Wadenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Sie können in Ruhephasen, ein- oder beidseitig, beim Sport oder danach auftreten. Eine Nervenentzündung in der Wade, oft begleitet von Knotenbildung, kann eine besonders schmerzhafte und einschränkende Ursache sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Nervenentzündung in der Wade, einschließlich der Ursachen, der Rolle von Knotenbildungen (Neuromen) und der verfügbaren Behandlungsoptionen.
Die Anatomie der Wade verstehen
Um die Ursachen und Auswirkungen einer Nervenentzündung in der Wade zu verstehen, ist es wichtig, sich mit der Anatomie dieses Bereichs vertraut zu machen. Die Wade, lateinisch "Regio suralis", ist der rückwärtige, gewölbte Teil des Unterschenkels. Sie erstreckt sich vom Knie bis zum Fußknöchel und besteht hauptsächlich aus Muskeln, insbesondere den Wadenmuskeln (Musculus gastrocnemius) und dem Schollenmuskel (Musculus soleus).
Die Wadenmuskulatur ermöglicht die Bewegung des Fußes, insbesondere die Plantarflexion (Streckung des Fußes). Sie spielt auch eine wichtige Rolle bei der aufrechten Körperhaltung und unterstützt den Blutfluss durch die sogenannte Wadenpumpe, die den Rückfluss des Blutes zum Herzen fördert.
Die Innervation der Wade erfolgt hauptsächlich über den Nervus tibialis, der aus dem Ischiasnerv entspringt und sich in weitere Äste aufteilt, die verschiedene Muskeln und Bereiche der Wade versorgen.
Periphere Nerven und ihre Bedeutung
Periphere Nerven sind die Nerven außerhalb des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Sie umfassen sensible Nerven, die Gefühle vermitteln, motorische Nerven, die Bewegungen auslösen, und gemischte Nerven, die beide Funktionen haben. Die sensiblen Nerven sind für Empfindungen wie Druck, Temperatur, Bewegung und Schmerz in Händen und Füßen verantwortlich. Sie regulieren auch die Gewebebeschaffenheit, Temperatur, Schweißbildung und Durchblutung.
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Ursachen von Nervenentzündungen in der Wade
Eine Nervenentzündung in der Wade kann verschiedene Ursachen haben, die oft mit Druck oder Schädigung der peripheren Nerven zusammenhängen.
Kompressionssyndrome
Kompressionssyndrome treten auf, wenn Nerven an anatomisch bedingten Engstellen eingeengt werden, wo sie keine Ausweichmöglichkeiten haben. Dies kann durch knöcherne Strukturen oder straffe Bänder und Kapseln verursacht werden. Beispiele hierfür sind das Tarsaltunnelsyndrom und das Engpasssyndrom des Nervus peronaeus.
Andere Ursachen für Nervenkompression können sein:
- Narben: Narbengewebe kann Druck auf Nerven ausüben.
- Schwellungen: Schwellungen in der Umgebung von Sehnen oder Gelenken können Nerven einengen.
- Ganglien: Ganglien sind Zysten, die in der Nähe von Gelenken oder Sehnen auftreten und Druck auf Nerven ausüben können.
- Nerventumore: Obwohl selten, können Nerventumore wie Schwannome oder Neurofibrome Nerven komprimieren und Schmerzen verursachen.
Neuropathie
Eine Neuropathie ist eine Nervenschädigung, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann. Häufige Ursachen sind:
- Diabetes mellitus: Diabetes kann zu einer diabetischen Neuropathie führen, die mehrere Nerven betrifft (Polyneuropathie).
- Hormonstörungen: Insbesondere Schilddrüsenerkrankungen können Neuropathien verursachen.
- Vitaminmangel: Mangel an bestimmten Vitaminen kann Nervenschäden verursachen.
- Alkoholismus: Chronischer Alkoholkonsum kann zu einer alkoholischen Neuropathie führen.
- Schwermetallvergiftungen: Die Exposition gegenüber Schwermetallen kann Nerven schädigen.
- Infektionen: Lepra kann Neuropathien verursachen.
- Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika können Nervenschäden verursachen.
- Langzeitbeatmung: In seltenen Fällen kann Langzeitbeatmung zu Neuropathien führen.
- Idiopathische Neuropathie: In vielen Fällen bleibt die Ursache der Neuropathie unbekannt.
Weitere mögliche Ursachen
- Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenose: Können zu Wadenschmerzen führen, die vom Rücken ausstrahlen.
- Fehlhaltungen: Wie Hohlkreuz können zu hohen Spannungen in den Muskeln der Körperrückseite, vornehmlich in den Beinen, führen.
- O-Beine und Hohlfüße: Bein-Fuß-Fehlstellungen, die beidseitige Wadenschmerzen auslösen können.
- Piriformis-Syndrom: Ein verspannter Muskel in der Hüfte kann den Ischiasnerv einquetschen und Schmerzen im Oberschenkel, Rücken und Bein verursachen.
- Neurogene Verhärtung: Muskelverhärtung, deren Ursache in der Wirbelsäule liegt.
Knotenbildung (Neurome)
Nerven, die beispielsweise nach einer Durchtrennung nicht vollständig regenerieren können, neigen dazu, an ihrem körpernahen Ende Knoten bzw. Narben auszubilden, sogenannte Neurome. Diese Knoten enthalten frustran ausgesprosste Nervenenden, die erhebliche Schmerzen bei Berührung auslösen können, wie beispielsweise Phantomschmerzen nach Amputationen.
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Die Neurome können in der Regel nicht einfach entfernt werden, da die Gefahr einer erneuten Bildung besteht. Wenn eine saubere End-zu-End-Naht des verletzten Nervs nicht möglich ist, kann eine Nerventransplantation oder die Versenkung des schmerzhaften Nervenastes in die Tiefe der umliegenden Muskulatur in Betracht gezogen werden.
Ähnlich ist die Vorgehensweise bei Nerventumoren wie Schwannomen (Neurinomen) oder Neurofibromen, die spontan im peripheren Nervensystem entstehen können. Diese Tumore verursachen oft intensive, messerstichartige Schmerzen. Schwannome treten bevorzugt an den Beugeseiten der Extremitäten sowie an Kopf und Hals auf und manifestieren sich zunächst als schmerzlose Schwellung. Neurofibrome finden sich bevorzugt am Körperstamm und ebenfalls an den Extremitäten.
Symptome einer Nervenentzündung in der Wade
Die Symptome einer Nervenentzündung in der Wade können vielfältig sein und hängen von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Häufige Symptome sind:
- Schmerzen: Brennende, stechende oder krampfartige Schmerzen in der Wade.
- Missempfindungen: Kribbeln, Taubheit oder ein Gefühl von "Ameisenlaufen" in der Wade oder im Fuß.
- Muskelschwäche: Schwierigkeiten beim Heben des Fußes oder beim Gehen auf Zehenspitzen.
- Wadenkrämpfe: Plötzlich auftretende, schmerzhafte Kontraktionen der Wadenmuskulatur.
- Muskelverhärtungen: Lokale Verhärtungen der Muskulatur, die als Knoten oder Verspannungen wahrgenommen werden.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Schwierigkeiten beim Gehen, Laufen oder anderen Aktivitäten, die die Wadenmuskulatur beanspruchen.
- Schwellung: Eine geschwollene und verhärtete Wade kann auf eine Entzündung oder eine andere Erkrankung hinweisen.
- Allgemeinsymptome: Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Gelenkschmerzen können bei entzündlichen Ursachen auftreten.
Diagnose einer Nervenentzündung in der Wade
Die Diagnose einer Nervenentzündung in der Wade umfasst in der Regel eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Anamnese und möglicherweise weitere diagnostische Tests.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Wade auf Druckempfindlichkeit, Schwellungen, Muskelverhärtungen und Bewegungseinschränkungen. Er kann auch neurologische Tests durchführen, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art und Dauer der Symptome, möglicher Auslöser und Vorerkrankungen.
- Elektrophysiologische Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeit): Diese Tests messen die Geschwindigkeit, mit der elektrische Signale entlang der Nerven wandern. Sie können helfen, Nervenschäden zu identifizieren und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschall, MRT oder CT können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Wadenschmerzen auszuschließen, wie z. B. Knochenbrüche, Tumore oder Kompressionen der Nerven.
- Ultraschalluntersuchung: Mit einer hochauflösenden Ultraschalluntersuchung kann ein großes Morton Neurom oft direkt aufgespürt werden.
- MRT Untersuchung: Die MRT Untersuchung ist eine Standardmethode zur Darstellung des Morton Neuroms.
Behandlung von Nervenentzündungen in der Wade
Die Behandlung einer Nervenentzündung in der Wade hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Symptome ab.
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Konservative Behandlung
In vielen Fällen können konservative Maßnahmen die Symptome lindern und die Heilung fördern. Dazu gehören:
- Ruhe: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Wadenmuskulatur belasten.
- Kühlung: Kühlen Sie die betroffene Stelle mehrmals täglich mit Eispackungen, um Entzündungen zu reduzieren.
- Kompression: Tragen Sie Kompressionsstrümpfe, um Schwellungen zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern.
- Hochlagerung: Lagern Sie das Bein hoch, um Schwellungen zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Verwenden Sie rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, um Schmerzen zu lindern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Wadenmuskulatur zu stärken und zu dehnen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Nervenfunktion wiederherzustellen.
- Dehnübungen: Regelmäßige Dehnübungen der Wade können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Flexibilität zu verbessern.
- Faszien-Rollmassage: Eine Faszien-Rollmassage kann helfen, Verklebungen im Gewebe zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
- Einlagen: Spezielle orthopädische Einlagen sollen die Nerven im Mittel- und Vorfuß entlasten.
- Spezielle Schuhe: Geeignete Schuhe tragen oder auf hohe Absätze verzichten.
- Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion helfen, den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
- Injektionen: Injektionen mit Kortison und Lokalanästhetikum (Schmerzmittel) können gute Erfolgschancen bieten.
Medikamentöse Behandlung
Bei neuropathischen Schmerzen können spezielle Schmerzmittel eingesetzt werden, die auf Nervenschmerzen abzielen. Dazu gehören Antidepressiva, Antikonvulsiva und Opioide.
Operation
In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Nervenentzündung zu beheben. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Nerv durch einen Tumor, eine Narbe oder eine andere Struktur eingeklemmt wird.
- Dekompression: Operative Beseitigung aller einengenden Strukturen (Dekompression) und Freilegung des Nervs (Neurolyse).
- Neurektomie: Durchtrennung des Nervs (Neurektomie) und gezieltes Abtragen von Nervengewebe.
- Operative Entfernung (Neurektomie): Bei dieser Operation wird der krankhaft veränderte Teil des Nervs unter Lupenbrillenvergrößerung entfernt.
- Operative Therapie der Spreizfußfehlstellung: Hier steht die operative Therapie der sehr häufigen Spreizfußfehlstellung im Vordergrund.
Prävention von Nervenentzündungen in der Wade
Einige Maßnahmen können helfen, Nervenentzündungen in der Wade vorzubeugen:
- Vermeiden Sie übermäßige Belastung der Wadenmuskulatur.
- Tragen Sie geeignete Schuhe mit guter Unterstützung.
- Dehnen Sie Ihre Wadenmuskulatur regelmäßig.
- Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen in derselben Position.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
- Behandeln Sie Grunderkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen.
Morton Neurom
Ein Morton Neurom (auch Morton-Neuralgie oder Morton-Metatarsalgie) ist die Verdickung einer Nervenhülle im Mittelfuß. Sie tritt meistens zwischen der 3. und 4. Zehe auf und ist schmerzhaft, weil sie Druck auf den Nerv ausübt.
Symptome
- Brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen
- Missempfindungen oder Taubheit in den Zehen
- Fremdkörpergefühl unter den Zehen
- Schmerzhaftes Schnappen oder Klicken beim Gehen
Behandlung
- Einlagen
- Spezielle Schuhe
- Physiotherapie
- Kortison-Spritzen
- Operation
Erythema nodosum
Das Erythema nodosum ist eine knotige Entzündung des Unterhautfettgewebes, die durch Infektionen entsteht.
Symptome
- Rote bis blaurote Knoten, meist an den Unterschenkeln
- Druckschmerz
- Fieber
- Müdigkeit
- Gelenkschmerzen
Behandlung
- Behandlung der Grunderkrankung
- Hochlagerung der betroffenen Körperstelle
- Bettruhe
- Bandagen oder Kompressionsstrümpfe
- Kühlung
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