Muskelzucken im Oberarm kann beunruhigend sein, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Es handelt sich dabei um spontane, unwillkürliche Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Nach den Augenlidern und den Beinen ist der Oberarm einer der häufigsten Orte, an denen Muskelzuckungen auftreten.
Ursachen von Muskelzucken im Oberarm
Die Ursachen für Muskelzucken im Oberarm sind vielfältig. In vielen Fällen lässt sich keine spezifische Ursache identifizieren, und die Beschwerden verschwinden von selbst innerhalb kurzer Zeit. Als wahrscheinlichste Auslöser gelten in diesen Fällen Stress und emotionale Belastung.
Greifbare Ursachen für Muskelzucken im Oberarm umfassen im Wesentlichen:
- Bandscheibenvorfälle im HWS-Bereich (Halswirbelsäule): Dabei „verrutschen“ Teile der Bandscheiben aus ihrem vorgesehenen Platz zwischen den Wirbelkörpern nach vorne oder zur Seite und können dort das Rückenmark oder Nervenwurzeln komprimieren. Da im HWS-Bereich die für den Arm zuständigen Nervenbahnen aus dem Rückenmark austreten, führt ein Bandscheibenvorfall in der HWS vorwiegend zu Symptomen in den Armen. Zu diesen Symptomen zählen schließlich neben Kribbelempfindungen oder gar Lähmungserscheinungen auch Muskelzuckungen.
- Multiple Sklerose (MS): Diese Erkrankung kann über eine Schädigung der für den Arm zuständigen Nerven bzw. deren Nervenscheiden nicht nur Muskelzucken, sondern auch weitere Symptome wie Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auslösen.
- Elektrolytstörungen: Allen voran ein Magnesiummangel.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Überbeanspruchte Muskeln (z.B. durch Sport)
- Koffein oder aufputschende Drogen
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Psychischer Stress und Angst
- Vitamin-B6-Überdosierung
- Eisenmangel
Symptome
Ob, und wenn ja, von welchen weiteren Symptomen ein Muskelzucken im Oberarm begleitet wird, hängt in erster Linie von der Ursache der Beschwerden ab.
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- Schmerzen: Werden die Muskelzuckungen im Oberarm von Schmerzen begleitet, ist dies ein Hinweis auf das Vorliegen eines Bandscheibenvorfalls. Die Schmerzen ziehen dabei häufig aus dem Hals- und Nackenbereich in Schulter und Oberarm und werden von vielen Betroffenen als „elektrisierend“ beschrieben.
- Kribbeln: Das gemeinsame Auftreten von Muskelzucken und Kribbeln im Oberarm ist zwar prinzipiell als nicht besonders spezifisch in aller Regel als harmlos einzustufen. Unter Umständen kann es den Fachmann jedoch trotzdem auf bestimmte mögliche Ursachen hinweisen. So kann etwa ein Bandscheibenvorfall im HWS-Bereich diese Kombination an Symptomen auslösen, meist bestehen dann jedoch zusätzlich Schmerzen in Nacken, Schulter und Oberarm. Bei größeren Vorfällen können gar Taubheitsempfindungen oder Lähmungserscheinungen hinzukommen.
- Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen: Diese Symptome können ebenfalls auf einen Bandscheibenvorfall oder eine MS hindeuten.
- Gangunsicherheit und Beeinträchtigungen der Feinmotorik: In seltenen Fällen kann Muskelzucken im Oberarm ein erstes Symptom der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) sein.
Diagnostik
Im Fall von Muskelzucken im Oberarm befasst sich die Diagnostik mit der Suche nach der Ursache für die Zuckungen.
- Anamnese: Wichtige Grundlage dafür ist eine eingehende und sorgfältige Erhebung der Anamnese (Krankheitsgeschichte) im Gespräch zwischen Arzt und Patient. Der Fokus liegt hier auf der Feststellung, welche Muskelgruppen von den Zuckungen betroffen sind, wie häufig die Beschwerden auftreten und ob sie von weiteren Symptomen begleitet werden. Auch die Nachfrage nach bestehenden Nebenerkrankungen (Epilepsie, Schilddrüsenerkrankungen) oder einer Schwangerschaft ist von Bedeutung für die Ursachenfindung.
- Körperliche Untersuchung: In der Regel kann der Fachmann anhand der Anamnese schon relativ genau abschätzen, ob eine ernsthafte Erkrankung als Ursache in Frage kommt oder ob das Muskelzucken als harmlos einzustufen ist. Dennoch wird im Anschluss eine körperliche Untersuchung durchgeführt.
- Apparative Untersuchungen: Bei Unklarheiten können apparative Untersuchungen notwendig werden, wie z.B. die Messung der elektrischen Muskelaktivität (EMG) oder die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (ENG) im Oberarm. Beim Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall oder eine MS sind zudem bildgebende Untersuchungen (v.a. MRT) indiziert.
Behandlung
Die optimale Behandlung von Muskelzucken ist in erster Linie von der Ursache der Beschwerden abhängig.
- Stress und psychische Belastung: Häufig ist das Muskelzucken auf Stress und psychische Belastung zurückzuführen und verschwindet dann meist von selbst wieder in Phasen geringerer Belastung. Das Erlernen von Entspannungstechniken und die bewusste Reduktion von Stress beschleunigen die Besserung.
- Magnesiummangel: Auch ein Magnesiummangel als Ursache des Muskelzuckens lässt sich relativ einfach und schnell behandeln: Neben magnesiumreichen Nahrungsmitteln wie Nüssen, Bananen, Vollkornprodukten oder Spinat stehen auch Magnesiumtabletten oder -pulver zur Verfügung.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall wird in den meisten Fällen operiert, wobei die Wahl der OP-Methode von Größe und Lokalisation des Vorfalls abhängt.
- Multiple Sklerose: Ist eine MS die Ursache für die Beschwerden, so bestehen vielfältige Therapieoptionen, die die Erkrankung zwar bislang nicht heilen, ihren Verlauf aber oft erheblich verbessern können. Diese umfassen überwiegend medikamentöse Verfahren, u.a. auf Cortison-Basis. Auf diese Weise lässt sich auch die Häufigkeit und Intensität des Muskelzuckens signifikant verringern.
Konservative Therapie bei HWS-Problemen
Bei Nackenschmerzen und ausstrahlenden Schmerzen in den Armen, die auf HWS-Probleme zurückzuführen sind, kann eine konservative Therapie versucht werden. Diese umfasst:
- Schmerzmedikamente: Zur Linderung der Schmerzen.
- Muskelaufbau: Zur Stärkung der Nackenmuskulatur.
- Entspannungstraining: Zur Lockerung der Nackenmuskulatur.
- Akupunktur: Kann ebenfalls zur Lockerung der Nackenmuskulatur beitragen.
- Physiotherapie: Dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen.
Invasive Verfahren und Operation
Wenn die konservative Therapie nicht ausreichend hilft, können invasive Verfahren oder eine Operation in Betracht gezogen werden.
- Periradikuläre Therapie (PRT): Gezielte Infiltrationen der Nervenwurzel unter dem Computertomogramm.
- Operation: Bei reinen Bandscheibenvorfällen ohne Veränderungen an den Wirbelkörpern kann eine künstliche Bandscheibe infrage kommen. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule kann in schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällen der oberen Extremität eine OP mit Freilegung des eingeklemmten Nervs (Foraminotomie) oder des Ersatzes der betroffenen Bandscheibe (Implantation einer Bandscheibenprothese) durchgeführt werden.
Schulter-Arm-Syndrom
Das Schulter-Arm-Syndrom beschreibt einen ausstrahlenden Schmerz, welcher meist vom Nacken ausgeht und über die Schulter und den Ellenbogen teilweise bis zur Hand und in die Finger ausstrahlt. Die Ursache der Schmerzen kann unterschiedliche Gründe haben. Neben Verschleißerscheinungen in den Gelenken der oberen Extremität kommen meist muskuläre Verspannungen als Hauptursache der Beschwerden in Betracht.
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Kommt es gleichzeitig zu Taubheitsgefühlen oder gar zu einer Schwäche des Armes muss differentialdiagnostisch auch an einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule mit Druck auf den Nerven (Radikulär-Syndrom) gedacht werden.
Im Vordergrund der Therapie steht die Schmerzlinderung durch Lockerung der Muskulatur. Hier hilft die Wärmetherapie, das Kinesiotaping und die manuelle Medizin (Chirotherapie). Bei starken Schmerzen können kurzfristig auch Schmerzmedikamente eingenommen werden.
Im schmerzgelinderten Intervall stabilisiert sich die Genesung idealerweise durch die Verbesserung der Körperhaltung und der Kraftausdauer. Krankengymnastische Übungen und regelmäßige sportliche Aktivität (Yoga, Pilates, Schwimmen, Nordic Walking, Qigong, uvm.) werden empfohlen.
Radikulopathie
Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen.
Radikuläre Schmerzen entstehen durch Reizung, Druck oder Schädigung von Nervenwurzeln. Sie strahlen typischerweise entlang des Versorgungsgebietes (Dermatom) des Spinalnervs aus und werden oft als elektrisierend, brennend oder scharf beschrieben.
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Im Allgemeinen unterscheidet man die Radikulopathien danach, in welchem Wirbelsäulensegment sie auftreten: zervikale Radikulopathie (in der Halswirbelsäule), thorakale Radikulopathie (in der Brustwirbelsäule) und eine lumbale Radikulopathie (in der Lendenwirbelsäule).
Zervikale Radikulopathie
Bei der zervikalen Radikulopathie ist eine Nervenwurzel der Halswirbelsäule gereizt. Typische Symptome sind Nackenschmerzen, die auch in die Schulter und den Arm ausstrahlen können. Die Patienten empfinden oft auch Taubheitsgefühle oder Kribbeln bis in die Fingerspitzen.
Lumbale Radikulopathie
Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann ein Bandscheibenvorfall zu Schmerzen, Taubheitsgefühl in den Beinen und Lähmungen führen.
Ursachen für Radikulopathie
Ursachen für die Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln gibt es viele:
- Bandscheibenvorfall: Bandscheibenvorfälle sind die häufigsten Ursachen für eine Radikulopathie.
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule (Spondylarthrose oder Spondylose): Durch Verschleiß entstehen z. B. knöcherne Anbauten (Osteophyten), die auf Nervenwurzeln drücken können.
- Tumore: Tumore im Wirbelkanal können ebenfalls auf Nervenwurzeln drücken.
- Hämatome: Blutergüsse im Wirbelkanal können so groß werden, dass sie auf Nervenwurzeln drücken.
- Infektionskrankheiten: Nervenwurzeln werden auch direkt durch Infektionskrankheiten bedroht.
Diagnose der Radikulopathie
Zur Diagnose einer Radikulopathie werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Neurologische Untersuchung: Dabei werden Kraft, Sensibilität und Reflexe geprüft, um die Höhe der Nervenwurzelreizung festzustellen.
- Bildgebung: Mithilfe der Bildgebung wird versucht, die Ursache und die genaue Lokalisation für die Nervenreizung zu finden. In der Regel reicht dazu eine MRT oder CT des betroffenen Areals.
- Liquorpunktion: Manchmal führt der Arzt eine Liquorpunktion durch und untersucht die entnommene Hirnflüssigkeit. So lassen sich z. B. Entzündungen oder Infektionen nachweisen.
Behandlung der Radikulopathie
Die Behandlung der Radikulopathie richtet sich nach ihrer Ursache und nach ihrer Lokalisation.
- Konservative Therapie: Zu den konservativen Verfahren gehört die Einnahme von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, z. B. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Bei starken Schmerzen verordnen die Ärzte vorübergehend auch Opioide. Je nach Ursache können physiotherapeutische Behandlungen helfen, z. B. mit Kälte oder Wärme. Krankengymnastik dehnt und stärkt die Muskulatur und lindert dadurch die Schmerzen.
- Interventionelle Schmerztherapie: Manchmal sind die Schmerzen so stark, dass eine konservative Therapie nichts ausrichten kann. Dann empfehlen die Rückenspezialisten die interventionelle Schmerztherapie. Dabei wird z. B. ein Gemisch aus Kortison und Betäubungsmittel an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt. Dies kann vorübergehend Linderung verschaffen.
- Operation: In etwa 20 % der Radikulopathien muss die - meist mechanische - Ursache operativ beseitigt werden. In den meisten Fällen liegt ein Bandscheibenvorfall zugrunde, manchmal auch eine Spinalkanalstenose. Ziel der Operation ist die Dekompression der beengten Nervenwurzel.
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