Nerven- und Gemütserkrankungen: Ursachen, Symptome, Behandlung

Einführung

Nerven- und Gemütserkrankungen stellen ein breites Spektrum von Zuständen dar, die das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Depressionen und Halluzinationen sind zwei prominente Beispiele, die in diesem Artikel näher beleuchtet werden. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Erkrankungen weit verbreitet sind und ein tiefes Verständnis ihrer Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten unerlässlich ist, um Betroffenen effektiv helfen zu können.

Depressionen

Krankheitsbild und Verbreitung

Depressionen manifestieren sich durch ein diffuses und schwer fassbares Krankheitsbild. Betroffene klagen über emotionale Leere, gedrückte Stimmung und Antriebslosigkeit. Sie haben oft das Gefühl, in ein "schwarzes Loch" zu fallen und können alltägliche Aufgaben nicht mehr bewältigen. Angehörige sind in der Regel überfordert, da Traurigkeit zwar jeder kennt, sie bei Depressiven jedoch oft keine erkennbare Ursache hat, nicht mit der Zeit verschwindet und Ablenkung sowie Zuspruch wirkungslos bleiben. Selbst Fachleute haben manchmal Schwierigkeiten, die Symptome richtig zu deuten.

Obwohl sich die Therapiemöglichkeiten und die öffentliche Akzeptanz dieser Gemütserkrankung deutlich verbessert haben, sind bislang viele Fragen offen. Sicher ist allerdings, dass Depressionen weit verbreitet sind und der Leidensdruck der Patienten groß ist. 15 bis 20 Prozent der Deutschen sind betroffen, wobei Frauen zwei- bis dreimal so häufig erkranken. Ungefähr 50 Prozent der Menschen mit depressiven Störungen begehen einen Selbstmordversuch.

Ursachen

Nach dem Stand der Wissenschaft liegen die Ursachen der Depression im gestörten Zusammenspiel einiger sogenannter Botenstoffe. Diese haben die Aufgabe, Informationen zu übertragen, indem sie Nervensignale im Gehirn weiterleiten. Bei Gemütserkrankungen funktioniert die Abstimmung zwischen ihnen nicht mehr richtig, was sich auf den seelischen Zustand auswirken kann.

Behandlung

Eine Möglichkeit zur Behandlung von Depressionen ist der Wirkstoff Mirtazapin. Er verstärkt die Freisetzung der Botenstoffe Noradrenalin, Serotonin sowie Dopamin und verbessert auf diese Weise die Stimmung. Außerdem steigert Mirtazapin den allgemeinen Antrieb. Mit diesem Wirkstoff können leichte bis mittelschwere Depressionen erfolgreich behandelt werden. Mirtazapin kann zwar müde machen, verändert aber die Persönlichkeit nicht und verursacht zudem keine Abhängigkeit. Allerdings sollte Mirtazapin nur in Absprache mit dem Arzt und nur allmählich abgesetzt werden.

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Mirtazapin wurde 1996 in Deutschland eingeführt. 2004 kamen die ersten preisgünstigen Generika auf den Markt. Innerhalb eines Jahres wurden 3 Millionen Packungen Mirtazapin-Präparate verordnet. Nach Angaben des Marktforschungsinstitutes INSIGHT Health waren 90,9 Prozent davon Generika. Auf diese entfielen 68,2 Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von 58 Millionen Euro.

Gemütserkrankungen als Gefäßrisikofaktor

Es ist erwähnenswert, dass im Rahmen der Diagnostik von Gemütserkrankungen auch eine extrakranielle und transkranielle Duplexsonografie durchgeführt wird, da Gemütserkrankungen als Gefäßrisikofaktor gelten.

Moderne Therapieansätze

Neben der medikamentösen Therapie und Psychotherapie gibt es auch moderne Therapieansätze wie Neurofeedback, die transkranielle Gleichstromtherapie, die nasale Esketamin-Behandlung (Spravato) sowie Botulinumtoxin, die im Therapieangebot enthalten sind. Auch neue Erkenntnisse aus der Darmsanierung werden mit berücksichtigt.

Halluzinationen

Was sind Halluzinationen?

Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen, die unsere fünf Sinne betreffen: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen. Wer halluziniert, hört zum Beispiel Stimmen oder Geräusche, für die es keine äußere Schallquelle gibt. Solche akustischen Halluzinationen kommen am häufigsten vor. Bei optischen oder visuellen Halluzinationen sehen die Betroffenen Bilder und Personen, die nicht vorhanden sind. Andere nehmen ganz intensiv bestimmte Gerüche oder Geschmacksvarianten wahr, die sie als bedrohlich oder angenehm berauschend empfinden. Auch diese Sinneseindrücke haben keinen realen Ursprung in der Umgebung oder in einer gerade genossenen Speise.

Weitere Sinnestäuschungen äußern sich über den Tast- und Tiefensinn in Haut und Muskeln. Berührungen, Stiche, Krabbeln auf der Haut sind dann mögliche trügerische Empfindungen. Oder der Körper schwankt scheinbar. Ebenso gehört das Wahrnehmen vermeintlicher Vorgänge im Körperinneren zu den körperbezogenen Halluzinationen. Es bewegen sich dann zum Beispiel Organe, es brennt oder wogt innerlich.

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Halluzinationen können auch im normalen Alltag vorkommen, im Halbschlaf zum Beispiel. Da spürt eine Frau, die alleine abends im Bett liegt und gerade dabei ist einzuschlafen, neben sich ihren Partner, obwohl dieser verreist ist. Auch morgens kurz vor dem Aufwachen stellen sich mitunter Trugwahrnehmungen ein. Eine Stimme tönt ganz deutlich ans Ohr, ein Schatten zeichnet sich ab, doch es ist niemand im Zimmer. Halluzinationen in Phasen zwischen Wachen und Schlaf nennen Fachleute auch hypnagoge Halluzinationen. Menschen, die trauern, hören manchmal den geliebten Verstorbenen oder sehen ihn sogar. Ausgeprägte Sinneserlebnisse entstehen vielfach auch während einer Meditation.

Wie Halluzinationen im Gehirn entstehen

Sinnesreize, die von außen zu uns dringen, nimmt der Körper über die zuständigen Sinnesorgane auf. Das sind die Augen, die Ohren, die Haut sowie die Sinneszellen im Mund-Rachen-Raum und in der Nase. Über Nervenimpulse gelangen die vielfältigen Eindrücke ins Gehirn. Dort werden Nervenverbände in mehreren Zentren aktiv. Sie tauschen sich über bestimmte Nervenbotenstoffe aus und verarbeiten so die ankommenden Informationen. Körperliche, geistige und seelische Anteile wirken zusammen, wenn wir Sinnesreize wie Schall- oder Lichtsignale wahrnehmen, entschlüsseln und bewerten.

Bei einer Halluzination reagieren die Gehirnnerven nicht auf äußere Sinnesreize, sondern auf von innen kommende Störsignale. Dafür gibt es unterschiedliche körperliche und seelische Auslöser.

Ursachen von Halluzinationen

Wenn der Körper Mangel leidet, kann das die Nervenaktivitäten durcheinander bringen. Schlafentzug und Flüssigkeitsmangel zum Beispiel wirken sich im Gehirn auch auf die Abläufe aus, die unsere Sinne steuern. Sinnestäuschungen können sich infolge eines gestörten Wasser-Salz-Haushalts und eines Ungleichgewichts an bestimmten Mineralstoffen einstellen. Menschen, die an einer Narkolepsie, einer krankhaften Schlafstörung, leiden, erleben untertags regelrechte Schlafattacken und haben häufig auch Halluzinationen. Hohes Fieber führt manchmal zu Verwirrtheit und Trugbildern ("Fieberfantasien").

Viele Drogen verändern die Nervenimpulse im Gehirn, indem sie das Gleichgewicht zwischen den Nervenbotenstoffen stören. Ein wichtiger Nervenbotenstoff bei der Vermittlung von Sinneseindrücken ist zum Beispiel das Dopamin. Substanzen wie LSD oder Kokain bewirken, dass die entsprechenden Nervenzellen vermehrt Dopamin ausschütten. Dadurch und über das Zusammenspiel mit weiteren Botenstoffen entstehen unter anderem verzerrte Wahrnehmungen und Sinnestäuschungen. Auch die Bewegungsfähigkeit verändert sich.

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Halluzinationen treten zudem häufig während eines Drogen- oder Alkoholentzugs auf (Entzugssyndrom), oft im Rahmen eines Deliriums. Dieser Zustand tiefgreifender geistiger Verwirrtheit ist ebenso bei Drogenmissbrauch und bei Krankheiten möglich, die Nervenaktivitäten im Gehirn beeinflussen. Delirante, verwirrte Menschen finden sich in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht, sind unruhig und psychisch verändert. Denken, Wahrnehmung und Gefühlswelt sind nachhaltig gestört. Das Bewusstsein ist getrübt. Ein Delir ist häufig lebensbedrohlich und muss in einer Klinik behandelt werden. Es kann Schäden, etwa eine Demenz, hinterlassen, sich aber auch wieder vollständig zurückbilden.

Bestimmte Medikamente beeinflussen ebenfalls das Zusammenspiel von Nervenbotenstoffen. Das gilt vor allem für Parkinson-Medikamente. Ursache für die Parkinson-Krankheit ist eine gestörte Bildung und Wirkung von Dopamin.

Auch bei psychischen Erkrankungen ist der Austausch zwischen den Nervenzellen, der Gehirnstoffwechsel, gestört. Seelisches und geistiges Erleben verändern sich dadurch oft nachhaltig. Das führt je nach Krankheitsbild zu unterschiedlichen Symptomen. Halluzinationen sind häufig bei Schizophrenien und anderen Psychosen.

Weitere Ursachen für Halluzinationen sind Erkrankungen im Gehirn wie etwa Epilepsien. Hier gehören Trugwahrnehmungen oft zu den Vorboten eines epileptischen Anfalls. Demenzerkrankungen können ebenfalls Sinnestäuschungen auslösen. Ein typisches Kennzeichen sind Halluzinationen für die parkinsonähnliche Lewy-Körper-Krankheit. Sie treten auch bei der erblich bedingten Chorea Huntington auf. Diese Gehirnerkrankungen gehen in erster Linie mit ausgeprägten Bewegungsstörungen einher. Ferner kommen Gehirnentzündungen, Hirntumore oder Hirnverletzungen als Ursachen für Halluzinationen infrage.

Bestimmte Infektionskrankheiten ziehen im Laufe der Erkrankung auch das Gehirn in Mitleidenschaft, etwa eine Syphilis oder Aids. Versagen lebenswichtige Organe wie die Leber oder die Niere, hat das weitreichende Schäden nicht nur im Körper, sondern gerade auch im Gehirn zur Folge. Zudem wirken sich einige Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen auf die Sinnesverarbeitung aus. Neben den kennzeichnenden Symptomen können dann auch Halluzinationen auftreten.

Wann zum Arzt?

Schiebt sich eine Halluzination für einen Moment vor das Bewusstsein, etwa im Halbschlaf oder während einer Trauerphase, handelt es sich oft nur um eine vorübergehende Erscheinung. Wer sie erlebt, erkennt sie in der Regel unmittelbar als Sinnestäuschung. Diese Form der Halluzination muss noch nicht bedenklich sein, vor allem, wenn sie nur vereinzelt oder in einer bestimmten Stresssituation auftritt.

Wenden Sie sich jedoch immer an Ihren Arzt, wenn:

  • Sie häufiger trügerische Wahrnehmungen haben.
  • Sie diese als sehr intensiv, verwirrend oder bedrohlich empfinden.
  • Sie Geräusche oder Stimmen hören, Lichtreflexe, Gegenstände oder Gestalten sehen und sich nicht sicher sind, ob es sich um Sinnestäuschungen handelt.
  • Sie überzeugt sind, dass Sie wirklich etwas wahrnehmen, auch wenn andere die Stimmen nicht hören, den eigenartigen Geruch nicht riechen können.
  • Zu den Halluzinationen körperliche und geistig-seelische Beschwerden kommen, wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Zittern, Probleme bei bestimmten Bewegungen, Gedächtnisausfälle, Kopfschmerzen, Blässe, depressive Verstimmtheit, innere Unruhe.
  • Sie sich verfolgt oder bedroht fühlen.
  • Sie nachts schlecht schlafen und am Tag immer wieder einnicken.
  • Sie Parkinson-Medikamente bekommen und Nebenwirkungen wie Halluzinationen auftreten.
  • Die Halluzinationen eingesetzt haben, seit Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen.
  • Sie mit Drogen bewusst Sinnestäuschungen herbeiführen.
  • Sie regelmäßig Alkohol trinken, unter ernsthaften Folgen wie zum Beispiel Halluzinationen leiden und nicht wissen, wie Sie vom Alkohol loskommen können.

Der Hausarzt wird nach einem ersten Gespräch und körperlichen Untersuchungen Ihre Beschwerden einschätzen und Sie je nach Verdacht an einen Facharzt überweisen. Das können ein Psychiater, ein Nervenarzt (Neurologe) oder ein Suchtexperte sein. Mitunter ist auch ein Spezialist für innere Erkrankungen (Internist) gefragt.

Notfall: Treten Wahrnehmungsstörungen plötzlich mit Symptomen wie einseitigen Lähmungserscheinungen, Seh- und Sprachstörungen, Kopfschmerzen und Übelkeit auf, können sie zu den Alarmzeichen für einen Schlaganfall gehören.

Suchterkrankungen

Drogenabhängigkeit

Substanzen, die Sinnestäuschungen und Wahrnehmungsstörungen hervorrufen, heißen in der Fachsprache Halluzinogene. Dazu gehören unter anderem Cannabis (Haschisch und Marihuana), Kokain, LSD und synthetische Drogen wie Phencyclidin oder Ketamin. Klassische Halluzinogene sind zudem Mescalin (aus dem Peyote-Kaktus), bestimmte Pilzgifte (Zauberpilze, Fliegenpilze), Stechapfel und Schnüffelstoffe. Aber auch "Designerdrogen" aus der Gruppe der Amphetamine wie Speed und Crystal Meth oder missbräuchlich eingesetzte Medikamente können zu halluzinationsähnlichen Zuständen und Psychosen führen. Das gilt ebenso für sogenannte Legal Highs, die zum Beispiel irreführenderweise als "Badesalze" oder bestimmte Kräutermischungen in Umlauf kommen.

Die psychischen und körperlichen Auswirkungen sind vielfältig und verändern sich je nach Stadium der Drogenwirkung. Wer sich in einem Drogenrausch befindet, hat oft zunächst positiv übersteigerte Gefühle und Empfindungen, nimmt sich und seinen Körper verändert wahr. Raum und Zeit scheinen sich aufzulösen. Dazu erlebt der Betroffene vor allem optische Sinnestäuschungen, sieht zum Beispiel Farben, bewegte Bilder, Menschen, Tiere. Oft fühlt er sich zudem von außen berührt, hört seltsame Töne. Solche Halluzinationen können auch bedrohlich wirken. Herzrasen, Sehstörungen aufgrund einer Pupillenerweiterung, Übelkeit, Schwindel sind mögliche körperliche Symptome. Gegen Ende des Rausches herrschen Erschöpfung, depressive und ängstliche Gefühle vor. Halluzinationen unterschiedlicher Art, die auch außerhalb des Rauscherlebens einsetzen, entwickeln sich oft bei chronischem Drogenkonsum. Dazu kommen sehr oft Ängste, Depressionen oder Psychosen mit Verfolgungswahn.

Alkoholkrankheit

Im Alkoholrausch können sich Halluzinationen einstellen. Sie treten jedoch vor allem während eines Alkoholentzugs auf, insbesondere in einer extrem kritischen Phase, dem Delirium tremens. Da eine Alkoholsucht weitreichende Organschädigungen zur Folge hat und die Gehirnnerven angreift, kann es häufiger zu Halluzinationen kommen.

Kokain

In den vergangenen Jahren hat der Konsum verbotener psychostimulierender Drogen, insbesondere auch von Kokain, geradezu epidemische Ausmaße angenommen. Das wissenschaftliche Interesse an den medizinischen, neurobiologischen und soziologischen Aspekten des Phänomens ist beachtlich gewachsen und hat auch zu einer Reihe von Forschungsarbeiten über die neuralen und biochemischen Grundlagen speziell des Mißbrauchs von Kokain angeregt. Diese Untersuchungen haben ein besseres Verständnis der molekularen Prozesse ermöglicht, die den euphorisierenden und abhängig machenden Effekten dieser Droge und wahrscheinlich auch anderer Suchtmittel zugrunde liegen.

Als Alkaloid stimuliert Kokain das autonome Nervensystem und bewirkt eine psychomotorische Stimulation des Zentralnervensystems. Es verändert Hirnfunktionen, die den kognitiv-affektiven Bereich betreffen, erzeugt Wohlbefinden, hebt die Stimmung und ruft ein intensives Hochgefühl hervor. Im allgemeinen berichten die Betroffenen von einem nie gekannten Wohlgefühl. Der Drang, es wieder zu erleben, läßt sie neuerlich zur Droge greifen; deren Wirkungen pflegen sich aber mit fortgesetztem Mißbrauch zu verändern.

Kokainisten konsumieren ihren Stoff gewöhnlich nicht wie andere Drogenabhängige täglich, sondern zyklisch, und dann eher in großen Mengen innerhalb kurzer Spannen von im allgemeinen einigen Tagen. Während wiederholter Rauschphasen manifestiert sich eine Reihe unerwünschter Effekte: von Angstgefühlen über erhöhte Reizbarkeit bis hin zu Halluzinationen - Symptome vergleichbar denen einer paranoiden Psychose.

Kokain greift in die chemische Weiterleitung von Nervenimpulsen an Synapsen ein. Es hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin und Serotonin und verlängert so deren Aufenthalt im Spalt. Die Blutdrucksteigerung sowie die erhöhte Wachheit und Wachsamkeit beispielsweise resultieren aus einer länger anhaltenden Einwirkung von Noradrenalin auf die innervierte Gefäßmuskulatur beziehungsweise auf Teile des Stammhirns. Die Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen lassen sich hingegen größtenteils dem Einfluß der Droge auf Systeme zuschreiben, die Signale durch Dopamin übermittelt bekommen.

Schlafstörungen

Schlafentzug

Menschen, die über längere Zeit nur sehr wenig schlafen können, reagieren mit verminderter Leistungsfähigkeit, Gereiztheit, erhöhter Muskelanspannung, Herz- und Atemproblemen, Stoffwechselstörungen. Trugwahrnehmungen sowie Persönlichkeitsstörungen sind möglich.

Narkolepsie (Schlafsucht)

Bei dieser Form einer Schlafstörung leiden die Betroffenen unter einem übersteigerten Schlafbedürfnis auch am Tage. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, bei der neben einer erblichen Veranlagung möglicherweise auch fehlgeleitete Reaktionen des Immunsystems eine Rolle spielen. Der Schlaf-Wach-Rhythmus und die nächtlichen Schlafphasen sind nachhaltig gestört. Kennzeichnend ist eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit bei zunächst ausreichendem Nachtschlaf. In der Folge kommt es auch nachts zu Durchschlafproblemen und zu regelrechten Schlafanfällen am Tage. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Zudem erschlafft die Muskulatur, etwa die der Arme, Hände und Beine, oft unvermittelt, so dass die Betroffenen einknicken, Gegenstände fallen lassen, stürzen (Kataplexie). Tagträume und Halluzinationen beim Einschlafen oder Aufwachen (hypnagoge Halluzinationen) sind typisch.

Psychische Erkrankungen

Schizophrenie

Halluzinationen gehören zu den kennzeichnenden Symptomen dieser schwerwiegenden psychischen Erkrankung aus der Gruppe der Psychosen. Bei Psychosen ist der Bezug zur Wirklichkeit auf vielfältige Weise gestört. Für die Entstehung einer schizophrenen Psychose spielen neben erblichen Veranlagungen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Die Erkrankung zeigt sich das erste Mal meist bei jüngeren Erwachsenen in einem Alter unter 30 Jahren. Eine Schizophrenie kann in Schüben verlaufen und letztendlich in chronischen Beschwerden münden. Es ist aber auch möglich, dass Krankheitsphasen mit völlig symptomfreien Zeiten abwechseln oder gänzlich ausheilen.

Weitere Nerven- und Gemütserkrankungen und ihre Behandlung

ADHS im Erwachsenenalter

Die Diagnose und Therapie von ADHS im Erwachsenenalter schließt eine diagnostische Lücke. Die Diagnostik erfolgt anhand eines strukturierten Interviews, gefolgt von einer Testpsychologie. Im Anschluss erfolgt eine individualisierte Einstellung auf alle zur Verfügung stehenden Präparate. Differenzialdiagnostische Überlegungen und Komorbiditäten werden zusätzlich berücksichtigt und diagnostiziert (z. B. Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen).

Demenzen

Frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Demenzen ist wichtig. Neue Studien haben gezeigt, dass jedoch bei Beachtung wichtiger Risikofaktoren 45 % der Demenzfälle verhindert oder in ihrem Auftreten verzögert werden können. Wichtig ist die Erkenntnis des Stadiums der leichten kognitiven Störung (MCI). Diesbezüglich werden Screening-Tests durchgeführt inklusive einer EEG Diagnostik sowie einer ausgeprägten Laboranalyse. Danach beginnt bereits in diesem frühen Stadium die Prävention und Therapie. Stadiengerecht erfolgt die weitere medikamentöse Anpassung inklusive der Therapie von demenzbedingten Verhaltensstörungen.

Schlaganfall

Eine sinnvolle Schlaganfallprävention setzt die Bestimmung des Schlaganfallrisikos voraus. Dies erfolgt unter anderem anhand der ESC/ EAS -Guidelines. Anhand dieser wird ein Risikoscore erstellt, basierend auf einer ausführlichen Anamnese, Labordiagnostik und einer extrakraniellen und transkraniellen Doppler- und Duplexsonografie der extra- und transkraniellen Hirngefäße. Im Anschluss erfolgt eine Beratung, welche von einer Änderung des Lebensstils über eine Änderung der Ernährung bis hin zu einer medikamentösen Therapie reicht.

Stressassoziierte Erkrankungen

Stressassoziierte Erkrankungen nehmen aufgrund vielfältiger Faktoren zu. Als Ausgangspunkt wird eine Diagnostik zur Standortbestimmung angeboten. Gegebenenfalls erfolgt eine Ergänzung im Sinne einer Schlaganfallpräventionsdiagnostik. Aspekte der Prävention werden ausführlich dargestellt. Sollte bereits eines der oben dargestellten Symptome eingetreten sein, insbesondere die des Burnout, erfolgt eine ausführliche sozialpsychiatrische Betreuung.

Angsterkrankungen

Angsterkrankungen sind vielfältig. Beim Patientenerstkontakt erfolgt eine ausführliche Diagnostik in Form eines Gespräches, wo die Symptome und mögliche Ursachen auch im Rahmen der Biografie eruiert werden. Immer erfolgt auch eine organische Diagnostik. Im Anschluss erfolgt in Kooperation mit dem Betroffenen die Erstellung eines komplexen Behandlungsplans. Medikamentöse Therapieoptionen werden ausführlich erklärt inklusive Wirkungsweise und Nebenwirkungen. Eventuell notwendige psychotherapeutische Interventionen erfolgen entweder als Kurztherapien oder werden initiiert.

Bewegungsstörungen

Frühzeichen der Parkinson-Erkrankung erkennen: Schlafstörungen, Riechstörung, Muskelschmerzen, Feinmotorikstörung, vermindertes Mitschwingen der Arme, Abgeschlagenheit, Unsicherheit, depressive Verstimmungen. Die klinische Frühdiagnose mit der Diagnosesicherung über den DaTSCAN und C-MRT inklusive der Abgrenzung gegenüber anderen Parkinson-plus-Syndromen gehören zu den Angeboten. Die langjährige Therapieerfahrung mit diesem Krankheitsbild garantiert eine stadiengerechte leitlinienorientierte Therapie inklusive der Beratung bezüglich der tiefen Hirnstimulation (THS). Begleitende Symptome wie Sialarrhoe (vermehrter Speichelfluss) und Kamptokormie (Verziehung des Rumpfes) werden mit Botulinumtoxin erfolgreich therapiert. Im Rahmen der langjährigen Erfahrung mit Botulinumtoxin können auch andere Formen der Bewegungsstörungen im Sinne von Überbeweglichkeiten (Dystonien) wie z. B. der Torticollis spasmodicus, der Hemispasmus facialis oder der Blepharospasmus erfolgreich behandelt werden.

Migräne und andere Kopfschmerzformen

Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, unter der rund 10 % der Bevölkerung leidet. Neben der Abgrenzung gegenüber anderen primären Kopfschmerzformen unterscheidet man die Therapie der Attacke und die der medikamentösen Prophylaxe. Es besteht eine langjährige Erfahrung sowohl in der Therapie mit Triptanen für die Attacke als in der Therapie mit neueren Prophylaktika, den CGRP- Antikörpern. Der chronische Migränekopfschmerz wird mit Botulinumtoxin nach dem PREEMT- Schema therapiert, als neuere Therapieoption steht das Neurofeedback zur Verfügung.

Periphere Nervenerkrankungen

Das Karpaltunnelsyndrom stellt das häufigste Kompressionssyndrom peripherer Nerven dar. Bei entsprechenden Beschwerden erfolgt kurzfristig ein Termin. Nach einer neurologischen Untersuchung werden die Nerven an der Hand gemessen und eine Therapieempfehlung ausgesprochen (konservativ versus operativ). Selbiges Procedere gilt für andere periphere Nervenkompressionssyndrome der oberen und unteren Extremität. Bei der Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung der Nervenendigungen zu den Füßen. Es erfolgt zur Diagnostik und Quantifizierung eine ausführliche Nervenmessung sowie eine serologische Diagnostik. Behandelbare Ursachen werden behoben. Ansonsten wird eine bedarfsgerechte Therapie der Nervenschmerzen eingeleitet.

Therapie mit Botulinumtoxin

Botulinumtoxin wird bei vielen Krankheitsbildern eingesetzt:

  • Bewegungsstörungen wie Torticollis, Blepharospasmus, Laterocollis, Retrocollis, Kamptokormie, Kinesiogene Dystonie und Spastik u.a.
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis) und Golferarm
  • Kopfschmerzen (Migräne nach dem PREEMT-Schema), Spannungskopfschmerz
  • Muskuloskelettale Schmerztriggerpunkte
  • Nervenschmerzen (Polyneuropathie, posttherapeutische Neuralgie)
  • Erkrankung der Schweißdrüsen (axilläres Schwitzen, Schwitzen der Hände und Füße, Schwitzen im Kopfbereich) und Speicheldrüsen, ultraschallgesteuert (z. B. Hypersalivation bei Morbus Parkinson)
  • Botulinumtoxin bei Depressionen - Psychologische Effekte von Botulinumtoxin:
    • Mimische Aktivität erzeugt Emotionen über die Tiefensensibilität
    • Der Gesichtsausdruck beeinflusste Gefühlslage
    • Botox schwächt negative Emotionen der Zornesfalte
    • Emotionaler Zustand bessert sich

Neurofeedback

Neurofeedback ist eine sanfte Behandlungsmethode, bei welcher mittels Sensoren die elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn eines Menschen gemessen und über den Computer wahrnehmbar gemacht wird. Durch die Wahrnehmung der sonst automatisch ablaufenden Vorgänge unseres Gehirns können wir mittels Neurofeedback im Verlauf des Trainings lernen, diese Vorgänge selbst zu steuern und zu verändern. Eine erfolgreiche Neurofeedback-Therapie wird in 3 Phasen unterteilt: Lernphase, Automatisierungsphase und Stabilisierungsphase.

Osteopathie

Die Osteopathie behandelt keine Symptome - sie geht ihren Ursachen auf den Grund. Ziel ist es, die natürliche Harmonie des Körpers wiederherzustellen, wenn sie aus dem Takt geraten ist. Als sanfte Medizin verzichtet die Osteopathie vollständig auf das Verabreichen von Medikamenten oder auf invasive Verfahren. Mit gezielten manuellen Techniken setzt die osteopathische Behandlung an genau solchen „verborgenen“ Punkten an, um blockierten oder verspannten Strukturen wieder zu ihrer natürlichen Bewegungsfreiheit zu verhelfen. Osteopathie kann immer dann eine Option sein, wenn keine Notwendigkeit eines invasiven Eingriffs oder einer dringend notwendigen schulmedizinischen Therapie vorliegt - wie etwa bei Tumorerkrankungen, Organschäden, Infektionen, akuten Entzündungen, Knochenbrüchen oder anderen Unfallverletzungen. Ebenso nicht bei psychischen Beschwerden oder Gemütserkrankungen.

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