Eine Verstauchung, auch Distorsion genannt, ist eine häufige Verletzung, bei der es zu einer unnatürlichen Verdrehung eines Gelenks kommt. Dies kann zu einer Überdehnung oder einem Riss der Bänder, die das Gelenk stabilisieren, führen. In einigen Fällen kann eine Verstauchung auch Nerven schädigen, was zu einer Reihe von Symptomen führen kann.
Was ist eine Luxation?
"Luxation" ist die medizinische Bezeichnung für eine Verrenkung. Dabei springt der Gelenkkopf - der Knochen, der normalerweise in der Gelenkspfanne liegt - aus jener heraus. Die beiden Gelenkkomponenten verlieren also den Kontakt zueinander.
Das kommt hauptsächlich bei Gelenken vor, die aufgrund ihrer Position am Körper oder ihrer Anatomie eher für Verletzungen anfällig sind, wie Schulter, Ellenbogen oder (künstliche) Hüfte.
Eine Luxation ist beispielsweise auch an folgenden Stellen möglich:
- Fuß (Sprunggelenk, Zehen, Chopart- oder Lisfranc-Gelenklinie)
- Kiefergelenk
- Handgelenk (perilunäre Luxation)
- Zähne (Lageveränderung in der Vertiefung für die Zahnwurzel im Kieferknochen)
- Kehlkopf (vor allem durch Verkehrsunfälle)
- Brustbein-Schlüsselbeingelenk (Sternoklavikulargelenk)
Im Allgemeinen passiert es besonders leicht bei sehr beweglichen Gelenken: Normalerweise stabilisieren ansetzende Muskeln und Bänder ein Gelenk. Wenn diese Strukturen aber beispielsweise geschädigt oder überdehnt sind, genügt oft schon eine unachtsame, ruckartige Bewegung oder ein Sturz - und eine Luxation entsteht.
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Eine Luxation ist sehr schmerzhaft. Und je öfter ein Knochen aus der Gelenkspfanne springt, desto leichter passiert es wieder, da die umliegenden Strukturen "ausleiern".
Kinder vor dem siebten Lebensjahr erleiden nur selten eine Luxation. Ihre Knochen sind nämlich noch flexibler und weichen bei Gewalteinwirkung besser aus.
Ursachen einer Nervenverletzung durch Verstauchung
Eine Nervenverletzung durch eine Verstauchung kann durch verschiedene Mechanismen verursacht werden:
- Direkter Druck: Die Schwellung und Entzündung, die nach einer Verstauchung auftreten, können Druck auf die umliegenden Nerven ausüben. Dieser Druck kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und zu Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen führen.
- Nervenprellung: Durch die mit der Prellung verbundene Schwellung und Entzündungsreaktion kann sich der Druck im umliegenden Gewebe erhöhen und somit auf die Nerven drücken (Nervenprellung), welche dann in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Es kann mitunter sogar zu einer vollständigen Nervenkompression kommen, bei welcher der Nerv abgeklemmt und die Leitfähigkeit verringert wird.
- Nervenkompression: In einigen Fällen kann eine Verstauchung zu einer direkten Kompression eines Nervs führen. Dies kann beispielsweise bei einer Verstauchung des Handgelenks auftreten, bei der der Karpaltunnel eingeengt wird und Druck auf den Nervus medianus ausübt.
- Nervenverletzung: Bei besonders schwerer Gewalteinwirkung kann der Nerv auch einen direkten Schaden erleiden und bei schwerwiegender Nervenverletzung zu einem anhaltenden Taubheitsgefühl führen. Es ist wichtig eine Nervenschädigung auszuschließen.
- Kompartmentsyndrom: In seltenen Fällen kann eine Verstauchung zu einem Kompartmentsyndrom führen. Das Kompartmentsyndrom ist eine krankhafte Druckerhöhung in den Muskellogen und verursacht eine Mangeldurchblutung des Gewebes. Die Logen bündeln Gruppen von Muskeln, die ähnliche Funktionen ausüben. Straffes Bindegewebe (Faszien) umfasst jede Muskelloge. Meist entsteht ein Kompartmentsyndrom als Komplikation nach Unfällen durch Verletzungen, Schwellungen oder Einblutungen. Grundsätzlich kann das Kompartmentsyndrom überall dort auftreten, wo Gewebe von einer straffen Bindegewebsschicht umhüllt ist. Besonders häufig betrifft das Kompartmentsyndrom die Muskellogen am Unterschenkel, am Fuß oder am Unterarm. Der hohe Druck beeinträchtigt die Durchblutung und führt zu einer Unterversorgung der betroffenen Muskeln und Nerven. Dies kann dauerhafte Folgen für die Funktion der Extremität haben. Damit das Muskelgewebe und die Nerven gesund und intakt bleiben, muss ein Kompartmentsyndrom schnellstmöglich erkannt und ärztlich behandelt werden. Unterschenkel und Fuß werden jeweils in vier Kompartimente (Logen) unterteilt. Diese Kompartimente sind in sich geschlossene Räume, die Muskeln, Nerven und Gefäße enthalten. Straffe Hüllen, die Faszien, ummanteln die Logen. Die Faszien sind am Knochen fixiert und bestehen aus straffem Bindegewebe, das kaum nachgibt und sich nur minimal dehnen kann. Ein Kompartmentsyndrom entsteht durch das Anschwellen des Weichteilgewebes im Unterschenkel oder Fußbereich. Dadurch erhöht sich der Innendruck in den durch Faszien abgegrenzten Muskelgruppen. Auf diese Weise kommt es zu einer gestörten Durchblutung der großen Blutgefäße, der Kapillaren (kleinste Blutgefäße) und der Nerven. Das gestaute Gewebe wird nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt und droht abzusterben. Bleibende, irreversible Schädigungen der Muskulatur und der Nerven sind schwerwiegende Folge des Kompartmentsyndroms.
Risikofaktoren
Einige Faktoren können das Risiko einer Nervenverletzung durch eine Verstauchung erhöhen:
- Schwere der Verstauchung: Je schwerer die Verstauchung, desto größer ist das Risiko einer Nervenverletzung.
- Lage der Verstauchung: Verstauchungen in der Nähe von Nerven sind eher mit Nervenverletzungen verbunden.
- Vorerkrankungen: Bestimmte Vorerkrankungen, wie z. B. Diabetes, können die Nerven anfälliger für Verletzungen machen.
Symptome einer Nervenverletzung durch Verstauchung
Die Symptome einer Nervenverletzung durch eine Verstauchung können je nach betroffenem Nerv und Schwere der Verletzung variieren. Häufige Symptome sind:
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- Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl in dem Bereich, der von dem betroffenen Nerv versorgt wird.
- Kribbeln: Ein Kribbeln oder "Ameisenlaufen" in dem betroffenen Bereich.
- Schmerzen: Schmerzen, die von leicht bis stark reichen können.
- Schwäche: Schwäche in den Muskeln, die von dem betroffenen Nerv gesteuert werden.
- Bewegungseinschränkungen: Der Patient kann das betroffene Bein kaum bewegen. Durch die Mangeldurchblutung der Muskulatur löst auch die passive Bewegung von Fuß und Unterschenkel starke Schmerzen aus. Diesen frühen Symptome folgen sensible und später motorische Ausfälle.
- Missempfindungen: Wurden beim Ausrenken Nerven verletzt, sind in deren Versorgungsgebiet Missempfindungen wahrscheinlich. Das zeigt sich bei einer Schulterluxation zum Beispiel durch ein Kribbeln oder ein pelziges Gefühl in den Fingern.
Es ist möglich, dass das Taubheitsgefühl nachlässt, während die Schmerzen anhalten oder umgekehrt. Dies kann auf den individuellen Heilungsprozess und die Genesungsfähigkeit des Körpers zurückzuführen sein. In einigen Fällen kann das Taubheitsgefühl mit einer vorübergehenden Schwäche in den betroffenen Muskeln einhergehen, da die Nervenfasern für Motorik, (Bewegung) der Muskulatur und die Nervenfasern für Sensibilität (Berührung) häufig in gemeinsamen Bündeln verlaufen. Kommt es also zu Symptomen der einen Nervenfaserqualität ist es nicht ungewöhnlich, dass auch andere Qualitäten der Nervenleitung beschädigt sind und es zu entsprechenden Symptomen kommt.
Spezifische Symptome je nach Lokalisation
- Fuß: Da einige Nerven hier recht oberflächlich laufen und der Raum zwischen Haut und Knochen hier nicht besonders groß ist können diese bei Schwellungen schnell komprimiert werden. Besonders nach einem Bänderriss am Sprunggelenk kommt es zu einem Taubheitsgefühl. Die Taubheitsgefühle treten dann meist peripher, also körperfern der Prellung auf.
- Oberschenkel: Eine Kompression oder Verletzung des Nervus femoralis oder des Nervus cutaneus femoris lateralis, die den Oberschenkel versorgen, kann zu Taubheitsgefühlen führen.
Diagnose einer Nervenverletzung durch Verstauchung
Die Diagnose einer Nervenverletzung durch eine Verstauchung umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung und eine neurologische Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt das betroffene Gelenk auf Schwellung, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen untersuchen. Bei der neurologischen Untersuchung wird der Arzt die Nervenfunktion testen, indem er die Sensibilität, die Muskelkraft und die Reflexe überprüft.
Anamnese
In einem Anamnese-Gespräch beschreibt der Patient dem Arzt seine Beschwerden. Die Symptome eines akuten Kompartmentsyndroms sind meist gravierend und eindeutig. Nach der Anamnese überprüft der Arzt die Motorik der betroffenen Extremität und beurteilt das Empfindungsvermögen. Die Weichteile über den betroffenen Muskellogen sind meist prallelastisch gespannt. Der Patient verspürt massive Schmerzen bei Druck und aktiver sowie passiver Bewegung des Beines.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen oder Magnetresonanztomografien (MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder das Ausmaß der Nervenverletzung zu beurteilen.
- Röntgen: Röntgenbilder werden im Normalfall bei Verdacht auf Knochenbrüche oder andere Verletzungen der Knochen verwendet.
- Ultraschall: Der Ultraschall ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem Schallwellen verwendet werden, um Gewebe im Körper darzustellen.
- MRT: Wann braucht man ein MRT der Prellung?
Funktionsprüfung
Bei Verdacht auf die pathologische Druckerhöhung im Gewebe führt der Spezialist eine Funktionsprüfung durch. Die Diagnose eines chronischen Kompartmentsyndroms kann durch eine dynamische intramuskuläre Druckmessung bestätigt werden. Der Arzt führt die Messung bei den Patienten in Ruhe und nach einer sogenannten Provokationsübung durch. Als Provokationsübung gilt die Bewegung, bei der der Patient die typischen Beschwerden spürt, z. B. Joggen auf dem Laufband. Für die Druckmessung wird eine feine Nadelsonde in die betroffene Muskelpartie (intramuskulär) eingestochen. Bei der Messung fällt meist schon in Ruhe ein erhöhter Druck in der Muskelloge auf (≥ 15 mmHg), der bei muskulärer Anstrengung nach einer Minute deutlich ansteigt (≥ 30 mmHg). Wichtig sind beim chronischen Kompartmentsyndrom nicht die absoluten Werte, sondern der Unterschied der Druckverhältnisse vor und nach der Belastung.
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Behandlung einer Nervenverletzung durch Verstauchung
Die Behandlung einer Nervenverletzung durch eine Verstauchung hängt von der Schwere der Verletzung ab. Milde Nervenverletzungen können in der Regel mit konservativen Maßnahmen wie Ruhe, Eis, Kompression und Hochlagerung (PECH-Regel) behandelt werden. Schmerzmittel können ebenfalls eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern.
Konservative Behandlung
- Schonung und Ruhigstellung: Wichtig ist die Schonung und Ruhigstellung der betroffenen Region.
- PECH-Regel: In der Akutphase helfen dem Patienten Entlastung, Hochlagerung und Kühlung der Extremität.
- Schmerztherapie: Eine adäquaten Schmerztherapie. Nichtsteroidale Antirheumatika wie beispielsweise Ibuprofen lindern die Schmerzen. Salben belasten den Magen nicht, das ist ihr Vorteil. Meist sind bei einer Verstauchung Schmerzmittel nur für kurze Zeit nötig. Salben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen können ebenso helfen, beispielsweise mit dem Extrakt von Beinwell. Die Wirkung ist jedoch nicht nachgewiesen.
- Physiotherapie: Die Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit und Kraft des betroffenen Gelenks wiederherzustellen. Zudem sind moderate Nackenübungen - schonende aktive Bewegungs- und Lockerungsübungen hilfreich.
- Vermeidung von Wärme: Massagen, wärmende Behandlung, Heparin-Salben und sportliche Aktivität sind in der Akutphase absolut kontraindiziert, da sie die Ursachen des chronischen Kompartmentsyndroms verschlimmern würden.
- Anpassung des Trainings: Auf lange Sicht sollte der Patient versuchen, ein Logensyndrom durch Anpassung des Trainings und durch Optimierung des Schuhwerks zu verhindern.
Medikamentöse Therapie
Zunächst kommen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zum Einsatz, so dass eine rasche Wiederaufnahme der normalen Bewegungsabläufe möglich ist. Zusätzlich sind moderate Nackenübungen - schonende aktive Bewegungs- und Lockerungsübungen hilfreich.
Operative Behandlung
In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten oder den Nerv zu reparieren.
- Dermatofasziotomie: Das akute Kompartmentsyndrom ist ein medizinischer Notfall und muss sofort chirurgisch behandelt werden. Die Vermeidung von Folgeschäden und lebensbedrohlichen Komplikationen ist das oberste Ziel. Die Therapie der Wahl ist die Entlastung des betroffenen Kompartiments durch die großzügige Spaltung der Haut, der betreffenden Faszie (Dermatofasziotomie) und der angrenzenden Kompartimente. Die Durchblutung kann sich nach der Eröffnung wieder normalisieren und das Muskelgewebe regeneriert. Bereits abgestorbene Muskelanteile muss der Spezialist während der Operation chirurgisch entfernen. Um eine erneute Erhöhung des Gewebedrucks zu verhindern, lässt der behandelnde Arzt die Operationswunde zunächst offen. Erst nachdem die Schwellung vollständig abgeklungen ist, verschließt er die Wunde mit einer einfachen Naht oder durch ein Hauttransplantat.
Was Sie bei einer Luxation tun sollten
Versuchen Sie niemals, ein ausgekugeltes Gelenk eigenhändig einzurenken! Es besteht die Gefahr, dass dabei Nerven, Blutgefäße oder Bänder eingeklemmt werden oder abreißen! Überlassen Sie das Einrenken deshalb immer einem Arzt.
Erste-Hilfe-Maßnahmen:
Eine Luxation ist ein medizinischer Notfall und wird in der Regel im Krankenhaus behandelt. Wenn sich also jemand ein Gelenk ausgekugelt hat, ist immer ein Arztbesuch ratsam. Als Ersthelfer sollten Sie den Patienten umgehend zu einem Arzt beziehungsweise ins Krankenhaus bringen oder den Rettungswagen rufen. Zusätzlich sind folgende Maßnahmen ratsam:
- Ruhigstellen: Als Erstes ist das luxierte Gelenk mit einem Wickel oder einer Binde ruhigzustellen. Bei Verrenkungen am Arm bitten Sie den Betroffenen am besten, diesen ruhig zu halten. Zusätzlich ist es mitunter hilfreich, den Arm zu stabilisieren, indem Sie vorsichtig ein Polster zwischen Arm und Rumpf klemmen.
- Kühlen: Bei einer Luxation schwillt meist der betroffene Bereich schnell an. Zudem treten starke Schmerzen auf. Beides - also Schwellung und Schmerzen - lässt sich durch Kühlen lindern. Zur Kühlung sind in ein Tuch gewickelte Eiswürfel oder ein Coolpack geeignet. Geben Sie Eis niemals direkt auf die Haut!
Ärztliche Behandlung:
Bei einer Luxation ohne Begleitverletzungen renkt der Arzt das ausgekugelte Gelenk meist manuell wieder ein (reponieren). Das ist mitunter sehr schmerzhaft. Deshalb bekommt der Patient vorher in der Regel ein starkes Schmerzmittel oder eine Kurznarkose. Das hat auch den Vorteil, dass dann die Muskelspannung nachlässt. So lässt sich der Knochen leichter wieder in die Gelenkpfanne einsetzen.
Nach der Reposition wird das Gelenk meist geröntgt, um seine korrekte Stellung zu kontrollieren. Danach stellt der Arzt es mithilfe spezieller Verbände oder Gipsschienen für einige Zeit ruhig.
In manchen Fällen von Luxation gelingt das manuelle Einrenken nicht oder es treten Begleitverletzungen (zum Beispiel Verletzungen von Nerven, Gefäßen oder Muskeln oder ein Knochenbruch) auf. Dann ist ein operativer Eingriff nötig. Auch bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen wird eine Verrenkung häufig operiert, um das Risiko für erneute Luxationen zu senken. Bei dem Eingriff strafft der Operateur den überdehnten Kapsel- oder Bandapparat und gibt dem Gelenk so wieder mehr Stabilität.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie nach einer Verstauchung ein Taubheitsgefühl verspüren, sollten Sie dies ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Das Taubheitsgefühl kann ein Anzeichen für eine Nervenverletzung sein, die möglicherweise weitere medizinische Untersuchungen und Behandlungen erfordert. Insbesondere bei schwerer Taubheit oder Lähmung und plötzlich auftretender, fortschreitender oder besonders lange anhaltender Symptomatik ist es ratsam frühzeitig zum Arzt zu gehen.
Mögliche Komplikationen
Ein unbehandeltes Kompartmentsyndrom an Fuß und Unterschenkel kann schwere Folgen haben. Die Schädigung von Muskeln und Nerven ist nach einiger Zeit irreversibel, das bedeutet nicht mehr umkehrbar. Nur eine frühe Diagnose und konsequentes medizinisches Handeln kann die Folgen eines Kompartmentsyndroms verhindern. Der Sauerstoffmangel im Gewebe verursacht den Zerfall von Muskelzellen. Beim akuten Kompartmentsyndrom steht nicht nur der Funktionsverlust des betroffenen Fußes im Vordergrund. Verbleibt abgestorbenes Gewebe in der Muskelloge oder wird ein akutes Kompartmentsyndrom übersehen, kann ein schockartiges Multiorganversagen mit Todesfolge auftreten. In sehr schweren Fällen muss der betroffenen Fuß oder das Bein sogar amputiert werden. Ein akutes Kompartmentsyndrom ist daher immer ein absoluter medizinischer Notfall und bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung.
Das chronische Kompartmentsyndrom verursacht seltener Gewebeschäden als das akute Kompartmentsyndrom. Durch die Minderdurchblutung der Muskulatur und dem resultierenden Sauerstoffmangel bei Belastung leidet der Patient unter Schmerzen. Die Beschwerden gehen zurück, sobald der Muskel wieder entlastet wird.
Nach einem Kompartmentsyndrom können gravierende Funktionsstörungen am Fuß und am Unterschenkel bestehen. Die Kombination von abgestorbenem Muskelgewebe und Nervenschäden verursacht diesen Funktionsverlust. Das abgestorbene Muskelgewebe vernarbt und schrumpft und es entstehen sogenannte Kontrakturen. Die Nervenschäden verursachen Lähmungserscheinungen. Der Patient kann bestimmte Bewegungen nicht mehr durchführen und die Gelenkstellung des Fußes ist nicht mehr stabil. Der Betroffene kann die normale Fußfunktion nicht mehr ausreichend steuern. Der Gang des Patienten wird unsicher und ist vor allem auf unebenem Gelände fast unmöglich. Die dauerhafte Gelenkfehlstellung schädigt mit der Zeit die Bänder und kann zu einer Gelenkarthrose führen.
Das Kompartmentsyndrom in der Loge der vorderen Schienbeinmuskulatur (Tibialis anterior Loge) kann zu einem sogenannten Fall-Fuß (Fußheberschwäche) führen. Dadurch verändert sich das Gangbild des Patienten gravierend. Der Patient kann den Fuß beim Gehen nicht mehr heben oder wie gewohnt abrollen. Um sein Bein vorwärts zu bewegen, muss er die Hüfte und das Kniegelenk vermehrt beugen.
Beim Kompartmentsyndrom in der Loge der tiefen Unterschenkelmuskulatur treten vor allem Verkürzungen von Muskeln und Sehnen im Bereich des Innenknöchels auf. Dies betrifft Großzehenbeuger- und Zehenbeuger sowie den hinteren Schienbeinmuskel. Als Folge entsteht ein sogenannter Spitzfuß (Pes equinus), bei dem der Fuß krankhaft gebeugt ist. Mögliche Folgeschäden nach einem Kompartmentsyndrom sind Krallenzehen. Die verschiedenen Funktionsdefizite und Fehlstellungen können bei jedem Menschen unterschiedlich schwer ausgeprägt sein und erfordern eine genaue ärztliche Analyse. Bei einem Kompartmentsyndrom in den Logen der Fußmuskulatur können sogenannte Hammerzehen und Krallenzehen entstehen.
Spätfolgen
Ist die Ursache des Taubheitsgefühls eine Nervenverletzung, kann dies zu Spätfolgen führen. So kann es dazu kommen, dass das Taubheitsgefühl längere Zeit anhält und mitunter nur sehr langsam, nur teilweise oder gar nie wieder vollends verschwindet.
Vorbeugung
Ein stabiles Gelenk renkt nicht so leicht aus. Regelmäßige Koordinationsübungen sowie Kräftigungsübungen für jene Muskeln, die ein Gelenk stabilisieren, unterstützen den Aufbau des Halteapparats.
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