Nervenschmerzen hinter dem Ohr: Ursachen, Zusammenhang mit Multipler Sklerose und Behandlungsmöglichkeiten

Einschießende, starke Schmerzen und Schmerzattacken im Gesicht können auf eine Trigeminusneuralgie hindeuten. Doch was, wenn die Schmerzen hinter dem Ohr auftreten? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervenschmerzen hinter dem Ohr, insbesondere im Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS), und stellt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene, chronische Schmerzerkrankung des Trigeminusnervs. Dieser Nerv ist der fünfte Hirnnerv und für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesicht verantwortlich. Er besteht aus drei Hauptästen, die die Regionen um die Augen, den Oberkiefer und den Unterkiefer versorgen. Die Trigeminusneuralgie zeichnet sich durch wiederkehrende, stechende, blitzartig einschießende, starke Schmerzattacken in einer Gesichtshälfte aus. Sie halten Sekundenbruchteile bis maximal ein bis zwei Minuten an. In schweren Fällen können bis zu 100 Attacken pro Tag auftreten. Auch spontane Schmerzen ohne Auslöser sind möglich, ebenso wie Dauerschmerzen bei vereinzelten Patienten.

Ursachen von Nervenschmerzen hinter dem Ohr

Gesichtsschmerzen können viele Ursachen haben. Wichtig ist deshalb eine eindeutige Diagnose. Die Ursache für Nervenschmerzen hinter dem Ohr kann vielfältig sein:

  • Klassische Trigeminusneuralgie: In den meisten Fällen wird die Trigeminusneuralgie durch ein Blutgefäß verursacht, das den Trigeminusnerv komprimiert, insbesondere an der Stelle, an der der Nerv in den Hirnstamm eintritt. Der Druck des Gefäßes verformt und schädigt Strukturen im Nervengewebe, was zu den typischen Schmerzattacken führt. Blutgefäße werden im Laufe des Lebens länger, was den Druck auf besonders sensible Strukturen erhöhen kann. Das erklärt auch, warum die Trigeminusneuralgie vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auftritt. Ein Kontakt zwischen dem Nerv und einem Blutgefäß ist bei vielen Menschen vorhanden ohne dass Beschwerden bestehen. Nur wenn die beschriebenen Schmerzen auftreten, handelt es sich um einen behandlungsbedürftigen Befund.
  • Sekundäre Trigeminusneuralgie: Die Schmerzen einer sekundären Trigeminusneuralgie gehen auf Erkrankungen wie Multiple Sklerose, einen Tumor oder Fehlbildungen von Gefäßen zurück.
  • Idiopathische Trigeminusneuralgie: Lassen sich trotz typischer Symptome keine konkreten Ursachen finden, sprechen Mediziner von einer so genannten idiopathischen Trigeminusneuralgie, einer Neuralgie ohne erkennbare Ursache. Als idiopathisch werden Erkrankungen ohne bekannte Ursache bezeichnet.
  • Trigeminusneuropathie: Bei einer Neuropathie ist der Trigeminusnerv selbst geschädigt, zum Beispiel durch Operationen an den Zähnen oder den Nasennebenhöhlen, nach Verletzungen oder bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats oder der Nebenhöhlen.
  • Tumore: In seltenen Fällen kann ein Tumor, der den Nerv komprimiert, wie zum Beispiel ein Neurinom oder Meningeom, die Ursache sein.

Nervenschmerzen hinter dem Ohr und Multiple Sklerose (MS)

Besonders bei jüngeren Patienten und Patientinnen sollte bei starken Schmerzen im Gesicht immer auch an eine Multiple Sklerose gedacht werden, da die Häufigkeit der Trigeminusneuralgie bei MS-Patientinnen und -Patienten bei etwa ein bis zwei Prozent liegt, während sie in der Gesamtbevölkerung nur etwa 0,04 Prozent beträgt. Bei MS können Entmarkungsherde im Gehirn den Trigeminusnerv schädigen und so eine Trigeminusneuralgie auslösen. In diesem Fall spricht man von einer symptomatischen Trigeminusneuralgie. Wenn der Trigeminusneuralgie eine Multiple Sklerose oder eine andere Grunderkrankung zugrunde liegt, wird natürlich auch diese behandelt werden.

Wie sich die Trigeminusneuralgie auf das Ohr auswirkt

Wenn der betroffene Bereich das Ohr ist, kann es zu intensiven Ohrenschmerzen und unangenehmen Ohrgefühlen kommen. Symptome der Trigeminusneuralgie im Ohr können sehr schmerzhaft und plötzlich auftreten. Häufigste Symptomatik bei einer Trigeminusneuralgie im Ohr sind scharfe, stechende Ohrenschmerzen, die sehr intensiv und plötzlich auftreten können. Diese Schmerzen werden oft als elektrisierend beschrieben und können durch einfache Bewegungen wie Kauen oder Sprechen ausgelöst werden. Die Schmerzen sind in der Regel kurz, aber sehr intensiv und können einige Sekunden bis Minuten dauern. Ein weiteres häufiges Symptom ist das Auftreten von Tinnitus (Ohrgeräuschen). Ständigen Rauschen oder Klingeln im Ohr verbunden sein. Dieser Zustand, der auch als "Ohrensausen" bezeichnet wird, kann die Lebensqualität der betroffenen Personen erheblich beeinträchtigen und das tägliche Leben stören. Ohrbereich. Betroffene können das Gefühl haben, dass das Ohr "eingeschaltet" oder "überempfindlich" auf Geräusche reagiert. Dies kann zu einem ständigen Unbehagen und zu einer Verstärkung der Ohrenschmerzen führen, besonders bei lauten Geräuschen oder Wind. „verstopften Ohrs“ oder eines Völlegefühls im Ohr. Kompression oder Entzündung des Trigeminusnervs verursachte Schmerzen und Reizungen den Ohrbereich und seine Nervenverbindungen beeinträchtigen. Gefühl einer Verstopfung. Dieses Symptom kann besonders störend sein, da das Gefühl eines verstopften Ohrs die Wahrnehmung von Geräuschen verändern und die Kommunikation beeinträchtigen kann, was die mit der Trigeminusneuralgie verbundenen Beschwerden noch weiter verstärkt. Ohrenentzündung verwechselt werden. Ähnlichen Beschwerden wie bei einer Ohrenentzündung, wie Schmerzen, Druckgefühl und Überempfindlichkeit im Ohr. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Art des Schmerzes, der bei der Neuralgie scharf und stechend ist, während eine Ohrenentzündung in der Regel dumpfe Schmerzen verursacht.

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Diagnose der Trigeminusneuralgie

Aufgrund der charakteristischen Symptomatik ist eine Trigeminusneuralgie für einen Neurologen beziehungsweise eine Neurologin in der Regel leicht zu diagnostizieren. In einem ausführlichen Gespräch erkundigt sich der Arzt oder die Ärztin unter anderem über den Verlauf, die Dauer und Ausprägung sowie über die Auslöser der Gesichtsschmerzen. Es folgt eine neurologische Untersuchung. Eine Trigeminusneuralgie lässt sich aufgrund der typischen, triggerbaren Schmerzen durch klinische Untersuchungen eindeutig diagnostizieren. Ein zusätzliches MRT dient vor allem dazu, einen Tumor als Ursache auszuschließen. Bei typischer Trigeminusneuralgie ist die Kernspintomographie mit axialer und coronarer CISS-Sequenz (constructive interference in steady-state) die Untersuchung der Wahl. Diese Sequenz zeigt am besten, ob eine Nervenkompression durch eine Hirnschlagader vorliegt. Gleichzeitig werden durch die Kernspintomographie andere Ursachen (z. B. Tumoren) ausgeschlossen. Wichtig ist auch die Abgrenzung von anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel einer Trigeminusneuropathie.

Behandlungsmöglichkeiten der Trigeminusneuralgie

Bei einer Trigeminusneuralgie muss individuell geklärt werden, welche Behandlungsverfahren zum Einsatz kommen. Wichtig zu wissen: Die Erfolgsraten der unterschiedlichen Behandlungsansätze sind in der Regel hoch, es gibt aber bisher keine Standardtherapie für die Trigeminusneuralgie, die bei jedem Betroffenen Wirkung zeigt. Zudem besteht immer die Möglichkeit, dass die Schmerzen nach einer erfolgreichen Behandlung zurückkehren.

Medikamentöse Therapie

An die Diagnose schließt sich meistens eine medikamentöse Therapie an. Eingesetzt werden Antiepileptika (zum Beispiel Carbamazepin, Oxacarbazepin oder Gabapentin). Typischerweise wird die medikamentöse Therapie mit Gabapentin oder Pregabalin begonnen. Beide Mittel stammen aus der Behandlung der Epilepsie und werden daher auch als Antikonvulsiva bezeichnet. Die Wirkung von Carbamazepin beruht vermutlich auf der Hemmung der Reizweiterleitung. Es hat dämpfende und beruhigende sowie antidepressive und muskelentspannende Wirkungen und ist in der Regel äußerst wirksam. Allerdings besteht bei diesem Medikament ein erhöhtes Risiko, dass Nebenwirkungen wie Schwindel und Müdigkeit auftreten. Häufig kommt es auch zu allergischen Reaktionen, Veränderungen des Blutbildes und der Leberfunktion, Verringerung der Blutsalze und zu Magen-Darm-Problemen. In der Regel wird die Schmerztherapie mit einer niedrigen Dosierung begonnen und so lange erhöht, bis bei der betroffenen Person keine Schmerzen mehr auftreten. Die Nebenwirkungen können reduziert werden, indem das Medikament auf mehrere Dosen über den Tag verteilt eingenommen wird. Die unterschiedlichen Substanzen können eventuell auch kombiniert zum Einsatz kommen. Ist der Patient beziehungsweise die Patientin vier bis sechs Wochen schmerzfrei, wird die Dosis stufenweise reduziert. Wenn die Schmerzen mit der medikamentösen Therapie jedoch nicht abklingen oder die Nebenwirkungen es nicht erlauben, die Therapie weiterzuführen, stehen verschiedene weitere Behandlungsansätze zur Verfügung. Die betroffene Person wird dafür zu einem Neurochirurgen oder einer Neurochirurgin überwiesen. Normale Schmerzmittel, wie Ibuprofen, sind bei den starken Schmerzen der Trigeminusneuralgie wirkungslos. Zudem dauert es zu lange, bis sie ihre Wirkung entfalten - der Gesichtsschmerz hätte bereits wieder nachgelassen. Manchmal genügt eine kurzzeitige medikamentöse Behandlung. Eine länger andauernde Medikamenteneinnahme sowie eine Kombination mehrerer Medikamente sollten vermieden werden.

Was passiert im Körper bei der medikamentösen Therapie?

Als Wirkstoffe der Gruppe der Gabapentinoide zählen Gabapentin oder Pregabalin zu den Kalziumkanalblockern. Indem Kalzium blockiert wird, wird die Freisetzung von wichtigen Neurotransmittern im zentralen Nervensystem normalisiert und damit die schmerzreduzierende Wirkung erreicht. Andere antiepileptische Wirkstoffe, die bei der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden können, sind beispielsweise Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin oder Phenytoin.

Chirurgische Verfahren

Wenn eine medikamentöse Therapie keinen Erfolg bringt, kann eine Operation am Gehirn erforderlich sein. Ein operativer Eingriff zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie wird von einem Neurochirurgen (Facharzt für operative Eingriffe am Nervensystem) durchgeführt. Dem Arzt stehen hierbei verschiedene OP-Varianten zur Verfügung.

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  • Mikrovaskuläre Dekompression (Jannetta-Operation): Das einzige Verfahren, das die eigentliche Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie beseitigt, ist die minimalinvasive Jannetta-Operation oder mikrovaskuläre Dekompression, kurz MVD. Bei diesem Eingriff wird das Gefäß, das auf den Trigeminusnerven drückt, durch eine Schlinge oder künstliches Material so gelagert und fixiert, dass der Nerv dauerhaft entlastet wird. Anschließend wird die kleine Eröffnung des Schädels, durch die der Eingriff vorgenommen wird, wieder verschlossen. Nur wenige Tage Klinikaufenthalt sind notwendig. Rund 98 Prozent der Patienten sind anschließend schmerzfrei oder verspüren eine deutliche Schmerzlinderung. Bei etwas weniger als zehn Prozent der Patientinnen und Patienten kommt es im Laufe der Zeit zu einem Rückfall mit neuerlichen Schmerzen. Das wiederum hängt oft mit dem Zeitpunkt des Eingriffs zusammen. Bei der mikrovaskulären Dekompression werden der Nervus trigeminus sowie die mit ihm in Verbindung stehende Arterie über einen Hautschnitt hinter dem Ohr zugänglich gemacht. Anschließend wird die Arterie vorsichtig vom Nerv getrennt und ein Stück Kunststoff als Puffer zwischen die beiden eingebracht. Auf diese Weise wird eine weitere Reizung des Nervens durch das Blutgefäß verhindert. Wird sie von erfahrenen Neurochirurg:innen durchgeführt, gilt die mikrovaskuläre Dekompression als sichere Behandlungsmethode. Studien zeigen, dass das Komplikationsrisiko bei rund 1,4 Prozent liegt. Die häufigsten Nebenwirkungen - die für sich genommen mit rund einem Prozent trotzdem sehr selten auftreten - sind einseitige Taubheit oder Gefühlstörungen auf der operierten Seite. Im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung kann mit der Janetta-Operation in sehr vielen Fällen die Ursache der Erkrankung behoben werden. Rund 75 Prozent aller Patient:innen sind nach der mikrovaskulären Dekompression über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren schmerzfrei. Kommt der Schmerz zurück, kann die Operation noch einmal durchgeführt werden.
  • Perkutane Operationsverfahren: Beim sogenannten perkutanen Operationsverfahren wird der Nervus Trigeminus im Bereich des Ganglion Gasseri (sensibler Nervenknoten im Bereich der Schädelgrube) entweder thermisch, chemisch oder mechanisch geschädigt. Der Zugangsweg erfolgt durch die Haut seitlich des Mundwinkels durch eine Schädelöffnung unter Durchleuchtung. Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten an der Schädelbasis (das sog. Ganglion Gasseri) mit einer Kanüle, die neben dem Mundwinkel eingestochen wird, aufgesucht. Anschließend versucht man mit einer gezielten Hitzeläsion (Thermokoagulation) oder Alkoholinjektion (Glyzerolinstillation) einen oder mehrere Äste des Trigeminusnerven kontrolliert zu schädigen, um die Schmerzentstehung und -weiterleitung zu unterbinden. Bei den thermischen und chemischen Varianten wird in 90 Prozent der Fälle Schmerzfreiheit erzielt. Auch nach zehn Jahren sind acht von zehn Patienten und Patientinnen schmerzfrei, bei der mechanischen Variante sind es sechs bis sieben von zehn Patienten und Patientinnen. Nebenwirkungen können eine verminderte Empfindlichkeit im Gesicht und unangenehme bis schmerzhafte Missempfindungen sein. Diese Methode eignet sich auch für ältere Menschen oder solche, die bei einer Operation erhöhte Risiken durch eine Vorerkrankung haben. Die betroffene Person wird nur örtlich betäubt oder in eine Kurznarkose gelegt, eine Vollnarkose ist nicht notwendig.
  • Radiochirurgische Behandlung (Gamma-Knife-Behandlung): Bei diesem Verfahren wird der Trigeminusnerv am Abgang mit einer hohen Strahlendosis einmalig bestrahlt. Das soll zu einer Teilschädigung des Nervs führen. Anders als bei der Dekompression kommt es erst nach Tagen bis Wochen zu einer Besserung der Symptomatik. Ist anfangs die Neuralgie bei 70 bis 90 Prozent der Patientinnen und Patienten gebessert, so ist das nach fünf Jahren nur noch etwa bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten der Fall. Eine weitere Bestrahlung mit einer niedrigeren Strahlendosis ist ebenfalls möglich, auch wenn dies nur bei der Hälfte der Patientinnen und Patienten erfolgreich ist. Auch ist mit einer Zunahme der sensiblen Ausfälle als Nebenwirkung zu rechnen. Das heißt, dass die Schmerzen bei sehr leichten Reizen vermehrt auftreten können. Bei 10 von 100 Patientinnen und Patienten kommt es nach der Behandlung zu unangenehmen bis schmerzhaften Fehlempfindungen. Durch die gezielte Bestrahlung wird ein millimeterkleiner Strahlenschaden im Nerven verursacht. Die Schmerzlinderung setzt nach wenigen Wochen ein. Allerdings sind die Langzeitergebnisse nicht so gut wie bei der mikrovaskulären Dekompression. Der Vorteil liegt jedoch darin, dass sie ohne operativen Eingriff erfolgt. Nach heutigem Kenntnisstand eignet sich das Verfahren vor allem, wenn ein erhöhtes Operationsrisiko besteht oder eine Trigeminusneuralgie bei Multiple Sklerose vorliegt.

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation wird zunächst eine Teststimulation über eine Nadelelektrode durchgeführt. Wirkt diese, so wird über verschiedene Zugangswege eine Elektrode im Bereich des Nervenknotens (Ganglion) eingesetzt. Mit der dauerhaft implantierten Elektrode kann zum Teil eine gute Schmerzlinderung erzielt werden. Der Vorteil gegenüber den oben beschriebenen zerstörenden Techniken ist, dass die Nebenwirkungen umkehrbar (reversibel) sind. Bei der Teststimulation kann es zu leichten Blutergüssen und Schmerzen im Bereich der Elektrodeneinführung kommen. Ebenso wie beim Einsetzen einer dauerhaften Elektrode besteht ein geringes Risiko von Infektionen und Verletzungen des Nervens.

Neuer Ansatz: Therapie mit Botox

Die Injektion von Botulinumtoxin in den schmerzhaften Bereich ist ein neuer Therapieansatz, der vor allem bei Patient:innen nützlich sein kann, die auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen. Bisher liegen nur wenige Studien zu dieser Therapieform vor, keine davon aus dem europäischen oder nordamerikanischen Raum. Da noch weitere Forschungsarbeit zu dieser Behandlung nötig ist, stellt sie noch keine gängige Therapie dar, sondern wird nur nach Einzelfall entschieden.

Alternative Medizin

Alternative Methoden bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie wurden bisher nicht so gründlich untersucht wie die medikamentösen oder chirurgischen Verfahren. Deshalb gibt es auch wenig Gewissheit, welche die Wirksamkeit solcher Methoden belegt. Dennoch konnte manchen Patient:innen mit alternativen Behandlungen geholfen werden, zum Beispiel mit Akupunktur, Biofeedback, Chiropraktik, Vitaminen oder Nahrungsergänzungsstoffen. Besprechen Sie solche Behandlungen bitte mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, weil es zu Wechselwirkungen mit anderen Behandlungen kommen kann.

Prävention und Alltagstipps bei Trigeminusneuralgie

Auch wenn bei einer Trigeminusneuralgie die ärztliche Abklärung der Ursachen und die zielgerichtete Behandlung im Vordergrund steht, gibt es für Betroffene auch Möglichkeiten zur Vorbeugung.

  • Stressbewältigung: Stress kann die Symptome der Trigeminusneuralgie verstärken. Es kann daher wertvoll sein, effektive Maßnahmen zur Stressbewältigung zu erlernen. Techniken wie tiefe Atemübungen, die progressive Muskelentspannung oder Meditation können helfen, das Stressniveau zu senken.
  • Guter Schlaf: Ein guter Schlaf ist für die Regeneration des Nervensystems wertvoll und wichtig. Patient:innen sollten daher darauf achten, regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten und eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden pro Nacht zu erreichen. Noch wichtiger als die reine Schlafdauer ist allerdings die Qualität des Schlafes: Dazu trägt vor allem eine ruhige, gut abgedunkelte Schlafumgebung bei.
  • Ausgewogene Ernährung: Obwohl es keine spezielle Diät für Patient:innen mit Trigeminusneuralgie gibt, kann eine ausgewogene Ernährung das allgemeine Wohlbefinden und die allgemeine Gesundheit fördern. Essen Sie als gesunde Basis täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse. Integrieren Sie außerdem bewusst ausreichend Omega-3-Fettsäuren in Ihren Speiseplan: Diese sind in Fettfischen wie Lachs enthalten und beispielsweise auch in Leinsamen.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Patient:innen berichten, dass bestimmte Aktivitäten oder Einflüsse Schmerzattacken auslösen können. Dazu gehören eigentlich normale Umgebungsfaktoren wie Zugluft und leichte Berührungen des Gesichts. Aber auch das simple Kauen kann ein Trigger sein.
  • Sanfte Gesichtspflege: Sanfte Gesichtspflege kann dazu beitragen, die Haut zu beruhigen und Triggerpunkte zu vermeiden. Es empfiehlt sich, täglich milde, nicht reizende Reinigungsprodukte und Feuchtigkeitscremes zu verwenden.
  • Gute Zahnpflege: Da zahnärztliche Eingriffe manchmal Trigeminusneuralgie auslösen können, trägt eine gute Zahnpflege dazu bei, dieses Risiko zu senken. Putzen Sie Ihre Zähne zweimal täglich für zwei Minuten und verwenden Sie Zahnseide einmal täglich.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann das allgemeine Wohlbefinden steigern und dazu beitragen, Stress zu reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sich mindestens 150 Minuten pro Woche bei mäßiger Anstrengung zu bewegen.
  • Professionelle Hilfe bei Depressionen oder Angst: Bei Anzeichen von Depression oder Angst, die häufig mit chronischen Schmerzen einhergehen, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen.

Weitere Tipps:

  • Heiße oder kalte Kompressen: Das Auflegen eines Eisbeutels oder eines warmen Tuchs auf die schmerzende Stelle Ihres Gesichts kann helfen, die Entzündung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern. Manche Patienten finden Linderung, indem sie - je nachdem, was für sie am besten wirkt - abwechselnd heiße und kalte Kompressen verwenden.
  • Leichte Massage: Eine sanfte Massage des Bereichs um Kiefer, Gesicht und Schläfen kann die Muskeln entspannen und die Durchblutung verbessern, wodurch Schmerzen vorübergehend gelindert werden.

Krankheitsbewältigung und Unterstützung

Das Leben mit einer Trigeminusneuralgie ist oft schwierig. Die Erkrankung kann den Umgang mit Freunden und Familie beeinträchtigen, ebenso wie die Produktivität bei der Arbeit und die generelle Lebensqualität. In Patientenorganisationen können Sie Verständnis und Unterstützung finden. Die Mitglieder in diesen Organisationen kennen sich oft mit den neuesten Behandlungsmethoden aus und können ihre eigenen Erfahrungen weitergeben.

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