Chamomilla: Dosierung und Anwendung bei Nervenschmerzen

Chamomilla recutita, besser bekannt als Echte Kamille, ist eine vielseitige Heilpflanze, die in der Homöopathie breite Anwendung findet. Besonders bekannt ist Chamomilla für seine beruhigenden und schmerzlindernden Eigenschaften, die vor allem bei Nervenschmerzen und Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzen zum Tragen kommen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Chamomilla-Anwendung, insbesondere die Dosierung und die spezifischen Anwendungsgebiete bei Nervenschmerzen.

Was ist Chamomilla?

Chamomilla recutita gehört zur Familie der Korbblütler und ist für ihre entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften bekannt. In der Homöopathie wird Chamomilla vor allem bei Schmerzen eingesetzt, die mit einer starken Überempfindlichkeit und Reizbarkeit einhergehen. Typisch ist, dass die betroffene Person zornig wird und ihr Umfeld für die Schmerzen verantwortlich macht.

Wann wird Chamomilla eingesetzt?

Chamomilla wird in der Homöopathie traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Ohrenschmerzen
  • Zahnschmerzen und Zahnungsbeschwerden bei Babys
  • Kolikartige Magen- und Darmschmerzen, Blähkoliken bei Säuglingen
  • Durchfall
  • Wundheit im Anal- und Genitalbereich
  • Kopf- und Gesichtsneuralgie
  • Regelschmerzen
  • Schlaflosigkeit

Besonders bewährt hat sich Chamomilla bei Beschwerden, die mit großer Schmerzempfindlichkeit, Gereiztheit und nervöser Unruhe einhergehen. Kinder, die Chamomilla benötigen, wollen oft herumgetragen werden und können nicht schlafen.

Der Chamomilla-Typ

Der Chamomilla-Typ zeichnet sich durch Jähzorn und eine starke Schmerzempfindlichkeit aus. Diese Personen sind oft launisch und leicht verärgert, besonders am Morgen. Sie sind nervös und vertragen Kaffee oft schlecht. Chamomilla-Persönlichkeiten können nachtragend sein und reagieren empfindlich auf Störungen. Ärger und Zorn können sich in Magenschmerzen äußern. Boericke, ein bedeutender Homöopath, beschrieb den Chamomilla-Typ als reizbar, empfindlich, betäubt und unruhig.

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Chamomilla für Babys und Kinder

Kinder, die Chamomilla benötigen, sind oft lieb und brav, solange sie gesund sind. Werden sie jedoch krank, können sie sich stark verändern und alles als unerträglich empfinden. Sie reagieren übellaunig, selbst wenn man sie nur ansieht, und weisen angebotene Dinge zurück. Chamomilla-Kinder können vor Wut toben, sind impulsiv, schreien andere an, werfen mit Gegenständen und quengeln ungeduldig.

Diese Kinder sind nicht nur emotional überempfindlich, sondern reagieren auch stark auf Licht, Lärm, Gerüche, Geschmacksempfindungen, Berührungen, Hitze, Wind und frische Luft. Sie wollen oft nicht angefasst werden und finden Linderung nur durch Herumtragen oder Wiegen auf dem Schoß. Chamomilla-Babys und -Kinder schlafen schlecht, auch wenn sie sehr müde sind, und werfen im Schlaf und im wachen Zustand alle Decken von sich.

Ein weiteres Anzeichen für den möglichen Nutzen von Chamomilla ist das Aussehen des Kindes. Die Haut kann entzündet sein, oft ist eine Wange rot und heiß, die andere kalt und blass. Der Kopf ist warm und schweißbedeckt, die Füße sind heiß. Der ganze Körper sowie Stuhl und Darmgase riechen sauer. Die Kinder bevorzugen oft kalte, saure Getränke.

Chamomilla bei Nervenschmerzen (Neuralgie)

Chamomilla kann bei Nervenschmerzen, insbesondere bei Kopf- und Gesichtsneuralgien, eingesetzt werden. Die Schmerzen sind oft von ziehendem oder reißendem Charakter und können mit Taubheitsgefühlen in den betroffenen Körperteilen einhergehen. Chamomilla wirkt reizlindernd und dämpfend auf Nervenbahnen, die Informationen an das Gehirn weiterleiten, und kann so die Beschwerden lindern.

Wie wird Chamomilla angewendet?

Chamomilla ist als homöopathisches Einzelmittel in Form von Streukügelchen (Globuli), Tabletten oder Tropfen erhältlich. Es gibt auch viele homöopathische Komplexmittel, die Chamomilla enthalten, besonders solche, die in der Kinderheilkunde eingesetzt werden.

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Dosierung

Die Dosierung von Chamomilla hängt von der Potenz und dem Anwendungsgebiet ab. Im Allgemeinen gilt:

  • Chamomilla D6: Bei akuten Beschwerden können Erwachsene und Kinder mehrmals täglich 3 Globuli einnehmen, bis zu sechsmal täglich. Bei Besserung werden die Abstände zwischen den Einnahmen vergrößert.
  • Chamomilla D12: Diese Potenz eignet sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Krankheiten. Babys können beispielsweise beim Zahnen ein bis zwei Mal täglich 3 Globuli erhalten.
  • Chamomilla C30 oder D30: Diese Potenzen werden bei Übellaunigkeit und Wutausbrüchen eingesetzt. Erwachsene und Kinder können einmalig 3 Globuli einnehmen und bei Bedarf am nächsten Tag wiederholen.
  • Höhere Potenzen (z.B. C200): Diese Potenzen sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingenommen werden, da sie bei schweren akuten Krankheitsverläufen und chronischen Krankheiten zum Einsatz kommen.

Wichtiger Hinweis: Bei länger anhaltenden oder schlimmer werdenden Beschwerden sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden, um die Ursache abzuklären. Dies gilt besonders bei Erkrankungen von Babys und Kindern.

Anwendungshinweise

  • Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen.
  • Bei akuten Beschwerden kann mit halbstündlicher bis stündlicher Einnahme begonnen werden.
  • Bei anhaltender Besserung wird die Einnahme beendet.
  • Homöopathische Arzneimittel sollen keine Nebenwirkungen haben. Beim Auftreten von Erstverschlimmerungen soll aber die Einnahme von Chamomilla unterbrochen werden.
  • Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern.

Typische Chamomilla Anwendungsgebiete und Dosierung

Hier sind einige typische Anwendungsgebiete von Chamomilla mit den entsprechenden Dosierungsempfehlungen:

  • Bauchschmerzen: 3 Globuli Chamomilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich. Besonders geeignet bei Blähungskoliken und krampfartigen Bauchschmerzen, besonders bei reizbaren, ärgerlichen Kindern. Oft ist eine Wange rot und die andere blass. Die Schmerzen kommen besonders morgens und abends.
  • Durchfall: 3 Globuli Chamomilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich. Geeignet bei unverdautem Durchfall mit grüner Farbe und Geruch nach faulen Eiern, besonders bei Babys während des Zahnens.
  • Ohrenschmerzen: 3 Globuli Chamomilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich. Bei stechenden Schmerzen, oft einseitig, mit einer roten und einer blassen Wange. Das Kind leidet sehr, ist jähzornig und man kann ihm nichts recht machen.
  • Reizbarkeit/Wut: 3 Globuli Chamomilla C30 einnehmen, bei Bedarf am nächsten Tag wiederholen oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich bis zur Besserung. Bei heftigen Zornanfällen, besonders bei Kindern, die extrem schmerzempfindlich und unruhig sind. Kinder wollen herumgetragen werden, und man kann dem Kranken nichts recht machen. Auch für Stillbabys, die krank werden, nachdem die Mutter einen Wutanfall hatte.
  • Schlafstörungen: 3 Globuli Chamomilla C30 vor dem Zubettgehen einnehmen. Geeignet bei Wachliegen wegen Zorn und Ärger, besonders für Kinder während des Zahnens, wenn diese reizbar oder ärgerlich sind und herumgetragen werden möchten.
  • Zahnschmerzen: 3 Globuli Chamomilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich. Bei unerträglich heftigen Schmerzen, wobei eine Gesichtshälfte heiß und rot, die andere blass ist. Besonders schlimm in der Nacht, schlimmer durch kalte Luft sowie durch warme Speisen oder Getränke. Der Patient ist sehr gereizt und unruhig. Auch bei Zahnungsschmerzen bei Babys.
  • Neuralgien: 3 Globuli Chamomilla C30 einnehmen, dies täglich wiederholen. Bei Schmerzen von ziehendem oder reißendem Charakter mit tauben Empfindungen in den betroffenen Körperteilen, besonders bei Kopf- und Gesichtsneuralgien.
  • Regelschmerzen: 3 Globuli Chamomilla D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Chamomilla D12 zweimal täglich. Bei heftigen, kolikartigen Schmerzen in der Gebärmutter, oft mit Abgang von dunklen Blutklumpen. Bei veränderten Blutungen Chamomilla C30 vor Beginn der Blutung einnehmen.

Chamomilla Globuli: Zusammensetzung und Darreichung

Chamomilla Globuli werden aus den Blüten der Kamillenpflanze (Chamomilla recutita) hergestellt. Als therapeutisch besonders wertvoll gilt das ätherische Öl der Kamille, welches aus Chamazuelen und Alpha-Bisabolol zusammengesetzt ist. Die Wirkung der Kamillenpflanze wird durch weitere Wirkstoffe wie Flavonoide und Cumarine komplettiert. Die Globuli sind in verschiedenen Potenzen erhältlich, wobei D6 und D12 häufig für die Selbstbehandlung empfohlen werden.

Anwendung von Globuli bei Säuglingen und Kindern

  • Säuglinge (bis 12 Monate): 1 Kügelchen
  • Babys (2. bis 3. Jahr): 2 Globuli
  • Größere Kinder: 3 Globuli

Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt.

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Worauf ist bei der Anwendung von Chamomilla zu achten?

Bei der Anwendung von Chamomilla ist es wichtig, auf die individuellen Symptome und Beschwerden zu achten. Je mehr der beschriebenen Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der Arznei. Chamomilla ist besonders bei psychischer Unruhe indiziert, die meist durch eine Überempfindlichkeit bei Schmerzen ausgelöst wird.

Verschlimmerung

Besonders Temperaturschwankungen können zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen. Auch Berührung durch andere Menschen oder sogar ein Ansprechen auf die Beschwerden kann eine Verschlechterung bewirken.

Chamomilla-Patienten

Chamomilla-Patienten weisen oft eine stark ausgeprägte Hysterie auf. Sie beginnen schnell zu jammern und zu verzweifeln. Darüber hinaus wirken die Personen meist unruhig und zerstreut. Sie reden schnell, versprechen sich häufig und lassen teilweise ganze Wörter aus. Besonders auffällig ist die Neigung zu Zorn und heftigen Wutausbrüchen.

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