Multiple Sklerose: Gesichtssymptome und umfassender Überblick

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie manifestiert sich durch vielfältige Symptome, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den möglichen Gesichtssymptomen, die im Rahmen dieser Erkrankung auftreten können.

Multiple Sklerose: Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr einsetzt. Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht das eine typische MS-Symptom gibt. Die Erkrankung kann sich sehr unterschiedlich äußern, was die Diagnose oft erschwert.

Vielfältige Symptome erschweren die Diagnose

Welche Beschwerden bei einer Multiplen Sklerose im Vordergrund stehen, ist individuell verschieden. Mitunter sind diese sehr unspezifisch und können auch Anzeichen anderer Erkrankungen sein. Dass die Symptome oft unterschiedlich stark ausgeprägt sind und einzeln oder in Kombination auftreten können, erschwert die Diagnose zusätzlich.

Erste Anzeichen der MS

Viele Menschen mit MS nennen Sehstörungen als ihr erstes Symptom. Das liegt daran, dass die MS häufig eine Sehnerventzündung auslöst und so zu einem Verlust der Sehschärfe durch Doppelbilder, eingeschränktem Farbensehen oder Schmerzen bei Augenbewegungen führt. Deine Hände und Füße fühlen sich pelzig oder taub an, plötzlich kribbelt es im Gesicht? Diese Sensibilitätsstörungen kennen viele Menschen mit MS.

Gesichtssymptome der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose kann sich auf verschiedene Weise im Gesichtsbereich manifestieren. Einige der häufigsten Gesichtssymptome sind:

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  • Trigeminusneuralgie: Der Trigeminusnerv versorgt weite Bereiche des Kopfes. Eine Schädigung des Nervs durch MS führt zu intensiven Schmerzen in Augen, dem Kiefer, der Stirn, an der Kopfhaut, den Lippen, der Nase und an beiden Seiten des Gesichts. Sie treten unvermittelt auf und werden oft durch ganz normale Alltagstätigkeiten wie z. B. ausgelöst. Kommt es im Rahmen einer Erkrankung wie MS zu einer Trigeminusneuralgie, sprechen Fachleute von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Ursache für die Lähmungen oder Schmerzen im Gesicht ist die Nervenscheide (Myelinschicht), die bei Multipler Sklerose stark angegriffen ist. Typisch sind einschießende Schmerzen, die einige Sekunden bis wenige Minuten andauern.
  • Fazialisparese (Gesichtslähmung): Hierbei kommt es aufgrund einer Schädigung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) zu einer teilweisen oder kompletten Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Als der siebte von insgesamt zwölf Hirnnerven entspringt dieser Nerv nicht dem Wirbelkanal, sondern verlässt das Gehirn an der Schädelbasis über knöcherne Aussparungen. Von dort aus zieht er direkt zu den Muskeln, der Haut sowie zu den Organen von Hals bis Kopf. Typische Symptome einer Facialisparese sind Funktionseinschränkungen der Lippen, Wange, Nase, Augenlid und Stirn. Auf der betroffenen Seite lassen sich bewusste Bewegungen der Muskeln nur eingeschränkt oder überhaupt nicht vornehmen. Probleme beim Essen resultieren aus einer verminderten Spannung der Wangenmuskulatur sowie der reduzierten Speichelproduktion.
  • Sehstörungen: Sehstörungen können auf MS hindeuten. Häufigster Grund ist eine Entzündung der Sehnerven (Optikusneuritis). Die Folge: Betroffene sehen nur noch unscharf - wie durch einen dichten Nebel. Auch Doppelbilder oder ein Gesichtsfeldausfall (Skotom) sind möglich. Die Sehnerventzündung (Optikusneuritis) bei MS betrifft in mehr als 99 Prozent der Fälle pro Schub nur ein Auge. Sie äußert sich zunächst durch Schmerzen bei der Augenbewegung, die meist hinter dem Augapfel beim Blick in eine bestimmte Richtung auftreten. Meist kommt es nach Stunden bis Tagen zusätzlich zu Sehstörungen, vor allem in der Mitte des Gesichtsfeldes. Die meisten Patient:innen mit Optikusneuritis berichten, dass sie alles dunkler und blasser, teilweise auch unscharf sehen. Manche Betroffene leiden zusätzlich unter Lichtblitzen oder anderen irritierenden Lichterscheinungen. Objektiv ist zwar meist nur ein Auge betroffen, es kann jedoch trotzdem sein, dass Betroffene subjektiv auf beiden Augen eine Einschränkung empfinden. Die Sehverschlechterung dauert meist nur wenige Tage und verbessert sich anschließend in der Regel auch ohne Behandlung. Trotzdem ist es wichtig, dass Sie bei plötzlicher Sehverschlechterung und Augenbewegungsschmerzen einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, da dies ein typischer Hinweis für die Diagnose MS sein kann. Die Symptome können mit den sogenannten visuell evozierten Potenzialen (VEPs) objektiviert werden.
  • Missempfindungen: Deine Hände und Füße fühlen sich pelzig oder taub an, plötzlich kribbelt es im Gesicht? Diese Sensibilitätsstörungen kennen viele Menschen mit MS. Das Zentrale Nervensystem sendet nicht nur Signale an Organe und Muskeln, es empfängt über die Nervenbahnen auch Reize aus der Umwelt. Die Multiple Sklerose kann diese Reizweiterleitung stören. Die Folge: MS-Betroffene nehmen Berührungen, Schmerzen oder Temperaturen zu stark, zu schwach oder gar nicht wahr.
  • Schmerzen: Schmerzen sind ein häufiges Symptom der MS. Sie können direkt durch die Nervenschädigung bedingt sein, wie beispielsweise bei einer Sehnerventzündung oder Missempfindungen. Schmerzen können aber auch die Folge von anderen MS-Symptomen sein, wie zum Beispiel bei einer Spastik. Schmerzen sind mitunter das häufigste Symptom bei Multiple Sklerose und treten bei ca. 86 % der Patientinnen und Patienten auf.

Weitere Symptome der Multiplen Sklerose

Neben den Gesichtssymptomen gibt es eine Vielzahl weiterer Symptome, die im Rahmen der Multiplen Sklerose auftreten können:

  • Fatigue-Syndrom: Betroffene von Multipler Sklerose fühlen sich oft übermäßig erschöpft, müde und antriebslos - ohne erkennbaren Grund. Fachleute sprechen hier vom chronischen Fatigue. Auch körperliche Erschöpfung ist möglich: Typisch ist etwa Kraftlosigkeit in den Gliedmaßen. Fatigue bedeutet auf Deutsch „Müdigkeit“. Die Ärzteschaft versteht darunter eine ausgeprägte Erschöpfung, die nicht mit normaler Müdigkeit zu vergleichen ist. Fatigue zählt nicht nur zu den häufigsten MS-Symptomen, sie wird von vielen Betroffenen auch als das am meisten belastende Symptom empfunden.
  • Motorische Störungen: Im Rahmen einer Multiplen Sklerose kann es zu diversen motorischen Störungen kommen. Betroffene haben etwa Schwierigkeiten, Gegenstände zu greifen. Ursächlich ist mitunter der sogenannte Intentionstremor, der ein häufiges MS-Symptom ist. Bestimmte Regionen im Gehirn steuern die Anspannung und Entspannung der Muskeln und kontrollieren so unsere Bewegungen. Betrifft die MS diese Gehirnbereiche, können Beeinträchtigungen der Koordination auftreten. Dazu gehören die Ataxie, unkontrolliertes Zittern, auch Tremor genannt, oder Probleme beim Sprechen. Bei einer Spastik ist die normale Muskelspannung, der Muskeltonus, so stark erhöht, dass sich die Muskeln steif anfühlen und verkrampfen. Ursache hierfür ist eine MS-bedingte Schädigung der Nervenbahnen, die die Spannung der Muskulatur kontrollieren. Eine Spastik kann sehr schmerzhaft sein und die Beweglichkeit einschränken.
  • Darmfunktionsstörungen: Einige MS-Betroffene leiden vor allem während eines Krankheitsschubs an Magen-Darm-Beschwerden. Diese äußern sich etwa durch Verstopfung, Durchfall und das Reizdarm-Syndrom. Auch Stuhlinkontinenz, also ein unkontrollierter Abgang des Darminhalts, ist möglich. Dieses Symptom schränkt Betroffene oft stark in ihrem Alltag ein. Während Verstopfung (Obstipation) als Verdauungsproblem bei Multipler Sklerose häufiger vorkommt, ist eine Stuhlinkontinenz eher selten. Die Symptome können auch abwechselnd auftreten. Ursache für diese Beschwerden ist eine durch die MS ausgelöste Störung der Nerven, die die Darmtätigkeit oder den Schließmuskel kontrollieren.
  • Blasenschwäche: Rund 80 Prozent aller Betroffenen leiden unter einer Störung der Blasenfunktion. Erkrankte berichten etwa, dass sie erhöhten Harndrang haben, das Wasserlassen jedoch nur eingeschränkt funktioniert (Harnverhalt). Mitunter können Betroffene ihren Harndrang nicht kontrollieren beziehungsweise zurückhalten (Inkontinenz). Wiederkehrende Harnwegsinfekte können ebenfalls für MS sprechen. Die Multiple Sklerose kann auch die Nerven betreffen, die die Entleerung der Blase kontrollieren und so zu Störungen der Blasenfunktion führen. Eine gestörte Blasenfunktion gehört sogar zu den häufigsten Symptomen der MS. Je nach Ausprägung können sich die Probleme beim Wasserlassen unterschiedlich äußern.
  • Gedächtnisstörungen: Ein Hinweis auf Multiple Sklerose können Gedächtnisstörungen sein. Betroffene haben etwa Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Auch die Merkfähigkeit ist häufig eingeschränkt. Konzentrationsschwäche, Probleme mit dem Gedächtnis oder der Aufmerksamkeit - jeder vierte Mensch mit Multipler Sklerose ist von einem dieser kognitiven Symptome betroffen.
  • Depression: Betroffene einer Multiplen Sklerose haben einen hohen Leidensdruck. Die sichtbaren sowie unsichtbaren Symptome schränken sie in ihrer Eigenständigkeit und Handlungskompetenz ein, was sich erheblich auf die Lebensqualität auswirkt. Studien zufolge entwickeln rund die Hälfte aller Menschen mit MS im Laufe ihrer Erkrankung eine Depression oder depressive Verstimmung. MS-Betroffene tragen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein deutlich höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken. So können Ängste und Sorgen nach der Diagnose zu einer depressiven Stimmung führen. Aber auch die MS-bedingten Entzündungen im Gehirn stehen im Verdacht, Depressionen zu begünstigen.
  • Sexuelle Funktionsstörungen: Studien zeigen, dass Sexualstörungen bei Personen mit Multipler Sklerose drei- bis viermal häufiger vorkommen als bei gesunden Menschen. Fachleute unterscheiden verschiedene Formen: Bei einer primären Sexualfunktionsstörung wird die Libido durch Läsionen im Rückenmark oder Gehirn unmittelbar beeinträchtigt. Die Multiple Sklerose kann auf verschiedene Weise die Sexualität beeinflussen: So können sich geschädigte Nerven direkt darauf auswirken, wie Berührungen empfunden werden. Auch Erektions- und Orgasmusstörungen können dadurch entstehen. Darüber hinaus können verschiedene MS-Symptome wie eine Spastik oder Fatigue zu sexueller Unlust führen.
  • Schluck- und Sprechstörungen: Im Rahmen von MS kann es zu diversen Sprechstörungen (Dysarthrie) sowie Schluckbeschwerden (Dysphagie) kommen. Die grundsätzliche Kompetenz, sich zu artikulieren, ist nicht betroffen. Vielmehr ist die Koordination der am Sprech- und Schluckvorgang beteiligten Gehirnregionen und Muskelgruppen gestört. Mögliche Folgen sind verwaschenes Sprechen, eine zu hohe oder tiefe Stimmlage sowie Kurzatmigkeit beim Sprechen. Am Schluckvorgang beteiligen sich ganze 25 Muskeln. Stört die MS dieses komplexe Zusammenspiel, treten Schluckstörungen, sogenannte Dysphagien, auf. Diese können sich durch Husten oder Verschlucken beim Essen, Trinken oder Sprechen sowie durch vermehrten Speichelfluss äußern. Probleme beim Schlucken können zu Mangelernährung und einem Flüssigkeitsdefizit führen und stellen ein Risiko für Lungenentzündungen dar.
  • Lähmungen: Ist die Erkrankung schon etwas weiter fortgeschritten, können Lähmungserscheinungen auftreten. Diese beginnen zunächst oft mit Muskelkrämpfen oder Steifheit in den Extremitäten. Durch die MS kann es zu Muskelschwäche und verlangsamten Bewegungsabläufen kommen. Man fühlt sich „schwach auf den Beinen“, stolpert öfter und hat das Gefühl, die Kontrolle über seinen Körper, Muskeln und Gelenke zu verlieren. Hinzu kommt, dass es bei einigen Erkrankten zu einer erhöhten Muskelspannung kommt, die manchmal auch mit einer Verkrampfung und Steifigkeit der Muskeln (Spastik) einhergeht. Das kann schmerzhaft sein und die Bewegungen zusätzlich stören.
  • Uhthoff-Phänomen: Erhöht sich die Umgebungstemperatur, etwa im Sommer oder in der Sauna, können sich die Symptome verschlimmern. Das gilt auch für die Körpertemperatur: Leiden Betroffene unter Fieber, verstärken sich die MS-Beschwerden. Fachleute sprechen beim Uhthoff-Phänomen auch von einem Pseudoschub.
  • Anfallsartige Symptome: Treten Beschwerden nur kurz, aber wiederkehrend auf, sprechen Mediziner:innen von sogenannten „paroxysmalen Symptomen“. Zu diesen anfallsartigen Symptomen gehört das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Dabei führt eine Erhöhung der Körpertemperatur - beispielsweise bei Sommerhitze - zu einer vorübergehenden Verschlechterung der MS-Symptome.

Schmerz als Begleiterscheinung der MS

Schmerzen sind ein häufiges Symptom der MS. Sie können direkt durch die Nervenschädigung bedingt sein, wie beispielsweise bei einer Sehnerventzündung oder Missempfindungen. Schmerzen können aber auch die Folge von anderen MS-Symptomen sein, wie zum Beispiel bei einer Spastik.

Einteilung der Schmerzen bei MS

Schmerzen bei MS werden in neuropathische und nozizeptive Schmerzen eingeteilt.

  • Neuropathische Schmerzen: Sie entstehen als direkte Folge der MS. Sie treten aufgrund einer fehlerhaften Übermittlung der Nervensignale vom und zum Gehirn und Rückenmark auf. Diese Art von Schmerzen sind nicht auf eine augenscheinliche Verletzung des Körpers zurückzuführen, sondern sind die Folge einer Schädigung auf neuronaler Ebene durch MS und des allmählichen Abbaus der Myelinscheide.
    • Dysästhetische Schmerzen: Sie sind eines der häufigsten Schmerzsyndrome bei MS und werden als konstante, brennende Schmerzen beschrieben, die ohne externe Reize auftreten. Davon sind besonders die Beine und Füße betroffen.
    • Trigeminusneuralgie: Eine Schädigung des Nervs durch MS führt zu intensiven Schmerzen im Gesichtsbereich.
    • Lhermitte-Zeichen: Dies ist ein schmerzhaftes Zeichen, welches häufig bei MS auftritt.
    • Schmerzen im Zusammenhang mit Optikusneuritis: Optikusneuritis, die mit MS in Verbindung gebracht wird, wird durch eine Entzündung des Sehnervs ausgelöst und führt zu Sehstörungen.
  • Nozizeptive Schmerzen: Sie entstehen als indirekte Folge durch MS-Symptome. Sie entstehen durch eine Reizung der Schmerzrezeptoren, welche in unserem gesamten Körper verteilt sind.
    • Muskelschmerzen: Sind die Folge von Veränderungen des Bewegungsapparates. Durch das Einnehmen von unangenehmen Körperpositionen, aufgrund von Gleichgewichtsstörungen, Muskelsteifheit, fehlender Koordination in Armen und Beinen oder anderen Veränderungen, kann es zu einer Überlastung der Bein- oder Rückenmuskeln und somit Schmerzen kommen.
    • Schmerzhafte tonische Krämpfe: Eine der häufigsten Beschwerden unter denen MS-Patientinnen und Patienten leiden sind Krämpfe infolge von Spastik. Tonische Krämpfe, welche unerwartet auftreten, sind charakteristischen Spasmen dieser Erkrankung.

Diagnose von Multipler Sklerose

Eine MS-Diagnose zu stellen, ist nicht einfach. Weil so viele unterschiedliche Symptome vorkommen können, gibt es nicht den einen „MS-Test“, der zweifelsfrei beweist, dass eine Multiple Sklerose vorliegt. Multiple Sklerose ist daher eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass verschiedenen Untersuchungen gemacht werden. Entscheidend ist, dass sich Entzündungsherde an mehreren Stellen im Gehirn oder Rückenmark nachweisen lassen. Dafür wird eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die den Kontrast zwischen Blutgefäßen und Gewebe verstärken. Sie können gesunde Blutgefäße nicht verlassen und gelangen normalerweise nicht ins Gewebe. An aktiven Entzündungsstellen werden Blutgefäße aber durchlässig, damit Abwehrzellen die Entzündung bekämpfen können. An diesen Stellen kann Kontrastmittel ins Gewebe gelangen und auf den MRT-Bildern dort gesehen werden. Weitere wichtige Untersuchungen zur Bestätigung einer MS-Diagnose sind die Untersuchung des Nervenwassers mittels einer Lumbalpunktion sowie Messungen von Sehnerven (VEP) und Nervenbahnen (SEP). An erster Stelle stehen die Erhebung der Vorgeschichte und die körperlich-neurologische Untersuchung. Die Magnetresonanztomografie erlaubt sehr genaue und frühe Diagnostik. Durch ein starkes Magnetfeld werden Signale aus unterschiedlichen Geweben des Gehirns und Rückenmarks aufgefangen und mit sehr hoher Auflösung in Schichtbilder umgewandelt. Gehirn und Rückenmark sind von Nervenwasser umspült. Die Lumbalpunktion ist eine neurologische Routine-Untersuchung dieses Nervenwassers. Sie dient zum Nachweis einer Entzündung des Nervensystems. Bestimmte Eingänge in das Nervensystem lassen sich durch minimale elektrische, akustische oder visuelle Reize anregen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Multipler Sklerose

Genauso vielfältig wie die MS-Symptome sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Die symptomatische Therapie besteht aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätzen. Häufig lassen sich die Beschwerden ohne den Einsatz von Medikamenten lindern. So können eine Physiotherapie oder Ergotherapie bei einer Reihe von verschiedenen MS-Symptomen Besserung verschaffen. Dazu gehören Spastik, Schmerzen, Missempfindungen, Bewegungseinschränkungen, aber beispielsweise auch Blasenstörungen. Auch die Sporttherapie ist ein Multitalent: Bewegung verbessert nicht nur die Gehfähigkeit, Koordination und Beweglichkeit, sie kann Dich auch bei MS-Symptomen wie Fatigue oder kognitiven Einschränkungen unterstützen. Bei Sprech- und Sprachstörungen kann ein:e Logopädie helfen, die Probleme unter Kontrolle zu bringen.Neben diesen schulmedizinischen Maßnahmen interessieren sich viele MS-Betroffene auch für komplementäre Verfahren, beispielsweise aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Reichen die nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht aus, um Deine Beschwerden zu lindern, kann Deine Ärztin oder Dein Arzt bei bestimmten MS-Symptomen verschiedene Arzneimittel verschreiben.

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Medikamentöse Therapie

Um die Symptome bei einem akuten Schub zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden, kann eine Schubtherapie mit Kortison zum Einsatz kommen. Auch ist wichtig, wie gut Betroffene Cortison bei vorherigen Behandlungen vertragen haben und wie wirksam es war. Berücksichtigt werden zudem Begleiterkrankungen und ob es Gründe gibt, die im Einzelfall gegen den Einsatz von Cortison sprechen. Seltener und unter bestimmten individuellen Voraussetzungen kann auch eine Blutwäsche zur Anwendung kommen. Dabei entfernt man jene körpereigenen Immunzellen, die die Entzündung verursachen. Einfluss auf den Langzeitverlauf der Multiplen Sklerose nimmt man mit einer sogenannten Immuntherapie. Hier hat es in den vergangenen zehn Jahren große Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegeben. Die Immuntherapie beeinflusst bei MS das fehlgesteuerte Immunsystem, indem sie dieses verändert (immunmodulierend) oder dämpft (immunsuppressiv). Am wirksamsten sind speziell entwickelte Antikörper. Sie verhindern das Eindringen von bestimmten Immunzellen ins Gehirn oder reduzieren ihre Konzentration im Blut. Dadurch können diese Zellen keine Entzündungen mehr auslösen. Mittlerweile gibt es gut 20 Immuntherapie-Mittel (Stand: April 2023), einige davon auch für die sekundär oder primär progrediente MS. Das ermöglicht weitgehend individuell zugeschnittene Behandlungspläne. Ob man eine Immuntherapie beginnt und mit welchem Medikament, hängt an einer Vielzahl von Faktoren. Dabei geht es um Aspekte wie Krankheitsverlauf, Familienplanung oder das individuelle Risikoprofil. Grundsätzlich wird empfohlen, bei allen Menschen mit MS eine Immuntherapie zu beginnen. Zu der Frage, wann der beste Zeitpunkt dafür ist, gibt es unterschiedliche Meinungen. Immuntherapien können die MS nicht heilen, aber ihren Verlauf stark verbessern. Manchmal werden daher auch die Begriffe „verlaufsmodifizierend“ oder „verlaufsverändernde“ Therapien verwendet.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapie zur Behandlung von Schmerzen bei MS kann eine geeignete Alternative für MS-Patienten darstellen. Die Therapien zielen darauf ab, die psychologischen Veränderungen der Multiplen Sklerose zu behandeln, welche nachweislich ebenso eine große Rolle spielen wie die körperlichen Veränderungen.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik oder Kälte-/Wärmebehandlungen sowie moderate Sportübungen etc. können dazu beitragen, Muskelprobleme zu verbessern. Im täglichen Leben gibt es einiges, dass die Multiple Sklerose günstig beeinflussen kann. Ein wesentliches Element ist regelmäßige körperliche Aktivität. Ein Spaziergang oder eine Wanderung, eine Fahrradtour oder ähnliche Aktivitäten im Freien haben außerdem gleich mehrere positive Effekte: Man bewegt sich und kann schon durch kurzen, aber regelmäßigen Aufenthalt in der Sonne etwas gegen einen Vitamin-D-Mangel tun. Aber auch gezieltes Training ist wichtig. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bietet weitergehende Informationen zu MS und Sport sowie ein spezielles MS-Funktionstraining an.
  • Ernährung: Ein weiterer wichtiger Baustein, den jeder selbst in der Hand hat, ist die Umstellung auf eine gesunde Ernährung. Selbst zubereitete Mischkost mit viel Obst und Gemüse, Fisch und Vollkornprodukten, aber wenig Zucker und Salz, tierischen Fetten und Zusatzstoffen (wie in verarbeiteten Lebensmitteln) hat positive Effekte. Zudem sollten Menschen mit Multipler Sklerose nicht rauchen.

Leben mit Multipler Sklerose

MS ist eine chronische Erkrankung. Eine ursächliche Therapie, also ein Medikament, das Multiple Sklerose (MS) heilt, gibt es noch nicht. Aber: Mithilfe der zahlreichen Therapieoptionen und der aktiven Vermeidung von Risikofaktoren und Umstellung seines Lebensstils lässt sich die Erkrankung heute gut kontrollieren. Die allermeisten Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen und lange Zeit mobil bleiben. Multiple Sklerose steht grundsätzlich weder einer Ausbildung noch der Berufsausübung, Freundschaften, Sport, sozialen Kontakten oder der Gründung einer Familie im Wege. Während der Schwangerschaft nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen Schub ab. In den ersten drei Monaten nach der Geburt nimmt sie zu. Stillen scheint vor Schüben zu schützen. MS-Medikamente können sich auf das ungeborene Kind auswirken, weswegen besondere Vorsicht geboten ist. Nicht jedes Medikament darf in der Schwangerschaft gegeben werden. Eine Schwangerschaft sollte daher möglichst in einer stabilen Phase der Erkrankung geplant und Medikamente eher abgesetzt werden - zumal sie, wie oben beschrieben, einen gewissen Schutz vor Schüben bietet. Die Therapie eines schweren Schubes mit Kortison ist in der Schwangerschaft ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel möglich. Wenn Kortison im ersten Schwangerschaftsdrittel gegeben wird, besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Kind mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wird. Die meisten Immuntherapien werden allerdings über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben, was die Entscheidung über einen Therapiebeginn verkompliziert.

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