Nach einer Operation, bei der Metall zur Stabilisierung von Knochen eingesetzt wurde, kann es nach der Metallentfernung zu Nervenschmerzen kommen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Schmerzen und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Einführung
Die Verwendung von Metallimplantaten wie Schrauben oder Platten ist ein gängiges Verfahren zur Behandlung von Knochenbrüchen. Nachdem der Knochen ausreichend verheilt ist, werden diese Implantate oft als nicht mehr notwendig erachtet und können in einem weiteren Eingriff entfernt werden. Obwohl die Metallentfernung in vielen Fällen problemlos verläuft, können in einigen Fällen Nervenschmerzen auftreten.
Ursachen von Nervenschmerzen nach Metallentfernung
Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Nervenschmerzen nach einer Metallentfernung beitragen können:
- Direkte Nervenschädigung: Während der Operation zur Metallentfernung kann es zu einer direkten Schädigung von Nerven kommen. Dies kann durch versehentliches Durchtrennen, Quetschen oder Dehnen eines Nervs geschehen. Auch eine scharfe Verletzung kann vorkommen.
- Nervenkompression: Narbengewebe, das sich nach der Operation bildet, kann auf Nerven drücken und diese komprimieren. Dies kann zu chronischen Schmerzen und Funktionsstörungen führen.
- Entzündungsprozesse: Entzündungen im Operationsgebiet können die Nerven reizen und Schmerzen verursachen. Entzündungsprozesse nach einer Operation können dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
- Morbus Sudeck (CRPS): In manchen Fällen kann eine Metallentfernung ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS), auch bekannt als Morbus Sudeck, auslösen. Diese Erkrankung ist durch chronische Schmerzen, Schwellungen und Veränderungen der Haut und des Gewebes gekennzeichnet. Durch Ruhigstellung kann es zu dieser Erkrankung mit äußerst unangenehmen Schmerzen und Schwellungen und anderen Symptomen kommen.
- Iatrogene Nervenverletzungen: Etwa 20 Prozent aller operativ versorgten Nervenverletzungen haben eine iatrogene Ursache, wobei ein erheblicher Anteil (circa 40 Prozent) bei unfallchirurgischen oder orthopädischen Operationen entsteht.
- Vorerkrankungen und Risikofaktoren: Bestimmte Vorerkrankungen der peripheren Nerven oder Nervenschäden begünstigende Erkrankungen wie Diabetes, periphere Gefäßerkrankungen oder Arthritis können das Risiko für postoperative Nervenschmerzen erhöhen.
Symptome von Nervenschmerzen
Nervenschmerzen nach einer Metallentfernung können sich auf vielfältige Weise äußern. Kennzeichnend für postoperative neuropathische Schmerzen beziehungsweise Nervenschmerzen allgemein ist eine charakteristisch veränderte Hautsensibilität. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Veränderte Hautsensibilität: Betroffene können unter- oder überempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck reagieren.
- Taubheitsgefühle: Ein Verlust der Sensibilität im betroffenen Bereich ist ein häufiges Symptom.
- Schmerzattacken: Die Schmerzen können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend anfühlen.
- Bewegungseinschränkungen: Betroffene vermeiden es möglicherweise, den schmerzenden Körperteil zu bewegen, was zu Muskelverkümmerung führen kann.
Diagnose
Die Diagnose von Nervenschmerzen nach einer Metallentfernung erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird nach der Art der Schmerzen, ihrer Lokalisation und den auslösenden Faktoren fragen. Zudem können neurologische Tests durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um andere Ursachen der Schmerzen auszuschließen.
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Behandlungsansätze
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Metallentfernung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion wiederherzustellen und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Schmerzen eingesetzt werden können:
- Medikamentöse Therapie:
- Schmerzmittel: Bei akuten Schmerzen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen. Bei chronischen Schmerzen sind diese jedoch oft nicht ausreichend wirksam.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin werden häufig zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) können ebenfalls bei Nervenschmerzen helfen.
- Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Aufgrund des hohen Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur unter strenger ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
- Lokale Therapie: Lidocain-Pflaster können helfen, Schmerzen lokal zu lindern.
- Nicht-medikamentöse Therapie:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Beweglichkeit wiederherzustellen, die Muskeln zu stärken und die Schmerzen zu lindern.
- Ergotherapie: Ergotherapeuten können Patienten dabei unterstützen, ihren Alltag trotz der Schmerzen besser zu bewältigen.
- Psychotherapie: Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Schmerzakzeptanz zu verbessern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): TENS kann helfen, die Schmerzen zu lindern, indem es die Nerven stimuliert.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Nervenschmerzen helfen kann.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Warme Fußbäder oder die Applikation von Kälte können die Schmerzen lindern.
- Lymphdrainage: Lymphdrainage ist eine physiotherapeutische Therapiemaßnahme, wodurch das Wasser aus dem Bein massiert wird.
- Invasive Therapie:
- Nervenblockaden: Selektive Nervenblockaden können helfen, die Schmerzen zu lindern, indem sie die Nerven betäuben.
- Ganglionblockaden: Bei bestimmten Arten von Nervenschmerzen können Ganglionblockaden eingesetzt werden.
- Neuromodulationsverfahren: Verfahren wie die Rückenmarkstimulation (SCS) können helfen, die Schmerzsignale zu modulieren.
- Rehabilitation: Eine leistungsorientierte Reha mit alltagsorientierten Tätigkeiten kann helfen, Patienten wieder am Leben teilhaben zu lassen. Hierbei werden Arbeitsplätze und Tätigkeiten simuliert, um die Patienten auf ihren Berufsalltag vorzubereiten.
Fallbeispiele
Die bereitgestellten Fallbeispiele verdeutlichen die Komplexität von Nervenverletzungen im Zusammenhang mit Operationen und die Bedeutung einer sorgfältigen Diagnose und Behandlung. Sie zeigen auch, dass in einigen Fällen trotz aller Sorgfalt des Operateurs Komplikationen auftreten können, die nicht als Behandlungsfehler zu werten sind. In anderen Fällen liegt jedoch ein Behandlungsfehler vor, beispielsweise wenn notwendige Untersuchungen unterlassen werden oder die Aufklärung des Patienten unzureichend ist.
- Fall 1: Ein Patient entwickelt nach einer Kniegelenksendoprothese eine Taubheit des Fußes. Obwohl eine Nervenschädigung vorliegt, kann kein Behandlungsfehler festgestellt werden.
- Fall 2: Bei einer Operation wegen Epicondylitis humeri ulnaris wird zusätzlich ein Weichteiltumor entfernt, was nicht von der Einwilligung des Patienten gedeckt war. Dabei wird der Nervus medianus durchtrennt. Hier liegt ein Behandlungsfehler vor.
- Fall 3: Bei einer Lipomentfernung wird ohne vorherige Einwilligung der intratumoral verlaufende Nervus radialis reseziert. Dies führt zu einer Fallhand. Auch hier liegt ein Fehler in der Aufklärung vor.
Prävention
Obwohl nicht alle Nervenschmerzen nach einer Metallentfernung verhindert werden können, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko minimieren können:
- Sorgfältige Operationsplanung: Der Operateur sollte die anatomischen Strukturen sorgfältig berücksichtigen und die Operation präzise planen.
- Schonende Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann helfen, Nervenverletzungen zu vermeiden.
- Aufklärung des Patienten: Der Patient sollte umfassend über die Risiken und möglichen Komplikationen der Operation aufgeklärt werden.
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Die Behandlung von Nervenschmerzen erfordert oft einen interdisziplinären Ansatz. Ärzte verschiedener Fachrichtungen, wie Neurologen, Orthopäden, Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten und Psychologen, arbeiten zusammen, um den Patienten optimal zu versorgen.
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