Demenz ist ein Oberbegriff für mehr als 50 verschiedene Krankheitsbilder, die mit dem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer ist eine spezielle und die häufigste Form der Demenz. In Deutschland sind schätzungsweise rund 1,84 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen. Für sie und ihre Familien bringt die Krankheit einen schwerwiegenden Wandel mit sich. Dieser Artikel informiert umfassend über Ursachen, Krankheitsverlauf und die neuesten Behandlungsmethoden von Alzheimer und anderen Demenzformen.
Was ist Demenz?
Demenz ist ein Begriff aus dem Lateinischen und bedeutet „ohne Geist“. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der fortschreitende Verlust geistiger Fähigkeiten. Im Volksmund ist häufig auch von Altersdemenz die Rede, da vor allem ältere Menschen mit einer Demenzform leben. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Demenz keine normale Alterserscheinung ist.
Ursachen von Demenz
Die Ursachen für eine Demenz sind vielfältig. Die meisten haben hirnorganische Ursachen (primäre Demenz), welche bisher nicht heilbar sind. Sekundäre Demenzen können durch Intoxikationen (zum Beispiel eine Medikamentenvergiftung), Vitaminmangel oder Schilddrüsenfehlfunktion ausgelöst werden und sind zum Teil heilbar, wenn die zugrunde liegende Erkrankung früh genug behandelt wird.
Alzheimer als häufigste Form
Die am häufigsten auftretende Form einer primären Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Sie macht etwa 60-80% aller Demenzfälle aus. Auf sie folgt an zweiter Stelle die vaskuläre Demenz, also eine gefäßbedingte Demenz.
Der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer zu verstehen, da Alzheimer eine spezifische Form der Demenz darstellt. Demenz ist ein Oberbegriff für den Verlust geistiger Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken, Sprache und Orientierung. Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben, was zu einem fortschreitenden Verlust dieser Fähigkeiten führt. Bei Alzheimer sterben Nervenzellen im Gehirn ab, wodurch das Gehirn um bis zu 20% schrumpfen kann. Das Absterben der Nervenzellen führt zudem zur Bildung von Eiweißablagerungen im Gehirn.
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Andere Formen der Demenz
Neben Alzheimer gibt es noch weitere Demenzformen, die sich in ihren Ursachen, Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden. Zu den häufigsten gehören:
Vaskuläre Demenz (VaD)
Die vaskuläre Demenz (VaD) ist die zweithäufigste Form der Demenz. Sie wird durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht, beispielsweise durch kleinere Schlaganfälle, die das Gewebe des Gehirns zerstören. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Krankheit im Anfangsstadium, setzen jedoch oftmals früher und intensiver ein. Heilbar ist die vaskuläre Demenz nicht, sie sollte aber möglichst früh behandelt werden. Bei ungefähr jedem fünften Menschen mit Demenz liegt die Ursache in Durchblutungsstörungen.
Alzheimer vs. Vaskuläre Demenz:
- Beginn: Alzheimer beginnt schleichend, während die vaskuläre Demenz plötzlich beginnen kann. Die Symptome nehmen bei Alzheimer nur langsam zu.
- Mischformen: Oftmals leiden Betroffene nicht nur unter einer Form der Demenz. Die Medizin spricht in solchen Fällen von Mischformen (im Gegensatz zu Reinformen).
Lewy-Körper-Demenz (DLB)
Die Lewy-Körper-Demenz (DLB) ähnelt nicht nur in den Symptomen, sondern auch in den Ursachen der Alzheimer-Krankheit. Den Untergang der Nervenzellen im Gehirn verursachen Eiweißablagerungen, sogenannte Lewy-Körperchen. Ein typisches Symptom der Lewy-Körper-Demenz sind Halluzinationen, die meist häufiger und früher als bei Alzheimer auftreten. Dagegen bleibt das Gedächtnis oftmals länger erhalten. Heilbar ist diese Demenzform nicht. Zwischen diesen beiden Formen von Demenz kommt es häufig zu Überlappungen.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Bei der selteneren Form der frontotemporalen Demenz (FTD), früher auch Pick-Krankheit oder Morbus Pick genannt, treten anfangs ganz andere Symptome auf. Die Persönlichkeit der Betroffenen verändert sich, sie sind leicht reizbar und benehmen sich seltsam. Viele Betroffene verhalten sich auffällig und unsozial, während ihr Gedächtnis weitgehend erhalten bleibt. Aufgrund der Symptomatik wird diese Demenzform häufig mit anderen psychischen Störungen verwechselt. Sie ist bislang nicht heilbar, doch einige Symptome (Aggressionen oder zwanghaftes Verhalten) können mit Medikamenten gelindert werden. Bei der frontotemporalen Demenz sind zuerst die Hirnregionen betroffen, die das soziale Verhalten steuern. Insbesondere das Auftreten im vergleichsweise jungen Alter kann es für Angehörige besonders erschweren, eine Demenz als Ursache für die Verhaltensänderungen zu akzeptieren.
Alzheimer vs. Frontotemporale Demenz:
- Alter: Alzheimer tritt meistens ab dem 70. Lebensjahr auf, während die frontotemporale Demenz häufig zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, also deutlich früher, auftritt.
- Verlauf: Alzheimer verläuft schleichend, die frontotemporale Demenz verläuft schneller.
- Hauptsymptom: Bei Alzheimer ist das Hauptsymptom der Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen treten später auf. Die frontotemporale Demenz führt nur selten zu Gedächtnisverlust.
Wernicke-Korsakow-Syndrom
Das Wernicke-Korsakow-Syndrom gehört zu den sekundären Demenzformen und kann durch Alkoholsucht ausgelöst werden.
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Stadien von Alzheimer
Alzheimer verändert Gedächtnis, Denken und Alltagsfähigkeiten - schleichend, aber unumkehrbar. Der Verlauf ist individuell, folgt jedoch bestimmten Mustern. Die Alzheimer-Krankheit wird oft in verschiedene Stadien eingeteilt, um den Fortschritt der Erkrankung zu beschreiben:
Stufe 1: Es liegt keine Beeinträchtigung vor. Es sind noch keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
Stufe 2: Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr leicht gemindert. Dies kann möglicherweise altersbedingt sein. Es sind keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
Stufe 3: Das Wahrnehmungsvermögen ist leicht gemindert. Es treten erste Schwierigkeiten auf, wie zum Beispiel das Vergessen von Namen, gerade Gelesenem oder kürzlich Erlebtem. Es zeigen sich erste Symptome von Alzheimer.
Stufe 4: Das Wahrnehmungsvermögen ist mäßig gemindert. Symptome von Alzheimer werden erkennbar. Für diese Stufe typisch sind Erinnerungslücken an die eigene Vergangenheit, schlechte Stimmung und Schwierigkeiten bei Rechen- oder anderen komplexen Aufgaben wie dem Planen einer Feier.
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Stufe 5: Das Wahrnehmungsvermögen ist mittelschwer gemindert. Es treten auffällig viele Gedächtnis- und Denklücken auf. Erkrankte brauchen erste Hilfestellungen im Alltag. Sie können Probleme haben, sich an ihre Telefonnummer zu erinnern, vergessen welcher Tag ist oder wo sie gerade sind.
Stufe 6: Das Wahrnehmungsvermögen ist schwerwiegend gemindert. Das Gedächtnis wird zunehmend schlechter. Es können erste Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Symptome sind beispielsweise das Vergessen des eigenen Namens oder das Nichterkennen von bekannten Personen.
Stufe 7: Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr schwer gemindert. Betroffene können sich nicht mehr mitteilen und ihre Bewegungen kontrollieren.
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit
Frühe Phase (MCI): In dieser frühen Phase treten leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns auf, die im Alltag zunächst kaum einschränken. Menschen mit MCI nehmen Veränderungen manchmal selbst wahr, doch oft fällt sie zuerst Angehörigen auf.
Mittlere Phase: In diesem Stadium zeigt sich zunehmend Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Es wird schwieriger, neue Informationen zu behalten. Gespräche sind anstrengender - oft fehlen Worte oder der Gedanke geht verloren. Gegenstände wie Schlüssel oder Brille werden häufiger verlegt. Hinzu kommen erste Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit. Viele alltägliche Aufgaben - wie einkaufen, kochen oder die Wäsche machen - gelingen noch gut. Viele Menschen mit Demenz merken nun deutlich, dass etwas nicht stimmt. Aus Scham oder Unsicherheit versuchen sie, ihre Schwierigkeiten zu verstecken. Sie ziehen sich zurück und meiden ungewohnte Situationen. Auch die Stimmung kann sich verändern: Manche Menschen sind leichter reizbar, andere traurig oder verunsichert.
Fortgeschrittene Phase: Jetzt wird die Krankheit deutlich sichtbar. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist nun auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt. Viele Erinnerungen an das eigene Leben treten in den Hintergrund - zum Beispiel daran, welchen Beruf man ausgeübt hat oder ob man verheiratet war. Orientierungsprobleme, auch in vertrauter Umgebung. Bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt. Es kommt zu tiefgreifenden Veränderungen im Verhalten und im Wesen. Viele Erkrankte spüren einen ausgeprägten Bewegungsdrang und starke Unruhe. Die Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der Betroffenen schlägt oft in Misstrauen, Reizbarkeit, Nervosität und aggressive Ausbrüche um. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht, was zu Schlafstörungen führen kann. In diesem Stadium ist eine selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich.
Endstadium: Im Endstadium sind die Erkrankten vollständig auf Pflege angewiesen. Typische Veränderungen: Verlust der Sprache - nur noch einzelne Wörter oder Laute, keine sinnvolle Kommunikation mehr. Selbst engste Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt. Völlige Orientierungslosigkeit, leben nur noch im unmittelbaren Moment. Inkontinenz - Kontrolle über Blase und Darm gehen verloren. Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren. Im Endstadium haben Menschen mit Demenz ein zunehmend geschwächtes Immunsystem und werden anfälliger für Infektionen.
Diagnose von Demenz
Bei dem Verdacht auf eine Demenz ist die erste Anlaufstelle oft die Hausarztpraxis. Dort kennt man Sie und kann einschätzen, ob sich Ihre geistige Verfassung verändert hat. Häufig setzt der Arzt beziehungsweise die Ärztin für eine erste Einschätzung einen sogenannten psychometrischen Test ein. Diese Tests bestehen meist aus wenigen Fragen und beanspruchen kognitive Fähigkeiten wie das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Konzentration oder auch den Wortschatz. Daneben wird Ihr Hausarzt beziehungsweise Ihre Hausärztin gegebenenfalls auch eine körperliche Untersuchung vornehmen oder eine Blutabnahme durchführen. Bei Bedarf folgt die Überweisung in eine neurologische Praxis oder eine Gedächtnisambulanz. Sie können sich alternativ auch direkt an eine Gedächtnissprechstunde wenden. Anlaufstellen in Ihrer Nähe finden Sie in unserer Adressdatenbank, bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. (PDF), im Verzeichnis der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e. V. (DGGPP) und in der Datenbank der Alzheimer Forschung Initiative e.V. Die genaue Unterscheidung zwischen verschiedenen Demenzformen erfordert ärztliche Untersuchungen.
Risikofaktoren und Vererbung
Alzheimer und andere Demenzen treten meist im Alter auf. Vererbung spielt eine untergeordnete Rolle. Je später sich im Alter eine Alzheimer-Erkrankung entwickelt, desto unwahrscheinlicher ist eine Vererbung die Ursache. Einige Faktoren wie das fortschreitende Alter und eine genetische Prädisposition sind somit nicht beeinflussbar. Wichtige Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, geistige Inaktivität und soziale Isolation. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und geistige Stimulation das Risiko für Demenz verringern können. Wenn Demenz in der Familie vorkommt, kann es jedoch sinnvoll sein, mit einem Arzt zu sprechen und das individuelle Risiko abzuschätzen.
Es gibt einige Formen von Demenz, bei denen eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Zum Beispiel kann die Alzheimer-Krankheit aufgrund von Veränderungen in bestimmten Genen in einigen Familien vererbt werden. Diese Fälle sind jedoch selten und machen nur einen kleinen Prozentsatz aller Alzheimer-Fälle aus. In den meisten Fällen ist Demenz jedoch nicht direkt vererbbar. Viele Faktoren wie Alter, Lebensstil, Gesundheitszustand und Umweltfaktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Demenz.
Behandlung und Therapie
Es gibt derzeit keine Therapie, mit der eine Demenz gestoppt werden kann. Dennoch gibt es Behandlungen, die helfen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören Medikamente, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.
Leben mit Demenz
Der Alltag mit einem Menschen mit Demenz kann herausfordernd sein. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, um die Verhaltensweisen und Bedürfnisse des Betroffenen besser zu verstehen. Geduld, Empathie und eine positive Grundhaltung sind dabei entscheidend.
Tipps für den Umgang mit Menschen mit Demenz
- Schaffen Sie eine sichere und vertraute Umgebung.
- Vereinfachen Sie Aufgaben und Abläufe.
- Kommunizieren Sie klar und deutlich.
- Fördern Sie die Selbstständigkeit des Betroffenen.
- Beziehen Sie den Betroffenen in Aktivitäten ein, die ihm Freude bereiten.
- Suchen Sie professionelle Unterstützung und Beratung.
Unterstützung für pflegende Angehörige
Die Pflege von Menschen mit Demenz kann eine herausfordernde Aufgabe sein, die sowohl physische als auch emotionale Belastungen mit sich bringt. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie nicht allein sind und es viele Ressourcen gibt, die Unterstützung und Entlastung bieten können. Dazu gehören:
- Pflegedienste
- Tagespflegeeinrichtungen
- Selbsthilfegruppen
- Beratungsstellen
- Entlastungsangebote für pflegende Angehörige
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