Schmerzen im Bereich der Schulter oder des Oberarms werden oft zunächst als Muskelkater oder Verspannung interpretiert. Wenn die Beschwerden jedoch wiederkehren oder bei bestimmten Bewegungen stärker werden, kann die Ursache tiefer liegen. Eine Erkrankung der Bizepssehne, wie eine Entzündung oder ein Riss, sollte in Betracht gezogen werden.
Anatomie und Funktion des Bizeps
Der Bizeps brachii ist ein zweiköpfiger Muskel an der Vorderseite des Oberarms, der von den Knochen der Schulter zum Ellbogen verläuft. Er ermöglicht das Beugen, Heben und Drehen des Arms. Der Bizeps ist über zwei Sehnen mit dem Schulterblatt verbunden: die kurze und die lange Bizepssehne (LBS).
- Kurze Bizepssehne (Caput breve): Sie ist am Schulterblatt verankert und verläuft relativ stabil.
- Lange Bizepssehne (Caput longum): Sie zieht durch das Schultergelenk und ist dadurch anfälliger für Reizungen oder Verletzungen. Sie stabilisiert das Gelenk zusätzlich und ist bei jeder Bewegung der Schulter beteiligt.
Die LBS entspringt am oberen Rand der Gelenkpfanne des Schultergelenks und zieht in einer Rinne (Sulcus intertubercularis) über den Oberarmkopf (Humerus). Verstärkungsbänder sorgen dafür, dass die LBS auf ihrem Weg in diesem Sulcus umgelenkt und gehalten wird (Pulley-System).
Der Bizeps ist für verschiedene Bewegungen sowohl im Schultergelenk als auch im Ellenbogengelenk verantwortlich. Im Schultergelenk unterstützt er das Heben des Arms nach vorne (Anteversion), die Rotation des gesteckten Arms nach innen (Innenrotation) und die Bewegung des gestreckten Arms vom Körper weg (Abduktion). Im Ellenbogengelenk ist der M. Biceps für die Beugung und die Auswärtsdrehung (Supination) zuständig. Zudem supiniert er das Handgelenk.
Aufgrund ihrer anatomischen Besonderheiten ist die LBS im Gegensatz zur kurzen Bizepssehne am häufigsten von Erkrankungen wie Verletzungen, Entzündungen oder Instabilität betroffen.
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Ursachen von Nervenschmerzen im Bizeps
Nervenschmerzen sind meist extremer und durchdringender als reine Muskel- oder Bindegewebsschmerzen. Die meisten Patienten schildern sie als kaum aushaltbar. Je nach dem, welcher Nerv besonders betroffen ist, mehr die Kleinfingerseite oder in die Daumenseite der Hand, oft aber auch in die ganze Hand. Nervenschmerzen im Bizeps können verschiedene Ursachen haben:
Entzündung der Bizepssehne (Tendinitis):
- Die häufigste Ursache für Bizepsschmerzen ist eine Entzündung der Bizepssehne, auch Tendinitis genannt. Sie entsteht meist durch Überlastung, etwa bei intensiver sportlicher Aktivität oder einseitiger Belastung im Alltag. Sportarten wie Tennis, Schwimmen oder Krafttraining beanspruchen die Bizepssehne besonders stark.
- Ursächlich für die Entzündung der langen Bizepssehne sind meist Verschleißerscheinungen. Diese treten durch die regelmäßige starke Belastung der Armmuskulatur sowie der Sehnen durch Wurfsportarten auf. Gerade Handballer und Baseballspieler sind besonders häufig betroffen. Auch bei Kraftsportlern ist die Bizepssehnenentzündung verbreitet.
- Entzündliche Prozesse im Bereich der kurzen Bizepssehne können in den meisten Fällen ohne spezifische Ursache auftreten. Eine häufige Ursache für die sogenannte idiopathische Bizepssehnenentzündung ist ein Impingement-Syndrom. Im Rahmen dieser Verengung des Schultergelenks ist die Bizepssehne starken Belastungen ausgesetzt, die zur Entzündung führen können.
Riss der Bizepssehne (Ruptur):
- Ein Teilriss oder vollständiger Riss der Bizepssehne entsteht oft plötzlich - meist beim Heben schwerer Lasten oder durch eine ruckartige Bewegung. Betroffene spüren einen kurzen, heftigen Schmerz, manchmal begleitet von einem hörbaren Knall.
- Mit zunehmendem Alter verliert das Sehnengewebe an Elastizität, kleine Risse oder Einblutungen können die Struktur schwächen. Nicht selten treten solche Schäden gemeinsam mit Verletzungen der Rotatorenmanschette oder einer sogenannten SLAP-Läsion auf.
- Die meisten Rupturen (Risse) der Bizepssehne betreffen den oberen Ansatzpunkt der langen Bizepssehne, die am Pfannenrand des Schultergelenks verankert ist. Überlastung, Unfälle oder Verschleiß liegen einer Bizepssehnenruptur zugrunde.
- Wenn die Bizepssehne reißt, ist in fast allen Fällen der lange Kopf des Bizeps betroffen. Die lange Bizepssehne reißt fast immer direkt am anatomischen Ansatzpunkt am oberen Rand der Schultergelenkpfanne (SLAP-Region), wo sie mit der Knorpellippe (Labrum glenoidale) verwachsen ist. Meist reißt die Bizepssehne bei gebeugtem Ellenbogen und starker äußerer Kraftwirkung auf den Bizeps. Häufig stellt der Arzt bei Operation an der Bizepssehne fest, dass die lange Bizepssehne bereits degenerativ geschwächt ist.
- Medikamentennebenwirkungen z. B. Meist tritt ein kurzer, stechender Schmerz im oberen vorderen Oberarm auf. Der Riss der langen Bizepssehne kann plötzlich auftreten. Auch alltägliche Bewegungen und kleine Gewichte können den Riss der Bizepssehne auslösen, wenn die degenerative Vorschädigung schon weit fortgeschritten ist.
Muskelverspannungen und Triggerpunkte:
- Muskeln können so stark kontrahiert sein, dass sie Nerven dauerhaft abklemmen, entweder direkt, indem sie an bestimmten Engstellen auf unter ihnen liegende Nerven drücken, die in den Arm führen, oder indirekt, indem die Nackenmuskeln die Wirbel so stark zusammendrücken, dass es Bandscheiben herausdrückt, die ihrerseits auf Nerven drücken.
- Myogelosen und Triggerpunkte sind kleinste Knötchen in der Muskulatur, die unter anderem zu Schmerzen führen können. Fast jeder Mensch hat Triggerpunkte. Werden diese Beschwerden durch Triggerpunkte ausgelöst, dann kannst du sie mit einer Triggerpunkt-Selbstmassage lindern bis lösen.
Fehlhaltungen:
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- Bei den Bandscheibenschäden durch verspannte Nackenmuskeln herrscht meist eine "Schildkrötenhaltung" des Kopfes vor: der Kopf ist nach vorn gerichtet und in den Nacken gezogen. An dieser Haltung sind sowohl die Nackenmuskeln wie auch beidseitig die Scaleni-Muskeln seitlich am Hals in Dauerkontraktion. Durch die verspannten Muskeln ist die Halswirbelsäule ganz verbogen.
- Bei einer Kopfschiefhaltung sind auch die Schultern nach vorn gezogen, was durch verspannte kleine Brustmuskeln kommt. Eine vorgebeugte Haltung kann also alle drei Arten von Armschmerzen durch Nerveneinklemmungen verursachen. Die Schiefhaltung des Kopfes ist gewöhnlich mit einer Körper-Schiefhaltung verbunden, die den Betroffenen meist gar nicht bewusst ist.
Fehlatmung:
- Beim Nervenschmerz im Arm findet sich häufig gleichzeitig eine Fehlatmung im Sinne einer Hochatmung. Ist die normale Atmung nach unten durch Muskelverspannungen in Bauch- und Brustkorbmuskeln nicht möglich, zieht jeder - um überhaupt noch atmen zu können - mit den Scaleni-Muskeln, die an der ersten und zweiten Rippe ansetzen, den Brustkorb nach oben. Man sieht das daran, dass die Brustkorb und Schultern sich beim Atmen nach oben bewegen. Durch diese Fehlatmung verspannen sich die seitlichen Halsmuskeln immer mehr, was schließlich direkt oder indirekt zur Quetschung der Armnerven führen kann.
Neuralgische Amyotrophie:
- Bei einer neuralgischen Amyotrophie ist ein bestimmtes Nervengeflecht in der Nähe des Schlüsselbeins entzündet. Die Entzündung verursacht reißende Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter.
- Typisch sind heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die sich bis zur Hand ausbreiten. Die Schmerzen treten plötzlich abends oder nachts auf. Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen.
- Man geht davon aus, dass die neuralgische Amyotrophie mit einer Entzündung des „Plexus brachialis“ zusammenhängt - einem Nervengeflecht am Übergang zwischen Hals und Oberkörper. Warum diese Entzündung entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt.
- Viele Menschen mit neuralgischer Amyotrophie haben über längere Zeit Schmerzen. Die Schmerzen dauern Tage bis Wochen an. Mit der Zeit ziehen sie weiter bis in den Nacken, den ganzen Arm und die Hände. Seltener schmerzen auch andere Regionen des Oberkörpers, zum Beispiel die Brustmuskeln oder die Bereiche um das Schulterblatt oder Schlüsselbein.
Symptome von Bizepsschmerzen
Typisch sind Schmerzen an der Vorderseite der Schulter oder im oberen Bereich des Oberarms. Viele Betroffene spüren die Beschwerden vor allem beim Heben oder Drehen des Arms - etwa beim Anziehen einer Jacke, beim Sport oder beim Heben schwerer Gegenstände. In manchen Fällen kommt ein Knacken oder Reiben im Schultergelenk hinzu, was auf eine Reizung oder Instabilität der Sehne hindeutet. Wenn sich der Arm plötzlich schwächer anfühlt oder bestimmte Bewegungen nicht mehr möglich sind, kann auch ein Teilriss oder Riss der Bizepssehne vorliegen.
- Schmerzen im vorderen Bereich der Schulter oder des Oberarms: Die Schmerzen können stark ausstrahlen und werden im Schultergelenk oder im Bereich des Bizeps empfunden.
- Verstärkung der Schmerzen bei Bewegung und Belastung: Die Schmerzen können jedoch auch im Ruhezustand für Beschwerden sorgen.
- Druckschmerz im Bereich der Sehne:
- Bewegungseinschränkungen:
- Knacken bzw. Schnappen in der Schulter:
- Schwellung der Schulter:
- Kraftverlust: Nach Riss der langen Bizepssehne beträgt der Kraftverlust maximal 10%. Das ist für die meisten Menschen nicht spürbar.
- Popeye-Sign: Beim Anspannen des M. Biceps wölbt sich der Muskelbauch unnatürlich stark vor, da die Sehne den Muskel nicht mehr an seinem ursprünglichen Punkt hält.
- Rückbildung des Bizepsmuskels (Muskelatrophie): Bei Riss der langen Bizepssehne stellt der Schulterspezialist oft eine Rückbildung des Bizepsmuskels (Muskelatrophie) fest.
Diagnose von Bizepsschmerzen
Um die Ursache der Schmerzen sicher festzustellen, stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
Anamnese und körperliche Untersuchung:
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- Der Arzt wird den Patienten ausführlich nach seinen Beschwerden befragen und eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden die Bewegungs- und Kraftfähigkeit im Schulter- und Ellenbogengelenk überprüft.
- Beim Erstgespräch werden wir Sie ausführlich zum Unfallhergang befragen. Um Muskelfunktion und Beweglichkeit Ihres Ellenbogens zu kontrollieren, setzen wir verschiedene Tests ein. Dabei gehen wir selbstverständlich äußerst behutsam vor, um Ihnen keine Schmerzen zu bereiten.
Bildgebende Verfahren:
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): In einer Ultraschalluntersuchung kann z.B. Flüssigkeit um das Sehnengewebe der LBS herum (Entzündung, Einblutung) festgestellt werden. Auch kann die Lage der LBS im Sulcus des Oberarmkopfes oder eine eventuelle Luxation der Sehne aus dem Sulcus beurteilt werden.
- Röntgenaufnahme: Eine Röntgenaufnahme dient zum Ausschluss einer knöchernen Fraktur. Röntgenuntersuchungen zeigen Erkrankungen an Knochen und Gelenkflächen wie zum Beispiel Schulterarthrose (Omarthrose), Osteonekrose des Oberarmkopfes oder eine Radiusköpfchenfraktur.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist die Methode der Wahl, wenn es um die Beurteilung von Sehnen, Muskeln und Weichteilen geht. Die Magnetresonanztomographie stellt Schäden und Schwellungen an den Weichteilen dar. Das Ende der langen Bizepssehne liegt so tief im Schultergelenk, dass es der Untersucher mit Ultraschall nicht erreicht, aber mit einer MRT gut darstellen kann. Damit lässt sich auch sicher diagnostizieren, ob es sich bei der Verletzung um einen Total- oder einen Teilriss handelt.
- Computertomographie (CT): Das CT eignet sich besonders gut zur Beurteilung knöcherner Strukturen. Es kommt zum Einsatz, wenn beispielsweise eine knöcherne Beteiligung, Kalkablagerung oder begleitende Gelenksveränderung vermutet wird.
Für eine MRT oder CT der Schulter ist in der Regel keine besondere Vorbereitung nötig. Wichtig ist lediglich, metallische Gegenstände abzulegen, da sie die Bildgebung stören können. Eine MRT dauert etwa 20 Minuten und ist völlig schmerzfrei. Sie arbeitet mit Magnetfeldern, nicht mit Röntgenstrahlen, und eignet sich besonders gut zur Darstellung von Sehnen und Weichteilen. Das CT ist deutlich schneller - meist sind die Aufnahmen in wenigen Minuten abgeschlossen.
Behandlung von Bizepsschmerzen
Die Wahl der Therapie ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter des Patienten oder dem Grad der sportlichen Aktivität im Alltag.
Konservative Therapie:
- PECH-Regel: Die sogenannte PECH-Regel (Pause, Eis, Kompression, Hochlagern) kommt meist direkt nach Unfällen oder Sportverletzungen zum Einsatz. Die betroffene Körperpartie, in diesem Fall der Oberarm, sollte direkt ruhiggestellt und geschont werden. Zudem sollte eine Kühlung erfolgen, um die Schwellung zu reduzieren und Schmerzen zu mindern. Die Kompression der Körperpartie soll etwaige Blutungen reduzieren und das Hochlagern den Rückfluss des Blutes erleichtern.
- Schmerzmittel: Zur Schmerzreduktion können Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden. Sollte dies nicht ausreichen, können lokale Injektionen von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Mitteln erfolgen (z.B. Kortikosteroide).
- Physiotherapie: Ergänzend zu diesen Maßnahmen bietet sich neben dem Taping mit Kinesio-Tape auch eine physiotherapeutische Behandlung an. Neben der Mobilisation und der Aktivierung der Bizepssehne durch Querfriktion spielen auch Dehnungs- und Kräftigungsübungen nach der akuten Phase eine wichtige Rolle.
- Injektionstherapie: Eine Sehnenentzündung (Bizepstendinitis) wird zunächst immer konservativ behandelt. Hier kommt die symptomatische Schmerztherapie (z.B. mit NSAR) zum Tragen. Zudem kann eine Infiltrationsbehandlung z.B. mit einem lokalen Kortikoid, mit Thrombozytenreichem Plasma oder auch mit einer naturheilkundlichen homöopathischen Substanz (Traumeel S®) durchgeführt werden. Bei einem chronisch entzündlichen Geschehen kann es einen Versuch wert sein, die Entzündung mit Hyaluronsäure oder einer Eigenbluttherapie zu behandeln. Cortison sollte hingegen nur sehr zurückhaltend für die Therapie einer Bizepssehnenentzündung eingesetzt werden. Bei der Cortison-Therapie wird die Entzündung zwar unterdrückt, jedoch auch die Regeneration der Bizepssehne gehemmt.
Operative Therapie:
- Tenotomie: Bei einer Ruptur der LBS kann sowohl eine konservative Therapie als auch eine Operation zum Einsatz kommen. Bei einem ausbleibenden, konservativen Therapieerfolg der Bizepssehnen-Entzündung (Tendinitis) kann ein operativer Eingriff zum Erfolg führen. Dabei wird die LBS durchtrennt (Tenotomie). Auch bei Verletzungen des Ringbands wird vor allem die Tenotomie eingesetzt.
- Tenodese: Bei einem Einriss oder Abriss der LBS am oberen Rand der Gelenkpfanne mit Einriss der Gelenklippe der Pfanne (SLAP-Läsion) wird in der Regel eine Operation mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt. Der Operateur kann dabei mittels Kamera mit Lichtquelle das Ausmaß der Bizepssehnen-Verletzung einsehen und ggf. im Verlauf der Operation wieder angeheftet (Tenodese). Mittels Tenodese befestigt der Operateur die gerissene Bizepssehne am Oberarmknochen. Die Versetzung und Refixation der langen Bizepssehne am vorderen Oberarmkopf wird als Tenodese bezeichnet. Der intraartikuläre, im Gelenk verlaufende Anteil der Sehne wird entfernt und der Operateur fixiert die lange Bizepssehne vorne am Oberarm. Die Refixation durch Tenodese der langen Bizepssehne kann minimalinvasiv als Schulterarthroskopie durchgeführt werden. Der Operateur befestigt die Bizepssehne mit bioresorbierbaren Schrauben oder mit dauerhaft im Gewebe verbleibenden Titanankern. Dabei fixiert er die lange Bizepssehne nicht im Inneren des Schultergelenks, sondern vorne am Oberarmkopf an der früheren Austrittsstelle der Bizepssehne. Bei bioresorbierbaren Schrauben geht man davon aus, dass die Sehne wieder in den Knochen einwächst, also einen neuen Sehnenansatz (Enthese) bildet. Werden Titananker für die Fixierung der Bizepssehne verwendet, sorgt das Implantat für eine dauerhafte Befestigung der Sehne im Oberarmknochen. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Bizepssehne als subpectorale Tenodese unter dem Brustmuskel zu befestigen.
- Refixierung: Wenn die Bizepssehne bei jungen Patienten nicht degenerativ geschädigt, sondern vollständig intakt ist und lediglich die Verankerung am oberen Pfannenrand beschädigt ist, macht dies die Wiederverankerung am Sehnenansatz möglich.
Nachbehandlung:
- In den ersten Wochen nach der Operation sollte der M. Biceps geschont werden. Im weiteren Verlauf sollte eine gezielte physiotherapeutische Behandlung begonnen werden. Nach einer Wiederanheftung der Sehne ist eine Schonung für 6 Wochen erforderlich, damit die Sehne wieder anheilen kann. Hierbei dürfen insbesondere keine Gewichtsbelastungen des M. Biceps erfolgen.
- Die Rehabilitation nach dem Wiederannähen der langen Bizepssehne dauert mindestens 12 Wochen. Sport ohne Beteiligung von Schulter und Arm ist nach 2-3 Wochen wieder möglich. Sofort nach der Operation empfehlen wir unseren Patienten regelmäßige physiotherapeutische Übungen.
Prävention von Bizepsschmerzen
- Richtig aufwärmen: Ein effektives Warm-up reduziert das Verletzungsrisiko - nimm dir 5-10 Minuten Zeit für Seilspringen, Armkreisen und leichte Aufwärmsätze.
- Die richtige Technik: Saubere Ausführung ist der Schlüssel. Halte deine Ellenbogen stabil am Körper, arbeite ohne Schwung und kontrolliere besonders die Abwärtsbewegung. So aktivierst du den Bizeps gezielt und schützt gleichzeitig Gelenke und Sehnen.
- Langsame Steigerung der Gewichte: Vermeide es, zu schnell zu viel zu wollen. Steigere dein Trainingsgewicht schrittweise - am besten in kleinen Etappen, etwa 2-5 kg. Dein Bizeps wächst mit der Belastung, aber nur, wenn du ihm Zeit gibst.
- Regelmäßiges Dehnen: Sanftes, dynamisches Dehnen fördert die Durchblutung, verbessert die Beweglichkeit und kann muskulären Dysbalancen vorbeugen. Besonders nach dem Training lohnt sich ein kurzes Stretching des Bizeps und der Schulterpartie.
- Regeneration einplanen: Zwischen zwei intensiven Bizepseinheiten sollten mindestens 48 Stunden liegen. Dein Muskel braucht diese Regenerationszeit, um sich zu reparieren und stärker zurückzukommen. Training ohne Pausen bringt dich nicht weiter - im Gegenteil.
- Genug Schlaf und gesunde Ernährung: Eine eiweißreiche Ernährung versorgt deine Muskeln mit dem nötigen Baumaterial. Mindestens 7-8 Stunden Schlaf pro Nacht helfen deinem Körper, Entzündungen zu regulieren und Muskelschäden zu reparieren. Wer besser schläft, trainiert auch besser.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Schmerzen im Bereich der Bizepssehne sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn Beschwerden länger als ein bis zwei Wochen bestehen, sich beim Heben oder Drehen des Arms verschlimmern oder die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist, empfiehlt sich eine radiologische Abklärung. Auch wenn Physiotherapie oder Schmerzmittel keine Besserung bringen, ist eine MRT der Schulter sinnvoll. Sie hilft, zwischen muskulären, sehnigen oder gelenkbedingten Ursachen zu unterscheiden.
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