Stress ist nicht per se negativ, sondern eine notwendige Form der Anspannung, die uns leistungsfähiger macht. Problematisch wird es erst, wenn die Regeneration ausbleibt und eine chronische Stressreaktion entsteht. Stressbedingte Schmerzen können vielgestaltig sein und sind oft Ausdruck von länger andauernden Belastungssituationen, die wir nicht mehr direkt mit dem Schmerz in Verbindung bringen. Menschen mit hohen Leistungsansprüchen oder Perfektionismus sind besonders gefährdet. Schmerzmedikamente bringen oft nur kurzfristige Linderung. Die Behandlung erfolgt meist erst nach langer Krankengeschichte nach Überweisung durch Fach- oder Hausärzt:innen, in der Regel ambulant, manchmal aber auch stationär oder teilstationär psychosomatisch. Es gibt verschiedene Methoden der Stressbewältigung, darunter psychologische Methoden, Entspannungsübungen wie Yoga, Tai-Chi oder Qigong, sowie körperliches Training wie Tanzen, Schwimmen, Nordic Walking oder Krafttraining.
Neurogenes Zittern: Natürliche Entspannung durch Zittern
Neurogenes Zittern, auch bekannt als therapeutisches Zittern, ist ein natürlicher Weg, Stress abzubauen. Es ist keine Krankheit oder ein unkontrolliertes Nervenproblem, sondern eine instinktive Körperreaktion, die durch gezielte Übungen aktiviert werden kann.
Was ist neurogenes Zittern?
Neurogenes Zittern sind unwillkürliche Muskelvibrationen, die aus dem zentralen Nervensystem heraus entstehen. Der Körper nutzt dieses Zittern als Reset-Mechanismus, um nach Belastung wieder in die Balance zu kommen. Es ist keine Krankheit, sondern eine gesunde Entladungsreaktion, ähnlich dem Ausschütteln von Tieren nach Stress.
Therapeutisches Zittern mit TRE®
TRE® (Tension and Trauma Releasing Exercises) ist eine Methode, die von Dr. David Berceli entwickelt wurde, um muskuläre Anspannungen zu lösen und das Nervensystem zu regulieren. TRE besteht aus sieben einfach zu erlernenden Körperübungen, die den Körper in ein kontrolliertes, neurogenes Zittern versetzen.
Die Übungen werden meist stehend oder liegend durchgeführt und führen gezielt zur Ermüdung bestimmter Muskelgruppen, vor allem im Beckenbereich. Dadurch entsteht ein feines, spontanes Zittern, das durch den Körper wandern kann. Studien und Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass TRE bei Stressabbau, Schlafproblemen, innerer Unruhe und posttraumatischer Belastung helfen kann.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Für wen ist neurogenes Zittern geeignet?
Gesunde Erwachsene ohne akute psychische oder neurologische Erkrankungen können TRE in der Regel bedenkenlos ausprobieren. Vorsicht ist geboten bei akuten psychischen Erkrankungen, neurologischen Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen und Schwangerschaft. Bei Unsicherheit sollte vorher ein Arzt, eine Therapeutin oder eine zertifizierte TRE-Fachkraft konsultiert werden.
Studien zur Wirksamkeit
Die Forschung zum neurogenen Zittern steckt noch in den Kinderschuhen, aber erste wissenschaftliche Ansätze deuten auf positive Effekte auf das vegetative Nervensystem hin, vor allem bei Stress oder einem Trauma. Kritiker bemängeln jedoch die fehlende groß angelegte, kontrollierte Studienlage. TRE ist keine Ersatz-Psychotherapie, sondern ein möglicher Baustein in einem ganzheitlichen Stress- oder Traumabewältigungsprozess.
Typische TRE-Übungen
Typische TRE-Übungen sind:
- Wand-Sitz: Aktiviert Oberschenkel und Hüfte.
- Schmetterlingsposition im Liegen: Lädt den Körper zum Loslassen ein.
- Fußheben im Stehen: Dehnt und ermüdet die Waden- und Oberschenkelmuskulatur.
- Beckenkreisen im Stehen: Löst Verspannungen im unteren Rückenbereich.
- Kniekippen im Liegen: Aktiviert die tief liegende Muskulatur im Beckenbereich.
Die Übungen sollten in einem ruhigen, ungestörten Raum durchgeführt werden. Das Zittern darf sich angenehm und befreiend anfühlen, nicht bedrohlich oder überfordernd. Bei starkem psychischem Druck oder Trauma-Symptomen ist professionelle Anleitung empfehlenswert.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist neurogenes Zittern in einfachen Worten? Ein natürlicher Mechanismus des Körpers, um Stress und Anspannung loszulassen.
- Wie merkt man, ob Zittern stressbedingt oder medizinisch ist? Stressbedingtes Zittern tritt nach Anspannung oder Belastung auf und verschwindet, sobald der Stress nachlässt. Medizinisches Zittern ist anhaltend, unkontrolliert und unabhängig von Stresssituationen.
Vegetative Dystonie: Fehlregulierte Spannung des Nervensystems
Eine vegetative Dystonie bedeutet eine "fehlregulierte Spannung des vegetativen Nervensystems", das wichtige Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung koordiniert. Symptome können von Herz-Kreislauf-Beschwerden und Kopfschmerzen bis zu zitternden Händen und Durchfall reichen. Die Diagnose ist umstritten und wird oft als somatoforme Störung eingeordnet.
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
Was ist das vegetative Nervensystem?
Das vegetative Nervensystem steuert automatisch ablaufende Körperfunktionen und wird in zwei Gegenspieler unterteilt:
- Sympathisches Nervensystem (Sympathikus): Versetzt den Menschen in Anspannung, beschleunigt Herzschlag und Atmung.
- Parasympathisches Nervensystem (Parasympathikus): Ist für Prozesse der Entspannung und Regeneration zuständig.
Funktioniert das Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus nicht richtig, werden die Symptome manchmal als vegetative Dystonie eingeordnet.
Symptome der vegetativen Dystonie
Eine Vielzahl sehr verschiedener Symptome lässt sich mit dem Begriff vegetative Dystonie in Verbindung bringen, darunter:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Durchfall
- Verstopfung
- Schlafstörungen
- Krämpfe
- Vermehrtes Schwitzen
- Erhöhter oder erniedrigter Pulsschlag
- Leichtes Zittern der Hände
- Kribbeln in den Gliedmaßen
Im weiteren Sinne fallen unter die vegetative Dystonie verschiedene Symptomkomplexe wie das hyperkinetische Herzsyndrom, Reizdarm und Reizblase.
Behandlung der vegetativen Dystonie
Die Behandlung hängt von ihrem jeweiligen Auslöser und ihrer Ausprägung ab. Bleibt die körperliche Diagnostik ohne Ergebnis, raten Ärzte häufig dazu, zunächst abzuwarten und den Verlauf der Beschwerden zu beobachten. Ist dies nicht der Fall, empfiehlt der Arzt meist eine Psychotherapie, um die Gründe und Gefühle aufzuarbeiten, die hinter den Symptomen stehen. Besonders hilfreich ist es, die Gründe und Gefühle aufzuarbeiten, die hinter den Symptomen stehen. Sind belastende Empfindungen wie Stress, Sorgen oder Trauer aus der Welt zu schaffen oder anders zu verarbeiten, bessern sich auf Dauer meist auch die körperlichen Beschwerden. Auf einige somatoforme Störungen hat körperliche Bewegung einen positiven Einfluss, also Sport oder Spaziergänge. Einigen Betroffenen helfen Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Tai-Chi oder Yoga. Medikamente sind in den meisten Fällen nicht notwendig, werden bei großem Leidensdruck aber eingesetzt, um die Symptome zu behandeln.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven
Ursachen und Risikofaktoren
Die vegetative Dystonie hat oft keine klar abgrenzbare Ursache. Nicht selten spielen mehrere körperliche, seelische und soziale Umstände eine Rolle. Dazu zählen permanenter Stress, Trauer, Sorgen und Ängste. Auch hormonelle Veränderungen etwa durch die Wechseljahre oder durch eine Schwangerschaft sind mögliche Auslöser.
Untersuchungen und Diagnose
Die vegetative Dystonie ist keine Diagnose im Sinne einer konkreten Krankheit, sondern umfasst ein uncharakteristisches Zustandsbild, bei dem offensichtlich verschiedene Funktionen des vegetativen Nervensystems gestört sind. Die Diagnose stellen Mediziner in der Regel dann, wenn keine körperlichen Ursachen zu finden sind.
Verlauf und Prognose
In der Regel ist die Prognose gut. Eine vegetative Dystonie schränkt die Lebenserwartung nicht ein. In 50 bis 75 Prozent der Fälle verlaufen somatoforme Störungen leicht und die Symptome bessern sich mit der Zeit wieder.
Akute Belastungsreaktion: Wenn die Nerven blank liegen
Ein Nervenzusammenbruch, in der Fachsprache als akute Belastungsreaktion bezeichnet, ist eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein ebenso extremes Ereignis. Die Belastungsreaktion ist ein natürlicher Bestandteil des Bewältigungsprozesses unseres Körpers, der uns dabei hilft, in dem Moment mit dem schockierenden Erlebnis umzugehen.
Ursachen und Symptome
Die Ursachen, die eine Belastungsreaktion auslösen können, sind sehr vielfältig. Jedes Ereignis, das ein Trauma auslösen kann, kann auch einen Nervenzusammenbruch zur Folge haben. Die typischen Anzeichen sind Sprachlosigkeit, veränderte Wahrnehmung, Einengung des Bewusstseins, Nacherleben der Situation, Lücken in der Erinnerung, Überreizung und Stimmungsschwankungen. Auch körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe und Übelkeit sind möglich.
Hilfe bei einer Belastungsreaktion
Schnelle, professionelle Unterstützung ist wichtig. Anlaufstellen sind eine psychiatrische Praxis oder Klinik, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder. Die akute Hilfe kann fließend in eine längerfristige Therapie übergehen.
Nervenzusammenbruch durch Stress
Ein akuter Zusammenbruch in einer Stresskrise kann das Resultat von langanhaltendem psychischem Stress sein. Zu den häufigsten belastenden Stressauslösern zählen beruflicher Druck, Konflikte, Mehrfachbelastungen, ständiger Termindruck, kritische Lebensereignisse, eigene Ansprüche, Sorgen und Ängste sowie das Fehlen sozialer Unterstützung. Typische Symptome bei psychischem Dauerstress sind Zittern, starkes Weinen, Schwitzen, Übelkeit, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Nervosität, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit, Kraftlosigkeit, Schlafprobleme, Schwindel, Muskelverspannungen, Atembeschwerden und Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
Ärztliche Hilfsangebote
Erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Je nach Befund kann dieser eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausstellen. In einer psychotherapeutischen Sprechstunde wird dann gemeinsam entschieden, welche Therapieform geeignet ist.
Vorbeugung und langfristige Strategien
Versuchen Sie sowohl beruflich als auch privat kürzer zu treten. Warnzeichen Ernst nehmen, ein gesunder Lebensstil, "Nein" sagen lernen und Selbstfürsorge sind wichtige Schritte in der Stressbewältigung.
Tipps zur Stressbewältigung
- Bewegung: Sport lindert Panik und verschafft den Gedanken eine Verschnaufpause.
- Lebensmittel: Eine vollwertige und vielseitige Ernährung mit stimmungsaufhellenden Inhaltsstoffen ist wichtig.
- Ruhepausen: Ausreichend Schlaf und Ruhepausen tagsüber sind notwendig.
- Tagebuch führen: Hilft, den Auslösern für kreisende Gedanken auf den Grund zu gehen.
- Atem beobachten: Konzentration auf den Atem beruhigt.
- Gedankenstopp: Bei sorgenvollen Grübeln ein Stoppschild vorstellen und sich etwas anderem zuwenden.
- Gefühle fokussieren: Gefühle bewusst wahrnehmen und nicht wegschieben.
- Eigene Ressourcen kennen: Kraftquellen identifizieren und regelmäßig aufladen.
- Ärztliche Hilfe: Bei dauerhafter Unruhe und Gereiztheit einen Arzt aufsuchen.
- Gewohnheiten ändern: Ein Coaching kann den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern.
Innere Unruhe: Ursachen, Symptome und Behandlung
Innere Unruhe ist eine Stressreaktion, die sich durch Anspannung, Nervosität und Ängstlichkeit äußert. Sie kann kurzfristig auftreten oder länger anhalten und verschiedene Ursachen haben.
Ursachen
- Stress: Anhaltende Prüfungsphasen, Stress im Alltag.
- Lebensstil: Koffeinhaltige Getränke, Drogen, bestimmte Lebensmittel und Zusatzstoffe.
- Erkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen, Unterzuckerung, niedriger Blutdruck, Wechseljahre, hormonelle Umstellungen.
- Psychische Erkrankungen: Borderline-Persönlichkeitsstörung, andere Persönlichkeitsstörungen.
Symptome
- Körperlich: Muskelanspannung, Migräne, Magen- und Darmbeschwerden, Herz- und Kreislaufbeschwerden, inneres Kribbeln oder Vibrieren.
- Psychisch: Rasende Gedanken, Grübelzwang, Angstgefühle, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen, Bewegungsdrang.
Risikofaktoren
- Bestimmte psychische und körperliche Erkrankungen
- Hohes Stressniveau im Alltag
Auswirkungen
- Schlafstörungen
- Gesundheitliche Probleme (Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magengeschwüre, Krebs, Depressionen)
- Soziale Beziehungen leiden
- Berufstätigkeit beeinträchtigt
Behandlung
- Diagnose: Professionelle Diagnose zur Feststellung der Ursache.
- Therapie: Behandlung der Grunderkrankung, Skills-Training, Achtsamkeitstraining.
- Selbsthilfe: Entspannungsübungen, Lavendel-Öl, Stimulation des Vagusnervs, sportlicher Ausgleich.
Hyperarousal: Übererregung des Nervensystems
Hyperarousal, auch als Übererregung des Nervensystems bekannt, beschreibt einen Zustand anhaltender innerer Anspannung und Alarmbereitschaft. Betroffene fühlen sich, als wäre ihr Körper in ständiger Alarmbereitschaft- selbst in völlig sicheren Situationen. Hyperarousal tritt häufig im Zusammenhang mit psychischen Belastungen wie Stress, Traumafolgestörungen oder der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf und ist ein ernstzunehmendes Symptom mit erheblicher Auswirkung auf die Lebensqualität.
Ursachen
- Anhaltender psychischer oder physischer Stress
- Traumatische Erlebnisse
Symptome
- Ständige Anspannung
- Reizbarkeit
- Erschöpfung
Behandlung
- EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Belastende Erinnerungen neu verarbeiten und emotionale Anspannung reduzieren.
- Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Stressmuster durchbrechen.
- Achtsamkeitsbasierte Methoden: Meditation, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung.
- Medikamente: Stabilisierung des übererregten Nervensystems (SSRI, SNRI, sedierende Medikamente).
- Atemtechniken: Beruhigung des Nervensystems.