Bereich der Schmerzforschung bereichern. Die Forschungsgruppe ResolvePain befasst sich eingehend mit verschiedenen Aspekten chronischer Schmerzen, einschließlich der Mechanismen, die den Übergang von akutem zu chronischem Schmerz steuern.
- CASPR2 Autoantikörper und neuropathische Schmerzen: Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle von Contactin-assoziierten Protein-ähnlichen 2 (CASPR2) Autoantikörpern bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen. Diese Autoantikörper können eine Vielzahl von Symptomen verursachen, wobei neuropathische Schmerzen bei manchen Patienten das einzige Symptom darstellen.
- Chronische postoperative Leistenschmerzen (CPIP): Ein weiteres wichtiges Forschungsgebiet ist die Untersuchung von CPIP, einer häufigen Langzeitkomplikation nach Leistenbruchoperationen. Die Forschung zielt darauf ab, objektive diagnostische Verfahren zu entwickeln und Risikopatienten zu identifizieren.
- Bildgebung der Spinalganglien (DRG): Fortschritte in der Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen es, die DRG bei lebenden Personen sichtbar zu machen. Merkmale wie Volumen und Signalintensität gelten als vielversprechende Bildgebungs-Biomarker bei Erkrankungen wie neuropathischen Schmerzen.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Die Forschung am SCN-AACHEN und in verwandten Projekten hat zu wichtigen Erkenntnissen über die Mechanismen neuropathischer Schmerzen geführt. Einige Beispiele hierfür sind:
- Chronisch regionale Schmerzsyndrom (CRPS): Eine Studie hat gezeigt, dass der Verlust der Slow-5-Frequenzleistung im Nucleus Accumbens ein Merkmal der Schmerzchronifizierung bei CRPS ist. Dies deutet auf neuroplastische Veränderungen im Nucleus Accumbens als allgemeinen Mechanismus bei chronischen Schmerzen hin.
- CASPR2 Autoantikörper: Es wurde festgestellt, dass Schmerz-assoziierte CASPR2 Autoantikörper eine Übererregbarkeit muriner Spinalganglion-Neurone verursachen. Diese Übererregbarkeit geht mit einer Reduktion der Kaliumkanal-Funktion einher.
- Chronische postoperative Leistenschmerzen (CPIP): Eine Studie hat strukturelle (DRG-Volumen), biochemische (Serummarker) und psychologische (Angst) Faktoren identifiziert, die zur Diagnose von CPIP beitragen können.
Veranstaltungen und Kooperationen
Das SCN-AACHEN fördert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Klinikern durch verschiedene Veranstaltungen und Kooperationen. Ein Beispiel hierfür ist das Inaugural Symposium des Wissenschaftlichen Zentrums für Neuropathischen Schmerz Aachen, das vom 2. bis 3. September 2025 in Aachen stattfindet. Darüber hinaus ist Prof. Dr. med. Angelika Lampert zur Co-Chair des "Global Year on Neuropathic Pain" der International Association for the Study of Pain (IASP) ernannt worden. Im Jahr 2026 wird die Second Worldwide Sodium Channel Conference unter der Leitung von Prof. Lampert (Uniklinik RWTH Aachen, Germany) und Prof. Abriel (University of Bern) stattfinden.
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Bedeutung der Forschung für die Behandlung neuropathischer Schmerzen
Die Forschung im Bereich neuropathischer Schmerzen ist von entscheidender Bedeutung, um neue und wirksamere Behandlungen zu entwickeln. Durch das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen können gezielte Therapien entwickelt werden, die auf die spezifischen Ursachen und Symptome der Schmerzen abzielen. Die Identifizierung von Biomarkern ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und personalisierte Behandlungsstrategien.
Herausforderungen und zukünftige Richtungen
Trotz der Fortschritte in der Forschung gibt es noch viele Herausforderungen bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen. Die Komplexität des Nervensystems und die Vielfalt der Schmerzmechanismen machen es schwierig, für jeden Patienten eine wirksame Therapie zu finden. Zukünftige Forschungsrichtungen umfassen:
- Weitere Erforschung der molekularen Mechanismen: Ein tieferes Verständnis der molekularen Prozesse, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung neuropathischer Schmerzen beteiligt sind, ist entscheidend für die Entwicklung gezielter Therapien.
- Identifizierung neuer Biomarker: Die Identifizierung weiterer Biomarker, die eine frühzeitige Diagnose und eine Vorhersage des Therapieerfolgs ermöglichen, ist von großer Bedeutung.
- Entwicklung personalisierter Behandlungsstrategien: Die Berücksichtigung individueller Risikoprofile und die Anpassung der Therapie an die spezifischen Bedürfnisse des Patienten können die Behandlungsergebnisse verbessern.
- Klinische Studien: Um die Wirksamkeit neuer Therapien zu beweisen, sind gut konzipierte klinische Studien erforderlich.
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