Die Frage, wann man bei Nervenschmerzen ins Krankenhaus muss, ist für viele Betroffene schwer zu beantworten. Dieser Artikel soll einen Überblick darüber geben, wann ein Besuch in der Notaufnahme ratsam ist, wann der ärztliche Bereitschaftsdienst oder der Hausarzt ausreicht und welche Anzeichen ernst zu nehmen sind.
Die Notaufnahme: Wann ist sie die richtige Anlaufstelle?
Die Notaufnahme ist grundsätzlich für lebensbedrohliche Notfälle gedacht. Sie ist die richtige Anlaufstelle für akute Beschwerden, die nicht bis zur Öffnung der Hausarztpraxis warten können. Es ist wichtig zu beachten, dass Schwerverletzte und ernsthaft erkrankte Menschen in der Notaufnahme immer Vorrang haben, da hier oft Sekunden über Leben und Tod entscheiden.
Medizinische Notfälle bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen können folgende Symptome auf einen medizinischen Notfall hindeuten und einen Besuch in der Notaufnahme erforderlich machen:
- Starke Schmerzen im Brustkorb: Hier könnte ein Herzinfarkt vorliegen.
- Schwere Atemnot: Dahinter können zahlreiche ernsthafte Erkrankungen stecken, wie z.B. ein Herzinfarkt, eine Lungenembolie, allergische Reaktionen, eine Herzschwäche oder eine Lungenentzündung.
- Ein anaphylaktischer Schock: Eine schwere allergische Reaktion, die sofortige Behandlung erfordert.
- Eingeschränktes Bewusstsein, Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht: Hinter einer Veränderung der Bewusstseinslage können zahlreiche ernsthafte Erkrankungen stecken. Etwa ein Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Stillstand, ein Krampfanfall, eine Vergiftung oder Schädelverletzung.
- Verbrennungen, Vergiftungen, Erstickungen: Diese erfordern umgehende medizinische Hilfe.
- Starke Blutungen: Unstillbare Blutungen müssen sofort behandelt werden.
- Knochenbrüche: Besonders offene Brüche oder solche mit Beteiligung von Gelenken.
- Ein Verdacht auf innere Verletzungen: Nach Unfällen oder Stürzen.
- Stromunfälle: Können zu schweren Schäden führen.
- Anhaltende Krämpfe: Insbesondere wenn sie erstmalig auftreten.
- Suizidversuche: Benötigen sofortige medizinische und psychologische Betreuung.
- Plötzliche Komplikationen während einer Schwangerschaft: Hier ist schnelles Handeln gefragt.
- Sprachstörungen und einseitige Lähmungen: Bei „verwaschener“ Sprache und/oder einseitiger Lähmung der Gesichtsmuskulatur beziehungsweise Kraftlosigkeit einer Extremität (Arm und/oder Bein) liegt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Schlaganfall (Apoplex) vor.
Wann mit Kindern in die Notaufnahme?
Auch bei Kindern gibt es Situationen, in denen ein sofortiger Besuch in der Notaufnahme notwendig ist. Zu Notfällen bei Kindern zählen:
- Unklares Fieber bei Säuglingen: Insbesondere bei sehr jungen Säuglingen sollte Fieber umgehend abgeklärt werden.
- Anhaltendes Erbrechen: Besonders wenn es mit Anzeichen von Dehydration einhergeht.
- Heftige Bauchschmerzen: Hier muss die Ursache schnell gefunden werden.
- Andere akute Schmerzen: Starke Schmerzen, deren Ursache unklar ist.
- Atembeschwerden: Jegliche Form von Atemnot bei Kindern ist ein Notfall.
- Allergische Anfälle: Können lebensbedrohlich sein.
- Auffallende Schläfrigkeit: Kann ein Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein.
- Verletzungen: Insbesondere Kopfverletzungen oder solche, die mit Bewusstseinsverlust einhergehen.
- Verschlucken oder Einatmen von Fremdkörpern: Hier droht Erstickungsgefahr.
- Drohende Vergiftungen: Bei Verdacht auf Einnahme giftiger Substanzen.
- Infekte mit hohem Fieber auftreten
- Bewusstseinsstörungen oder -veränderungen vorliegen
- das Kind Krampfanfälle erleidet oder etwas verschluckt hat.
Allgemein gilt: Im Zweifelsfall sollten Eltern ihr Kind lieber einmal zu viel in der Notaufnahme vorstellen, als eine potenziell gefährliche Situation zu übersehen. Bereits beim Anruf über die 112 kann am Telefon eingeschätzt werden, ob es sich um einen Notfall handelt.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Der Rettungsdienst: Wann die 112 wählen?
In lebensbedrohlichen Situationen oder wenn eine sofortige medizinische Versorgung erforderlich ist, sollte unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn:
- Eine lebensbedrohliche Lage entsteht.
- Eine sofortige medizinische Versorgung erforderlich ist, da sonst schwere gesundheitliche Schäden drohen.
- Ein Transport in die Notaufnahme aus gesundheitlichen Gründen unmöglich ist.
- Der Transport zu lange dauert.
- Keine Transportmöglichkeit zur Verfügung steht.
- Nach Unfällen mit Personenschaden das Ausmaß der Verletzung nicht absehbar ist.
Beim Absetzen eines Notrufs sollten folgende Informationen an die Leitstelle weitergegeben werden:
- Wo ist das Ereignis?
- Wer ruft an?
- Was ist geschehen?
- Wie viele Betroffene?
- Warten auf Rückfragen!
Der ärztliche Bereitschaftsdienst: Eine Alternative zur Notaufnahme
Für Erkrankungen und Verletzungen, die nicht lebensbedrohlich sind und keine sofortige medizinische Hilfe benötigen, gibt es den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Unter der Telefonnummer 116 117 erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr und werden an eine Bereitschaftspraxis verwiesen.
Mögliche Symptome für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst
Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist die richtige Anlaufstelle bei:
- Fieber mit Temperaturen von 39 Grad und höher.
- Starke Übelkeit mit Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme.
- Starke Hals- oder Ohrenschmerzen.
- Akute Kopfschmerzen bei Migräne.
- Akute Harnwegsinfekte.
Der ärztliche Bereitschaftsdienst kann Auskunft über die zuständige Bereitschaftspraxis geben und bei Bedarf auch die Entsendung des Bereitschaftsarztes direkt nach Hause veranlassen.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
Der Hausarzt: Erste Anlaufstelle bei Beschwerden
Bei akuten oder chronischen Beschwerden ist der Hausarzt eine mögliche Anlaufstelle, um eine medizinische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Voraussetzung dabei ist, dass die medizinische Versorgung bis zur nächsten Sprechstunde der Hausarztpraxis oder der Vertretungspraxis warten kann.
Nervenschmerzen: Ursachen und wann man handeln sollte
Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen als direkte Folge einer Schädigung des Nervensystems. Sie können von neurologischen Ausfällen begleitet sein, wie z.B. Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheit) oder Fehlfunktionen der Muskeln (Schwäche, Lähmungen).
Ursachen von Nervenschmerzen
Bei der Suche nach den Ursachen von Nervenschmerzen muss unterschieden werden, ob sie Folge einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine eigenständige Erkrankung sind.
- Erkrankungen des Bewegungsapparats: Nervenschmerzen können durch eingeklemmte oder gereizte Nerven verursacht werden, z.B. durch Fehlstellungen der Wirbelkörper, Bandscheibenvorfälle, Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen.
- Neuropathische Schmerzen: Hier sind die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt. Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen.
Wann sollte man bei Nervenschmerzen einen Arzt aufsuchen?
- Plötzliche Lähmungen oder Sprachstörungen: Dies sind klare Warnsignale, die auf einen Schlaganfall oder eine akute Entzündung im zentralen Nervensystem hindeuten können. In diesem Fall sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden.
- Neurologische Symptome nach Kopfverletzungen: Besonders gefährlich ist es, wenn die Symptome verzögert auftreten. Bei schwereren Kopfverletzungen gehören Betroffene daher auch ohne Symptome ins Krankenhaus.
- Nervenschmerzen in Kombination mit neurologischen Ausfällen: Wenn Nervenschmerzen von Gefühlsstörungen, Taubheit oder Muskelschwäche begleitet werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.
- Starke, unerträgliche Schmerzen: Wenn die Schmerzen so stark sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen und nicht durch Hausmittel oder rezeptfreie Schmerzmittel gelindert werden können.
- Anzeichen einer Infektion: Rötung, Schwellung oder Eiterbildung im Bereich der Schmerzen können auf eine Infektion hindeuten, die behandelt werden muss.
- Verdacht auf Gürtelrose: Bei Schmerzen und Missempfindungen in einem bestimmten Körperareal, gefolgt von Hautrötung und Bläschenbildung, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Gürtelrose auszuschließen.
- Diabetische Polyneuropathie: Bei Diabetikern können Nervenschmerzen in den Füßen, Unterschenkeln oder Händen auf eine diabetische Polyneuropathie hindeuten. In diesem Fall ist eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels wichtig.
Wann ist bei Nervenschmerzen die Notaufnahme erforderlich?
In folgenden Situationen ist bei Nervenschmerzen ein Besuch in der Notaufnahme ratsam:
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen: Wenn die Schmerzen unerträglich sind und sich nicht durch Schmerzmittel lindern lassen.
- Nervenschmerzen in Kombination mit Lähmungen oder Sprachstörungen: Dies kann auf einen Schlaganfall oder eine andere schwerwiegende neurologische Erkrankung hindeuten.
- Nervenschmerzen nach einer schweren Verletzung: Hier muss abgeklärt werden, ob Nerven geschädigt wurden.
- Nervenschmerzen in Kombination mit Bewusstseinsverlust oder Krampfanfällen: Dies sind Alarmsignale, die sofortige medizinische Hilfe erfordern.
Was tun, wenn man unsicher ist?
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden einen Besuch in der Notaufnahme erforderlich machen, können Sie sich an folgende Stellen wenden:
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117): Hier erhalten Sie eine telefonische Beratung und werden an die zuständige Bereitschaftspraxis verwiesen.
- Hausarzt: Ihr Hausarzt kennt Ihre Krankengeschichte und kann Ihnen am besten einschätzen, ob ein Besuch in der Notaufnahme notwendig ist.
- Notruf (112): In lebensbedrohlichen Situationen oder wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich um einen Notfall handelt, zögern Sie nicht, den Notruf zu wählen.
Was Sie bei einem Besuch in der Notaufnahme beachten sollten
Falls Sie die Notaufnahme aufsuchen müssen, sollten Sie folgende Unterlagen mitbringen:
- Ihre Versichertenkarte
- Eine Liste Ihrer Medikamente
- Allergiepass (falls vorhanden)
- Wichtige Vorbefunde (falls vorhanden)
Melden Sie sich in der Anmeldung und schildern Sie Ihre Beschwerden. Eine speziell geschulte Pflegekraft wird eine Ersteinschätzung vornehmen, um die Dringlichkeit Ihrer Behandlung zu ermitteln.
Die Triage in der Notaufnahme
Um alle Patienten in der Notaufnahme gut zu versorgen, nutzen viele Krankenhäuser das Manchester-Triage-System. Mit diesem System lässt sich erfassen, wie schwer die Erkrankung oder Verletzung ist und die Behandlungsdringlichkeit definieren. Patienten werden nach Dringlichkeit in verschiedene Kategorien eingeteilt (z.B. rot, orange, gelb, grün, blau), wobei Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen (rot) sofort behandelt werden.
Die Kosten der Notfallversorgung
Die Kosten für eine medizinisch notwendige Notfallversorgung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung. Dazu reicht es, einfach die elektronische Gesundheitskarte im behandelnden Krankenhaus vorzulegen. Für den Transport mit einem Rettungswagen fällt in der Regel ein Eigenanteil von 10 Euro an.
tags: #nervenschmerzen #ins #krankenhaus