Nervenschmerzen im Knie: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Knieschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie können plötzlich auftreten oder sich allmählich entwickeln und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Ursachen für Knieschmerzen sind vielfältig und reichen von akuten Verletzungen bis hin zu chronischen Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, die Beschwerden frühzeitig ernst zu nehmen und gezielt zu handeln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Nervenschmerzen im Knie, die diagnostischen Verfahren und die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten.

Das Kniegelenk: Ein komplexes System

Das Kniegelenk ist das größte und komplexeste Gelenk im menschlichen Körper. Als Dreh- und Scharniergelenk ermöglicht es eine Beugung von bis zu 150 Grad und eine Überstreckung von bis zu 10 Grad. Die Knochenvorsprünge am Gelenkkopf des Oberschenkelknochens, die sogenannten Condylen, sind mit Gelenkknorpel überzogen. Das Tibiaplateau bezeichnet die Gelenkfläche des Schienbeins. Die Kniescheibe, eingebettet in die Sehnenstruktur des Oberschenkelmuskels, die zum Schienbein zieht, ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Kniegelenks.

Zusammengehalten wird das Kniegelenk hauptsächlich durch Muskeln, Sehnen und Bänder, da die Gelenkteile nicht vollständig ineinandergreifen. Die Menisken, bestehend aus Außen- und Innenmeniskus, bilden das Verbindungsstück zwischen Oberschenkel und Schienbein und sorgen für eine ausgewogene Kraftverteilung im Knie. Die Kreuzbänder (vorderes und hinteres) im Inneren des Gelenks stabilisieren zusammen mit den Seitenbändern das Kniegelenk.

Ursachen von Nervenschmerzen im Knie

Nervenschmerzen im Knie können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Schmerzen, die im Knie wahrgenommen werden, nicht immer direkt von einer Schädigung des Kniegelenks selbst herrühren müssen. Störungen in benachbarten Körperregionen können ebenfalls ausstrahlende Schmerzen verursachen, die einer Kniegelenksarthrose ähneln.

Mögliche Ursachen im Kniegelenk selbst

  • Meniskusschäden: Eine häufige Ursache von Knieschmerzen ist ein Meniskusriss, wobei meist der Innenmeniskus betroffen ist. Der Schmerz projiziert sich auf den inneren Gelenkanteil und verstärkt sich bei Belastung und Verdrehungen.
  • Patellofemorales Schmerzsyndrom (Vorderer Knieschmerz): Hierbei handelt es sich um typische Schmerzen hinter der Kniescheibe, die vor allem beim Treppensteigen, längerem Sitzen oder Autofahren auftreten. Meist liegt im jungen Alter kein Strukturschaden vor.
  • Kniegelenksarthrose (Gonarthrose): Abnutzung im Alter oder bei einseitiger Belastung kann zu Knorpelschäden und somit zu Knieschmerzen führen. Auch die Abnutzung des Kniescheibengelenkes im Rahmen der Kniegelenksarthrose kann Beschwerden verursachen.
  • Knochennekrose (Osteonekrose): Durchblutungsstörungen können zu einer Knochennekrose führen, bei der Knorpel- und Knochenteile abgelöst werden, was oft sehr starke Beschwerden verursacht.
  • Entzündliche Erkrankungen: Bakterielle Kniegelenksvereiterungen verlaufen besonders schmerzhaft und zügig. Sie sind oft durch plötzlich und sehr stark auftretende Schmerzen auch in Ruhe charakterisiert und erfordern eine schnelle Behandlung, da die Bakterien den Gelenkknorpel zerstören. Auch die chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis) kann das Kniegelenk befallen.
  • Gicht oder Pseudo-Gicht: Im Rahmen dieser Erkrankungen kann es ebenfalls zu schmerzhaften Gelenkschwellungen im Knie kommen.
  • Pes anserinus-Syndrom: Eine Reizung des Sehnenansatzes am Schienbein, knapp unterhalb des Kniegelenks, kann zu Schmerzen an der Innenseite des Unterschenkels führen.

Mögliche Störungen in der Nachbarschaft des Kniegelenks

  • Störungen des oberen Schienbein-Wadenbein-Gelenkes (proximales Tibio-Fibular-Gelenk): Diese können sich in einem Schmerz auf der Knieaußenseite äußern.
  • Sehnenansatzentzündungen (Patellasehne, Tractus iliotibialis): Überlastungsbedingte Entzündungen können zu Schmerzen führen. Lateraler Kniegelenksschmerz wird häufig durch eine Überlastung und Entzündung des Tractus iliotibialis (sog. Schenkelbinde) verursacht.
  • Hüfterkrankungen: Schmerzen können über die Muskulatur bis zum Knie ausstrahlen.
  • Erkrankungen der Lendenwirbelsäule: Auch hier können ausstrahlende Schmerzen bis zum Knie auftreten.
  • Tumorerkrankungen im Kniebereich: Obwohl selten, sind Tumorerkrankungen eine mögliche Ursache für Knieschmerzen und sollten ausgeschlossen werden.
  • Nervenkompressionssyndrome: Reizungen oder Einklemmungen von Nerven, wie beispielsweise des Ischiasnervs (Ischialgie), können Schmerzen bis ins Knie ausstrahlen. Auch Nervenschäden, die lokal verursacht werden, beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall, können brennende Knieschmerzen verursachen.

Symptome von Nervenschmerzen im Knie

Die Symptome von Nervenschmerzen im Knie können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige häufige Symptome sind:

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  • Schmerzen: Die Schmerzen können an verschiedenen Stellen im Bereich des Kniegelenks auftreten, z.B. im Kniegelenk selbst, an der Kniescheibe, im Knieinneren oder -äußeren. Sie können bei Belastung, aber auch in Ruhe auftreten. Die Schmerzqualität kann variieren (stechend, brennend, dumpf). Stechende Schmerzen deuten oft auf eine akute Verletzung hin, während brennende Schmerzen häufig eine neurologische Ursache haben.
  • Schwellung: Eine Schwellung im Kniegelenk kann auf eine Entzündung oder eine Flüssigkeitsansammlung (Gelenkerguss) hinweisen.
  • Bewegungseinschränkung: Das Knie kann sich steif anfühlen, und die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein.
  • Instabilität: Das Knie kann sich wacklig anfühlen oder wegknicken.
  • Knackgeräusche: Beim Bewegen des Knies können Knack-, Knirsch- oder Reibegeräusche auftreten.
  • Anlaufschmerzen: Schmerzen, die nach Ruhephasen auftreten und sich nach einigen Schritten bessern.
  • Morgensteifigkeit: Steife des Gelenks für über eine Stunde nach dem Aufstehen am Morgen (typisch für rheumatoide Arthritis).
  • Überwärmung und Rötung: Können auf eine Entzündung hindeuten, insbesondere bei bakteriellen Infektionen.

Diagnose von Nervenschmerzen im Knie

Bei Knieschmerzen ist eine genaue Diagnose entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten. Die Diagnoseschritte bauen aufeinander auf:

  1. Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, den Zeitpunkt des Auftretens, die Dauer, die Art der Schmerzen, begleitende Beschwerden und Vorerkrankungen. Wichtige Fragen sind: Wo schmerzt das Knie? In welcher Situation schmerzt das Knie? Gab es einen Sturz oder Unfall? Treten die Schmerzen vor allem nachts und in Ruhe auf?
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt begutachtet das Knie, prüft die Beweglichkeit und Stabilität des Gelenks und führt verschiedene orthopädische Tests durch, um Rückschlüsse auf die Ursache der Schmerzen zu ziehen. Dabei achtet er auf Fehlstellungen, Schwellungen, Druckempfindlichkeit und die Funktion der Bänder.
  3. Bildgebende Verfahren:
    • Ultraschall: Ermöglicht die Beurteilung von Sehnen, Bändern und Knorpel, sogar unter Bewegung des Gelenks.
    • Röntgen: Zeigt den Zustand der Knochen und den Knochenstoffwechsel. Eine Röntgenaufnahme ist wichtig, um Tumorerkrankungen auszuschließen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Macht alle wasserhaltigen Weichteilgewebe besonders detailliert sichtbar und ist hilfreich bei der Beurteilung von Menisken, Bändern und Knorpel.
    • Computertomographie (CT): Kombiniert Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen, um Schnittbilder anzufertigen und den Knochen dreidimensional darzustellen.
  4. Blutuntersuchung: Kann erhöhte Entzündungswerte oder Marker feststellen, die mit einer rheumatischen Erkrankung im Zusammenhang stehen.
  5. Punktion von Gelenkflüssigkeit: Kann bei Verdacht auf eine Entzündung oder Infektion durchgeführt werden.
  6. Gelenkspiegelung (Arthroskopie): In speziellen Fällen kann eine Arthroskopie notwendig sein, um das Gelenkinnere direkt zu beurteilen und kleine Schäden zu behandeln.

Behandlung von Nervenschmerzen im Knie

Die Behandlung von Nervenschmerzen im Knie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt eine Vielzahl von Therapieoptionen, die je nach Bedarf einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können.

Konservative Behandlung

  • PECH-Regel: Bei akuten Schmerzen und Verletzungen sollte die PECH-Regel (Pause, Eis, Kompression, Hochlagern) angewendet werden, um das Kniegelenk zu entlasten, Schmerzen zu lindern und einer Schwellung vorzubeugen.
  • Schmerzmittel: Rezeptfreie Schmerzmittel (z. B. Paracetamol, Ibuprofen) können zur Linderung akuter Schmerzen eingenommen werden. Auch entzündungshemmende Gele oder Cremes mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac können lokal angewendet werden. Bei stärkeren Schmerzen kann der Arzt stärkere Schmerzmittel verschreiben.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung und Dehnung der Bein- und Hüftmuskulatur können das Kniegelenk entlasten und stabilisieren.
  • Orthesen: Knieorthesen können das Kniegelenk stabilisieren und entlasten. Bei X-Beinen kann beispielsweise die Orthese M.4s OA zum Einsatz kommen. Die Orthese Genumedi PA wurde speziell entwickelt, um die Therapie beim Pes anserinus-Syndrom zu unterstützen.
  • Schuheinlagen: Bei Fußfehlstellungen können orthopädische Schuheinlagen helfen, die Belastung des Kniegelenks zu reduzieren.
  • Gewichtsreduktion: Jedes Kilogramm weniger verringert die Belastung für die Knie.
  • Knie-freundliche Sportarten: Sportarten wie Rückenschwimmen, Wassergymnastik, Radfahren und Walking sind gelenkschonend und können die Kniegesundheit fördern.
  • Vermeidung von Überlastung: Zu starkes Beugen und Verdrehen über den rechten Winkel hinaus sollte vermieden werden.
  • Anpassung der Ernährung und Lebensweise: Bei entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis kann eine Anpassung der Ernährung und Lebensweise sinnvoll sein.
  • Hausmittel: Franzbranntwein kann als Hausmittel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt werden. Auch Kohlwickel können bei Entzündungen lindernd wirken.

Medikamentöse Behandlung

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Wirken entzündungshemmend, abschwellend und schmerzlindernd. Sie sind als Tabletten oder schmerzlindernde Gels erhältlich.
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Kniegelenksentzündungen werden Antibiotika verordnet.
  • Spezifische Medikamente bei rheumatischen Erkrankungen: Bei rheumatoider Arthritis oder Gicht kommen spezifische Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem regulieren oder den Harnsäurespiegel senken.

Operative Behandlung

  • Arthroskopie: Bei Meniskusrissen oder Knorpelschäden kann eine Arthroskopie durchgeführt werden, um den Meniskus zu nähen oder teilweise zu entfernen und die Knorpelfläche zu glätten.
  • Kreuzbandplastik: Bei einem Kreuzbandriss kann eine Kreuzbandplastik durchgeführt werden, um die Funktion des Kreuzbandes wiederherzustellen.
  • Knieendoprothese (künstliches Kniegelenk): Bei fortgeschrittener Arthrose kann ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
  • Operation bei Knochenbrüchen: Frakturen des Kniegelenks müssen operativ versorgt werden, um eine stufenlose Ausheilung der Gelenkfläche zu gewährleisten.
  • Operation bei Luxation der Kniescheibe: In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Position der Kniescheibe zu stabilisieren.

Vorbeugung von Nervenschmerzen im Knie

Einige Maßnahmen können helfen, Nervenschmerzen im Knie vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige gelenkschonende Bewegung (z. B. Spazieren, Aquagymnastik, Radfahren) stärkt die Muskeln und fördert die Knorpelernährung.
  • Vermeidung von Überlastung: Stoßbewegungen oder Richtungswechsel sollten vermieden werden. Langes Arbeiten in der Hocke oder auf den Knien belastet das Kniegelenk sehr.
  • Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten: Vor sportlichen Aktivitäten sollten Kräftigungs- und Dehnungsübungen durchgeführt werden, um die Kniegelenke zu entlasten und Unfällen vorzubeugen.
  • Adäquates Schuhwerk: Hohe Absätze führen zu einer hohen Belastung insbesondere der Kniescheibe.
  • Normalgewicht anstreben: Übergewicht belastet die Kniegelenke zusätzlich.

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