Nervenschmerzen im Gesicht, auch bekannt als Gesichtsneuralgien, können eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Diese Schmerzen können plötzlich auftreten und von kurzer Dauer sein oder chronisch werden und über längere Zeit anhalten. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Nervenreizungen bis hin zu komplexen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen im Gesicht, die Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Einführung in Nervenschmerzen im Gesicht
Gesichtsschmerzen sind Schmerzen, die bevorzugt im Bereich von Nase, Augen, Mund und Kinn auftreten. Die Schmerzen können unterschiedlich intensiv sein und eine oder beide Gesichtshälften betreffen. Je nach Dauer und Ursache der Schmerzen unterscheidet man verschiedene Formen von Gesichtsschmerz. Häufig lösen Probleme mit den Nerven Gesichtsschmerzen aus. Solche Schmerzen schießen meist blitzartig ein und fühlen sich bohrend an.
Ursachen von Nervenschmerzen im Gesicht
Die Ursachen für Nervenschmerzen im Gesicht sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie ist eine der bekanntesten Ursachen für Nervenschmerzen im Gesicht. Sie wird durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht, der für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfinden in Stirn und Augen, Ober- und Unterkiefer sowie Lippe und Wange verantwortlich ist. Die Schmerzen treten einseitig auf und werden oft als plötzlich einschießend, heftig und elektrisierend beschrieben.
Klassische (primäre) Trigeminusneuralgie: Bei 80 bis 90 Prozent der Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, wodurch der Nerv leichter erregbar wird.
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Sekundäre (symptomatische) Trigeminusneuralgie: Hier wird der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt, die die Gesichtsschmerzen verursachen. Dazu gehören multiple Sklerose, Tumoren, die Druck ausüben, Bindegewebserkrankungen und angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen.
Idiopathische Trigeminusneuralgie: Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen lässt, liegt eine sogenannte idiopathische Trigeminusneuralgie vor.
Atypischer Gesichtsschmerz
Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft wählte dafür die Bezeichnung „idiopathischer anhaltender Gesichtsschmerz“, die sich jedoch noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Das Wort „idiopathisch“ bedeutet, dass die Ursache nicht bekannt ist.
Zahn- und Kieferprobleme
Zahnprobleme stellen die zweithäufigste Ursache dar. Fehlstellungen des Kiefers oder chronische Zahnprobleme können Schmerzen im Gesicht auslösen. Auch die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann chronische Schmerzen im Gesicht, Kopf- und Nackenbereich verursachen.
Entzündungen
Akute Nebenhöhlenentzündung oder chronische Nebenhöhlenentzündung: Bei einer Dauer von unter 30 Tagen spricht man von einer akuten und danach von einer chronischen Nebenhöhlenentzündung. Diese tritt oft im Anschluss an eine Erkältung auf.
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Weitere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für Gesichtsschmerzen sind zum Beispiel:
- Fehlfunktionen des Kauapparats (kraniomandibuläre Dysfunktionen)
- Zähneknirschen (Bruxismus); ausstrahlende Zahnschmerzen
- Gürtelrose (Herpes zoster)
- Grüner Star (Glaukom)
- bestimmte Kopfschmerzarten
- Erkrankungen von Gehirn und Rückenmark wie Multiple Sklerose
- nach einem Schlaganfall
- Geschwulsterkrankungen im Gehirn, zum Beispiel Hirntumoren
- Verletzungen am Kopf
- Operationen im Gesicht
- Schäden an der Wirbelsäule
- Muskelverspannungen im Nacken und der Schulter
- Zungenbrennen
- Sehnerv-Entzündung (Optikusneuritis)
- das Tolosa-Hunt-Syndrom: seltene Schmerzerkrankung im Augenbereich
Symptome von Nervenschmerzen im Gesicht
Die Symptome von Nervenschmerzen im Gesicht können je nach Ursache variieren. Typische Symptome sind:
- Plötzlich einschießende, heftige Schmerzen: Diese werden oft als elektrisierend oder stechend beschrieben und dauern meist nur wenige Sekunden.
- Dauerhafter, dumpfer Schmerz: Dieser kann von Kopfschmerzen begleitet sein und über längere Zeit anhalten.
- Trigger-Schmerzen: Bestimmte Reize wie Berührungen, Kauen, Sprechen oder kalte Luft können Schmerzattacken auslösen.
- Schmerzfreie Phasen: Zwischen den Schmerzattacken können schmerzfreie Phasen liegen, die unterschiedlich lange dauern.
- Begleitsymptome: Je nach Ursache können Begleitsymptome wie Hautrötung, Augentränen, Muskelverspannungen oder neurologische Ausfälle auftreten.
Patienten berichten von folgenden Symptomen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
- Schwere blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden, beispielsweise Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch
Diagnose von Nervenschmerzen im Gesicht
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Gesicht erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Schmerzcharakteristik, Auslöser, Begleitsymptome und Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Gesicht, testet das Empfindungsvermögen und prüft die Funktion der Gesichtsnerven.
- Neurologische Untersuchung: Diese dient dazu, neurologische Ausfälle oder andere Erkrankungen des Nervensystems auszuschließen.
- Bildgebende Verfahren: Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann durchgeführt werden, um Ursachen wie Tumoren, Gefäßfehlbildungen oder Multiple Sklerose auszuschließen.
- Zahnärztliche Untersuchung: Bei Verdacht auf Zahn- oder Kieferprobleme ist eine zahnärztliche Untersuchung erforderlich.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie Bluttests, Augenuntersuchungen oder HNO-ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden.
Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Gesicht richtet sich nach der Ursache und Schwere der Schmerzen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
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Medikamentöse Therapie
- Schmerzmittel: Herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol sind bei Nervenschmerzen oft nicht wirksam.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Carbamazepin und Oxcarbazepin, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden, können die Anzahl der Schmerzepisoden verringern.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin können bei chronischen Gesichtsschmerzen helfen.
- Lokalanästhetika: Lidocain-Pflaster oder Cremes können lokal aufgetragen werden, um die Schmerzempfindlichkeit zu verringern.
- Botulinumtoxin-Injektionen (Botox): Bei einigen chronischen Gesichtsschmerzen, einschließlich Trigeminusneuralgie, kann Botox in die betroffenen Muskeln injiziert werden, um die Schmerzintensität zu reduzieren.
Invasive Verfahren
- Mikrovaskuläre Dekompression (MVD): Bei dieser Operation wird der Kontakt zwischen Nerv und Gefäß unterbrochen, um den Druck auf den Nerv zu lösen.
- Neuroablation: Hierbei werden Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung zerstört.
- Bestrahlung mit dem GammaKnife: Der Trigeminusnerv wird mit radioaktiven Strahlen behandelt.
- Perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS): Diese Methode verwendet niederfrequente elektrische Impulse, die über dünne Nadeln direkt an den betroffenen Nerv abgegeben werden und so Schmerzen lindern können.
- Rückenmarkstimulation (SCS) und Periphere Nervenstimulation (PNS): Insbesondere bei therapieresistenten Schmerzen kann die Stimulation der entsprechenden Nerven eine Option sein.
- Radiofrequenzablation: Hierbei wird der schmerzleitende Nerv durch Wärme verödet, um die Schmerzübertragung zu unterbrechen. Diese Methode wird häufig bei Trigeminusneuralgie angewendet.
Weitere Behandlungsansätze
- Physiotherapie: Entspannung und Muskelaufbau der Hals- und Kiefermuskulatur können bei myofaszialen Schmerzen und Kiefergelenksproblemen hilfreich sein.
- Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) kann helfen, das Schmerzempfinden zu bewältigen und psychische Belastungen durch die Schmerzen zu reduzieren.
- Alternative Therapien: Akupunktur, Osteopathie und manuelle Therapie können bei einigen Betroffenen zur Linderung der Beschwerden beitragen.
- Stressmanagement: Stressreduktion durch Techniken wie Yoga, Meditation und Atemübungen kann helfen, Spannungsschmerzen zu vermeiden.
Prävention von Nervenschmerzen im Gesicht
Einige vorbeugende Maßnahmen können das Risiko für Nervenschmerzen im Gesicht verringern oder helfen, die Häufigkeit und Intensität der Schmerzanfälle zu reduzieren:
- Gute Zahnhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide können Zahnproblemen vorbeugen.
- Stressmanagement: Stressreduktion durch Entspannungstechniken kann helfen, Muskelverspannungen und Schmerzen zu vermeiden.
- Ergonomische Maßnahmen: Eine gute Körperhaltung und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung können Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich reduzieren.
- Kiefergelenksentlastung: Eine bewusste Entspannung des Kiefergelenks, etwa durch regelmäßige Pausen und das Vermeiden von Kieferpressen, ist bei CMD wichtig.
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