Nervenentzündung im Gesicht: Ursachen, Symptome und Behandlung von Gesichtsschmerzen und Taubheit

Gesichtsschmerzen und Taubheitsgefühle im Gesicht können vielfältige Ursachen haben. Oftmals steckt eine Entzündung eines Gesichtsnervs dahinter. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenentzündungen im Gesicht, insbesondere die Trigeminusneuralgie und die Fazialisparese.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist eine Form von Gesichtsschmerz, die durch Schäden am Trigeminusnerv, auch bekannt als Drillingsnerv, verursacht wird. Dieser Nerv besteht aus drei Ästen, die die Stirnpartie und die Gesichtsbereiche um den Unter- und Oberkiefer versorgen. Er ist für die Wahrnehmung von Gefühlen im Gesicht sowie für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen an das Gehirn zuständig. Außerdem ist er an Bewegungen wie dem Kauen beteiligt.

Symptome der Trigeminusneuralgie

Typisch für die Trigeminusneuralgie sind sehr starke, blitzartig einschießende Schmerzen, die sich elektrisierend und stechend anfühlen können. Diese Schmerzattacken dauern nur wenige Sekunden, in Ausnahmefällen auch etwas länger. Oft werden die Attacken durch leichte Berührungen oder alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen ausgelöst. Nach einem Anfall ist die Haut der betroffenen Gesichtshälfte oft gerötet und fühlt sich warm an. Die Schmerzattacken wechseln sich in der Regel mit Phasen ohne Beschwerden ab. Zwischen den einzelnen Schmerzphasen können Wochen bis Monate vergehen. Im Verlauf der Erkrankung werden die Abstände meist kürzer und die Beschwerden stärker. Bei Menschen, die aufgrund einer Erkrankung wie multiple Sklerose mit einer Trigeminusneuralgie kämpfen, können die Schmerzen dauerhaft auftreten.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Die meisten Menschen bekommen eine Trigeminusneuralgie, weil ein Blutgefäß auf den Trigeminusnerv drückt. Der Druck beeinträchtigt den Nerv derart, dass er Reize nicht wie gewohnt weiterleiten kann. Ärztinnen und Ärzte sprechen hier von einer klassischen oder primären Trigeminusneuralgie. Selten sind andere Erkrankungen wie multiple Sklerose oder ein Hirntumor möglicher Grund für die Nervenschmerzen. Auch Kopfverletzungen können den Trigeminusnerv beeinträchtigen. Man bezeichnet diese Form als symptomatische oder sekundäre Trigeminusneuralgie.

Auslöser von Schmerzattacken

Die Schmerzattacken treten zunächst spontan auf - also ohne einen erkennbaren Auslöser. Mit der Zeit werden sie durch bestimmte äußere Reize ausgelöst. Solche Auslöser heißen in der Fachsprache Trigger. Zu den typischen Reizen, die den Trigeminusnerv triggern, zählen etwa:

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  • Leichte Berührungen der Gesichtshaut
  • Kalter Luftzug
  • Kauen
  • Zähneputzen

Seelischer Stress kann Schmerzattacken begünstigen. Es kann dann sinnvoll sein, gezielt Entspannungstechniken anzuwenden oder andere Maßnahmen zu ergreifen, um Stress abzubauen.

Behandlung der Trigeminusneuralgie

Die Behandlung einer Trigeminusneuralgie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Ist eine Erkrankung der Grund für die Nervenschmerzen, muss diese zunächst behandelt werden. Treten die Nervenschmerzen unabhängig von einer anderen Erkrankung auf, kommen die folgenden Therapiemöglichkeiten infrage:

  • Medikamente: In der Regel verschreibt die Ärztin oder der Arzt Antikonvulsiva wie Carbamazepin und Oxcarbazepin. Das sind Medikamente, die zum Beispiel bei Epilepsie Anwendung finden. Sie dienen dazu, die Erregbarkeit von Nerven zu verringern und so Schmerzattacken vorzubeugen.
  • Eingriff oder Strahlentherapie: Genügen Medikamente nicht, um die Beschwerden ausreichend zu lindern, können Sie gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt eine Operation oder eine Bestrahlung erwägen. Mit der mikrovaskulären Dekompression lässt sich zum Beispiel der Druck durch ein Blutgefäß lösen. Eine Bestrahlung soll verhindern, dass der Nerv Schmerzsignale weiterleitet. Diese Eingriffe bergen das Risiko für Folgen wie verminderte Empfindlichkeit oder unangenehme Missempfindungen. Lassen Sie sich über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode aufklären und wägen Sie mit dem Arzt oder der Ärztin den Nutzen gegenüber den Risiken ab.
  • Psychotherapie: Ist der Leidensdruck sehr hoch, können sich Ängste und Depressionen entwickeln. Eine Verhaltenstherapie hilft dabei, besser mit den Schmerzen und der seelischen Belastung umgehen zu lernen.
  • Multimodale Schmerztherapie: Das ist eine Form der strukturierten Behandlung, bei denen Fachleute aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie und Psychologie zusammenarbeiten. Solch eine Therapie kommt vor allem bei chronischen Schmerzen zum Einsatz. Erste Studien zeigen, dass sie auch bei Menschen mit Trigeminusneuralgie nützlich sein kann.

Häufigkeit der Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene Erkrankung. Pro Jahr betrifft es 4 bis 42 von 100.000 Menschen - Frauen etwas häufiger als Männer.

Fazialisparese: Wenn das Gesicht gelähmt ist

Ein Mundwinkel hängt, ein Auge schließt nicht: Das sind typische Symptome für Fazialisparese. Schwillt der Nervus facialis an - etwa durch eine Infektion mit Bakterien oder Viren - kann es schnell zu einer Schädigung des Nervs und Funktionsstörungen kommen, die sich dann im Gesicht in Form einer Gesichtslähmung spiegeln. Der medizinische Begriff für diese Gesichtslähmung ist Fazialisparese. Der Nervus facialis ist eigentlich ein Nervenpaar - je ein Strang für die linke und rechte Hälfte des Gesichts. Wie die Äste eines Baums verzweigen sich die Arme des Nervs dann jeweils auf einer Gesichtshälfte.

Ursachen der Fazialisparese

Die Fazialislähmung kann zum Beispiel auch durch Krankheiten, Infektionen oder Verletzungen hervorgerufen werden. Die Namen beziehen sich auf die Lage des auslösenden Problems. Peripher bedeutet "am Rand gelegen" und meint in diesem Zusammenhang den Gesichtsnerv, der vom Gehirn bis ins Gesicht führt. Die periphere Fazialisparese ist mit rund 60 Prozent der Fälle die häufigere Form. Ursache für die Schädigung des Gesichtsnervs oder einen Teil des Nervs kann dabei ein Unfall oder eine Schwellung aufgrund einer Infektion mit Bakterien oder Viren sein. Auch am Gesichtsnerv liegende Tumore oder eine Mittelohrentzündung können periphere Fazialisparesen auslösen.

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Die Faszialislähmung tritt meist im mittleren Lebensalter auf. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung der Gesichtslähmung ist Diabetes: Schlecht eingestellte Zuckerwerte schädigen generell die Nerven und können auch den Gesichtsnerv betreffen. Ein höheres Risiko für eine Fazialisparese haben auch Schwangere, wobei hier die Ursache unbekannt ist. Letztlich können auch psychische Faktoren wie extremer Stress oder banale Umgebungsfaktoren - wie Zugluft im Gesicht - eine Entzündung des Nervus facialis auslösen: Gesichtslähmungen treten statistisch häufiger nach Wetterumschwüngen auf.

Symptome der Fazialisparese

Die Beschwerden treten in der Regel innerhalb von wenigen Stunden auf und erreichen nach ein bis zwei Tagen ihren Höhepunkt. Die Muskeln im Gesicht erschlaffen, die Augenbrauen sinken ab, die Haut kribbelt, kommt einem wie taub vor, das Gesicht fühlt sich steif an. Bei vielen Betroffenen schmerzt das Ohr und auch der Geschmackssinn ist gestört. In schweren Fällen ist es den Betroffenen nicht mehr möglich, das Augenlid zu schließen oder den Mundwinkel zu bewegen. Das führt zu weiteren Beschwerden: Der Mund ist ständig trocken, ebenso die Augen. Zusätzlich reagieren die Betroffenen empfindlicher auf Geräusche. Auch das Sprechen und die Fähigkeit, über Mimik ihre Gefühle auszudrücken, leiden bei einer Gesichtslähmung. Das verursacht zusätzlich psychische Belastungen.

Diagnose der Fazialisparese

Die Diagnose der Fazialisparese ist vor allem Ursachenforschung. Mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) untersucht der Arzt oder die Ärztin, ob der Auslöser im Gehirn liegt. Im nächsten Schritt wird Blut abgenommen oder eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt. Auch eine Mittelohrentzündung kann den Nervus facialis in Mitleidenschaft ziehen, daher kann für die Diagnose eine Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Neurologen sehr hilfreich sein. In vielen Fällen ist aber keine direkte Ursache der Fazialisparese bekannt.

Behandlung der Fazialisparese

Dann wird meist für einen Zeitraum von 14 Tagen mit Kortison behandelt, das generell Entzündungen im Körper bekämpft. Mittels Infusionen verabreichen Arzt oder Ärztin auch manchmal durchblutungsfördernde Medikamente. Bei Vitamin-B12-Mangel wird mit Präparaten aus dem Vitamin-B-Komplex behandelt. Hierbei werden insbesondere Vitamin B12 aber auch Vitamin B6 und B1 eingesetzt. Da bei den meisten Patienten und Patientinnen mit peripherer Fazialisparese eine Schädigung der Lidschluss-Funktion besteht, muss das Auge besonders gepflegt werden, damit sich die Hornhaut nicht entzündet. Das geschieht mit künstlicher Tränenflüssigkeit und Augensalbe. Nachts tragen Patienten einen sogenannten Uhrglasverband (eine Art durchsichtige Augenklappe im Pflasterformat), um vor Austrocknung zu schützen. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen verschwinden die Symptome einer Gesichtslähmung nach wenigen Wochen wieder vollständig. In manchen Fällen bleiben Restsymptome durch die Schädigung. Dazu gehören unwillkürliche Zuckungen der mimischen Muskulatur oder unbeabsichtigte Mitbewegungen der Mimik - zum Beispiel wenn der Mund gespitzt wird, schließt sich auch das Augenlid. Solche Synkinesien kann man mit Botulinum-Toxin behandeln, das in die entsprechende Muskulatur gespritzt wird, um die unwillkürlichen Bewegungen zu verhindern.

In wenigen Fällen hat eine Fazialisparese Langzeitfolgen. Ist die Gesichtslähmung chronisch (dauerhafte Schädigung der Nerven) und beispielsweise der Lidschluss des Auges eines Patienten gestört, gibt es die Möglichkeit der Therapie mit rekonstruktiver, plastischer Operation. Ein offenstehendes Unterlid kann beispielsweise mit einer besonderen Operationstechnik (Canthoplastik) behandelt werden. Eine entsprechende OP am Oberlid, bei der das Sichtfeld korrigiert wird, heißt Blepharoplastik.

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Weitere Ursachen für Gesichtsschmerzen

Neben der Trigeminusneuralgie und der Fazialisparese gibt es noch weitere Ursachen für Gesichtsschmerzen:

  • Zahnerkrankungen: Karies, Zahnabszesse oder entzündete Weisheitszähne können Schmerzen verursachen, die ins Gesicht ausstrahlen.
  • Sinusitis: Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen kann zu Druck und Schmerzen im Gesichtsbereich führen.
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Funktionsstörungen des Kiefergelenks oder der Kaumuskulatur können Gesichtsschmerzen verursachen.
  • Clusterkopfschmerzen: Diese seltenen, aber extrem schmerzhaften Kopfschmerzen betreffen meist eine Gesichtshälfte.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Kopfbereich Gesichtsschmerzen verursachen.
  • Verletzungen: Knochenbrüche, Schnitte oder Prellungen im Gesicht können Schmerzen verursachen und Nerven schädigen.
  • Atypischer Gesichtsschmerz: Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Ursache ist oft unbekannt.

Diagnostik von Gesichtsschmerzen

Um die genaue Ursache von Gesichtsschmerzen festzustellen, sind präzise diagnostische Methoden unerlässlich. Dazu gehören:

  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über Art, Dauer, Häufigkeit und Lokalisation der Schmerzen.
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung des Empfindungsvermögens im Gesicht, der Muskulatur und des Kiefergelenks.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, CT oder MRT können helfen, die Ursache der Schmerzen zu erkennen.
  • Neurologische Untersuchung: Untersuchung der Nervenfunktionen.
  • Zahnärztliche Untersuchung: Untersuchung der Zähne und des Zahnfleisches.
  • HNO-ärztliche Untersuchung: Untersuchung der Nasennebenhöhlen und des Ohrs.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Sie unter anhaltenden oder starken Gesichtsschmerzen leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn die Schmerzen plötzlich auftreten, von Taubheitsgefühlen begleitet sind oder sich durch bestimmte Aktivitäten verstärken.

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