Die Frage nach der Impfpflicht und ihren potenziellen Folgen, insbesondere im Zusammenhang mit Hirnhautentzündungen, ist ein viel diskutiertes Thema mit einer langen Geschichte. Ob Pocken, Masern oder Corona - die Meinungen über Sinn und Zweck sowie über mögliche Impffolgen gehen oft auseinander. Dieser Artikel beleuchtet die historischen Hintergründe der Impfpflicht in Deutschland, insbesondere in Bezug auf die DDR, und untersucht den Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Auftreten von Hirnhautentzündungen.
Historische Entwicklung der Impfpflicht in Deutschland
Anfänge im 19. Jahrhundert
Bereits im frühen 19. Jahrhundert, als die Pocken die Pest als schlimmste Krankheit abgelöst hatten, gab es Bestrebungen, die Bevölkerung durch Impfungen zu schützen. Maximilian I. erließ 1807 im Königreich Bayern das erste Gesetz zur Impfpflicht gegen Pocken. Diese Verordnung umfasste nicht nur die Durchführung der Impfung, sondern auch die Kontrolle der Impfreaktion und die Ausstellung eines Impfscheines. Bei Nichtbeachtung drohten Geldstrafen. In den folgenden Jahren zogen andere Flächenstaaten wie Baden (1809) und Preußen (1815) nach.
Trotz der Einführung der Impfpflicht gab es auch Widerstand. Impfgegner zweifelten an der Wirksamkeit des aus Kuhpocken gewonnenen Impfstoffes. In Städten wie Stuttgart und Leipzig formierten sich bereits ab 1869 Impfgegner-Organisationen.
Das Reichsimpfgesetz von 1874
Nach zwei großen Pocken-Ausbrüchen in den Jahren 1870 und 1873 mit über 180.000 Toten wurde am 8. April 1874 das Reichsimpfgesetz eingeführt. Dieses Gesetz verpflichtete alle Bürger zur Impfung gegen Pocken. Wer seiner Impfpflicht nicht nachkam, musste mit einer Geldstrafe oder sogar Haft rechnen.
Impfpflicht im Dritten Reich und in der DDR
Die Impfpflicht gegen Pocken blieb auch im Dritten Reich bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die DDR eine umfassende gesetzliche Impfpflicht durch, die Impfungen gegen Pocken, Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Masern umfasste. Bis zum 18. Lebensjahr erhielten Heranwachsende insgesamt 20 staatlich verordnete Schutzimpfungen. Impfverweigerung wurde mit Geldstrafen geahndet. In der DDR wurden die Erfolge der Impfprogramme als enorm angesehen, und die Krankheitszahlen sanken rapide nach deren Einführung.
Lesen Sie auch: Zecken- und Meningokokken-Impfung im Vergleich
Entwicklung in der BRD
In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Impfpflicht gegen Pocken 1976 schrittweise abgeschafft, nachdem die Krankheit keine Gefahr mehr darstellte. In den 2000er-Jahren kam es jedoch verstärkt zu Ausbrüchen von Maserninfektionen, was zur Einführung des Masernschutzgesetzes im Jahr 2020 führte. Dieses Gesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr vor dem Eintritt in eine Kita oder Schule einen Impfnachweis erbringen müssen.
Die Rolle der DDR-Impfungen in der Corona-Pandemie
Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde spekuliert, ob die in der DDR übliche BCG-Impfung gegen Tuberkulose vor SARS-CoV-2 schützen könnte. Studien des Robert Koch-Instituts und des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose ergaben jedoch keine Evidenz für diese Behauptung.
Impfungen und Hirnhautentzündung: Ein möglicher Zusammenhang
Masernimpfung und Enzephalitis
In seltenen Fällen können nach einer Masernimpfung Komplikationen auftreten, darunter auch entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht (AHP) geben Hinweise zur Kausalitätsbeurteilung bei Impfschäden. Demnach kommt ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung in Betracht, wenn die Erkrankung innerhalb von 7 bis 14 Tagen nach der Impfung aufgetreten ist, eine Antikörperbildung nachweisbar war und andere Ursachen der Erkrankung ausscheiden.
Fallbeispiel: Hirnschaden nach Masernimpfung
Ein konkretes Fallbeispiel verdeutlicht die Problematik: Eine Klägerin, die 1989 gegen Masern geimpft wurde, erlitt später eine Hirnhautentzündung und einen Hirnschaden. Das Sozialgericht musste prüfen, ob ein Kausalzusammenhang zwischen der Impfung und der Erkrankung besteht. Dabei wurden verschiedene Gutachten eingeholt und die AHP berücksichtigt. Letztendlich konnte der Kausalzusammenhang nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden.
Poliomyelitisimpfung und Enzephalopathie
Auch im Zusammenhang mit der Poliomyelitisimpfung können in sehr seltenen Fällen Komplikationen wie eine Meningoenzephalitis auftreten. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung ist dann wahrscheinlich, wenn die Erkrankung zwischen dem dritten und 14. Tag nach der Impfung nachgewiesen wurde und außerdem Impfviren und/oder eine Antikörperbildung nachzuweisen waren und andere Ursachen der Erkrankung ausscheiden.
Lesen Sie auch: Schutzmaßnahmen gegen Meningokokken bei Kindern
Impfreaktionen und Impfkomplikationen
Impfungen sollen im Körper eine Reaktion auslösen, um vor einer schweren und lebensbedrohlichen Krankheit zu schützen. Als Zeichen der Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff (Immunreaktion) kann es zu lokalen (Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Impfstelle) oder auch Allgemeinreaktionen (Fieber bis 39,5°C) kommen. Diese Erscheinungen klingen nach wenigen Tagen folgenlos ab. In äußerst seltenen Fällen kann es jedoch zu schwerwiegenden und längerdauernden Impfkomplikationen kommen (allergischer Schock, Nervenentzündung).
Aktuelle Impfempfehlungen und Sicherheitsaspekte
Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland entwickelt Kriterien zur Abgrenzung einer üblichen Impfreaktion und einer über das übliche Ausmaß der Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung (Impfschaden). Die Arbeitsergebnisse der STIKO werden im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht und stellen den jeweiligen aktuellen Stand der Wissenschaft dar.
Häufige Elternfragen zu Impfungen
- Wird zu früh geimpft? Nein! Säuglinge werden erstmals im Alter von 8-12 Wochen geimpft, da sie bereits in den ersten Lebensstunden in der Lage sind, eine Immunantwort zu bilden.
- Sind Mehrfach-Impfstoffe (Kombinationsimpfstoffe) zu belastend für den Säugling? Das Immunsystem des Kindes wird nicht überlastet. Von der Ständigen Impfkommission werden vorzugsweise Kombinationsimpfstoffe empfohlen.
- Wie sicher ist Nestschutz? Der Nestschutz hält ca. 6 Monate. In dieser Zeit muss das Kind seine eigene Abwehr aufgebaut haben. Gegen einige Erkrankungen, z.B. Keuchhusten, gibt es keinen Nestschutz.
- Wird bei Schnupfen geimpft? Banale Infekte ohne Fieber sind kein Grund, anstehende Impfungen aufzuschieben.
- Wann wird nicht geimpft? Bei akuter Infektion mit hohem Fieber, bei bekannten Allergien gegen Inhaltsstoffe und bei Immunsuppression.
- Verursachen Impfungen Allergien und Neurodermitis? Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Beweise.
Die Bedeutung von Impfungen
Impfungen sind heutzutage nicht überflüssig. Die Krankheiten, vor denen Impfungen schützen, würden zurückkehren. Auch die modernen und hygienischen Lebensbedingungen bieten keinen Schutz. Impfungen haben mitgeholfen, die Kindersterblichkeit auf den heutigen Stand zu senken.
Lesen Sie auch: Impfung gegen Meningokokken: Empfehlungen und Nebenwirkungen