Nervenschmerzen nach Sepsis: Ursachen und Behandlungen

Eine Sepsis, oft umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet, ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch eine übermäßige Reaktion des Körpers auf eine Infektion verursacht wird. Obwohl die Sepsis selbst im Fokus der Behandlung steht, können bei Überlebenden langfristige Komplikationen auftreten, einschließlich Nervenschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen nach einer Sepsis.

Was ist Sepsis?

Sepsis ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der die Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion außer Kontrolle gerät. Normalerweise bekämpft das Immunsystem eine Infektion lokal, aber bei einer Sepsis breitet sich die Reaktion im ganzen Körper aus und schädigt Gewebe und Organe. Dies kann zu einem septischen Schock führen, einem kritischen Zustand mit niedrigem Blutdruck und Organversagen.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 300.000 Menschen an einer Sepsis, wobei ältere Menschen über 60 Jahre und Babys unter einem Jahr besonders gefährdet sind. Die Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Ursachen und Risikofaktoren für Sepsis

Grundsätzlich kann jede Infektion eine Sepsis auslösen. Häufige Ursachen sind:

  • Infektionen der Atemwege und Lungenentzündungen
  • Harnwegsinfektionen
  • Infektionen im Bauchraum
  • Infizierte Wunden
  • Infektionen des zentralen Nervensystems

Risikofaktoren für eine Sepsis sind:

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  • Alter über 60 Jahre oder unter einem Jahr
  • Chronische Krankheiten (z. B. Lungenkrankheiten, Herzschwäche, Leberzirrhose)
  • Geschwächtes Immunsystem (z. B. bei AIDS, Krebs, Chemotherapie)
  • Mangelhafter Impfschutz
  • Kürzliche Operationen
  • Schwangerschaft oder Geburt
  • Vorhandensein von Geschwüren, Kathetern, künstlichen Herzklappen oder Gelenken

Nervenschmerzen als Folge der Sepsis

Nervenschmerzen, auch bekannt als neuropathische Schmerzen, können eine der Langzeitfolgen einer Sepsis sein. Diese Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems.

Ursachen von Nervenschmerzen nach Sepsis

Die genauen Mechanismen, die zu Nervenschmerzen nach einer Sepsis führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Entzündungsreaktionen: Die massive Entzündung, die während einer Sepsis auftritt, kann Nerven direkt schädigen. Entzündungsstoffe können die Schutzschicht der Nerven (Myelinscheide) angreifen und die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Durchblutungsstörungen: Eine Sepsis kann zu Durchblutungsstörungen führen, die die Sauerstoffversorgung der Nerven beeinträchtigen. Dies kann zu Nervenschäden und Schmerzen führen.
  • Toxine: Bakterien und andere Erreger, die eine Sepsis verursachen, können Toxine freisetzen, die Nerven schädigen können.
  • Intensivmedizinische Behandlungen: Bestimmte Behandlungen, die während der Intensivtherapie einer Sepsis eingesetzt werden, wie z. B. Medikamente oder längere Immobilisierung, können ebenfalls zu Nervenschäden beitragen. Muskelabbau bei Intensivpatienten, die an einer Sepsis leiden, ist keine Folge langen Liegens. Die zunehmende Schwäche ist vielmehr eine eigenständige Muskelerkrankung.

Symptome von Nervenschmerzen nach Sepsis

Nervenschmerzen können sich auf verschiedene Arten äußern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Brennende, stechende oder schneidende Schmerzen: Diese Schmerzen werden oft als sehr intensiv und unangenehm beschrieben.
  • Elektrisierende Schmerzen: Betroffene berichten von blitzartigen Schmerzattacken.
  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie): Normale Berührungen oder Reize können als schmerzhaft empfunden werden.
  • Schmerzen bei normalerweise nicht schmerzhaften Reizen (Allodynie): Leichte Berührungen, wie z. B. das Tragen von Kleidung, können Schmerzen auslösen.
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln: Diese Empfindungen können in den betroffenen Bereichen auftreten.
  • Muskelschwäche: Nervenschäden können zu Muskelschwäche führen.

Diagnose von Nervenschmerzen nach Sepsis

Die Diagnose von Nervenschmerzen basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten, einer körperlichen Untersuchung und neurologischen Tests. Der Arzt wird nach der Art der Schmerzen, ihrer Lokalisation und Intensität fragen. Neurologische Tests können helfen, die Nervenfunktion zu beurteilen und Schäden zu identifizieren.

Behandlung von Nervenschmerzen nach Sepsis

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einer Sepsis zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

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  • Medikamente:
    • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, sind aber oft nicht ausreichend wirksam bei neuropathischen Schmerzen.
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z. B. Amitriptylin oder Duloxetin, können bei Nervenschmerzen helfen, indem sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen.
    • Antikonvulsiva: Antikonvulsiva, wie z. B. Gabapentin oder Pregabalin, werden häufig zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt, da sie die Nervenaktivität stabilisieren können.
    • Topische Medikamente: Cremes oder Pflaster mit Capsaicin oder Lidocain können lokal aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann Patienten helfen, alltägliche Aktivitäten trotz der Schmerzen auszuführen.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann Patienten helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
  • Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden eingesetzt werden, um die Schmerzsignale zu blockieren.
  • Alternative Therapien: Einige Patienten finden Linderung durch alternative Therapien wie Akupunktur, Yoga oder Meditation.
  • Neurologische Frührehabilitation: Eine neurologische Frührehabilitation kann sich positiv auf den Genesungsprozess nach einer Sepsis auswirken.

Vorbeugung von Sepsis und ihren Folgen

Die beste Möglichkeit, Nervenschmerzen nach einer Sepsis zu verhindern, ist die Vorbeugung der Sepsis selbst. Folgende Maßnahmen können helfen, das Sepsisrisiko zu senken:

  • Hygiene: Achten Sie auf eine gute Handhygiene und Wundpflege.
  • Impfungen: Befolgen Sie die Impfempfehlungen, insbesondere gegen Influenza und Pneumokokken.
  • Frühzeitige Behandlung von Infektionen: Suchen Sie bei Infektionen frühzeitig einen Arzt auf.
  • Stärkung des Immunsystems: Ein gesundes Immunsystem kann helfen, Infektionen abzuwehren. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.

Post-Sepsis-Syndrom

Die Langzeitfolgen einer Sepsis werden unter dem Begriff „Post-Sepsis-Syndrom“ zusammengefasst. Die Beschwerden der Patienten mit „Post-Sepsis-Syndrom“ sind individuell unterschiedlich. Die Betroffenen leiden zum Beispiel unter:

  • eingeschränkter Mobilität- und Muskelkraft
  • Gleichgewichtsstörungen und Schwindel
  • muskuloskelettale Schmerzen und Polyneuropathie
  • Schluck- und Sprechstörungen
  • Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • erhöhte Gebrechlichkeit
  • verminderter Appetit
  • Schlafstörungen
  • erhöhter Infektanfälligkeit
  • Haarverlust und Hautveränderungen
  • Konzentrationsstörungen und Gedächtnisverlust
  • verzögertem Reaktionsvermögen, verminderten kognitiven Leistungen
  • Halluzinationen, Flashbacks
  • Alpträumen, Panikattacken
  • Stimmungsschwankungen, Depression
  • posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)

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