Nervenbahnen im Oberschenkel-Hüft- und Hodenbereich: Eine anatomische Übersicht und klinische Bedeutung

Die Anatomie des Oberschenkels, der Hüfte und des Hodenbereichs ist komplex und umfasst verschiedene Nervenbahnen, die für sensorische und motorische Funktionen verantwortlich sind. Schädigungen oder Reizungen dieser Nerven können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, die von leichten Missempfindungen bis hin zu starken Schmerzen reichen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Nervenbahnen in diesem Bereich, ihre Funktionen, mögliche Ursachen für Nervenschädigungen und Behandlungsoptionen.

Der Nervus cutaneus femoris lateralis: Ein seitlicher Hautnerv des Oberschenkels

Der Nervus cutaneus femoris lateralis, dessen Name so viel wie "seitlicher Hautnerv des Oberschenkels" bedeutet, ist ein rein sensorischer Nerv, der die Empfindung von Berührung, Schmerz und Temperatur am seitlichen und vorderen Oberschenkel vermittelt.

Ursachen und Risikofaktoren für Schädigungen

Die häufigste Ursache für eine Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis ist eine Einklemmung (Kompression) im Bereich des Leistenbandes, ein Zustand, der als Meralgia paraesthetica bezeichnet wird. Eine ungünstige Anatomie kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Seltenere Ursachen sind Knochenwucherungen, Tumore oder Verletzungen. Auch Diabetes kann zu Nervenschäden führen, betrifft jedoch meist mehrere Nerven gleichzeitig.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis:

  • Enge Hosen ("Jeanskrankheit")
  • Schwangerschaft
  • Übergewicht
  • Fahrradfahren, langes Laufen oder ähnliche körperliche Anstrengung
  • Bettlägerigkeit
  • Diabetische Polyneuropathie
  • Erkrankungen im Bauchraum

Symptome

Patienten mit einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis klagen über Beschwerden an der Vorder- bzw. Außenseite des Oberschenkels. Charakteristisch sind Kribbeln, brennende Schmerzen, Missempfindungen und Taubheit. Meistens ist nur eine Seite betroffen. Die Symptome treten vor allem dann auf, wenn der Druck auf den Nerv steigt, beispielsweise beim Tragen enger Hosen oder in der Schwangerschaft. Bei vielen Patienten verstärken sich die Symptome, wenn sie das Hüftgelenk strecken, also das Bein nach hinten führen. Auch langes Stehen, Gehen oder Liegen mit gestrecktem Bein können die Beschwerden provozieren.

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Diagnose

Die Diagnose einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis wird in der Regel anhand eines Arztgesprächs und einer gezielten Untersuchung gestellt. Taubheit und Schmerzen im betroffenen Hautbereich sind wegweisend. Ein Beklopfen bestimmter Hautbereiche kann Schmerzen hervorrufen (Hoffmann-Tinel-Zeichen). Die Funktion der Muskeln ist nicht beeinträchtigt.

In einigen Fällen können spezielle Untersuchungsmethoden eingesetzt werden, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Ursachen auszuschließen:

  • Spritzen eines Medikaments zur örtlichen Betäubung an der Durchtrittsstelle des Nervs (Eine Schmerzlinderung spricht für eine Meralgia paraesthetica.)
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Neurografie)
  • Ultraschall
  • MRT
  • Spezielle Hirnstrommessung (evozierte Potenziale)

Behandlung

Nicht immer ist eine Behandlung einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis erforderlich, da sich die Beschwerden bei einem Viertel der Betroffenen spontan bessern.

Konservative Behandlungsmethoden umfassen:

  • Physiotherapie zur Linderung der Beschwerden
  • Schmerztherapie bei neuropathischen Schmerzen
  • Injektion eines Lokalanästhetikums oder Kortisons in das Gewebe um den Nerv

Eine Operation wird nur selten in Betracht gezogen, wenn die Beschwerden sehr stark sind oder nicht auf andere Behandlungsversuche ansprechen. Mögliche operative Verfahren sind die Beseitigung aller einengenden Strukturen (Dekompression) und Freilegung des Nervs (Neurolyse) oder die Durchtrennung des Nervs (Neurektomie) mit gezielter Abtragung von Nervengewebe. Letztere Methode gilt als letzter Ausweg, da sie zu einem dauerhaften Verlust des Empfindungsvermögens im betroffenen Hautbereich führt.

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Vorbeugung

Um einer Schädigung des Nervus cutaneus femoris lateralis vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Vermeiden Sie das Tragen enger Hosen.
  • Vermeiden Sie Streckbewegungen im Hüftgelenk.
  • Gegebenenfalls kann eine Gewichtsreduktion hilfreich sein.

Prognose

In 25 % der Fälle klingen die Schmerzen von selbst ab. Die konservative Behandlung ist meistens erfolgreich. Eine Neurektomie führt am ehesten zu dauerhafter Schmerzfreiheit, kann aber auch Komplikationen auslösen. In manchen Fällen bleiben die Schmerzen dauerhaft bestehen.

Leistenschmerzen: Ein vielschichtiges Symptom

Leistenschmerzen (Inguinalschmerzen) sind Schmerzen in der Leistenregion (zwischen Bauch und Oberschenkel), die links-, rechts- oder beidseitig auftreten können. Sie können plötzlich (akut) auftreten oder dauerhaft und manchmal auch wiederkehrend (chronisch) sein. In vielen Fällen treten die Leistenschmerzen im Zusammenhang mit bestimmten Bewegungen auf, etwa beim Gehen, Sitzen oder Laufen. Die Schmerzen können sich in ihrer Art unterscheiden und zum Beispiel stechend, ziehend oder stumpf sein - abhängig von der jeweiligen Ursache.

Ursachen von Leistenschmerzen

Leistenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Häufig stecken dahinter Erkrankungen wie Hernien, Hüftgelenksarthrose, Sportverletzungen oder Über- oder Fehlbelastungen. Bei Frauen können gynäkologische Ursachen wie Eierstockzysten, Endometriose oder Entzündungen im Beckenbereich eine Rolle spielen. Bei Männern sind urologische Ursachen wie Nebenhodenentzündungen oder Leistenhernien typisch. Während der Schwangerschaft lockern Hormone die Bänder im Becken, was zu einer instabileren Beckenregion und dadurch zu Leistenschmerzen führen kann.

Einige spezifische Ursachen für Leistenschmerzen sind:

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  • Muskuläre Probleme: Überlastungen, Zerrungen oder Muskelfaserrisse der Adduktoren (Muskeln an der Innenseite der Oberschenkel)
  • Hüftprobleme: Arthrose, Gelenkentzündungen oder Verletzungen der Gelenklippe (Labrum) in der Hüfte
  • Leistenbruch: Vorwölbung von Gewebe (meist ein Stück Darm) durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in den Leistenkanal
  • Rückenprobleme: Reizung von Nerven, die aus der Lendenwirbelsäule austreten (z. B. durch Bandscheibenprobleme oder Wirbelblockaden)
  • Entzündungen: Entzündungen in Muskeln, Sehnen oder Schleimbeuteln (Bursitis)
  • Urologische Probleme (bei Männern): Nebenhodenentzündungen oder Leistenhernien
  • Gynäkologische Probleme (bei Frauen): Eierstockzysten, Endometriose oder Entzündungen im Beckenbereich
  • Schwangerschaft: Lockerung der Bänder im Becken durch Hormone

Diagnose von Leistenschmerzen

Um Leistenschmerzen festzustellen, erhebt der Arzt zuerst im Gespräch mit dem Patienten die Krankengeschichte (Anamnese). Er fragt zum Beispiel nach der Art, Dauer und Stärke des Schmerzes, Vorerkrankungen und körperlichen Belastungen.

An das Patientengespräch schließt sich die körperliche Untersuchung an. Sie besteht aus der Inspektion (Untersuchung des Körpers auf Schonhaltungen und Fehlstellungen), Palpation (Abtasten von Muskelpartien, Sehnen und Bänder) und Funktionsuntersuchung (Test der körperlichen Beweglichkeit). Auch eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um Nerven-Entzündungen als Ursache der Leistenschmerzen aufzudecken.

Erweiterte Untersuchungen umfassen bildgebende Verfahren wie eine Ultraschall-Diagnostik der Bauch- und Becken-Organe und des Leistenkanals. Manchmal sind auch aufwendigere Verfahren (Röntgen, Computertomografie, Kernspintomografie) notwendig, um die Ursache des Leistenschmerzes zu identifizieren.

Wann sollte man bei Leistenschmerzen zum Arzt gehen?

Es ist wichtig, dass Sie bei akut auftretenden Leistenschmerzen zum Arzt gehen. Vielleicht steckt eine ernste Ursache dahinter, die unbedingt eine Behandlung erfordert. Beispielsweise ist ein eingeklemmter Leistenbruch ein Notfall, der dringend ärztlich zu versorgen und unter Umständen lebensbedrohlich ist. Aber auch bei anhaltenden oder chronisch wiederkehrenden Leistenschmerzen ist es notwendig, sie ärztlich abklären und gegebenenfalls behandeln zu lassen.

Behandlung von Leistenschmerzen

Die Behandlung von Leistenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Akute Beschwerden werden oft zunächst durch medikamentöse Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen oder Diclofenac) behandelt, die gleichzeitig entzündungshemmend wirken. Ergänzend können Kälteanwendungen in den ersten Tagen helfen, Schwellungen zu reduzieren. Ein zentraler Bestandteil der medizinischen Behandlung ist häufig die Physiotherapie.

Spezifische Behandlungen für verschiedene Ursachen von Leistenschmerzen sind:

  • Muskelverletzungen: Schonung, Kühlen, Kompression, Physiotherapie
  • Hüftprobleme: Gelenkerhaltende Eingriffe, Injektionen (z. B. Hyaluronsäure), Physiotherapie, Schmerzmittel
  • Leistenbruch: Operative Behandlung
  • Nervenprobleme: Schmerzmittel, Physiotherapie, Injektionen, operative Dekompression
  • Entzündungen: Entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie
  • Gynäkologische/urologische Probleme: Behandlung der Grunderkrankung

Vorbeugung von Leistenschmerzen

Je nach Ursache gibt es Übungen, die vorbeugend gegen Leistenschmerzen anwendbar sind. Am besten lassen Sie sich von einem Experten wie zum Beispiel einem Physiotherapeuten (Krankengymnasten) passende Übungen zeigen. Beispiele für vorbeugende Übungen bei Leistenschmerzen sind:

  • Breite Kniebeuge
  • Seitlicher Ausfallschritt
  • Diagonaler Ausfallschritt
  • Dehnen (z.B. Prinzenstand)

Weitere vorbeugende Maßnahmen sind:

  • Ernährung und Körpergewicht: Übergewicht vermeiden
  • Stabile Gelenke: Gelenke schonen, gutes Schuhwerk tragen, Fehlstellungen korrigieren, Gelenke nicht übermäßig strapazieren beim Sport, richtige Hebetechnik verwenden

Die Leiste als Verbindungsstelle: Anatomie und Funktion

Die Leiste nimmt mit ihrer anatomischen Lage eine Zwischenposition ein. Somit zählt sie zum unteren Teil der Bauchwand und verbindet beidseitig jeweils das Becken mit dem Oberschenkel. Dadurch, dass in der Leistengegend (Regio inguinalis) weitere anatomische Strukturen zusammenlaufen, übernimmt sie selbst auch die Funktion des aktiven Verbindens. Der Inhalt der gesamten Bauchhöhle - hierzu zählen Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz, Darm und Magen - wird von der Leiste gestützt.

Aufgrund der Verbindung zu den anderen Körperbereichen und Gewebestrukturen können Schmerzen in umliegende Bereiche ausstrahlen. Häufig ist der Auslöser der Schmerzen in der Leistenregion das verspannte Muskel- und Fasziengewebe, das alle anatomischen Strukturen des Körpers durchzieht. Schuld daran ist in vielen Fällen zu wenig Bewegung oder monotone Bewegung.

Leistenschmerzen und ihre vielfältigen Ausprägungen

Leistenschmerzen können sich ganz unterschiedlich äußern. Ob stechend, ziehend oder dumpf - angenehm sind die Schmerzen natürlich alle nicht. So könnten beim Rückführen und seitlichen Heben eines Beines deutliche Beschwerden auftreten, die in Phasen der Ruhe nicht spürbar seien. Leistenschmerzen, die auch nachts auftreten und eine lange Schmerzentwicklung aufweisen, könnten Hinweise auf Entzündungen der Schambeinfuge oder Hüfte geben.

Entsprechend können auch muskulär-fasziale Überspannungen in den Oberschenkeln, im Becken, Rücken oder in der Hüfte zu Beschwerden in den Leisten führen. Die meisten Schmerzzustände entstehen wegen Muskeln, die überspannt sind und Strukturen wie Knochen, Knorpel und Sehnen auf diese Weise schädigen.

Weil die Leiste aus so vielen Strukturen besteht und mit so vielen verbunden ist, können sich die Beschwerden auch ganz verschieden äußern. Je nachdem, welche muskulär-faszialen Bereiche des Körpers betroffen sind, beeinträchtigen die Schmerzen auch unterschiedlich stark. Ihre Art und Intensität helfen zumeist bei der Diagnose des überlasteten Bereichs. Sie geben einen Hinweis darauf, wo die Strukturen überbeansprucht und Spannungen abgebaut werden müssen.

Spezifische Schmerzzustände in der Leistenregion

  • Sportlerleiste: Becken-, Rumpf-, Bauch-, aber auch die Oberschenkelmuskulatur spielen hier eine wichtige Rolle und stehen nicht nur bei Bewegung in wechselseitiger Beziehung zueinander. Unser moderner Alltag und die schlechte Haltung am Schreibtisch mit viel zu langen Sitzphasen lassen unsere Muskeln und Faszien verspannen und verkleben.
  • Leistenzerrung: Vor allem bei Sportlern weit verbreitet und auf Überbelastungen einzelner Muskelpartien und Sehnen, meistens der Adduktoren, zurückzuführen. Stark betroffen sind Läufer (Hürden- und Langstrecken-Lauf), Fußballer und Eishockey-Spieler.
  • Hernien (Eingeweidebrüche): Dabei durchbrechen diese den Leistenkanal und werden eingeklemmt. In Deutschland treten jährlich etwa 200.000 Neu-Erkrankungen auf. 80 Prozent davon sind Leistenhernien, von denen Männer sehr viel häufiger betroffen sind als Frauen. Frauen erleiden eher Schenkelbrüche.
  • Schenkelbruch: Da der weibliche Leistenkanal enger ist, kommt es zu einem Schenkelbruch knapp unterhalb des Leistenkanals am Oberschenkel. Aufgrund der Enge des Leistenkanals ist eine Einklemmung der Organe hier meistens schmerzhafter als beim Leistenbruch.
  • Hodenverdrehung (Hodentorsion): Eine Fehlstellung des männlichen Genitals. Denn dabei verdrehen sich der Samenstrang und die Blutgefäße, sodass die Hoden nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Eine Hodentorsion ist eine zeitabhängige Diagnose, ein urologischer Notfall und muss frühzeitig erkannt werden.
  • Hüftgelenksentzündung oder eine Gelenkkapselentzündung im Hüftknochen: Schmerzen, die zunächst in der Leiste auftreten, sich anschließend aber auch im Gesäß oder vermehrt in der Hüftregion bemerkbar machen.
  • Hüftarthrose: Morgendliche Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen sowie generelle Beschwerden, die nach kurzen Ruhephasen auftreten, sind laut Medizin typische Anzeichen von Knorpelschäden im Hüftgelenk. Die Schmerzen, die vor allem in die Leiste, ins Bein oder Gesäß ausstrahlen, teilweise sogar bis ins Knie spürbar sind, schränken die Betroffenen erheblich ein.
  • Impingement: Bewegungen in der Hüfte sind dann sehr eingeschränkt möglich. Besonders häufig ist ein Impingement bei Profisportlern.
  • Absterben des Hüftkopfes: Folge eines starken Gelenkverschleißes oder einer minderen Durchblutung des Hüftgelenks.
  • Komprimierte Nerven: Das dicke Nervengeflecht, das in der Leistenregion verläuft, trägt neben den Drüsen, Schleimbeuteln und anderem Weichteilgewebe dazu bei, dass die Leiste äußerst sensibel auf Veränderungen reagiert. Vorhandene Schmerzen strahlen oftmals in den Oberschenkel oder die Hüfte aus.
  • Sehnenentzündung in der Leiste: Ursache für diese Nervenreizung ist mitunter eine Sehnenentzündung in der Leiste.
  • Überspannungen im Bereich der Wirbelsäule: Können bestimmte Nervenbahnen, beispielsweise den Ischiasnerv in der Lendenwirbelsäule, so stark einengen, dass die Signalübertragung beeinträchtigt ist.
  • Entzündungen: Die folgenden Entzündungen äußern sich vor allem durch Schmerzen in der Leiste, manchmal auch durch angeschwollene Lymphknoten. Betroffene können Beschwerden jedoch auch als Oberschenkelschmerzen wahrnehmen.
  • Schambeinentzündung: Kann eine schmerzhafte Angelegenheit sein. Betroffen sind, entgegen der weitverbreiteten Meinung, nicht nur Hochleistungssportler, sondern auch Menschen, die nur sehr wenig bis überhaupt keinen Sport treiben.
  • Erkrankungen des Intestinaltrakts: Etwa Harn- und Nierensteine, können sich ungünstig auf die Leiste auswirken. Schmerzen treten dann oftmals akut auf und strahlen in die Leiste aus. Hinzu kommen mitunter Schwellungen oder Verfärbungen im Leistenbereich. Auch der Hoden kann sich dahingehend verändern.
  • Fuß-Fehlstellungen und Haltungsschäden: Können zu einer Überbelastung der Muskeln, Sehnen und Bänder im Beckenbereich führen. Auslöser für die Schäden sind meistens Körperfehlhaltungen im Alltag. Sie wirken sich oft auf die Wirbelsäule aus.

Behandlung von Leistenschmerzen: Ein ganzheitlicher Ansatz

Die Einnahme von Schmerzmitteln stellt oft keine langfristige Lösung dar. Sollte eine konventionelle Therapie (wie Physiotherapie) nicht anschlagen und ein operatives Verfahren empfohlen werden, bedenke, dass das nur der letzte Ausweg sein sollte. Schmerzen haben eine Funktion.

Aufgrund der Lage und der wechselseitigen Beziehung zwischen den einzelnen anatomischen Strukturen rund um das Becken, den Bauch und die Oberschenkel sind die Schmerzen oftmals nicht spezifisch auf einen Bereich begrenzt. Vor allem die starke Belastung der Hüftbeuger und -strecker hat unmittelbare Auswirkungen auf die Hüfte, aber auch auf die Leiste. Wegen der starken Belastung der Adduktoren bei vielen Sportarten wird oftmals nur diese Muskulatur gedehnt.

Der Leistenbruch: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die bekannteste Ursache für Leistenschmerzen dürfte der Leistenbruch (Leistenhernie oder Hernia inguinalis) sein, der aufgrund eines hohen Drucks entsteht, beispielsweise durch schweres Heben oder starken Husten. Die Leiste ist eine Schwachstelle unseres Körpers, da sie bei starkem Druck „brechen“ kann. Dabei ist der Leistenbruch nicht wie ein Knochenbruch zu verstehen, vielmehr handelt es sich um eine Lücke in der Bauchwand im Leistenkanalbereich (Bruchpforte). In der Folge kann das Bauchfell (kleidet die Bauchhöhle aus) durch die Lücke dringen und eine Art Sack (Bruchsack) beziehungsweise Ausstülpung bilden.

Beim Leistenbruch wird zwischen direktem und indirektem Bruch unterschieden. Die direkte (mediale) Leistenhernie zeichnet sich dadurch aus, dass der Bruchsack die Bauchdecke auf direktem Weg durchdringt. Diese Form ist immer erworben, das heißt, sie entsteht aufgrund bestimmter Faktoren: Beispielsweise kann eine Bindegewebsschwäche, bedingt durch ein höheres Alter oder eine genetische Veranlagung, zu einem Bruch der Leiste führen. Weitere Faktoren, die den Druck im Bauchraum möglicherweise erhöhen, sind unter anderem eine Schwangerschaft, Übergewicht oder chronische Verstopfung.

Der indirekte (laterale) Leistenbruch kann sowohl erworben als auch angeboren sein - letzteres entsteht, wenn sich in der Entwicklung des Embryos die Bauchwand nicht vollständig verschließt. Beim indirekten Leistenbruch verläuft der Bruchsack durch den inneren Leistenring.

90 Prozent aller Leistenbrüche kommen beim männlichen Geschlecht vor. Der Grund liegt in der Anatomie: Bei männlichen Babys treten die Hoden durch eine Öffnung im Leistenkanal aus dem Bauch. Verschließt sich die Bauchwand danach nicht vollständig, können die Kinder einen angeborenen Leistenbruch haben. Ein solcher wird immer operativ verschlossen, da er sich nicht zurückbildet. Doch selbst, wenn die Öffnung beim männlichen Embryo wieder normal verwächst, sind im späteren Leben Brüche leichter möglich. Vor allem ältere Männer erleiden häufiger einen Leistenbruch als Frauen.

Kommt es zum Leistenbruch, ist es möglich, dass sich unterhalb der Leiste Teile der Eingeweide hervorwölben. „Herausfallen“ können die Bauchorgane aber nicht, da sie weiterhin vom Bauchfell eingeschlossen sind. Von außen ist die Wölbung in der Regel ertastbar oder beim Pressen auch sichtbar. Diese Ausstülpung sieht aus wie ein Sack - Fachleute sprechen daher auch vom sogenannten Bruchsack.

Schmerzt es in der Leiste bei starker Belastung, liegt das möglicherweise an einer Leistenschwäche beziehungsweise einer weichen Leiste. Man spricht auch von der Sportlerleiste, da häufig Fußballer und Rugbyspieler betroffen sind. Durch gezieltes Training zum Beispiel im Rahmen einer Physiotherapie können Betroffene die Muskeln in Becken und Leiste stärken. Sind die Schmerzen in der Leiste sehr schlimm, raten viele Ärzte zu einer Operation, bei der die Bauchdecke zum Beispiel mithilfe von Netzen aus Kunststoff stabilisiert wird.

Oft ist der Leistenbruch nicht mit Schmerzen verbunden. Erkennbar ist er nur an einer Vorwölbung in der Leiste. Ist ein Leistenbruch sehr schmerzhaft, handelt es sich um ein Alarmzeichen. Denn es besteht durchaus das Risiko, dass im Bruch Blutgefäße oder Nerven eingeklemmt sind. In der Folge werden die Organe im Bruchsack unzureichend mit Blut sowie Nährstoffen versorgt.

Die Diagnose eines Leistenbruchs kann der Hausarzt meist schon durch einen Blick und das Ertasten der Wölbung im Leistenbereich stellen. Bei unklarer Diagnose lässt sich der Verdacht mittels Ultraschalluntersuchung klären.

Liegt ein Leistenbruch vor, ist in der Regel die Operation das Mittel der Wahl, da der Bruch sich nicht von alleine zurückbildet. Die Operationsmethode nach Shouldice eignet sich besonders für kleine Bruchpforten in der Leiste. Dabei wird 5 bis 8 Zentimeter oberhalb des Leistenbandes (unterer Abschluss der Bauchdecke) ein Schnitt gemacht. Anschließend verschiebt der Chirurg die Organe an die ursprüngliche Position, entfernt den Bruchsack und verschließt mit einer Naht das Bauchfell. Der Nachteil dieser Methode: Die Bauchmuskulatur sollte bis zu drei Monate nicht überanstrengt werden.

Eine andere Methode ist die Operation nach Lichtenstein, die vor allem bei großen Leistenbrüchen oder einem Wiederholungsbruch zur Anwendung kommt. Hierbei geht der Operateur ähnlich vor wie bei der Shouldice-OP, allerdings verwendet er für das Verschließen des Leistenbruchs ein Kunststoffnetz. Dieses wird mit der Bauchmuskulatur und dem Leistenband vernäht.

Darüber hinaus gibt es noch die TAPP-Methode (Transabdominelle Präperitoneale Patchplastik), bei der die Schwachstelle mit einem Netz von innen verstärkt wird. Die Anbringung des Netzes erfolgt minimal-invasiv (Schlüssellochchirurgie). Das heißt, der Chirurg verzichtet auf große Schnitte und führt die Instrumente stattdessen über mehrere kleine Schnitte ein.

Dermatome: Die segmentale Innervation der Haut

Ein Dermatom beschreibt ein Hautareal, welches sensibel von einem Segment des Rückenmarks und dem dazugehörigen Spinalnerven innerviert und damit autonom versorgt wird. Das bedeutet, dass die Sinnesrezeptoren der Haut in diesem Abschnitt mit ihren Afferenzen zu jeweils einem Rückenmarkssegment ziehen. Dazu zählen zum Beispiel die Empfindungen für Schmerz, Temperatur, Vibration oder Druck. Die Dermatome sind streifenförmig entlang des Körpers angeordnet und entsprechen ihren dazugehörigen Rückenmarkssegmenten. Dementsprechend existieren von oben nach unten acht zervikale, zwölf thorakale, fünf lumbale und fünf sakrale Dermatome.

Analoga für Dermatome sind die Myotome (Muskeln, die von einem Rückenmarkssegment innerviert werden) und Sklerotome (Knochen, die mit dem zugehörigen Periost von einem Segment versorgt werden).

Klinische Erkrankungen, die das System der Dermatome nutzen sind beispielsweise die Gürtelrose (Herpes zoster) oder der Bandscheibenvorfall.

Ischiasnerv: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins. Dann verläuft er über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Mögliche Ursachen können ein Bandscheibenvorfall, Verletzungen eines Wirbelkörpers oder Entzündungen sein.

Der Ischiasnerv tritt aus mehreren Segmenten der Wirbelsäule aus. Der etwa fingerdicke Ischiasnerv hat mehrere Nervenwurzeln. Er tritt aus den unteren beiden Lendenwirbelsegmenten (L4/5) und den oberen drei Kreuzbeinsegmenten (S1-3) aus und ist Teil des Kreuzbeingeflechts (Plexus sacralis). Er verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels (M. gluteus maximus) bis zur hinteren Seite des Oberschenkels.

Für die Einschätzung der Symptome ist es wichtig zu verstehen, dass der Ischiasnerv motorische und sensible Fasern hat. Die motorischen Anteile versorgen die Oberschenkelbeuger und die Unterschenkel- und Fußmuskulatur. Daher kann es bei einer Einklemmung des Ischiasnervs in diesen Bereichen zu Kraftverlust und Lähmungserscheinungen kommen. Die sensiblen Fasern versorgen das Hüftgelenk und die Haut an Unterschenkeln und Füßen, außer auf der Innenseite.

Die typischen Schmerzen, die bei einer Reizung des Ischiasnervs auftreten, bezeichnet man auch als neuropathische Schmerzen. Das bedeutet, dass die Schmerzen vom Nerv selbst ausgehen und nicht von der Region, in der sie auftreten. Die Schmerzen betreffen den unteren Rücken und können in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Beines ist häufig eingeschränkt und die Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, bei der das Bein leicht angewinkelt und nach außen gedreht ist.

Seltene Symptome im Zusammenhang mit einem eingeklemmten Ischiasnerv sind Probleme mit der Entleerung von Blase und Darm. Diese treten in besonders schweren Fällen auf, wenn die Nervenwurzeln der sogenannten Cauda equina betroffen sind (Cauda-equina-Syndrom). Das sind die Nervenwurzeln, die unterhalb des im Bereich des ersten bis zweiten Lendenwirbels endenden Rückenmarks aus dem Wirbelkanal austreten.

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