Nervenschmerzen nach Ohrring: Ursachen, Risiken und Behandlung

Ohrpiercings, insbesondere Helix-Piercings, erfreuen sich großer Beliebtheit. Es ist jedoch wichtig, sich der potenziellen Risiken und Komplikationen bewusst zu sein, die mit diesen Eingriffen verbunden sein können.

Helix-Piercing: Was ist zu beachten?

Das Helix-Piercing, ein Klassiker unter den Ohrpiercings, wird im oberen Knorpelbereich des Ohrs platziert. Es sollte ausschließlich in einem professionellen Piercing-Studio durchgeführt werden. Das Schießen mit einer herkömmlichen Ohrlochpistole ist unbedingt zu vermeiden, da dies zu Nervenverletzungen, Entzündungen und letztendlich zum Entfernen des Piercings führen kann.

Ablauf des Stechens

  1. Desinfektion und Markierung: Der Piercer desinfiziert das Ohr und markiert die Einstichstelle.
  2. Punktion oder Stanzen: Mit einer Piercingnadel wird unter starkem Druck durch den Knorpel gestochen. Alternativ kann ein Teil des Knorpels mit einem Stanzgerät entfernt werden (Punchen).
  3. Einsetzen des Schmucks: Zunächst wird ein Barbell (ein gerader Stab) eingesetzt, der bis zur vollständigen Heilung getragen werden muss.

Heilungsdauer und Schmerzen

Die Heilung eines Helix-Piercings dauert in der Regel drei bis sechs Monate, da Knorpelgewebe schlechter durchblutet ist als Weichgewebe. Das Stechen durch den Knorpel ist schmerzhafter als durch das Ohrläppchen, da sich im Ohrknorpel viele kleine Nerven befinden. Der Schmerz ist jedoch kurz und aushaltbar. Nach dem Stechen kann das Ohr anschwellen, pochen oder sich heiß anfühlen, was aber meist schnell abklingt.

Risiken und Komplikationen

Wie jedes Piercing birgt auch das Helix-Piercing Risiken. Da Knorpelgewebe langsamer und komplizierter heilt als Weichgewebe, können Entzündungen, Hautreizungen, allergische Reaktionen und Pigmentstörungen auftreten. Bei Komplikationen sollte umgehend ein Piercer aufgesucht werden.

Nervenverletzungen und Lähmungen

Obwohl es bei Google keine direkten Informationen über Nervenverletzungen beim Helix-Piercing gibt, ist es wichtig zu beachten, dass sich in der Nähe des Ohrs der Nervus facialis befindet, der für die mimische Muskulatur zuständig ist. Eine Infektion oder Entzündung kann sich ausbreiten und umliegende Bereiche und Nerven angreifen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Beeinträchtigung des Gesichtsnervs oder sogar zu Lähmungen kommen.

Lesen Sie auch: Haut als Spiegel der PTBS?

Akupunkturpunkte und ihre Auswirkungen

Das Ohr enthält zahlreiche Akupunkturpunkte (über 200!), die Einfluss auf verschiedene Körpersysteme haben können. Helix-Piercings liegen auf der sogenannten vegetativen Rinne, die für die Wirbelsäule und das Nervensystem zuständig ist. Das Stechen eines Piercings kann Auswirkungen auf den gesamten Körper oder den Körperbereich haben, der an der Stelle des Piercings liegt.

Knorpelgewebe und seine Versorgung

Knorpelgewebe enthält keine Gefäße (weder Nerven noch Arterien oder Venen). Es wird durch die darüberliegende Haut mit Nährstoffen versorgt. Bei einer Infektion der Haut/des Knorpels oder beim Punchen von größerem Gewebe kann die Nährstoffzufuhr unterbrochen werden, was zum Absterben von Knorpelgewebe führen kann. Da sich Knorpel nicht regeneriert, muss er möglicherweise entfernt werden.

Was tun bei Nervenschmerzen nach dem Stechen?

Wenn nach dem Stechen eines Ohrlochs Nervenschmerzen auftreten, ist es wichtig, die Ursache zu ermitteln und entsprechend zu handeln.

Mögliche Ursachen

  • Entzündung: Eine Entzündung des Ohrlochs kann zu Schmerzen, Rötung, Schwellung und Eiterbildung führen.
  • Nervenreizung: Das Piercing kann einen Nerv gereizt oder verletzt haben, was zu Schmerzen und Missempfindungen führen kann.
  • Keloidbildung: In seltenen Fällen kann es zu einer überschießenden Narbenbildung (Keloid) kommen, die auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen kann.
  • Druck: Der Ohrring kann auf einen Nerv drücken, insbesondere wenn er zu eng anliegt oder zu schwer ist.

Erste Maßnahmen

  • Hygiene: Reinigen Sie das Ohrloch zweimal täglich mit einer milden Seife und Wasser.
  • Desinfektion: Verwenden Sie ein desinfizierendes Mittel, um Infektionen vorzubeugen.
  • Ohrring überprüfen: Stellen Sie sicher, dass der Ohrring nicht zu eng anliegt oder zu schwer ist.
  • Hausmittel: Eine Salzlösung kann helfen, Entzündungen zu lindern.

Wann zum Arzt?

  • Wenn die Schmerzen stark sind oder nicht abklingen.
  • Wenn Anzeichen einer Infektion auftreten (Rötung, Schwellung, Eiter).
  • Wenn sich ein Knubbel oder eine Verhärtung bildet.
  • Wenn Taubheitsgefühle oder Kribbeln auftreten.

Ärztliche Behandlung

Der Arzt kann die Ursache der Nervenschmerzen diagnostizieren und eine entsprechende Behandlung einleiten. Dies kann beispielsweise eine antibiotische Salbe bei einer Entzündung, eine Kortisonspritze bei einer Keloidbildung oder eine Operation zur Entfernung eines Keloids sein.

Vorbeugung von Komplikationen

  • Professionelles Piercingstudio wählen: Achten Sie auf Hygiene und Erfahrung des Piercers.
  • Geeignetes Material wählen: Vermeiden Sie Nickel, wenn Sie allergisch darauf reagieren. Titan ist eine gute Alternative.
  • Pflegehinweise beachten: Reinigen Sie das Piercing regelmäßig und vermeiden Sie unnötige Berührungen.
  • Immunsystem stärken: Ein starkes Immunsystem kann helfen, Infektionen vorzubeugen.

Alternativen zum Piercing

Wer die Risiken eines Piercings scheut, kann auf schmerzfreie Alternativen wie Ear Cuffs zurückgreifen. Diese Ohrklemmen können an verschiedenen Bereichen des Ohrs angebracht werden und sehen wie ein Piercing aus.

Lesen Sie auch: Nervenschmerzen im Fuß

Lesen Sie auch: Ursachen von Nervenschmerzen im Kopf

tags: #nervenschmerz #ohne #ohrring