Kopfschmerzen im Schläfenbereich sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Menschen betrifft. Die Schmerzen können sich unterschiedlich äußern, von dumpfen, drückenden Gefühlen bis hin zu stechenden, bohrenden Attacken. Die Ursachen für diese Schmerzen sind vielfältig und reichen von harmlosen Verspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen im Schläfenbereich, ihre Symptome und die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten.
Häufige Kopfschmerzarten im Überblick
Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die im Schläfenbereich auftreten können. Einige der häufigsten sind:
Spannungskopfschmerzen: Diese Kopfschmerzen sind die am weitesten verbreitete Art und werden oft als drückend, dumpf oder drückend beschrieben. Sie treten typischerweise beidseitig an den Schläfen oder im Bereich der Stirn auf und können von einer halben Stunde bis zu einer Woche andauern. Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, als ob ihr Kopf in einem Schraubstock eingespannt ist.
Migräne: Migräne äußert sich meist durch einseitig auftretende Kopfschmerzen, die durch äußere Einflüsse und Bewegung zusätzlich verstärkt werden. Zusätzlich zu den intensiven Kopfschmerzen können weitere Symptome wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit auftreten. In manchen Fällen gehen den Migräne-Kopfschmerzen auch Sinnesstörungen voran, die man als Aura bezeichnet.
Cluster-Kopfschmerzen: Cluster-Kopfschmerzen, auch Bing-Horton-Syndrom genannt, treten oft plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auf. Sie sind stechend, bohrend und oft kaum auszuhalten für Betroffene. Cluster-Kopfschmerzen zählen zu den schwersten Kopfschmerz-Attacken und können in ihrer Stärke sogar Migräne-Anfälle übertreffen. Die Schmerzen treten immer einseitig, hinter dem Auge oder an der Schläfe auf - und gehen mit tränenden und geröteten Augen und einer verstopften oder laufenden Nase einher. Häufig schwitzen die Betroffenen stark.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Kater-Kopfschmerzen: Ein dumpfer, hämmernder Kopfschmerz, ein flaues Gefühl im Magen, dazu noch Schwindel und ein trockener Mund - die Nachwirkungen einer feuchtfröhlichen Nacht können äußerst unangenehm sein. Kopfschmerzen und weitere Begleiterscheinungen sind unter anderem die Folge von einem Flüssigkeits-und Elektrolytmangel. Bei erhöhtem Alkoholgenuss verliert man mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Dadurch kommt es zu einer Dehydratation, wodurch Kopfschmerzen entstehen können.
Nervenschmerzen (Neuralgien) im Schläfenbereich
Neuralgien sind Nervenschmerzen, die durch eine Schädigung oder Reizung von Nerven verursacht werden. Sie können in verschiedenen Körperregionen auftreten, einschließlich des Schläfenbereichs. Im Gesichtsbereich ist besonders die Trigeminusneuralgie bekannt.
Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des Trigeminusnervs (fünfter Hirnnerv), der für die Empfindungen im Gesicht verantwortlich ist. Bei dieser Erkrankung kommt es zu blitzartigen, stechenden Schmerzen in einer Gesichtshälfte. Die Schmerzen können durch alltägliche Dinge wie Berühren des Gesichts, Lächeln, Kauen, Sprechen oder Waschen des Gesichts ausgelöst werden. Unabhängig von Triggerreizen können die stechenden Schmerzen auch spontan auftreten, das heißt ohne Anlass. Sie strahlen meist in eines, selten in mehrere der drei Territorien der Gesichtshälfte aus, die durch die Äste des Nervus trigeminus versorgt werden. Am häufigsten ist der Gesichtsbereich betroffen, der vom Unterkieferast versorgt wird, seltener der Bereich des Oberkieferastes und in sehr seltenen Fällen der Bereich des Augenastes.
Patienten berichten von folgenden Symptomen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
- Schwere blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden, beispielsweise Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch
Die Ursachen der klassischen Trigeminusneuralgie entstehen wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen dem Blutgefäß, welches eng am Nervus trigeminus (fünfte Hirnnerv) anliegt, und dem Nerv selbst. Während die symptomatische Trigeminusneuralgie meist durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird, gibt es bei der klassischen Form sogenannte Triggerreize.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
Da Patient:innen versuchen, mögliche Ursachen zu vermeiden, hat die Neuralgie nicht nur durch den starken Gesichtsschmerz selbst einen Einfluss auf die Lebensqualität.
Riesenzellenarteriitis (Arteriitis temporalis)
Wenn ein Patient ständig unter Kopfschmerzen an den Schläfen leidet und schon das Berühren der Schläfen wehtut, könnte das auch eine Riesenzellenarteriitis sein. Das ist eine Entzündung der Schläfenarterien auf beiden Seiten des Kopfes. Der Schmerz ist stark, pochend und brennend, meist liegt er auf einer Seite des Kopfes. Manche Patienten klagen auch über leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetit- oder Gewichtsverlust oder eine empfindliche Kopfhaut. RZA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Blutgefäßwände angreifen. So entsteht eine Schwellung, die die betroffenen Gefäße verengen und den Blutfluss verringern kann. In schweren Fällen können die Arterien vollkommen blockiert werden. Das kann gefährlich sein, wenn die Arterie, die das Gehirn versorgt, betroffen ist - das kann zu einem Schlaganfall führen. Wenn es die Arterie betrifft, die die Netzhaut versorgt, ist die Sicht gefährdet.
Weitere Ursachen für Kopfschmerzen im Schläfenbereich
Neben den oben genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die Kopfschmerzen im Schläfenbereich auslösen können:
Verspannungen: Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur können sich bis in den Kopf ausbreiten und Schmerzen im Schläfenbereich verursachen.
Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser für Kopfschmerzen, insbesondere Spannungskopfschmerzen.
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
Schlafstörungen: Zu wenig Schlaf oder unregelmäßiger Schlaf können Kopfschmerzen begünstigen.
Flüssigkeitsmangel: Dehydration kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen.
Wetterwechsel: Wetterveränderungen können bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen auslösen.
Erkältung: Bei einer Erkältung spüren Sie meist Kopfschmerzen in Schläfen und Stirn, oft auch zwischen den Augenbrauen. Denn die Nasennebenhöhlen, vor allem die Stirnhöhlen, sind dann oft entzündet. Das Nasensekret kann nicht mehr abfließen, was Druck verursacht. Wenn Sie sich nach vorne beugen, wird es noch schlimmer. Auch die Augen schmerzen.
Überanstrengung der Augen: Gerade wenn die Augen durch ständige PC-Arbeit überlastet sind oder Sie eine Brille benötigen, dies aber nicht wissen, kann es zu Kopfschmerzen im Stirnbereich und an den Schläfen kommen.
Bluthochdruck: Geht er mit Kopfschmerzen einher, sind diese Kopfschmerzen oftmals im Hinterkopf wahrzunehmen - und auch meist unmittelbar nach dem Aufstehen.
Diagnose von Kopfschmerzen im Schläfenbereich
Um die Ursache von Kopfschmerzen im Schläfenbereich zu ermitteln, ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Arzt erforderlich. Dabei werden die Art, Lokalisation, Dauer und Intensität der Schmerzen sowie Begleitsymptome erfragt. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung, eine Blutuntersuchung oder eine Bildgebung (z. B. MRT) erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu finden.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Kopfschmerzen im Schläfenbereich richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
Medikamentöse Behandlung
Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder ASS helfen. Bei Migräne können Triptane eingesetzt werden.
Spezifische Medikamente bei Neuralgien: Bei Trigeminusneuralgie können Antikonvulsiva wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin eingesetzt werden, um die Nervenaktivität zu reduzieren.
Kopfschmerzprophylaxe: Bei häufigen Kopfschmerzen können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden, z.B. Betablocker, Amitriptylin oder Topiramat.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und Verspannungen zu lösen.
Physiotherapie: Physiotherapie kann bei Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur helfen.
Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Kopfschmerzarten, insbesondere Spannungskopfschmerzen, eine Linderung bringen.
Hausmittel: Manchmal lassen sich Kopfschmerzen - wie Spannungskopfschmerzen und Migräne - auch ohne Kopfschmerztabletten bewältigen. Stattdessen helfen einige altbewährte Hausmittel gegen Kopfschmerzen. Hilfreich könnte auch Pfefferminzöl sein, das Sie auf Stirn oder Schläfen auftragen und sanft einmassieren können. Manchem Betroffenen, der nach langem Sitzen am Schreibtisch der Kopf wehtut, hilft aber auch eine Kälteanwendung. Probieren Sie mal aus, ob Ihnen ein kalter Waschlappen, auf Stirn oder Schläfen gelegt, bei Spannungskopfschmerzen Linderung bringt.
Weitere Maßnahmen
Vermeidung von Triggern: Wenn bestimmte Auslöser für die Kopfschmerzen bekannt sind, sollten diese vermieden werden.
Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf.
Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie auf einen ergonomischen Arbeitsplatz, um Verspannungen zu vermeiden.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Kopfschmerzen im Schläfenbereich harmlos und verschwinden von selbst. Es gibt jedoch bestimmte Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Wenn die Kopfschmerzen sehr stark sind oder plötzlich auftreten.
- Wenn die Kopfschmerzen von anderen Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsstörungen begleitet werden.
- Wenn die Kopfschmerzen nach einem Unfall auftreten.
- Wenn die Kopfschmerzen häufiger werden oder sich verändern.
- Wenn die Kopfschmerzen den Alltag beeinträchtigen.
- Wenn Sie Rheuma als Erkrankung diagnostiziert bekommen haben und es treten Kopfschmerzen an den Schläfen und/oder den angrenzenden Augenbereichen auf, dann sollte umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen.
- Erstmaliges Auftreten sehr intensiver oder häufiger stechender Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr
- Zusätzliche Symptome wie Fieber, Übelkeit, Sehstörungen oder Nackensteifigkeit
- Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen („wie ein Donnerschlag”)
- Bewusstseinsstörungen oder neurologische Ausfälle
Kopfschmerztagebuch
Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen helfen, Auslöser für Ihre Attacken zu finden. Für eine Kopfschmerz-Diagnose braucht Ihr Arzt Informationen zum Auftreten und zu den Merkmalen Ihres Kopfschmerzes. Im Alltag und für die Behandlung ist wichtig zu wissen, welche Medikamente helfen, wie oft man Schmerzen hat und was sie auslöst. Dabei kann im Vorfeld ein Kopfschmerzkalender oder eine Handy-App helfen. Apps können auch hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem Schmerz geben und warnen, wenn man an mehr als zehn Tagen im Monat Kopfschmerzmedikamente eingenommen hat.
tags: #nervenschmerzen #an #der #schlafe