Nervenschmerzen am ganzen Körper: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Nervenschmerzen im ganzen Körper können eine erhebliche Belastung darstellen. Sie können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, von harmlosen muskulären Überlastungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Diabetes. Eine frühzeitige Abklärung und Behandlung ist wichtig, um Chronifizierungen zu vermeiden.

Was sind Nervenschmerzen am ganzen Körper?

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems. Sie unterscheiden sich von anderen Schmerzarten, die durch akute Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden. Neuropathische Schmerzen resultieren aus einer Dysfunktion der Nerven selbst, was aufgrund von Verletzungen, Krankheiten oder bestimmten Zuständen auftreten kann, die das Nervensystem betreffen.

Ursachen von Nervenschmerzen am ganzen Körper

Es gibt eine Vielzahl von Einflüssen, die die Nerven schädigen und so Nervenschmerzen hervorrufen können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Stoffwechselstörungen: Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder ein aus dem Gleichgewicht gekommener Stoffwechsel kann ebenfalls zu Schmerzen im Körper führen. Auch ein Mangel an Vitamin B kann die Nerven empfindlich schädigen und auf diese Weise Nervenschmerzen mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen hervorrufen.
  • Infektionen: Manche Infektionen können auch noch nach Wochen zu Schmerzen im Bereich des Körpers führen. Grippale Infekte verursachen somit genauso Gelenkschmerzen und auch Muskelschmerzen wie auch eine sogenannte Borrelieninfektion, die lange Zeit auch unbemerkt sein kann. Bei Gürtelrose kommt es zu einem schmerzhaften Hautausschlag. Nervenschmerzen können in der akuten Phase der Erkrankung auftreten und auch noch Monate bis Jahre nach Abheilung des Hautausschlags fortbestehen (Post-Zoster-Neuralgie).
  • Verletzungen von Nervengewebe: Nach einem Unfall oder Trauma kann es zu einer Rückenmarksverletzung kommen, die deutliche Beschwerden und Reizungen der Nerven irgendwo im Körper verursacht. Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
  • Medikamente: Auch durch Medikamente können Ganzkörperschmerzen als Nebenwirkungen ausgelöst werden. Der bekannteste Vertreter der Medikamente, die vor allem Muskelschmerzen am Körper verursachen, sind die sogenannten Statine, die für eine Cholesterinsenkung eingesetzt werden. Der Einsatz von Chemotherapeutika bei onkologischen Erkrankungen verändert den Körper in vielen Bereichen. Fast immer kommt es beim Einsatz von Chemotherapeutika zu Nervenschmerzen im Körper früher oder später.
  • Gifte: Die Einwirkung von Neurotoxinen (Nervengifte) kann ebenfalls zu Nervenschmerzen führen. Neurotoxine können tierische, chemische oder pflanzliche Gifte sein, wie sie zum Beispiel in einem giftigen Pilz oder beim Kugelfisch zu finden sind.
  • Weitere Ursachen: Multiples Sklerose ist eine schwerwiegende und chronische neurologische Erkrankung, die neben typischen neurologischen Ausfällen wie Kribbeln und Parästhesien auch Nervenschmerzen im Bereich des Körpers haben kann. Die Ursache liegt darin, da die nervenschützenden Myelinscheiden porös werden und es so zu Problemen mit der Reizweiterleitung und auch Reizungen der Nervenbahnen im Körper kommen kann. Oftmals bleibt die Ursache für Nervenschmerzen im Körper aber unklar. Hier ist auch eine psychosomatische Komponente denkbar.

Spezifische Ursachen im Detail

  • Diabetes: Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen für neuropathische Schmerzen, da der hohe Blutzuckerspiegel die peripheren Nerven schädigen kann. Diese Form wird als diabetische Neuropathie bezeichnet. Bei der diabetischen Polyneuropathie ist die Durchblutung kleiner Blutgefäße durch Ablagerungen beeinträchtigt. Diese führt zu Nervenschädigungen insbesondere im Bereich der Füße, Unterschenkel und Hände. Neben Missempfindungen und Gefühlsstörungen sowie Zuckungen und Muskelschwund leiden die Betroffenen unter brennenden, stechenden, schneidenden oder einschießenden Schmerzen. Wichtigste therapeutische Maßnahme ist in diesen Fällen die Normalisierung des Blutzuckerspiegels.
  • Nervenverletzungen: Verletzungen, wie etwa durch Unfälle, Operationen oder Knochenschäden, können Nerven dauerhaft schädigen und neuropathische Schmerzen verursachen. Es kommt nicht nach einem Bandscheibenvorfall zu Nervenschmerzen, es kommt durch und im Rahmen des Bandscheibenvorfalls zu Nervenschmerzen. Warum? Weil Nervenstrukturen eingeengt werden durch das Vorfallen der Bandscheibe, die im Bereich der Austrittskanäle der Wirbelsäule liegen.
  • Infektionen: Einige Infektionen wie Herpes Zoster (Gürtelrose) können nach der Abheilung lang anhaltende, brennende Schmerzen hinterlassen, bekannt als postherpetische Neuralgie. Beispiel für eine Nervenschädigung in Folge einer Infektion ist die Gürtelrose, eine Spätfolge der Windpocken. Die auslösenden Viren (Varizella-zoster-Viren) verbleiben nach dem Abklingen der Windpocken in den Nerven und werden zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert. Dadurch entzündet sich der betroffene Nerv, was mit Schmerzen und Missempfindungen einhergeht. Schließlich rötet sich die Haut in dem versorgten Körperareal und es bilden sich Bläschen. Wenn die Entzündung eine erhebliche Nervenschädigung nach sich zieht, heilt sie allerdings nicht innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab. Etwa jeder 5. Gegen die Viren werden bei einer akuten Gürtelrose Virusstatika eingesetzt. Zudem kann eine kühlende Zinksalbe gegen die Entzündung aufgetragen werden. Ferner erhalten die betroffenen Patienten eine medikamentöse Schmerztherapie. Neben einem Analgetikum kann diese zusätzlich ein Antidepressivum und ein Antiepileptikum umfassen.
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Rückenmarksverletzungen können neuropathische Schmerzen hervorrufen, wenn Nervenbahnen beschädigt werden.
  • Tumore und Krebs: Tumore oder deren Behandlung (z. B. durch Bestrahlung oder Chemotherapie) können Nerven schädigen und neuropathische Schmerzen auslösen. Erst wenn der Tumor wächst und durch dieses Wachstum Nervenfasern bzw. Im Rahmen von Bestrahlungen kommt es zu Bindegewebsneubildungen. Andererseits können auch blitzartig elektrisierende, stechend brennende Schmerzen auftreten. Auch das wäre eine typische Symptomatik für einen Nervenschmerz im Rahmen von Tumorerkrankungen bzw.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann eine periphere Neuropathie verursachen und neuropathische Schmerzen hervorrufen. Im Rahmen von Alkoholismus kommt es in sehr, sehr vielen Fällen zum Auftreten von Nervenschmerzen. Typisch ist wieder die beidseitige Symptomatik, vor allem im Bereich der Beine, der Füße. Typisch sind brennende Schmerzen.
  • Genetische Erkrankungen: Einige genetische Störungen wie die hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN) können ebenfalls neuropathische Schmerzen verursachen.
  • Eisenmangel: Eisenmangel kann Nervenschmerzen auslösen, weil Eisen eine entscheidende Rolle im Sauerstofftransport und im Energiestoffwechsel spielt und daher für die Funktion des Nervensystems unerlässlich ist. Ein langfristiger Eisenmangel kann die Nervengesundheit und die Schmerzverarbeitung erheblich beeinträchtigen, weshalb eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung wichtig sind.

Einfluss von Stress und Psyche

Nervenschmerzen können nicht nur körperliche Auslöser haben. Eine Angststörung, eine Depression oder ständiger Stress kann körperliche Symptome zur Folge haben. Dann ist die Spannung im Körper erhöht, die Schmerzempfindlichkeit steigt. Man nennt diese Form von Schmerzsyndromen somatoforme Störung beziehungsweise somatoforme Schmerzstörung oder auch psychosomatische Erkrankung. Stress kann in jedem Fall Nervenschmerzen verschlimmern. Ob es aber der alleinige Auslöser ist, ist schwierig zu sagen, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Psychosomatische Ursachen, die ebenfalls durch Stress entstehen, werden schon immer als eine mögliche Ursache von Nervenschmerzen im Körper diskutiert.

Symptome von Nervenschmerzen am ganzen Körper

Nervenschmerzen am Körper werden als ziehend und sehr unangenehm beschrieben. Man bezeichnet diese Art von Schmerzen auch als neuropathische Schmerzen. Neuropathische Schmerzen strahlen meist in den ganzen Körperbereich aus, der von einem Nerv oder mehreren Nerven versorgt wird. Manchmal haben Betroffene auch an verschiedenen Körperstellen gleichzeitig stechende Schmerzen. Die Schmerzwahrnehmung bei Nervenschmerzen ist typischerweise verändert. Schon harmlose Reize wie leichte Berührung, Wärme, Kälte oder Druck auf der Haut können bei Betroffenen Schmerzen auslösen (Allodynie). Der gesamte Körper wird von Nervensträngen durchzogen. Daher sind neuropathische Schmerzen in fast allen Körperbereichen möglich.

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Neben Nervenschmerzen kann es auch zu weiteren neurologischen Beschwerden kommen. Hierunter wären Kribbeln und Taubheitsgefühl zu nennen. Auch Bewegungsbeeinträchtigungen im Sinne, dass nicht richtig gegriffen oder auch das Bein oder die Füße nicht richtig bewegt werden können, wäre denkbar. Durch die neurologische Beeinträchtigung kann es auch zu Bewegungsbeeinträchtigungen und auch damit verbunden zu Fehlbelastungen kommen.

Typische Symptome im Überblick

  • Brennende oder stechende Schmerzen
  • Elektrisierende Empfindungen
  • Taubheit oder Kribbeln
  • Überempfindlichkeit (Allodynie)
  • Schmerzen bei Kälte oder Hitze

Unterschied zur Fibromyalgie

Bei Nervenschmerzen im Körper kann man zumindest die betroffenen Nerven ausmachen und nach der Ursache untersuchen. Hierbei helfen die Patientenangaben, wo die Schmerzen sind und in welche Bereiche sich die Schmerzen ausbreiten. Bei der sogenannten Fibromyalgie, die oftmals eine Ausschlussdiagnose darstellt, sind die Schmerzen sehr diffus, es können aber auch typische Triggerpunkte dargestellt werden. Diese sind unter anderem im Bereich der Schulter.

Diagnose von Nervenschmerzen am ganzen Körper

Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfolgt durch:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und Symptome und führt neurologische Untersuchungen durch, um den Schmerzcharakter und die Empfindlichkeiten zu bewerten. In der Diagnostik von Nervenschmerzen kommt der Krankenbefragung eine tragende Rolle zu. So ist entscheidend, welche Art von Schmerzen und vor allem in welchem Bereich diese vorhanden sind, seit wann diese vorhanden sind und ob sich ein Unfall o.ä zuvor ereignet hat. Es folgt die körperliche Untersuchung, die zeigen soll, ob die Schmerzen bei bestimmten Bewegungen auslösbar sind und wenn ja, bei welchen. Auch soll hier gesehen werden, ob Bewegungen eingeschränkt sind oder durchgeführt werden können oder ob es irgendwo im Körper auch Parästhesien oder Taubheitsgefühle vorhanden sind.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT können helfen, strukturelle Probleme im Nervensystem zu identifizieren, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Tumore. Ein Ganzkörper-MRT wird in der Regel in der Diagnostik von Schmerzen nicht durchgeführt. Vielmehr würde man einzelne und in Frage kommende Abschnitte durch ein MRT scannen. Zu nennen wäre der Kopf oder aber auch Teile der Wirbelsäule, meistens in diesem Zusammenhang dann auch die Lendenwirbelsäule. Welche Abschnitte der Wirbelsäule durch ein MRT gescannt werden, hängt vor allem davon ab, in welchen Bereichen des Körpers die Nervenschmerzen angegeben werden und welcher Abschnitt der Wirbelsäule dazu passt.
  • Elektrophysiologische Tests: Nervenleitgeschwindigkeitstests und Elektromyographie (EMG) messen die elektrische Aktivität in den Nerven und Muskeln und helfen, Nervenschäden zu lokalisieren. Eine Elektroneurografie ist eine Untersuchung, bei der die Erregbarkeit des Nerven überprüft wird. Bei der Elektromyografie wird die Funktionalität des Muskels untersucht. Eine hochauflösende Ultraschall-Untersuchung wird beispielsweise oft kombiniert mit einer Elektroneurografie.
  • Labortests: Des Weiteren gehört zu jeder Diagnostik auch ein umfangreiches Blutbild, das zeigen soll, ob es einen Mangel von Eisen oder Vitamin B 12 gibt oder aber ob Entzündunsgwerte angestiegen sind. Bluttests können Infektionen, Diabetes oder andere zugrunde liegende Ursachen aufdecken. Die Nervenbiopsie ist die Standarduntersuchung für das Feststellen einer Erkrankung von dünnen Nervenfasern. Sie ist die Standarddiagnostik für die sogenannte Small-Fiber-Neuropathie.

Wichtige Informationen für den Arzt

Diese Angaben sollten einmal beinhalten, wie der Nervenschmerz ist: Ob das ein brennender Schmerz ist, ob das ein elektrisierender, plötzlich auftretender Schmerz ist. Als Information für uns ist es sehr wichtig, dass wir wissen, wo der Schmerz im Körper lokalisiert ist. Sind die Schmerzen abhängig von gewissen sogenannten Triggerfaktoren wie zum Beispiel bei der Trigeminus-Neuralgie das Essen, das Trinken, das Sprechen. Und für die Auswahl des Medikamentes ist es auch wichtig, ob die Schmerzen eher tagsüber oder in der Nacht auftreten oder ob hier kein Unterschied besteht. Warum ist das für uns wichtig? Wenn Sie uns sagen, dass die Schmerzen eher tagsüber auftreten, dann werden wir die Medikamente so dosieren und so auswählen, dass Sie eher tagsüber die Medikamente oder die höhere Dosis an Medikamenten bekommen, und in der Nacht die geringere Dosis beziehungsweise gar kein Medikament benötigen. Wichtig ist auch die Information, wie stark Ihr Schmerz ist. Da gibt es eine Skalierung zwischen 0 und 10. 0 bedeutet kein Schmerz, 10 die stärksten Schmerzen, die Sie sich vorstellen können. Das heißt, diese Information ist ganz wichtig, die benötigen wir unbedingt, weil wir eine Ausgangssituation dann haben. Wenn Sie zum Beispiel sagen, Ihr Schmerz liegt durchschnittlich im Bereich 5 und kann maximal, wenn das so plötzlich auftretende Schmerzen sind, auf 8, 9 hinauf gehen, dann wissen wir, wo unsere Ausgangssituation ist. Das ist vor allem zu Therapiebeginn sehr, sehr wichtig, weil wir natürlich wissen wollen, wie Sie auf die Therapie, sowohl auf die medikamentöse als auch auf die nicht-medikamentöse Therapie, ansprechen. Das heißt, hier ist es wichtig, dass Sie notieren und dokumentieren, ob es zu einer Linderung oder zu einer Verstärkung des Schmerzes kommt, wenn wir Sie behandeln.

Wenn es erforderlich ist, dass Sie Schmerzen protokollieren, dann bieten sich sogenannte Schmerztagebücher an. Was kann man in diesen Schmerztagebüchern eintragen?

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Behandlungsmöglichkeiten für Nervenschmerzen am ganzen Körper

Welche Maßnahmen am geeignetsten gegen Nervenschmerzen sind, hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie einen Nervenschmerz haben, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen. Ihr primärer Ansprechpartner ist natürlich Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin, die Sie sehr gut kennen. Diese Frage ist ganz, ganz wichtig, denn gerade die Nervenschmerzen werden nicht mit 08/15-Schmerzmedikamenten behandelt. Warum? Das heißt, die Medikamente, die Sie nehmen, wenn Ihnen der Rücken wehtut, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, können Sie bei Nervenschmerzen vergessen. Es sind ganz bestimmte Medikamente, die wir bei Nervenschmerzen einsetzen müssen, damit es zur Linderung Ihrer Symptomatik kommt. Und das muss man Ihnen auch erklären. Wenn Sie einen oberflächlichen Nervenschmerz haben, kann es auch durch die Verwendung bestimmter Pflaster zu einer Linderung Ihrer Schmerzsymptomatik kommen.

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen ist oft komplex und kann aus einer Kombination von Medikamenten, physikalischen Therapien und alternativen Ansätzen bestehen.

Medikamentöse Therapie

  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, haben schmerzlindernde Eigenschaften und wirken oft gut bei neuropathischen Schmerzen.
  • Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, wirken auch bei neuropathischen Schmerzen, indem sie die Nervenaktivität dämpfen. Pregabalin, das auch unter dem Namen Lyrika vertrieben wird, ist eines der bekanntesten Vertreter der Medikamente, die gegen Nervenschmerzen zum Einsatz kommen. Die Wirkung dieses Medikamentes erfolgt über eine Beeinflussung des sogenannten GABARezeptors, was dann zu einer reduzierten Nervenaktivität und einer Reduktion der Schmerzen beiträgt. Das Medikament hat eine hohe therapeutische Breite, das bedeutet, es kann in seiner Dosierung schnell hoch dosiert werden.
  • Opioide und Tramadol: Bei schweren Schmerzen können Opioide und Tramadol in bestimmten Fällen verschrieben werden, aber sie werden aufgrund des Risikos von Abhängigkeit und Nebenwirkungen meist nur vorsichtig und in niedrigen Dosen eingesetzt.
  • Topische Therapie: Cremes oder Pflaster mit Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin können direkt auf die betroffene Hautstelle aufgetragen werden, um Schmerzen lokal zu lindern. Auch Pflaster mit Capsaicin oder Spritzen mit Botulinumtoxin werden zur Therapie von Nervenschmerzen eingesetzt.

Physiotherapie und Ergotherapie

  • Kräftigungs- und Bewegungsübungen: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, Beweglichkeit zu fördern und Schmerz zu reduzieren.
  • Sensorisches Training: Übungen zur Desensibilisierung, wie das Berühren von unterschiedlichen Oberflächen, können helfen, die Schmerzempfindlichkeit zu verringern.

Psychologische Therapie

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Chronische Schmerzen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen, und psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen besser umzugehen und das Schmerzempfinden zu reduzieren.
  • Schmerzbewältigungstraining: Techniken zur Stressbewältigung und Entspannung, wie Meditation oder Atemübungen, sind hilfreich, um den Umgang mit Schmerzen zu verbessern.

Neuromodulation

  • Spinal Cord Stimulation (SCS): Bei dieser Methode wird ein Implantat in der Nähe des Rückenmarks platziert, das elektrische Impulse abgibt, die die Schmerzsignale blockieren.
  • Periphere Nervenstimulation: Hierbei werden elektrische Impulse auf die betroffenen Nerven im peripheren Nervensystem angewandt, um die Schmerzsignale zu reduzieren.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Diese nicht-invasive Methode verwendet niederfrequente elektrische Impulse, um die Schmerzen zu lindern. In der Schmerztherapie werden häufig Medikamente mit Physiotherapie oder Psychotherapie kombiniert. Weitere Ansätze für die Therapie sind Nervenblockaden, Infiltrationen, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Entspannungstechniken.

Alternative Therapien

  • Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten Linderung der neuropathischen Schmerzen bewirken.
  • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung und Yoga können helfen, die Schmerzen zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Hausmittel

Auch gibt es einige Hausmittel, die bei Nervenschmerzen zum Einsatz kommen. Zu den lokalen Anwendungen gehört die Auflage von Quark zum Beispiel, die in Form von Quarkwickeln durchgeführt werden können. Aber auch Retterspitzumschläge können eine deutliche Besserung der Beschwerden bringen. Hierbei werden Kompressen genommen und in Retterspitz eingelegt. Danach werden die getränkten Tücher dann auf den schmerzenden Bereich gelegt. Sobald das Tuch getrocknet ist und der Retterspitz verdunstet ist, ist dieser in das schmerzhafte Gebiet eingezogen. Man sollte diese Anwendung 2-3 mal am Tag für die ersten Tagen wiederholen. Ob Kälte oder doch Wärme besser tut, muss man im Einzelfall ausprobieren, da die Schmerzempfindung bei neuropathischen Schmerzen individuell ist. Entscheidet man sich für einen Behandlungsversuch mit Kälte, kann man ein Eispack nehmen und ein Handtuch drumwickeln und dann 3-5 Minuten auf den schmerzenden Bereich legen. Kommt es zu einer Verschlechterung der Beschwerden, sollte man einen Behandlungsversuch mit Wärme unternehmen. Hausmittel können Nervenschmerzen nicht beseitigen, aber tun bisweilen gut. Dazu zählen kühle Kompressen, warme Auflagen oder Bäder.

Bewegung und Sport

Grundsätzlich kann man sagen, dass Bewegung bei Nervenschmerzen gut ist, solange es aber nicht zu einer Überlastung kommt. Auch wenn massive Fehlbelastungen vorhanden sind, sollte vorsichtig mit Bewegung bei Nervenschmerzen umgegangen werden. Moderate Bewegung immer in seinem Trainingslimit kann aber bei Nervenschmerzen nicht schaden. Bei Nervenschmerzen im Körper kann man auch einen zumindest begleitenden Behandlungsversuch mit einigen Übungen unternehmen, die darauf abzielen, verkürzte Muskeln, die durch die Nervenschmerzen und durch eine Schonhaltung oder Fehlbelastung entstanden sind, wieder beweglicher zu machen. Hier unterscheidet man Dehnungsübungen von muskelaufbauenden Übungen, die ebenfalls in der Behandlung von Nervenschmerzen zum Einsatz kommen können. Auch der Behandlung von Faszien kommt eine tragende Rolle zu. Bei Fehlbelastungen kommt es auch zwangsläufig zu Verklebungen im Bereich der Faszien, das sind bindegewebige Hüllen, die die Muskeln umfassen, was dann erneut Schmerzen auslöst.

Dehnungen von Muskeln bei Nervenschmerzen kommt eine tragende Rolle zu. Je nachdem, welche Region von den Muskelschmerzen betroffen sind, kann man unterschiedliche Übungen zur Dehnung der Muskeln durchführen. Im Bereich der Beine kann man eine Ausfallschrittübung durchführen, um die Muskulatur der Ober- und Unterschenkel zu dehnen. Hierbei stellt man ein Bein angewinkelt nach vorne, während man das andere Bein gestreckt nach hinten stellt. Man wird ein deutliches Ziehen im Oberschenkel und auch in der Achillessehne spüren. Eine weitere Übung, um die Muskeln der Oberschenkel zu dehnen, wäre sich gerade hinzustellen, sich an einer Wand festzuhalten und dann mit einer Hand den Fuß Richtung Gesäß zu ziehen. Auch hier wird man ein deutliches Ziehen im Oberschenkel spüren. Zur Dehnung der Rumpfmuskulatur kann man auch Rumpfbeugen durchführen. Hierfür stellte man sich gerade hin, die Hände sind in die Seite gestützt. Nun führt man die flache Hand langsam an einem Bein herunter, bis man in Höhe des Knies angekommen ist. Der Oberkörper kippt dabei nicht nach vorne oder nach hinten, sondern wird nur seitlich nach unten geführt. Nach einigen Sekunden sollte dann wieder langsam die Ausgangsposition eingenommen und die Muskeln gelockert werden. An dieser Übung sollten ca.

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Durch Nervenschmerzen kann es auch immer zu Faszienverklebungen kommen. Faszien sind bindegewebige Hüllen, die sich um Muskeln befinden, um diese zu schützen und Bewegungen reibungsfrei zu gestalten. Verklebungen dieser Faszien können aber zu weiteren Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen führen. Die Osteopathie behandelt Faszienverklebungen. Durch eine gezielte und sanfte Zug- und Drucktechnik werden verklebte Faszien wieder gelockert und es kommt schon nach wenigen Behandlungen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.

Lifestyle-Änderungen

  • Ernährung und Gewichtskontrolle: Eine ausgewogene Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern, insbesondere bei Erkrankungen wie Diabetes, die neuropathische Schmerzen verursachen.
  • Regelmäßige Bewegung: Ein moderates Training und Bewegung können helfen, die Muskeln zu stärken und die Nervenfunktion zu unterstützen.
  • Schlafhygiene: Guter und erholsamer Schlaf ist wichtig, um Schmerzen und Überempfindlichkeit zu reduzieren.

Dauer und Prognose

Die Dauer, bis es zu einer Besserung der Nervenschmerzen im Körper kommt, hängt davon ab, welche Ursache dahintersteckt. So sind Folgen einer Chemotherapie, Muliples Sklerose oder Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes Mellitus sicherlich sehr langwierig, da sich Nervenzellen auch nur sehr langsam regenerieren. Manchmal kann es Monate, gar Jahre dauern, bis es zu einer leichten Besserung der Beschwerden kommt. Die Prognose von Nervenschmerzen ist sehr unterschiedlich und kommt ganz auf die auslösende Ursache an. Manche Nervenschädigungen können auch irreversibel, also dauerhaft sein. Zu nennen wären Chemotherapiefolgen, MS oder auch schwere Folgen eines Diabetes mellitus.

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