Viele Menschen suchen aufgrund von Muskelzittern medizinischen Rat. Die Betroffenen sind oft verunsichert, da das Internet eine Vielzahl schwerwiegender neurologischer Erkrankungen, einschließlich der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer fortschreitenden Lähmung, anzeigt. Dieser Artikel soll helfen, die Ursachen von Nervenschmerzen und Muskelzucken in der Hand zu verstehen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Was ist Muskelzucken (Faszikulationen)?
Muskelzucken, auch Faszikulationen genannt, sind unwillkürliche Bewegungen kleiner Muskelgruppen, die unter der Haut sichtbar sind. Es ist wichtig zu wissen, dass die meisten Fälle von Faszikulationen gutartig sind und nicht mit bösartigen Erkrankungen in Verbindung stehen.
Ursachen von Muskelzucken
Gutartige Ursachen
- Überlastung: Der Körper bzw. die Muskulatur ist überlastet.
- Flüssigkeitsmangel: Dem Körper fehlt Flüssigkeit.
- Nährstoffmangel: Dem Körper fehlen bestimmte Nährstoffe/Elektrolyte.
- Körperliche Überlastung: Die Muskeln sind überanstrengt.
- Psychischer Stress: Stress und seelisches Ungleichgewicht können Muskelzucken verursachen.
- Koffein- oder Alkoholkonsum: Übermäßiger Konsum dieser Substanzen kann zu Muskelzucken führen.
- Kälte (Unterkühlung): Kälte kann Muskelzuckungen auslösen.
- Schlafmangel: Mangelnder Schlaf kann Muskelzucken verursachen.
- Bewegungsmangel: Zu wenig Bewegung kann Muskelzuckungen begünstigen.
- Elektrolytmangel: Ein Mangel an Elektrolyten, z. B. durch übermäßiges Schwitzen, kann Muskelzucken verursachen.
Pathologische Ursachen (selten)
In selteneren Fällen können ernsthafte Erkrankungen die Ursache für Muskelzuckungen sein (pathologische Faszikulationen). Dazu gehören:
- Neurologische Erkrankungen: ALS, Multiple Sklerose (MS), Morbus Parkinson.
- Muskelerkrankungen: Muskel-/Motoneuronerkrankungen.
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus.
- Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können zu einem Ungleichgewicht von Mineralstoffen im Körper führen, was die Funktion der Muskeln behindern kann.
- Medikamenteneinnahme: Muskelzucken kann eine Folge der Einnahme bestimmter Medikamente sein.
Nervenschmerzen
Nerven durchziehen den gesamten Körper und nehmen wichtige Aufgaben wahr. Sie verarbeiten Reize aus der Umwelt und leiten sie über elektrische Impulse weiter, um entsprechende Reaktionen auszulösen. Störungen oder Schädigungen der Nerven können zahlreiche Symptome auslösen, zu denen unter anderem auch Beschwerden wie Kribbeln, Zucken oder Taubheit gehören.
Symptome bei einer Nervenstörung
Die Symptome bei einer Nervenstörung können unterschiedlich ausfallen. Typisch sind insbesondere:
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- Ein kribbelndes oder prickelndes Gefühl (teilweise wahrgenommen als eine Art "Ameisenlaufen").
- Taubheit.
- Juckreiz.
- Ein Wärme- oder Kältegefühl (beispielsweise kalte Finger oder Fingerspitzen).
- Brennende oder stechende Schmerzen (eher kennzeichnend für eine Nervenschädigung).
Ursachen von Nervenschmerzen
- Vorübergehende Parästhesie: Gefühle wie Kribbeln oder Taubheit können durch eine kurzzeitige Störung der Nerven ausgelöst werden. Dies kann zum einen passieren, wenn die Nervenbahnen durch Druck oder eine starke Überdehnung in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Zum anderen kann auch eine Störung des Blutflusses dazu führen, dass die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, was wiederum eine Parästhesie zur Folge haben kann. Eine weitere Ursache für die Nervenstörung kann eine starke Unterversorgung mit Calcium (Hypokalzämie) sein, wie sie zum Beispiel beim Hyperventilieren auftritt. Vorübergehende Parästhesien können außerdem bei Migräne entstehen.
- Chronische Parästhesie: Kribbeln, Prickeln oder Taubheitsgefühle können auch dauerhaft vorhanden sein.
- Nervenschädigung: Kommt es zu einer Schädigung des Nervs durch äußere Einwirkungen, können nicht nur Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit auftreten. Auch brennende Schmerzen der Nerven sind möglich.
Muskelzucken in Kombination mit Kribbeln
Eine Krankheit, die sowohl zu Gefühlsstörungen als auch zu einem unwillkürlichen Zucken der Muskeln führen kann, ist die diabetische Polyneuropathie.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine vorübergehende Gefühlsstörung ist in der Regel kein Grund zur Besorgnis und geht meist nach kurzer Zeit von selbst wieder weg. Sind die Beschwerden jedoch chronisch und/oder treten Begleitsymptome wie Lähmungserscheinungen, Schmerzen oder Sehstörungen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Dasselbe gilt für Muskelzucken: Tritt dies gelegentlich auf und ist von keinen weiteren Beschwerden begleitet, haben die Zuckungen normalerweise keinen Krankheitswert. Wenn es jedoch längere Zeit anhält oder immer wieder auftritt, dann sollte im Rahmen einer Untersuchung ärztlich überprüft werden, ob gegebenenfalls eine Erkrankung wie die Nervenkrankheit ALS oder eine Nierenerkrankung dahintersteckt.
Diagnostik
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Neurologe hört sich die Beschwerden und die Krankengeschichte an und führt eine körperliche Untersuchung durch. Hierbei wird er entscheiden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind und wie er die Beschwerden überhaupt einordnet.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung ist oft sinnvoll, da auch internistische Erkrankungen wie Störungen der Nieren- oder Leberfunktion oder der Schilddrüse Zuckungen verursachen können.
- Elektromyographie (EMG): Durch eine Muskeluntersuchung (EMG) kann der Neurologe feststellen, ob krankhafte Veränderungen vorliegen. Hierbei wird kurz mit einer Nadel in den Muskel gestochen, um die Muskelpotentiale abzuleiten.
- Elektroneurographie (ENG): Bei der Elektroneurographie wird ein Elektrodenset im Gebiet des Nervenverlaufs auf die Haut geklebt - so lassen sich die elektrischen Impulse der Nerven messen.
- Weitere Untersuchungen: Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren können sinnvoll sein, wenn etwa Diabetes und Alkoholkrankheit als Ursache unwahrscheinlich sind und das Beschwerdebild sowie elektrophysiologische Untersuchungsbefunde weiteren Abklärungsbedarf ergeben.
Behandlung
Die Behandlung von Nervenschmerzen und Muskelzucken richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.
Konservative Maßnahmen
- Magnesium: Bei Magnesiummangel können Magnesiumpräparate eingenommen werden.
- Bewegung: Viel Bewegung ist wichtig, um die Durchblutung in den Muskeln anzuregen.
- Stressreduktion: Gegen stressbedingtes Muskelzucken helfen Entspannungsverfahren wie Meditation, Yoga oder autogenes Training.
- Hausmittel bei Kribbeln: Bewegung, Wechselduschen und Massagen können helfen, die Symptome zu lindern.
- Elektrolythaltige Lösungen: Bei Wassermangel sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit elektrolythaltigen Lösungen geachtet werden.
- Reduktion von Alkohol und Koffein: Bei übermäßigem Konsum von Alkohol und Kaffee sollte dieser reduziert werden.
- Physikalische Behandlungen: Physikalische Behandlungen mittels Kälte dämpfen Entzündungen des Nerven und wirken auf diese Weise schmerzlindernd.
- Schienen (Orthesen): Schienen, die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder das Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden lindern.
- Infiltration: Die Infiltration des Karpaltunnels mit einem lokal wirkenden Schmerzmittel oder Kortison wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend.
Medikamentöse Behandlung
- Schmerztherapie: Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und bestimmte Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden (Antikonvulsiva). Bei ausgeprägten Schmerzen sind womöglich Opioide angezeigt.
- Riluzol: Bei ALS kann das Medikament Riluzol eingesetzt werden, das den Nervenabbau etwas abbremsen kann.
- Dopaminersatzmittel: Bei Morbus Parkinson können Dopaminersatzmittel eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.
Operative Behandlung
- Neurolyse: Um den Nerv zu entlasten, kann eine Neurolyse durchgeführt werden. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe.
- Karpaltunneloperation: Bei einem Karpaltunnelsyndrom kann eine Operation durchgeführt werden, um den Nervus medianus zu entlasten.
Spezielle Therapien bei Lumedis
Bei Lumedis wird eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgt, die auf Laufanalyseergebnissen und EMG-Daten basiert. Es werden individuelle Übungsprogramme entwickelt, die auf die spezifischen Muskelgruppen und Nervenverläufe abgestimmt sind.
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Übungen zur Behandlung eines zuckenden Daumens
- Passive Daumendehnung: Den Daumen vorsichtig in Richtung des Handgelenks ziehen.
- Daumenabduktion-Dehnung: Die Finger und den Daumen so weit wie möglich auseinander spreizen.
- Dehnung des Daumenbeugers: Den Arm nach vorne strecken, Handfläche nach unten.
- Faszienball-Massage: Einen kleinen Faszienball oder Golfball sanft über Handrücken und Handballen rollen.
- Fasziendehnung mit den Fingern: Den Daumen mit der anderen Hand greifen und sanft auf die Muskulatur rund um das Daumengrundgelenk drücken.
Das Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) und löst Handschmerzen und ein Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfingern aus.
Ursachen
Ausgelöst werden die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus.
Symptome
Betroffene leiden unter Handschmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers.
Diagnose
Neben dem klinischen Befund bietet eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG) dem Arzt eine objektive Diagnosemöglichkeit.
Behandlung
Der erste Schritt zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms erfolgt immer über konservative Therapiemaßnahmen. Wenn diese nicht helfen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden.
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Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene Erkrankung, bei der Nervenzellen zugrunde gehen, die sogenannten Motoneurone.
Ursachen
Die Ursache der Amyotrophen Lateralsklerose ist nicht bekannt.
Beschwerden
Die Amyotrophe Lateralsklerose verläuft von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Die Krankheit beginnt oft an den Händen und Armen. Hier fallen zuerst Muskelverschmächtigungen und Muskelzucken auf. In anderen Fällen beginnt die Erkrankung mit Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken.
Diagnostik
Die Erkrankung lässt sich anhand der Krankengeschichte und der klinisch-neurologischen Untersuchung feststellen.
Therapie
Es gibt aktuell keine Therapie, die eine Amyotrophe Lateralsklerose zum Stillstand bringt. Es kann jedoch das Medikament Riluzol eingesetzt werden, das den Nervenabbau etwas abbremsen kann. Der Fokus der Behandlung einer ALS liegt auf der Linderung von Beschwerden.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes kontrollieren am besten regelmäßig ihren Blutzucker und nehmen ärztlich verordnete Medikamente ein.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
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