Nervenschmerzen bei Kniearthrose Grad 4: Ursachen und Behandlungswege

Kniearthrose, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium Grad 4, kann erhebliche Nervenschmerzen verursachen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Schmerzen und stellt verschiedene Behandlungsoptionen vor, von konservativen Maßnahmen bis hin zu operativen Eingriffen. Ziel ist es, Betroffenen einen umfassenden Überblick zu geben und ihnen bei der Entscheidungsfindung für die bestmögliche Therapie zu helfen.

Einführung in die Kniearthrose

Wer unter Knieschmerzen leidet, hat oftmals unbemerkt eine Arthrose im Knie entwickelt. Die Kniegelenksarthrose oder Gonarthrose zeigt im Anfangsstadium relativ wenige Symptome. Erst nach und nach stellen sich bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen mit konsekutiven Muskelverkürzungen ein. Auch Ruheschmerzen sind mögliche Symptome. Sie ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen und macht vor allem über 50-Jährigen zu schaffen. Häufige Überlastung kann dazu führen, dass ein Kniegelenk im Lauf der Zeit verschleißt. Meist entwickelt sich eine Arthrose im Knie über viele Jahre hinweg. Erste Anzeichen gibt es bereits dann, wenn noch gar keine Beschwerden auftreten.

Unter Kniegelenksarthrose oder Gonarthrose versteht man den vorzeitigen Verschleiß der knorpeligen Gelenkflächen im Kniegelenk. Die Kniegelenksarthrose entsteht häufig bei Menschen mit Übergewicht, nach Unfällen oder Knieverletzungen sowie infolge jahrelanger Fehlbelastungen des Kniegelenkes. Zu derartigen Fehlbelastungen gehört auch die Fehlstellung der Beinachsen. Liegen O-Beine vor, wird das innere oder mediale Kompartiment überlastet, und die O-Beine führen zur Ausbildung einer Varusgonarthrose. Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der frühmorgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen auftritt, und nach kurzem Einlaufen wieder rückläufig ist. Von einer aktivierten Gonarthrose spricht man, wenn es neben Schmerz und Schwellung auch zur Ausbildung eines Gelenkergusses (Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) kommt, welcher zu einer deutlichen Funktionsbeeinträchtigung führt.

Stadien der Kniearthrose

Die Kniearthrose wird in vier Schweregrade eingeteilt, wobei Grad 4 das schwerste Stadium darstellt:

  1. Grad: Erste Anzeichen von Knorpelverschleiß.
  2. Grad: Leichte krankhafte Veränderungen sind zu sehen. Die Oberfläche des Knorpels ist uneben und kann erste Risse haben.
  3. Grad: Deutliche krankhafte Veränderungen erkennbar, bei der die Risse im Knorpel bis auf den Knochen gehen.
  4. Grad: Die Knochen liegen frei, reiben also direkt aneinander und lösen dadurch starke Knieschmerzen aus. Schwerste arthrotische Veränderungen und Schäden deutlich.

Ein Knorpelschaden Knie Grad 4 stellt die schwerste Form einer Knorpelschädigung dar. In diesem Stadium ist die Knorpelschicht vollständig abgenutzt, wodurch der darunterliegende Knochen frei liegt. Dies führt häufig zu starken Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Schwellungen und einer Instabilität im betroffenen Gelenk.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Ursachen von Nervenschmerzen bei Kniearthrose Grad 4

Die Ursachen für Nervenschmerzen bei Kniearthrose Grad 4 sind vielfältig und oft miteinander verbunden:

  • Direkter Knochenkontakt: Im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose reiben die Knochen ohne schützende Knorpelschicht schmerzhaft aneinander.
  • Entzündungen: Durch den Knorpelabrieb entstehen Entzündungen im Gelenk, die die Nerven reizen können. Entzündlich aktivierte Arthrose deutet auf eine weit fortgeschrittene Schädigung des Knorpels im Kniegelenk hin. In dieser Situation hat die Arthrose bereits zu Abrieb der Knorpelfläche im Knie geführt: Knochen- und Knorpeltrümmer lösen sich und bewegen sich frei in der Gelenkkapsel. Dieser Abrieb wirkt entzündungsfördernd.
  • Knochenveränderungen: An den Gelenkflächen bilden sich knöcherne Anbauten (Osteophyten), die zusätzlich auf Nerven drücken können. In vielen Fällen bilden sich an den Gelenkflächen knöcherne Anbauten (Osteophyten), die zu Entzündungsreaktionen innerhalb der Gelenkkapsel führen.
  • Fehlstellungen: Fehlstellungen der Beinachsen (O-Beine, X-Beine) können die Belastung auf bestimmte Kniebereiche erhöhen und Nervenschmerzen verstärken. Liegen O-Beine vor, wird das innere oder mediale Kompartiment überlastet, und die O-Beine führen zur Ausbildung einer Varusgonarthrose. Laterale Kniearthrose: Diese Form der Arthrose im Knie tritt insbesondere bei X-Beinstellung auf. Hier ist vor allem der äußere Bereich des Knies geschädigt. Man bezeichnet sie auch als Valgusgonarthrose. Die mediale Gonarthrose tritt vor allem bei O-Bein-Fehlstellung auf.
  • Muskelverspannungen: Schmerzen führen oft zu Schonhaltungen und Muskelverspannungen, die ebenfalls Nerven einklemmen können. Erst nach und nach stellen sich bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen mit konsekutiven Muskelverkürzungen ein.

Ein Knorpelschaden im Knie des 4. Grades ist meist das Ergebnis einer Kombination aus langanhaltender Belastung, mechanischen Einflüssen und genetischen Faktoren.

Häufige Ursachen:

  • Degenerative Erkrankungen: Arthrose ist die häufigste Ursache, da sie durch fortschreitenden Knorpelverschleiß das Gewebe zerstört.
  • Überlastung: Wiederholte Belastungen durch Sport, körperlich fordernde Arbeit oder Übergewicht können den Knorpel schädigen. Starkes Übergewicht, jahrelange sportliche Belastung, aber auch Bewegungsarmut verschleißen die Kniegelenke.
  • Verletzungen: Akute Traumata wie Meniskusrisse oder Kreuzbandverletzungen belasten das Knorpelgewebe erheblich.
  • Fehlstellungen: Anatomische Fehlstellungen wie O-Beine oder X-Beine erhöhen den Druck auf bestimmte Bereiche des Gelenks.
  • Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen wie Gicht oder Diabetes begünstigen Knorpelschädigungen.
  • Ungleichgewicht: Ein Mangel an Regeneration oder ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Schonung schädigt das Knorpelgewebe nachhaltig.

Symptome von Nervenschmerzen bei Kniearthrose

Die Symptome von Nervenschmerzen bei Kniearthrose können vielfältig sein:

  • Starke, anhaltende Schmerzen: Die Schmerzen können sowohl bei Bewegung als auch in Ruhe auftreten. Betroffene leiden häufig unter einer Kombination folgender Beschwerden:
    1. Schmerzen: Starke, anhaltende Schmerzen bei Bewegung oder Ruhe. Verstärkung der Schmerzen bei Belastung (z. B. Treppensteigen).
    2. Bewegungseinschränkungen: Eingeschränkte Beweglichkeit durch Steifheit. Gefühl des „Blockierens“ im Gelenk.
    3. Schwellungen und Entzündungen: Schwellung des Knies durch vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit. Rötung und Wärme im Bereich des Gelenks bei entzündlichen Prozessen.
    4. Instabilität: Gefühl des Wegknickens oder mangelnder Stabilität beim Gehen. Probleme, das Knie im Alltag zuverlässig zu belasten.
  • Belastungsabhängige Schmerzen: Die Schmerzen verstärken sich bei Aktivitäten wie Treppensteigen, Gehen oder längerem Stehen. Im Frühstadium der Kniearthrose machen sich leichte belastungsbedingte Knieschmerzen bemerkbar. Im späteren Verlauf der Krankheit treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf.
  • Ruheschmerzen: In fortgeschrittenen Stadien können die Schmerzen auch in Ruhephasen auftreten, insbesondere nachts. Bei fortgeschrittener Kniearthrose treten die Schmerzen auch nachts und in Ruhepausen auf.
  • Anlaufschmerzen: Nach Ruhephasen oder morgens nach dem Aufstehen treten Schmerzen auf, die sich nach kurzer Bewegung bessern. Es kommt zu Knieschmerzen nach Ruhephasen, längerem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen. Ihr Kniegelenk ist wie "eingerostet". Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der frühmorgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen auftritt, und nach kurzem Einlaufen wieder rückläufig ist.
  • Bewegungseinschränkungen: Das Kniegelenk kann steif und unbeweglich sein. Eingeschränkte Beweglichkeit durch Steifheit. Gefühl des „Blockierens“ im Gelenk.
  • Schwellungen: Das Knie kann aufgrund von Entzündungen anschwellen. Schwellung des Knies durch vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit.
  • Instabilitätsgefühl: Das Gefühl, dass das Knie "wegknickt" oder instabil ist. Gefühl des Wegknickens oder mangelnder Stabilität beim Gehen.

Diagnostische Verfahren

Um die Ursache der Nervenschmerzen bei Kniearthrose Grad 4 zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Verfahren notwendig:

Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht das Knie auf Schwellungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzpunkte. Die ersten Schritte in der Diagnostik sind ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Der Orthopäde erkundigt sich nach besonderen beruflichen oder sportlichen Belastungen. Zu Beginn inspiziert der Kniespezialist das Kniegelenk ebenso wie das gesamte Bein. Der Arzt erfasst Fehlstellungen der Beinachse wie O-Bein und X-Bein, Beinlängenunterschiede, Schwellungen oder eine Rückbildung der Muskulatur. Ebenso sind Fehlstellungen im Sprunggelenk und im Fuß wie z. B. Die Funktion der Kreuzbänder steht oft in engem Zusammenhang zur Arthroseentstehung. Der Schubladentest prüft die Stabilität der Kreuzbänder. Mithilfe von Tests des Bewegungsumfangs prüft der Arzt, ob die Beweglichkeit des Kniegelenks durch die Arthrose bereits vermindert ist. Er versucht, den Schmerz exakt im Knie zu lokalisieren.
  • Röntgenaufnahmen: Sie zeigen den Zustand des Knorpels und der Knochen sowie mögliche Fehlstellungen oder Osteophyten. Meist reichen Röntgenbilder aus, um eine Gonarthrose sicher festzustellen. Der wichtigste Schritt zur Darstellung von Knorpelschäden bei Gonarthrose ist eine Röntgenaufnahme des Knies. Es zeigt deutlich Veränderungen des Gelenkspalts. Wo Knorpel im Knie abgebaut wurde, nimmt der Abstand der Knochen im Röntgenbild ab. Für ein eindeutiges Ergebnis ist es wichtig, dass das Röntgenbild im Stehen unter Gewichtsbelastung angefertigt wird. Ohne Belastung ist eine Verschmälerung des Gelenkspalts oft nicht sichtbar. Es kommt zur Sklerosierung (Verdichtung) des Knochens unter dem Knorpel aufgrund der erhöhten Belastung im Kniegelenk. Für die Röntgendiagnostik der Kniearthrose sehr wichtig ist die seitenvergleichende Aufnahme.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Sie liefert detailliertere Bilder des Knorpels, der Bänder und der Weichteile und kann Entzündungen oder andere Schäden aufzeigen. Eine MRT kann im Einzelfall hilfreich sein, weil sie Schäden an Bändern und Menisken besser darstellt.
  • Arthroskopie: In einigen Fällen kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) notwendig sein, um den Zustand des Gelenks direkt zu beurteilen und gleichzeitig therapeutische Maßnahmen durchzuführen. Arthroskopie - der Goldstandard: Minimal-invasives Verfahren, bei dem eine Kamera ins Knie eingeführt wird. Ermöglicht eine direkte Sicht auf den Knorpel und das umliegende Gewebe. Häufig kombiniert mit therapeutischen Maßnahmen wie Glättung oder Knorpeltransplantation.

Um einen Knorpelschaden im Knie präzise zu diagnostizieren, werden verschiedene Verfahren eingesetzt, die sowohl das Ausmaß der Schädigung als auch begleitende Probleme im Gelenk erkennen. Die wichtigsten Schritte umfassen:

  1. Anamnese und körperliche Untersuchung:
    • Erhebung der Krankengeschichte: Wann und wie sind die Beschwerden aufgetreten? Gibt es Vorerkrankungen wie Arthrose oder frühere Verletzungen?
    • Untersuchung des Knies: Prüfung der Beweglichkeit, Stabilität und Schmerzempfindlichkeit. Identifikation von Schwellungen oder anderen sichtbaren Auffälligkeiten.
  2. Bildgebende Verfahren:
    • MRT (Magnetresonanztomographie): Liefert detaillierte Bilder des Knorpelgewebes und zeigt den Schweregrad der Schädigung.
    • Röntgen: Zur Darstellung knöcherner Veränderungen oder Fehlstellungen, z. B. O-Beine.
    • CT (Computertomographie): Eher selten eingesetzt, vor allem zur Planung komplexer Operationen.
  3. Arthroskopie - der Goldstandard: Minimal-invasives Verfahren, bei dem eine Kamera ins Knie eingeführt wird. Ermöglicht eine direkte Sicht auf den Knorpel und das umliegende Gewebe. Häufig kombiniert mit therapeutischen Maßnahmen wie Glättung oder Knorpeltransplantation.
  4. Zusatzuntersuchungen:
    • Analyse der Gelenkflüssigkeit: Erkennt entzündliche Prozesse oder Stoffwechselerkrankungen.
    • Bewegungsanalysen: Identifikation von Fehlbelastungen, die die Schädigung begünstigen können.

Konservative Behandlungsmethoden

Meist beginnt die Behandlung der Kniearthrose mit konservativen Maßnahmen, also ohne OP. Sie reichen in der Regel aus, um Kniearthrose in Stadium 1 und 2 erfolgreich zu behandeln.

Die konservative Therapie zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Sie umfasst:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können Schmerzen und Entzündungen reduzieren. An erster Stelle stehen hier die entzündungshemmenden und schmerzlindernden nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR, z. B. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen). Diese Medikamente sollten jedoch zugunsten von Magen, Herz-/Kreislaufsystem und Nieren (d.h. wegen der gastrointestinalen, kardiovaskulären und renalen Nebenwirkungen), die besonders im höheren Lebensalter als auch bei höherer Dosierung auftreten können, nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt eingenommen werden. Tabletten mit Wirkstoffen wir Diclofenac oder Acetylsalicylsäure unterdrücken den Schmerz und hemmen Entzündungen.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen stärken die Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit und stabilisieren das Kniegelenk. Begleitende Physiotherapie dient der Kräftigung der Muskulatur. Sie ist ein wichtiger Teil der gelenkerhaltenden Therapie, da sie die Beweglichkeit des Kniegelenks verbessern kann. Sie lernen, wie Sie Ihre Muskeln selbstständig dehnen und kräftigen können. Die Kernbehandlung jeder Arthrose sollte nach den Empfehlungen der internationalen Osteoarthritis Research Society (OARSI) in einem strukturieren Übungs- und Bewegungsprogramm bestehen oder ggf. eine diätische Einstellung und Optimierung des Körpergewichts in Kombination mit einem sportlichen Übungsprogramm beinhalten. Dabei werden Übungen, die sowohl Körper als auch Geist beanspruchen wie z.B. Tai Chi oder Yoga besonders hervorgehoben. Bewegung fördert die Durchblutung der Gelenkinnenhaut, die die Gelenkschiere (Synovialflüssigkeit) produziert und diese wird wiederum bei jeder Bewegung im Gelenk verteilt. Die Synovialflüssigkeit wirkt nicht nur als Schmierstoff, sondern versorgt den Knorpel auch mit Nährstoffen bzw. transportiert Abfallstoffe ab. Das nicht durchblutete Knorpelgewebe ist auf diese Ernährungsfunktion der Synovialflüssigkeit angewiesen.
  • Hyaluronsäure-Injektionen: Hyaluronsäure wirkt wie eine Art Schmiermittel in den Gelenken und kommt ganz natürlich im Körper vor. Synthetisch hergestellte Hyaluronsäure soll Arthrose im frühen Stadium leicht lindern können. Manche Orthopäden bieten ihren Arthrose-Patientinnen und Patienten an, Hyaluronsäure direkt in das betroffene Gelenk zu spritzen. Da es sich dabei um eine sogenannte Individuelle Gesundheits-Leistung (IGeL) handelt, müssen die Betroffenen die Kosten von 200 bis 400 Euro für drei bis fünf Spritzen selbst tragen. Diese Spritzen bringen nicht immer eine Besserung, zudem können sie auch allergische Reaktionen auslösen und Nebenwirkungen haben. Bei manchen Menschen kommt es nach so einer Spritze zu einer kurzzeitigen Rötung oder zu Schmerzen, die nach ein bis zwei Tagen aber wieder verschwinden. Der IGel-Monitor bewertet Hyaluron-Spritzen bei Kniegelenksarthrose grundsätzlich als negativ und rät ab. Orthopäden dagegen verweisen darauf, dass in einem frühen Stadium, also wenn die Arthrose noch nicht weit fortgeschritten ist, Hyaloron-Spritzen ins Kniegelenk die Beschwerden lindern können und so die Notwendigkeit eines künstlichen Gelenks hinausgezögert werden könne. Wichtig sei, dass die Injektionen nur Teil eines Behandlungskonzeptes mit Physiotherapie und gegebenenfalls Gewichtsreduktion seien.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht belastet die Kniegelenke zusätzlich. Normalgewichtige Patienten bekommen im Vergleich zu übergewichtigen Patienten durchschnittlich 13 Jahre später ihre erste Knieprothese.
  • Orthesen und Bandagen: Sie können das Kniegelenk stabilisieren und entlasten. Bei leichter Kniearthrose kann die Knieorthese OA Ease helfen, die Schmerzen zu reduzieren. Knieorthesen wie die OA Ease und Unloader One® X können das Gelenk entlasten und dadurch Schmerzen reduzieren. Durch die Schmerzlinderung können Patientinnen und Patienten wieder aktiver sein. Mehr Bewegung stärkt die Muskeln und versorgt den Knorpel besser - dadurch lässt sich das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen. Bei schwerer Kniearthrose kann die Unloader One® X Knieorthese helfen, die Knieschmerzen zu lindern und das Fortschreiten der Kniearthrose hinauszuzögern. Auch zur Vorbereitung auf eine Kniegelenk-OP wird die Unloader One® X eingesetzt. Für diese Knieorthese hat Össur das 3-Punkt-Wirkprinzip entwickelt. Durch das 3-Punkt-Wirkprinzip wird die Last, die auf das Gelenk wirkt, umverteilt. Dadurch verringert sich der Druck und das betroffene Gelenk wird entlastet, was eine schmerzfreie Bewegung ermöglicht. Die Orthese drückt nicht direkt auf das Kniegelenk, sondern wirkt über einen sanften Zug der Gurte. Die Wirkung erfolgt nur in der Streckung. Beim Sitzen werden die Bänder entlastet.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Muskelverspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann. Wärme und Kälteanwendungen gehören zu der konservativen physikalischen Therapie bei Arthrose. Generell können beide Thermotherapien sinnvoll sein, Kälte hilft eher bei der aktivierten Gonarthrose mit Entzündung oder bei akuten Verletzungen. Die Wärmebehandlung (z.B. Fango) hilft eher bei der langsam verlaufenden, andauernden nichtentzündeten Arthrose.

Bei Grad-4-Knorpelschäden steht die konservative Therapie oft am Anfang der Behandlung, vor allem, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit des Kniegelenks zu fördern. Eine zentrale Rolle spielt die Physiotherapie, bei der gezielte Übungen helfen, die Muskeln rund um das Knie zu stärken und die Balance zwischen Belastung und Entlastung zu verbessern. Ergänzend können entzündungshemmende Medikamente und Injektionen mit Hyaluronsäure oder körpereigenem Plasma (PRP) eingesetzt werden, um die Eigenschaften der Gelenkflüssigkeit zu verbessern und den Knorpel zu entlasten. In einigen Fällen wird auch eine Gewichtsreduktion empfohlen, um den Druck auf das Gelenk zu verringern, oder spezielle Schuheinlagen, um Fehlstellungen wie O-Beine auszugleichen. Diese Maßnahmen allein können den Schaden am Knorpel jedoch nicht beheben, sondern lediglich die Beschwerden lindern.

Operative Behandlungsmethoden

Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß in Stadium 3 oder 4 ist eine Operation erforderlich, wenn ein unwiederbringlicher Knorpelverlust besteht und starke Beschwerden vorliegen. Nur wenn konservative Maßnahmen nicht anschlagen oder vorab keinen Erfolg versprechen, kommen chirurgische Eingriffe infrage. Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, ist eine Operation oft unumgänglich. Ziel operativer Verfahren ist es, den geschädigten Knorpel durch Reparatur oder Ersatz zu behandeln und die Funktion des Kniegelenks wiederherzustellen.

Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen

  • Arthroskopische Gelenkspülung: Die minimalinvasive arthroskopische Gelenkspülung soll in der Gelenkflüssigkeit schwimmende Knorpel- und Gewebefasern entfernen und dadurch Entzündungen lindern. PD Dr. med. Berthold ist ein Spezialist für arthroskopische Operationsverfahren.
  • Knorpelzelltransplantation: Bei nur teilweise und nur leicht geschädigten Gelenken kann eine Knorpelzelltransplantation möglich sein. Dabei wird körpereigener Knorpel entnommen und vermehrt, um ihn schließlich einzusetzen. Es gibt zelltherapeutische operative Verfahren, wie die körpereigene Knorpelzell-Transplantation (ACI), die durch Verletzungen bedingte kleine Knorpeldefekte auffüllen und weitgehend regenerieren können.
  • Denervierung: Reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, aber die Betroffenen können oder wollen nicht operiert werden, ist die sogenannte Denervierung eine weitere Option. Dabei werden die Nervenbahnen teilweise oder komplett unterbrochen, die die Schmerzsignale vom Knie zum Gehirn leiten. Dadurch ist eine deutliche Schmerzlinderung für mehrere Jahre möglich. Wenn dieses Verfahren für Sie infrage kommt, führen wir zunächst eine Testdenervierung mit einem Lokalanästhetikum durch.
  • Teilprothese: Bei der Operation erhalten wir so viel Knochenmaterial wie möglich und ersetzen die geschädigten Areale durch ein Implantat. Welche Prothese die richtige für Sie ist, hängt vor allem vom Zustand Ihres Gelenks ab.
  • Knieprothese (Totalendoprothese): Sind gelenkerhaltende Eingriffe bei ausgeprägtem Gelenkverschleiß nicht mehr sinnvoll, können sich Patienten für den künstlichen Gelenkersatz mit Implantation einer Knieprothese entscheiden. Dr. med. Ein künstliches Kniegelenk kann die natürlichen Strukturen zwar nie vollständig ersetzen, die Beschwerden aber sehr effektiv lindern. Bei einem komplikationslosen Verlauf halten diese Implantate oft 10 bis 15 Jahre, teilweise auch länger. Bei fortgeschrittener Arthrose kann ein teilweiser oder vollständiger Gelenkersatz notwendig sein. Sind wesentliche, die Stabilität des Gelenkes sicherstellende Bänder zerstört, werden auch verschieden stark gekoppelte Prothesenvarianten eingesetzt, die mehr oder weniger diese Bandfunktionen ersetzen. Im Vorfeld einer Operation besprechen wir ausführlich Ihre Krankengeschichte. Mit einem Hautschnitt wird das Kniegelenk von vorne in Längsrichtung eröffnet. Der Oberschenkelknochen und der Schienbeinkopf werden so geformt, dass die Prothesenkomponenten belastungsstabil und drehsicher verankert werden können. Die Metallbasisplatte wird auf dem Schienbeinkopf verankert, die dann den Plastikmeniskus aufnimmt. Beide Komponenten (Oberschenkel- und Schienbeinkomponente) bilden zusammen die neuen Gelenkflächen. Dieser Gelenkflächenersatz wird mit Knochenzement auf den Knochen aufgeklebt. Je nach Ausmaß der Knorpelzerstörung kann ein einfacher oder ein kompletter Gelenkflächenersatz implantiert werden.

Eine der häufigsten Methoden ist die Knorpeltransplantation, bei der körpereigenes Knorpelgewebe oder synthetisches Material in das betroffene Gelenk eingebracht wird. Alternativ kann bei größeren Schäden ein Teil- oder Komplettgelenkersatz notwendig sein. Eine weitere Option ist die Mikrofrakturierung, bei der kleine Löcher in den darunterliegenden Knochen gebohrt werden, um die Bildung von Ersatzknorpel anzuregen. Diese Methode eignet sich jedoch meist nur bei kleineren Defekten.

Rehabilitation nach operativen Eingriffen

Nach der Operation sorgen unsere erfahrenen Teams dafür, dass Sie möglichst schmerzarm sind. So werden Sie bereits am selben Tag beziehungsweise am Tag nach der Operation aus dem Bett heraus mobilisiert. Unser Pflegepersonal sowie das Team der Physiotherapie führen Sie frühzeitig wieder an ein schmerzfreies Laufen heran. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel vier bis sechs Tage. Anschließend leiten wir in eine, dreiwöchige Rehabilitationsbehandlung, die ambulant oder stationäre erfolgen kann, über.

Präventive Maßnahmen

Eine frühzeitige Behandlung der Kniegelenksarthrose ist wichtig, um einen Totalausfall des betroffenen Gelenkes zu vermeiden. Es ist empfehlenswert, sich trotz Arthrose zu bewegen, um die Gelenkfunktion zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Spazieren gehen ist zu empfehlen, da hier die Knie nicht stark belastet werden. Achten Sie auf gutsitzende Schuhe mit einer dicken, festen Sohle.

  • Regelmäßige Bewegung: Es lohnt sich in jedem Alter, den Stoffwechsel im Knorpel durch regelmäßige, möglichst sanfte Bewegung zu fördern. Das pflegt die Gelenke und erhält Reserven für die natürliche Knorpelregeneration. Bezüglich Ihres Sportprogramms sollten Sie auf lockernde sportliche Gymnastik, Schwimmen im warmen Wasser/Wassergymnastik und Sportarten mit gleichmäßigen Bewegungsabläufen (z. B.
  • Gesunde Ernährung: Die Ernährung ist ein wichtiger Einflussfaktor bei der Ausbildung einer Arthrose. Durch eine veränderte Ernährung kann die Krankheit zwar nicht geheilt werden, es ist jedoch erwiesen, dass die weitere Entwicklung oder Progression gebremst werden kann. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren.
  • Gewichtskontrolle: Vermeiden Sie Übergewicht, um die Kniegelenke nicht unnötig zu belasten. Übergewicht ist ein erheblicher Risikofaktor: Das übermäßige Bauchfett befeuert eine systemische Entzündung, die auch den Knorpel schädigt.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie repetitive Bewegungen und extreme Belastungen der Kniegelenke.
  • Korrektur von Fehlstellungen: Lassen Sie Fehlstellungen der Beinachsen frühzeitig korrigieren.

tags: #nervenschmerzen #bei #kniearthrose #grad #4