Guillain-Barré-Syndrom in Peru: Ursachen, Symptome und Gesundheitsnotstand

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene, aber schwerwiegende neurologische Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft. In Peru wurde aufgrund eines ungewöhnlichen Anstiegs der GBS-Fälle der Gesundheitsnotstand ausgerufen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des GBS im Kontext der aktuellen Situation in Peru.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die peripheren Nerven angreift. Diese Nerven sind für die Übertragung von Signalen zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers verantwortlich. Die Schädigung der Nerven kann zu Muskelschwäche, Taubheitsgefühl und Lähmungen führen.

Ursachen des Guillain-Barré-Syndroms

Die genaue Ursache des GBS ist nicht vollständig bekannt. Es wird jedoch angenommen, dass das GBS durch eine Autoimmunreaktion verursacht wird, die durch eine vorangegangene Infektion ausgelöst wird. Etwa 60 bis 80 Prozent der Erkrankungen gehen auf Viren oder Bakterien zurück.

Mögliche Auslöser

Eine ganze Liste von Erregern ist bekannt, die das GBS auslösen können, darunter:

  • Viren: Cytomegalievirus (CMV), Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), HIV, Westnilvirus, Zikavirus, Sars-CoV-2
  • Bakterien: Campylobacter jejuni (eine der bedeutendsten Ursachen für Magen-Darm-Infekte weltweit)

Es wurden auch Fälle von GBS im Zusammenhang mit Impfungen berichtet, auch nach der Verabreichung von Grippeimpfstoffen oder Corona-Impfungen.

Lesen Sie auch: Umfassender Leitfaden zur Huntington-Krankheit: Von Ursachen bis zur Therapie

Molekulare Mimikry

Ursache der Autoimmunerkrankung ist ein als molekulare Mimikry bezeichneter Prozess. Dabei ähneln Bestandteile des Krankheitserregers körpereigenen Molekülen. Antikörper, die gegen den Erreger gebildet werden, reagieren dann auch auf als Ganglioside bezeichnete Zellmembranbestandteile, die in Nervenzellen besonders häufig vorkommen.

Symptome des Guillain-Barré-Syndroms

Die Symptome des GBS können plötzlich auftreten und umfassen:

  • Muskelschwäche oder -lähmungen: Diese beginnen meist in den Beinen und breiten sich nach oben in die Arme und den Rumpf aus. Die Symptome können von leichter Schwäche bis zu einer vollständigen Lähmung führen.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Diese Empfindungen treten häufig in den Händen und Füßen auf.
  • Schmerzen
  • Koordinationsstörungen
  • Atemprobleme: In schweren Fällen kann die Lähmung auch die Atemmuskeln betreffen, was eine Beatmung erforderlich macht.
  • Schluckbeschwerden
  • Reflexverlust

Die Symptome sind bei den meisten Patienten innerhalb der ersten drei bis vier Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome am stärksten ausgeprägt.

Diagnose des Guillain-Barré-Syndroms

Die Diagnose des GBS basiert auf den Symptomen des Patienten, einer neurologischen Untersuchung und den Ergebnissen von Labortests. Zu den Tests, die zur Diagnose des GBS durchgeführt werden können, gehören:

  • Liquorpunktion: Bei diesem Verfahren wird eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit entnommen und untersucht.
  • Elektromyographie (EMG): Dieser Test misst die elektrische Aktivität der Muskeln und Nerven.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsstudien: Diese Tests messen, wie schnell elektrische Signale durch die Nerven wandern.
  • Blutuntersuchungen: Bestimmte Antikörper im Blut können auf das GBS hinweisen.

Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms

Das GBS ist eine ernsthafte Erkrankung, die eine sofortige Behandlung erfordert. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Genesung zu beschleunigen. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

Lesen Sie auch: Umfassende Informationen zur Parkinson-Krankheit

  • Intravenöses Immunglobulin (IVIG): IVIG ist ein Antikörperpräparat aus Spenderblut, das dazu beitragen kann, die Autoimmunreaktion zu unterdrücken.
  • Plasmapherese: Bei diesem Verfahren wird das Blut des Patienten aus dem Körper entfernt und die Antikörper, die die Nerven angreifen, werden herausgefiltert. Das gereinigte Blut wird dann dem Patienten wieder zugeführt.
  • Unterstützende Behandlung: Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, um die Muskelkraft, Koordination und Sprachfähigkeit wiederherzustellen. In schweren Fällen kann eine Beatmung erforderlich sein.

Verlauf und Prognose des Guillain-Barré-Syndroms

Die meisten Menschen mit GBS erholen sich wieder vollständig, aber die Genesung kann Wochen bis Monate dauern. Einige Patienten behalten dauerhafte Nervenprobleme zurück. Etwa fünf Prozent der Patienten sterben an den Folgen des GBS.

Das Guillain-Barré-Syndrom in Peru

In Peru hat es in den letzten Monaten einen ungewöhnlichen Anstieg der GBS-Fälle gegeben. Seit Januar wurden 182 Fälle registriert, von denen vier tödlich verliefen. Aufgrund dieses Anstiegs hat die peruanische Regierung den Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Maßnahmen des Gesundheitsnotstands

Der Gesundheitsnotstand ermöglicht es der Regierung, zusätzliche Ressourcen zur Bekämpfung der Krankheit bereitzustellen, darunter:

  • Sicherstellung der Verfügbarkeit von Medikamenten: Die Notstandserklärung stellt sicher, dass Krankenhäuser ausreichend Medikamente zur Behandlung des Syndroms erhalten, insbesondere Immunglobuline.
  • Verstärkung der epidemiologischen Überwachung: Die epidemiologischen Überwachungen werden verstärkt, um die Ausbreitung der Krankheit zu verfolgen und Risikofaktoren zu identifizieren.
  • Stärkung der Referenzlabore: Die Referenzlabore werden für die Analyse von Proben gestärkt, um die Ursache des GBS-Anstiegs zu ermitteln.
  • Bereitstellung von Informationen für die Öffentlichkeit: Die Öffentlichkeit wird über das GBS, seine Symptome und Präventionsmaßnahmen informiert.

Mögliche Ursachen für den Anstieg in Peru

Die genaue Ursache für den Anstieg der GBS-Fälle in Peru ist noch unklar. Es wird vermutet, dass ein Infektionserreger wie Campylobacter jejuni eine Rolle spielen könnte. Die Häufung selbst könnte auf einen epidemisch auftretenden Erreger hindeuten. Die Ursachenforschung dauert aber noch an.

Guillain-Barré-Syndrom in Deutschland

In Deutschland ist das Guillain-Barré-Syndrom eine seltene Erkrankung. Es gibt derzeit keinen Anstieg der GBS-Fälle in Deutschland. Die Behandlung des GBS gehört in deutschen Kliniken zur Standardversorgung.

Lesen Sie auch: Nervenkrankheit oder nicht? Demenz im Detail.

Risikofaktoren in Europa

Ein möglicher Grund für die geringere Verbreitung in Deutschland könnte sein, dass in Europa der Risikofaktor des Zika-Virus geringer ist. Das Virus wird durch eine Mückenart verbreitet, die bisher noch wenig in Deutschland und seinen Nachbarländern verbreitet ist. Im Jahr sind laut WHO allerdings die ersten Fälle in Europa aufgetreten.

tags: #nervenkrankheit #in #peru #gefahrlich